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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Wiedersehen
Eingestellt am 17. 05. 2014 11:30


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poetix
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Frau Schmidt war noch bei Bewusstsein. Sie war gerade erst in den OP gebracht worden. Merkw├╝rdig, wie ruhig sie war. Dabei bedeutete dieser Raum etwas f├╝r sie. Hier war vor f├╝nf Jahren ihr Mann gestorben. "Mors in tabula" nannte man das, als ob einem der Tod auf einer Tafel serviert w├╝rde. Sie war eine vern├╝nftige Frau. Trotzdem hatte sie damals sehr gelitten. Oft hatte sie danach noch geglaubt, die Stimme ihres Mannes zu h├Âren. Es war nur eine Stimme in ihrem Kopf. Ihr Verstand sagte ihr, dass es nicht wirklich ihr Mann sein k├Ânne, aber ihr Herz wollte glauben, dass er es doch w├Ąre. So wurde sie hin- und hergerissen zwischen Glauben und Zweifeln. Meistens hatte sie seine Stimme geh├Ârt, wenn sie in schwierigen Situationen war. Auch heute war sie wieder in einer schwierigen Situation. In dieser OP ging es um Leben oder Tod. Ob ihr Mann wieder zu ihr sprechen w├╝rde?

Sie hatte ein Beruhigungsmittel bekommen und wurde langsam m├╝de. Der An├Ąsthesist begann, langsam die Narkose einzuleiten. Wie die Zeit auf einmal stehen zu bleiben schien! Ihre Augen waren zugefallen und sie glaubte, das Gesicht ihres Mannes vor sich zu sehen. Er sah sie z├Ąrtlich an und dann sprach er mit ihr. Er beruhigte sie, sagte ihr, dass sie keine Angst haben m├╝sse. Er sei ja bei ihr. Er fasste sie bei der Hand. "Komm mit mir!", sagte er. Sie hatte ├╝berhaupt keine Angst und folgte ihm. Aber sie gingen nicht, sie schwebten. Es war seltsam: Als sie sich umwandte, sah sie sich noch auf dem OP-Tisch liegen. Dann blickte sie wieder nach vorne. Sie schwebten auf ein wei├čes Licht zu. War es eine OP-Lampe? Nein, dieses Licht war viel sch├Âner als das einer Lampe, es verstr├Âmte W├Ąrme, strahlte Geborgenheit aus und zog sie an. Sie war jetzt gl├╝cklich, umarmte ihren Mann und gemeinsam tauchten sie ein in das Licht.

Die ├ärzte hatten ihr Bestes versucht, vergeblich. "Zeitpunkt des Todes: zwanzig Uhr f├╝nfzehn", sagte einer. Dann gingen sie zum n├Ąchsten Patienten. Keiner bemerkte das gl├╝ckliche L├Ącheln auf dem Gesicht der verstorbenen Patientin.

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lineam rectam sequere

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