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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Weihnachtsgeschenk
Eingestellt am 16. 11. 2002 19:10


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Paloma
???
Registriert: Aug 2002

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Es war gegen 17 Uhr. Die Fu├čg├Ąngerzone war, trotz des Nieselregens, sehr belebt. Es waren nur noch vier Tage bis Weihnachten. Die Menschen liefen, aufgescheucht wie Ameisen, vollbeladen mit T├╝ten und Taschen, hektisch hin und her. An der Ecke stand ein junger Mann, wahrscheinlich ein Student, verkleidet als Weihnachtsmann. Er versuchte trotz der K├Ąlte, mit missmutigem Gesicht, f├╝r ein Kaufhaus Werbung zu machen, indem er kleine Pr├Ąsente an die vorbeieilenden Leute verteilte. Von irgendwoher erklang: „Stille Nacht“ obwohl es alles anders als still war. „Weihnachten“ hatte die Menschheit voll im Griff.

Frank Mediner schlug den Kragen seines schwarzen Mantels h├Âher und ging ziellos durch die Innenstadt. Er suchte nach einem Weihnachtsgeschenk f├╝r seine Frau. Nicht, dass er ihr unbedingt eine Freude machen wollte, es war mehr eine Verpflichtung. Dass er sich trotzdem die M├╝he machte etwas passendes zu finden lag daran, dass er Diskussionen um den Grad seiner Liebe vermeiden wollte. Eigentlich wollte er nur ein friedliches Fest. Die Liebe zwischen seiner Frau und ihm hatte sich irgendwann davon gemacht. Geblieben war die Verantwortung f├╝r die Kinder und ein gewisser Grad an Bequemlichkeit. Ab und zu hatte er Aff├Ąren, aber das war nichts ernstes, nichts was seine heile Welt aus den Fugen gebracht h├Ątte. Er hatte es mit seinen 39 Jahren zu etwas gebracht und er w├╝rde dies nicht wegen eine Frau aufs Spiel setzen. Als erfolgreicher Rechtsanwalt hatte er in der Stadt einen guten Namen. Seiner Familie ging es gut, er hatte ein sch├Ânes gro├čes Haus am Stadtrand und das seine Ehe nichts mehr taugte merkte ja schlie├člich keiner.
Vor dem Schaufenster eines Juweliers blieb er stehen und betrachtete die Auslagen. Sein Blick blieb an einem Solit├Ąrring h├Ąngen, den ein ziemlich gro├čer Smaragd schm├╝ckte. Kurz entschlossen betrat er das Gesch├Ąft und kaufte das teure St├╝ck mit der Gewissheit, dass seine Frau zufrieden sein w├╝rde. Wieder drau├čen im Regen ├╝berlegte er was er nun tun w├╝rde. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er ruhig noch einen Kaffee trinken konnte. Die H├Ąnde tief in den Taschen vergraben schlenderte er durch die Innenstadt. Ihm machte der Regen nicht allzu viel aus. Tropfend betraf er das kleine Caf├ę an der Ecke, das er ├Âfter besuchte. Er hing seinen, mittlerweile doch ziemlich nassen, Mantel an die Garderobe und schauten entlang der Kuchentheke in die Ecke. Zu seinem Erstaunen war sein Lieblingsplatz gerade frei geworden. Zielstrebig ging er auf den Tisch zu und lie├č sich auf einen der zierlichen Caf├ęhausst├╝hle nieder. Von hier aus konnte er alles gut ├╝berblicken. Er sah alle G├Ąste kommen und gehen und hatte auch die Haupteinkaufstra├če im Auge. Die Kellnerin kam und er bestellte, wie immer, Capuccino und Schokoladentorte. Er sah durch die gro├če Scheibe, an der die dicken Regentropfen hinunterliefen, hinaus in das gesch├Ąftige Treiben. Es hatte den Anschein als sei die Stadt noch voller geworden und die Menschen w├╝rden noch ein bisschen schneller laufen.
Auch hier im Caf├ę war Weihnachtsstimmung, ohne Unterlass dudelte „Jingle Bells“ in einem viel zu schnellen Takt.
Eine Frau, sie mochte so ungef├Ąhr in Franks Alter sein, trat aus dem Kaufhaus an der Ecke hinaus auf die Stra├če, sie humpelte ein wenig. Ihre blonden Haare hingen in nassen Str├Ąhnen wirr herab. Z├Âgernd blieb sie stehen und zog den d├╝nnen, abgetragenen Mantel fester zusammen. Die Kellnerin brachte die Bestellung und unterbrach Frank in seiner Beobachtung. Seine Augen suchten die Stra├če ab und er war erschrocken und erstaunt zugleich als er sie pl├Âtzlich in n├Ąchster N├Ąhe sah. Sie hatte einen Schuhkarton aufgestellt und sich, nur notd├╝rftig vor dem Regen gesch├╝tzt, im Hauseingang gegen├╝ber hingesetzt. Frank kniff die Augen zusammen und nur mit M├╝he war es ihm m├Âglich zu entziffern was auf dem Karton stand: „Ich bin in Not“ konnte er lesen. Er konnte sie jetzt genauer sehen und ihm stockte der Atem als er ihre Augen sah. Diese Augen w├╝rde er nie vergessen. Dieses Blau gab es nur einmal. Beinahe w├Ąre er aufgesprungen und zu ihr hinaus in den Regen gerannt. Halb erhoben lie├č er sich wieder zur├╝ck auf den Stuhl fallen. In seiner Erinnerung tauchte dieses M├Ądchen auf, mit den langen blonden Haaren, den tiefblauen Augen und dem Lachen, das er so sehr geliebte hatte. Sie waren so jung gewesen, sie 17 er gerade 22. Er dachte an diese verh├Ąngnisvolle Nacht, damals im August. Es war eine tolle Party gewesen. Sie hatten getanzt und getrunken und sich im Stadtpark, im hellen Mondschein geliebt. Er f├╝hlte sich so stark und er konnte nat├╝rlich noch Auto fahren. Auf der Landstra├če stadtausw├Ąrts war es dann passiert. Er hatte die Kontrolle ├╝ber den Wagen verloren und war gegen einen Baum geprallt. Er war mit vielen kleinen Blessuren davon gekommen. Ihr rechtes Bein und die H├╝fte waren mehrfach gebrochen. Ein halbes Jahr hatte sie im Krankenhaus gelegen, weil die Wunden nicht heilen wollten. Irgendeine Stelle entz├╝ndete sich immer wieder. Anfangs war er t├Ąglich zu ihr gegangen. Dann wurden seine Besuche seltener. Er wollte sie nicht mehr leiden sehen und er wollte sich nicht mehr schuldig f├╝hlen. Und er wollte auch nicht mehr h├Âren, dass sie nie wieder tanzen konnte. Er hatte nicht den Mut gehabt es ihr selber zu sagen. Einen Freund hatte er hingeschickt um ihr zu sagen, dass er f├╝r ein Jahr nach London ging. Kein Wort des Abschied war ihm m├Âglich gewesen. Als er wiederkam war sie weg.

