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Leselupe.de > Gereimtes
Ein blauer Tag
Eingestellt am 24. 07. 2007 20:26


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Walther
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Ein blauer Tag


Es ist ein blauer Tag. Und mehr ist nicht zu wissen.
Der Drachen steigt, die wilde B├ ins Herz zu k├╝ssen.
Will immer, immer h├Âher, weiter fliegen m├╝ssen.
Die Sonne ruht im weichen wei├čen Wolkenkissen.

Es ist ein blauer Tag. Doch er verf├╝hrt zu Schl├╝ssen,
Die, falsch gefasst, ein zart gewebtes Netz zerrissen.
Es ist ein blauer Tag. Es scheint dies Bild verschlissen,
Zerfetzt das Ohr von fernen, lauten B├Âllersch├╝ssen,

Die vor der Zeit der Welt den gro├čen Sieg verk├╝nden.
Es ist ein blauer Tag. Es wird sich keiner finden,
Weil alle Taten in ein kaltes Garnichts m├╝nden,

Weil alle sich in Wirklichkeit vergeblich schinden,
Uns das Gegebene als richtig zu begr├╝nden.
Es bleibt ein blauer Tag, gestreichelt von den Winden.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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presque_rien
???
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Hi Walther,

die Idee ist ganz toll und es ber├╝hrt mich, nur bitte arbeite noch etwas an dem Versma├č.. Oder ist er so gewollt? Ich bin beim Lesen jedenfalls nicht klargekommen ...

LG presque

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Walther
Routinierter Autor
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Hallo Presque-Rien, lieber Otto,

dies ist ein klassischer 6 hebiger Jambus, auch Alexandriner genannt.

quote:
Es ist ein blauer Tag. Und mehr ist nicht zu wissen.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Der Drachen steigt, die wilde B├ ins Herz zu k├╝ssen.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Will immer, immer h├Âher, weiter fliegen m├╝ssen.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Die Sonne ruht im weichen wei├čen Wolkenkissen.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o

Es ist ein blauer Tag. Doch er verf├╝hrt zu Schl├╝ssen,
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Die, falsch gefasst, ein zart gewebtes Netz zerrissen.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Es ist ein blauer Tag. Es scheint dies Bild verschlissen,
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Zerfetzt das Ohr von fernen, lauten B├Âllersch├╝ssen,
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o

Die vor der Zeit der Welt den gro├čen Sieg verk├╝nden.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Es ist ein blauer Tag. Es wird sich keiner finden,
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Weil alle Taten in ein kaltes Garnichts m├╝nden,
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o

Weil alle sich in Wirklichkeit vergeblich schinden,
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Uns das Gegebene als richtig zu begr├╝nden.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Es bleibt ein blauer Tag, gestreichelt von den Winden.
o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o-x-o
Letztlich also ein Sonett, das von seiner Konstruktion das barocke Gedicht eines Gryphius, auch das Vergeblichkeitsthema, aufgreift.

Nur eben, da├č Gott ferner ist, nicht mehr greifbar. Und doch:
quote:
Es bleibt ein blauer Tag, gestreichelt von den Winden.
Was f├╝r ein Anblick diese Sch├Âpfung doch ist f├╝r den, der schaut:
quote:
Es ist ein blauer Tag. Und mehr ist nicht zu wissen.
Der Drachen steigt, die wilde B├ ins Herz zu k├╝ssen.
Will immer, immer h├Âher, weiter fliegen m├╝ssen.
Die Sonne ruht im weichen wei├čen Wolkenkissen.
Was gibt es mehr zu sagen.

Ich danke Euch f├╝r Eure einf├╝hlsamen Eintr├Ąge.

Liebe Gr├╝├če W.




__________________
Walther
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presque_rien
???
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Hallo Walther,

vielen Dank f├╝r die ausf├╝hrliche Erl├Ąuterung. Ja, dein Gedicht hat mich sofort an Gryphius erinnert! Dennoch muss ich dir widersprechen: Es ist kein Alexandriner. Ein Alexandriner hat eine Z├Ąsur bzw. - in der deutschen Variante - eine Di├Ąrese nach der 3. Hebung.

