Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
263 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Versager
Eingestellt am 10. 08. 2010 08:33


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
Kommentare: 607
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Retep eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil



Ein Versager

Frank Bauer hatte schon immer Angst gehabt zu versagen. Das fing in der Schule an, seine Lehrer trauten ihm nichts zu. Er sich auch nicht.
Sein Vater, Hilfsarbeiter und begeisterter Zuschauer bei Sportveranstaltungen, nannte ihn immer "Versager.“ Nicht nur beim Fußballspiel, wenn er keine Tore schoss.
In der Firma war es weiter gegangen, immer wieder befĂŒrchtete er, zu scheitern.
RĂŒcksichtslos gegen sich, seinen Arbeitskollegen und seiner Familie hatte er sich hoch gearbeitet. SpĂ€ter wurde er Chef des Vertriebs. Er glaubte, dass er es jetzt geschafft hĂ€tte.
Und jetzt stand er hier am Fenster, schaute auf den Nieselregen. Gelder aus der Lebensversicherung hatte er in das Haus gesteckt, nur die Unfallversicherung war ihm noch geblieben.

Um seine attraktive Frau beneideten ihn viele.
Sie kam aus der KĂŒche.

„Ich sollte es dir am besten gleich sagen.“

Überrascht schaute sie ihn an.
„Was willst du mir sagen?“

„Komm, lass uns erst mal was essen.“
Er setzte sich an den gedeckten Tisch.

„Nichts da, ich will wissen, was los ist. Du warst in letzter Zeit ĂŒberhaupt so seltsam.“

„Ich bin arbeitslos geworden, die Firma ist Bankrott gegangen.“

„Und was heißt das jetzt?“

„Ich dachte, ich wĂŒrde schnell eine andere Arbeit finden, habe viele Bewerbungen geschrieben, mich persönlich vorgestellt. Zu alt! Jetzt sitze ich schon seit zwei Wochen im Park und fĂŒttere die Vögel.
Unser Auto mĂŒssen wir auf jeden Fall verkaufen.“

VerstÀndnislos schaute sie ihn an.
„Hast du mit deinem Vater geredet?“

„Wir mĂŒssen schauen, dass wir alleine zu Recht kommen. Unser Haus ist viel zu groß. Die Raten der Abzahlung sind zu hoch.“

„Was? Das soll auch verkauft werden? Glaubst du, ich will in einer Sozialwohnung hausen? Um wie arme Leute zu leben, habe ich dich nicht geheiratet“, schrie sie wĂŒtend.

„Komm, trinken wir ein Glas Wein, reden wir morgen weiter.“
Er versuchte sie in den Arm zu nehmen, aber sie riss sich von ihm los stieß ihn von sich.

„Ja, den großen Max markieren, das konntest du schon immer, viel Getue und nichts dahinter.“

„Habe ich dich nicht aus der Bruchbude deiner Eltern herausgeholt? Du hast bisher wie eine Prinzessin gelebt, wĂ€hrend deine ehemaligen Freundinnen sich ihren Hintern an der Kasse wund sitzen.
WÀhrend ich den ganzen Tag schufte, spielst du Tennis und lÀsst dich auf meine Kosten verschönern.
Wie wĂ€re es, wenn du es mal mit Arbeiten probieren wĂŒrdest?“

„Was glaubst du, warum ich gerade dich geheiratet habe?“
Sie schaute ihn an, erwartete wohl, dass er etwas sagen wĂŒrde, aber er schwieg.

„Schau dich doch mal an, wie du aussiehst, eine dĂŒrre, lange Witzfigur, zwanzig Jahre Ă€lter als ich. Ich wollte gut leben, anders als meine Mutter.
Wir werden unsere Freunde verlieren und nicht mehr in Urlaub fahren können. Meine Tochter wird ihre Freundinnen vermissen, kann nicht mit der Klasse nach Texas fliegen. Das mache ich nicht mit.“
Immer lauter wurde sie, zuletzt hatte sie geschrieen.

„Unsere Tochter dachte ich bis jetzt“, sagte er leise.

Sie schĂŒttelte den Kopf.

Er sagte nichts, stand auf und ging aus dem Haus, ohne sich umzuschauen.
Die Versicherungspolice hatte er auf den KĂŒchentisch gelegt.

Die BrĂŒcke ĂŒberspannte das Tal, von hier oben sah alles klein aus. Er drĂŒckte das Gaspedal durch.





















__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

Version vom 10. 08. 2010 08:33

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


MĂ€uschen
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2010

Werke: 13
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um MĂ€uschen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Retep,


Kurze Geschichte mit viel Inhalt, von dem aber nur ein kleiner Ausschnitt erwĂ€hnt wird. LĂ€sst viel Platz fĂŒr eigene Gedanken, um die LĂŒcken zu fĂŒllen. Sehr schön =)

Was ich mich jedoch frage, ist, weshalb Frank Bauer seine Frau so abgöttisch liebt. Vielleicht tut er das auch gar nicht und sein Handeln, seiner Frau das Geld aus der Versicherung zu ĂŒberlassen, ist einfach ein LĂŒckenfĂŒller, der ihm einfach egal ist, seiner Tochter aber noch im Nachhinein hilft? Allerdings weiß er es doch besser: Seine Frau wĂŒrde das Geld einstecken und "seine" Tochter wĂŒrde nicht viel davon sehen.
Was ist also seine Motivation fĂŒr seinen Selbstmord? Sich einfach mit "Er ist eben ein Versager" herauszureden, damit wĂ€re es nicht getan, denke ich. Dumm ist er schließlich nicht (aber sehr naiv anscheinend).