Frank sa├č unbeweglich an seinem Tisch und starrte hinaus. Er ├╝berlegte was sie wohl erlebt hatte und warum sie so tief gesunken war. Er malte sich aus wie es w├Ąre, wenn er hinaus ginge, sie bei der Hand n├Ąhme und alles w├Ąre so wie fr├╝her. Ob sie ihm verzeihen w├╝rde, wenn er ihr gestehen w├╝rde wie sehr er das Geschehene bereute und wie sehr er sie vermisst hatte in all den Jahren. Sein Herz klopfte wie wild und er sp├╝rte wie die alte Liebe hei├č und innig in ihm aufflammte.

Eine Weile sa├č er noch vor seinem unber├╝hrten Kuchen , dann zahlte er und verlie├čt das Caf├ę auf der anderen Seite. Mit einem gro├čen, gr├╝nen Smaragdring fuhr er nach Hause in seine scheinbar heile Welt.

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Plot - POV - Pointe

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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Weihnachtsgeschenk

Hallo Paloma,

Deine Geschichte gef├Ąllt mir gut.
Die Situation, in der Dein Frank sich befindet, d├╝rfte wohl keine Seltenheit sein.
Sehr gut finde ich die Beschreibung der Motivation ... dass er Diskussionen um den Grad seiner Liebe vermeiden wollte... , denn ich denke, damit triffst Du f├╝r viele Menschen heute den Nagel auf den Kopf.

Etwas gest├Ârt hat mich Deine f├╝r mich teilweise nicht nachvollziehbare Kommasetzung.
In Passagen wie:
'Er versuchte, trotz der K├Ąlte mit missmutigem Gesicht, f├╝r ein Kaufhaus Werbung zu machen, indem er kleine Pr├Ąsente an die vorbeieilenden Leute verteilte.'

Das h├Ârt sich an, als w├╝rde er ein mi├čmutiges Gesicht machen, obwohl, und nicht weil es kalt ist.
Wenn Du die Satzkonstruktion so lassen m├Âchtest, w├╝rde ich das Komma anders setzen.
er versuchte trotz der K├Ąlte, mit mi├čmutigem Gesicht, f├╝r ein ...
So stimmt der Sinn wieder.

Gru├č

Arno

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Paloma
???
Registriert: Aug 2002

Werke: 40
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Hallo Arno,

vielen Dank! Ja, dass mit den Kommas ist so eine Sache, manchmal machen sie mit mir was sie wollen. Dieses ist verrutscht! Leider habe ich noch nicht herausgefunden wie ich gepostete Texte ├Ąndern kann. Bleib aber dran
Liebe Gr├╝├če
Paloma

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chrishilden
???
Registriert: Oct 2002

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Sehr sch├Âne geschichte! Obwohl ich solch eine Situation nicht erlebt hatte, trifft sie meiner Meinung nach den Nerv vieler Leute, die bei vielen Dingen einfach wegsehen, sei es bei einer vergangenen Liebesaff├Ąre oder wo auch immer. Man sollte nicht einfach denken 'Sie merkt es ja nicht, f├╝r sie hat sich nichts ge├Ąndert' sondern 'Wie kann ich es verantworten, dass ich nach solch einer Feigheit mich nicht einmal entschuldige!'
Viele Gr├╝├če

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