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Leselupe.de > Kurzprosa
Ein deutsch-deutsches Missverständnis
Eingestellt am 30. 09. 2006 20:08


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petrasmiles
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Mein Freund und ich lesen Zeitung.
Er fängt an, es ist seine Zeitung.
Manchmal kichert er; meistens grinst er vor sich hin und faltet dann mit einem befriedigten Seufzer die Zeitung zusammen: Naah gut. Die Weltrevolution ist also wieder nicht ausgebrochen.
Den Teil bekomme ich. Und ich lese von AEG, VW, Daimler und Siemens, ich spucke Gift und Galle. Richtig heiß wird mir vor Zorn, ich schimpfe wie ein Rohrspatz, mir blutet das Herz.

Ich erwecke Mitgefühl, aber nicht unbedingt Verständnis.
‚Ihr Sozialträumer’, sagt der Ossi zum Wessi. Er kennt seinen Klassenfeind und macht sich keine Illusionen. Er erwartet von Kapitalisten gar nichts anderes – eigentlich auch nichts von einem Staat, der schon immer mit dem Kapital paktierte.

Wenn ich anfange, von Solidargemeinschaften zu reden, lacht er mich offen aus. ‚Was soll das denn sein?’

Sein Lernerfolg war: Das sind hier ja wirklich weltfremde Idealisten! Und meiner: Ich dachte, das sind die wahren Ideologen und wir die alten Hasen des kapitalistischen Systems.

Und nun? Götterdämmerung.
Es sieht so aus, als hätte der DDR-Alltag den homo pragmaticus hervorgebracht, und die Wessis sehen sich als Opfer von ‚Brot und Spiele’, sind der homo romanticus.
Der Ossi hält sich an das was er kennt und dem er zu vertrauen gelernt hat: die Familie, gute Freunde, alte Bekannte. Und der Wessi möchte im Grunde immer noch vom Staat glücklich gemacht werden.

Da kann und muss man viel voneinander lernen, wenn man denn zuhören mag.
Und gespannt darf man darauf sein, was für eine Gesellschaft wir langfristig zusammen hinbekommen, wenn der Idealismus geerdet wird und der Pragmatismus ein bisschen Wind unter die Flügel erhält. Vielleicht eint uns die Ansicht: Dieser Staat geht uns alle an.

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aboreas
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"...wenn der Idealismus geerdet wird und der Pragmatismus ein bisschen Wind unter die Flügel erhält."

Eine herliches Bild. Aber ob's hilft?

Gruß. abo

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petrasmiles
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Wenn man sich so nahe gekommen ist, dass man durch den Umgang voneinander lernt, dann ja.
Leider ist es eher ein strukturelles als ein persönliches Phänomen - wie meistens -, daher sind meine Prognosen für mich und meinen Liebsten optimistischer als für die Gesellschaft, vor allem im Hinblick auf die Dauer, die es braucht, bevor sich da etwas bewegt.
Auch hier gilt die Devise: Packen wir's an (und wie immer: von unten .

Liebe Grüße
Petra
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lapismont
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Hallo petrasmiles,

der letzte Absatz ist mir zu moralinsauer. Wenn Du stattdessen einen witzigen Schluss mit der Zeitung und dem Freund finden würdest, wäre es eine schöne Glosse.

Zum Thema: Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Siemensmanagergehälter? Wie kann man sich darüber aufregen? Das ist Kapitalismus.

Das erklärt zwar nicht alles, aber zumindestens die Welt.


cu
lap
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Kunst passiert.

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bonanza
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mir ist der text auch ein bisserl zu schal.
würden die mecklenburger soviel weißbier trinken wie
die bayern, wären sie auch besser drauf.
der hardliner ossi ist so selten wie der hardliner wessi.
das problem ist, dass es im osten zu wenige geldflüsse
gibt. wer sitzt schon gerne an trockenen ufern?
endlich sehen wir, wie nah extrem rechts und extrem links
zusammenliegen. die mitte schmilzt trotz deutschem papst.
das rechte ufer riecht nach nazi.
das linke nach stalin.
wer hält eigentlich das kapital in händen? immer noch die
juden? oder die russen?
ist ja eigentlich egal - hauptsache, wir machen front!

bon.

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petrasmiles
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Erwischt!

@Lapismont
Das ist immer diese fehlende Distanz bei mir, um aus einer 'wahren' Geschichte etwas anderes und eigenes zu machen.

Was hältst Du davon: Hätte mein Freund diese Geschichte schreiben sollen, wären wir statt dessen ein Bierchen trinken gegangen.
Nee, wirkt irgendwie ... neee.

Ich denke noch einmal darüber nach. Ich arbeite daran, versprochen!

Deinen letzten Satz lass ich mir rahmen - hab ich gelacht!

@Bonanza
Du bist ja auf einer ganz anderen Ebene, bon.
Im Zusammenleben zeigt es sich wirklich, dass man aus verschiedenen 'Welten' stammt und man mit Merkmalen konfrontiert wird, die sich aus dieser unterschiedlichen Sozialisation ergeben. Das sind dann keine theoretischen Konstrukte, sondern irgendwie bennenbare Phänomene. Versteht sich von selbst, dass die wiederum nicht auf jeden übertragbar sind.
Zur Abwechslung war mir 'das Große und Ganze' wurscht Ich finde es einfach mordsspannend, wodurch man alles dazulernen kann.


Danke fürs Lesen und Kommentieren!

Liebe Grüße
Petra
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collecteur
One-Hit-Wonder-Autor
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überraschung

hallo liebe petra,

ich mag diesen text sehr und finde ihn ebenso wie deine beschreibung des buches rummelplatz (ohne es zu kennen) sehr gut. vor schreck habe ich gleich auf den bewertungsbalken gedrückt und dich runtergepunktet (-1,8) sowie mich als gutbewerter geoutet, oder ? danach erst dein
statement zu der punktepolitik gelesen.

aus deinen texten spricht eine weltsicht, die nach meinem gefühl für viel lebenserfahrung und ein großes herz spricht.
die wertschätzung, die du alltagssituationen gibst und dem lernen daraus, überzeugen mich und lassen für mich deine texte spannend werden. abgesehen davon dass auch dein schreibstil nichts zu wünschen übrig lässt.

ich werde mich noch mit deinen anderen texten beschäftigen und habe mir vorgenommen, eine rezension zu bernd jentzschs neueren büchern (lyrik und kurzprosa) zu verfassen. bin schon gespannt was, du dazu sagen wirst.

mit gespannten grüßen
collecteur (sabine)


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