WĂŒrde gern wissen, was du zu meinen Gedanken sagst. Oder ob ich alles falsch verstanden habe, was natĂŒrlich immer möglich ist ^^

Liebe GrĂŒĂŸe,
Christine
__________________
Wenn Augen der Spiegel zur Seele sind, zerschlage ich ihn dann mit meinen Taten und spucke mit meinen Worten die Scherben aus?

Bearbeiten/Löschen    


Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
Kommentare: 607
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Retep eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Christine,
du hast alles richtig verstanden, auch Schwierigkeiten in der Geschichte gesehen, die ich anfangs nicht bemerkt habe.

Muss den Text ĂŒberarbeiten.

Warum er sie abgöttisch liebt, fragst du. Tut er das?

Ich denke, dass Liebe eine sehr merkwĂŒrdige Angelegenheit ist.
Wenn man jemanden liebt, hÀngt das nicht unbedingt vom Verhalten des anderen ab.

Gruß

Peter
__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

Bearbeiten/Löschen    


KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Retep,

ich hab den Text nun schon ein paar Mal gelesen und immer mal wieder angefangen, eine passende Antwort oder vielleicht Hinweise zu geben, doch ich tue mich damit wirklich schwer. Kurz gesagt: Ich glaube den Plot nicht. Das Thema "Versager" verarbeitest du m.M.n. einfach zu schnell (und relativ lieblos)

quote:
Frank Bauer hatte schon immer Angst gehabt zu versagen. Das fing in der Schule an, seine Lehrer trauten ihm nichts zu. Er sich auch nicht.
Sein Vater, Hilfsarbeiter und begeisterter Zuschauer bei Sportveranstaltungen, nannte ihn immer "Versager.“ Nicht nur beim Fußballspiel, wenn er keine Tore schoss.
In der Firma war es weiter gegangen, immer wieder befĂŒrchtete er, zu scheitern.

und dann der radikale Schnitt:

quote:

RĂŒcksichtslos gegen sich, seinen Arbeitskollegen und seiner Familie hatte er sich hoch gearbeitet. SpĂ€ter wurde er Chef des Vertriebs.


DAS passt m.M.n. nicht. Wenn der Prot. unter den o.g. VersagensĂ€ngsten litt, dann wĂ€re er IMHO unfĂ€hig zu RĂŒcksichtslosigkeit, eher entscheidungsgehemmt, ein MitlĂ€ufer, stiller Schatten ohne eigene Meinung. Der hĂ€tte nie die Kraft und den Mut gehabt, sich hochzuarbeiten oder letztendlich sogar Chef zu sein (Ist natĂŒrlich Ansichtssache).

Auch der Dialog mit seiner "schönen" Frau ist m.M.n. unglaubwĂŒrdig. Immerhin leben die schon einige (etliche?) Jahre zusammen. Selbst wenn die Frau es anfĂ€nglich aus Geldgier tat, so kommt doch (eigentlich) immer eine Art Routine ins Leben, eine gewisse Akzeptanz, grundsĂ€tzliche Lebensgewohnheiten etc. und da sagt sie dennoch spontan:

quote:
„Schau dich doch mal an, wie du aussiehst, eine dĂŒrre, lange Witzfigur, zwanzig Jahre Ă€lter als ich. Ich wollte gut leben, anders als meine Mutter.

DAS glaube ich nicht. Klar mag sie verbittert sein, ihn meinetwegen auch in plötzlicher Wut "Loser" schimpfen usw., aber o.g. Monolog wĂŒrde voraussetzen, dass diese "Witzfigur" steinreich war - und das wird er nicht gewesen sein (nur) als Chef vom Vertrieb.
Besser wĂ€re es womöglich, dass sie still reagiert, sich seine Probleme mit verschrĂ€nkten Armen anhört, ĂŒberlegt, ihr eigenes KalkĂŒl zieht - und dann kommt der Dreh mit "ihrer" Tochter.

"Ich dachte, es wÀre unsere Tochter ..."

DAS ist eine gute und kritische Pointe fĂŒr den Text (meiner Meinung nach)


quote:
Die Versicherungspolice hatte er auf den KĂŒchentisch gelegt.

Die BrĂŒcke ĂŒberspannte das Tal, von hier oben sah alles klein aus. Er drĂŒckte das Gaspedal durch.

Da ja nur noch (laut Text) die Unfallversicherung existiert, macht die "un"-geliebte Beauty-Lady ja eigentlich keinen Reibach, weil in derartigen Versicherungen die Todesfallsumme in der Regel sehr niedrig ist (es geht schließlich um die Absicherung der Unfallfolgen im Erlebensfall, d.h. Versorgung bei Rollstuhlfolge oder LĂ€hmung etc. ...) Wenn das SO nicht gewollt ist, wĂ€re ein entsprechender Hinweis bezĂŒglich der Auszahlung im Todesfall gut.

Lass den Prot. bitte nicht sterben. DAS wĂŒrde das (die) Klischee(s) vollends bedienen.
ODER:
Übertreib den Plot noch (viel) mehr!!!! Wenn der Prot. schon ein Versager ist, dann immer und ĂŒberall. So einer stĂŒrzt sich (im Glauben an das eigene Versagen, an die daraufhin gescheiterte Liebe etc.) beim geringsten Problem in der Firma tatsĂ€chlich aus dem Fenster (obwohl die liebende hĂŒbsche Frau gerade ein finanzielles Lösungskonzept in den HĂ€nden hĂ€lt - meinetwegen das Erbe seines verstorbenen und gehassten Vaters oder so Ă€hnlich)

Naja, hab viel gequakt - mal gespannt, was du mit dem Text machst

LG

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!