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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ein bemerkenswerter Roman aus Indonesien
Eingestellt am 06. 02. 2013 12:47


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Winfried Stanzick
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Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Andrea Hirata, Die Regenbogentruppe, Hanser Berlin 2013, ISBN 978-3-446-24146-6

ÔÇ×Unter den zehn Sch├╝lern werden Sie einem Jungen namens Ikal begegnen. Ikal bedeutet Lockenkopf, und dieser Junge bin ich. An einem verregneten Morgen sah ich meine Lehrerin, diese schm├Ąchtige junge Frau ├╝ber den Schulhof eilen. Zum Schutz vor dem Regen hielt sie in Bananenblatt ├╝ber dem Kopf. Meine arme Lehrerin. In diesem Augenblick schwor ich mir, dass ich eines Tages, wenn ich erwachsen bin, ein Buch schreiben w├╝rde, um ihr f├╝r alles, was sie f├╝r uns tat, zu danken.ÔÇť

Jahrzehnte sp├Ąter hat Andrea Hirata diesen Schwur eingel├Âst. Er hat ein Buch geschrieben, das sich allein in Indonesien ├╝ber f├╝nf Millionen Mal verkaufte. Und das ist kein Wunder, erz├Ąhlt doch dieser faszinierende Roman nicht nur die Geschichte einer jungen, zu Beginn der Handlung gerade einmal 15 Jahre alten Lehrerin namens Bu Mus, von ihren Sch├╝lern ehrfurchtsvoll ÔÇ×Ibunda GuruÔÇť genannt, die zusammen mit dem alten und erfahrenen Lehrer Pak Harfan eine alte muslimische Schule ├╝bernimmt, die Muhammadiya. Er erz├Ąhlt auch die Geschichte von zehn Sch├╝lern, alle aus armen Familien von Bergarbeitern, die seit Jahrhunderten schon von den wechselnden Eigent├╝mern der Zinkminen ausgebeutet werden.

├ťber viele Jahre machen die beiden Lehrer mit sehr bescheidenen Mitteln und einem Schulhaus, das eher einer verfallenen H├╝tte gleicht, aus den Kindern eine verschworene Gemeinschaft, die sich selbst die ÔÇ×RegenbogentruppeÔÇť nennt. Gegen alle Versuche der Bergbaugesellschaft und der ihr h├Ârigen Schulbeh├Ârde, die Schule zu schlie├čen, behaupten sie sich und bringen in ihrer Schule eine beachtliche Zahl au├čerordentlich talentierter Sch├╝ler hervor, denen es zusammen mit den anderen Kindern der Regenbogentruppe irgendwann sogar gelingt, die Eliteschule der Bergbaugesellschaft in einem Wettbewerb des Wissens zu schlagen.

Als Sch├╝ler ab etwa 12 Jahren h├Ątte ich in meiner Kindheit ein solches Buch geliebt und verschlungen. Zeigt es doch eine Gruppe von Kindern und ihre engagierten Lehrer, die, Lehrer und Sch├╝ler auf unterschiedliche Weise, etwas lernen wollen und die mit dem, was sie lernen, ihr Leben ver├Ąndern. Auch wenn sie nicht alle ihre urspr├╝nglichen Pl├Ąne verwirklichen werden, die Zeit in ihrer kleinen Dorfschule haben sie nie vergessen. Andrea Hirati hat sie und die Kinder der Regenbogentruppe mit diesem Buch unvergesslich gemacht. Ein Buch, das in der Lebensgeschichte der einzelnen Kinder und Lehrer die Geschichte eines ganzen, lange geschundenen Landes und seiner ganzen Kultur widerspiegelt, und das deshalb in Indonesien so ├╝beraus erfolgreich war. In der Originalausgabe schon 2005 erschienen, wurde das Buch in Indonesien 2008 verfilmt und ist mittlerweile in 25 Sprachen ├╝bersetzt. Dank Hanser Berlin auch ins Deutsche. Dem Buch w├╝nsche ich auch hier gro├čen Erfolg. Es kann Kindern und Erwachsnen zeigen, warum wir lernen und wof├╝r. Vielleicht kann man dann auch bald einmal eine deutsche Fassung des Films im Fernsehen sehen.

Zusammenfassend zitiere ich noch einmal die Haltung des alten Lehrers Pak Harfan, der das dem zunehmenden Materialismus geschuldete Ende seiner Schule nicht mehr erlebte. Er war davon ├╝berzeugt, ÔÇ×dass Wissen einen Wert an sich darstellte, dass unsere Erziehung eine Pflicht ist, die wir dem Sch├Âpfer gegen├╝ber schuldig sind. Und dass Schule nicht immer mit dem Ziel verbunden sein darf, Titel zu erwerben, Geld zu verdienen und reich zu werden. Vielmehr soll Schule Freude am Lernen schaffen, das Licht der Zivilisation verbreiten, zu W├╝rde und Selbstachtung f├╝hren, die Werte der Humanit├Ąt vermitteln.ÔÇť

Wer Ohren hat zu h├Âren, h├Âre!




Version vom 06. 02. 2013 12:47

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