Deswegen:

Es ist ein blauer Tag.
Und mehr ist nicht zu wissen.

liest sich wie

Der schnelle Tag ist hin, die Nacht schwingt ihre Fahn

aber vgl.

Und f├╝hrt die Sterne auf. Der Menschen m├╝de Scharen

mit


Der Drachen steigt, die wil
de B├ ins Herz zu k├╝ssen.

Ich pers├Ânlich finde, dass eine Z├Ąsur etwas ist, was ein Gedicht von Anfang an sehr stark charakterisiert. Deswegen macht deine nicht durchgehende Z├Ąsur dein Gedicht f├╝r mich leider schwer lesbar - schade, weil ich die Idee, wie gesagt, sch├Ân finde, und auch ein gro├čer Fan von Wiederholungen und barocken Themen bin.

LG presque

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Walther
Routinierter Autor
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Hallo Presque_Rien,

es sind Alexandriner (erst Aufstieg, dann Abstieg) mit 6-hebigen Jamben gemischt, das ist richtig dargelegt. Mein Hinweis war in der Tat zu pauschal (wobei ich nicht damit rechnete, bei dieser Ungenauigkeit erwischt zu werden, touch├ę also ).

Dennoch m├Âchte ich die Melodie des Gedichts im Moment nicht ver├Ąndern. Sie ist in sich durchkomponiert und auch mit den Endreimen eng verbunden, so da├č ein Eingehen auf Deine Anmerkungen eine v├Âllige Neuformulierung bedeuten w├╝rde. Dazu sehe ich im Moment noch keinen richtigen Anla├č.

Was aber nicht hei├čt, da├č ich Deine Hinweise f├╝r ├╝berzogen oder falsch hielte oder sie aus irgendwelchen anderen Gr├╝nden f├╝r nicht unterst├╝tzend und mich weiterbringend. Das Gegenteil ist richtig, daher mein allerbester Dank f├╝r Deine ausf├╝hrliche Besch├Ąftigung mit diesem eher unscheinbaren und insgesamt nicht so wirklich wichtigen Dicht- und Reimwerk.

Liebe Gr├╝├če und das Beste

W.


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Walther
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Walther
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Hallo Carlo,

danke f├╝r Deinen ehrlichen Eintrag. Nicht immer sind Eintr├Ąge angenehm, aber die unangenehmen sind es, die weiterbringen.

quote:
Ich ├╝berleg ehrlich, lieber Walther, was uns dieser blaue Tag denn nun sagen soll. Ist es nur DEIN blauer Tag, oder auch UNSER?
Es ist der Tag des Betrachters, in dessen Innerem sich ein Bild zu einer Frage an dem Sinn und Zweck des Ganzen formt.
quote:
Hat er etwas ver├Ąndert, hat er etwas hinterlassen, kann er auf eine positive Bilanz verweisen, ist er ein relatives Ende, ein Anfang, ein St├╝ck mittendrin? Ist er Vergangenheit, ist er Zukunft?
Es ist das Hier und Jetzt, das angesprochen wird, daher auch das Pr├Ąsenz. Letztlich eine klassische Literaturform, das Stream of Thinking, wenn die Pupillen unklar werden, die Landschaft verschwimmt. Im letzten Vers sch├Ąrft sich, refokussiert dieser Blick sich wieder.
quote:
Ich f├╝hle, dass innerhalb der als durchaus positiv zu bewertenden Form (Sonett mit Extravaganzen), ein St├╝ck eines erhofften Inhaltes nicht ausreichend transportiert oder gar nicht erst angegangen wird. Schade.
Der Inhalt ist eigentlich klar dargelegt. Wenn er Dir nichts sagt, ist es wirklich schade, dann war die Sprachkunst so gro├č und erdr├╝ckend, da├č der Inhalt nicht mehr sichtbar ist.
quote:
Ein Gedicht leidet sofort unter dem Verlust der kleinsten Dimension. Der Ausdruck ist leider nur Form.
Das ist sehr richtig. Ein Sprachkunstwerk kann zur l'art pour l'art verkommen. Sollte ich das geschafft haben, dann bin ich sehr traurig, weil dann die M├╝he so g├Ąnzlich umsonst war.

Gru├č W.
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Walther
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