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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein doch nicht so wichtiger Brief
Eingestellt am 12. 06. 2002 21:02


Autor
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Chris
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Als ich heute Morgen die Post aus meinem Briefkasten nahm, traf mich beinahe der Schlag vor Erschrecken.
Unter einigen anderen entdeckte ich einen eigentlich unscheinbaren Brief, der als Absender den Namen unseres Ministerpräsidenten trug.
„Was, Ich bekomme einen Brief vom Ministerpr√§sidenten, ich?“ war mein erster Gedanke.
Wieder in meiner Wohnung angekommen legte ich den geheimnisvollen Brief zuerst einmal auf den Schreibtisch, nein drapiert habe ich ihn dort und ging zunächst einmal einkaufen.
„Eigentlich“, √ľberlegte ich auf dem Weg zum Supermarkt, „war es ja h√∂chste Zeit f√ľr ihn, sich endlich einmal bei mir zu melden!“ und ich beschloss, sp√§ter in meiner Wohnung eine fundierte Antwort darauf aufzusetzen.
Der Brief ging mir nicht mehr aus dem Kopf, obwohl ich seinen Inhalt noch gar nicht kannte und ich fragte mich bei jedem Passanten, den ich traf, ob man es mir wohl ansehen w√ľrde, dass ich ein so wichtiger B√ľrger dieser Stadt und schon fast ein pers√∂nlicher Freund unseres Landesvaters war.
„Bestimmt will der mir seine neuen Ideen f√ľr den Wahlkampf mitteilen, meine Meinung dazu h√∂ren und mit mir dar√ľber diskutieren“ - davon war ich fest √ľberzeugt.
Im Supermarkt angekommen war mein eigentliches Vorhaben, n√§mlich der t√§gliche Einkauf von Lebensmitteln √ľbrigens etwas anstrengender als an anderen Tagen, musste ich mich doch starker als sonst auf die ben√∂tigten Waren konzentrieren und mir mit meiner stolz geschwellten Brust mehr Bewegungsfreiheit als gewohnt verschaffen.
„Vielleicht sollte ich ihm einmal meine Telefonnummer mitteilen, damit er mich bei Fragen kurz einmal anrufen k√∂nnte.“
Mit diesem Vorsatz verstaute ich meine Einkäufe in einer Tasche, verließ den Supermarkt und trat eilig den Heimweg an.
Als ich meine Wohnung dann mit einer schweren Tragetasche beladen endlich wieder erreicht hatte, nahm ich mir zuerst eine Tasse Kaffee, machte es mir dann am Schreibtisch bequem und nahm schließlich den Brief zur Hand.
Zufrieden und mit einiger Spannung drehte ich ihn langsam und mit wichtigem Gesicht herum und √ľberpr√ľfte noch einmal stolz den Absender.
Nach einem großen Schluck Kaffee griff ich schließlich zum Brieföffner, um den Brief zu öffnen und endlich seinen Inhalt lesen zu können.
Mit vor Aufregung zitternden H√§nden faltete ich den Brief auseinander und las etwas √ľber die politischen Ziele der Partei und die Probleme des Ministerpr√§sidenten mit der konkurrierenden Partei.
„Aha,“ sagte ich in √ľberzeugtem Tonfall, „Hier ist also endlich meine Meinung gefragt!“ und begann, mit einem eiligst hervorgekramten Kugelschreiber Notizen auf einem Blatt Papier zu machen, um entsprechend reagieren zu k√∂nnen.
Leider fand ich aber keine Aufforderung des Absenders, sofort zu Antworten.
Daf√ľr entdeckte ich aber auf der zweiten Seite einen Blanko-√úberweisungstr√§ger, damit ich meinen Landesvater und dessen Partei mit einer beliebigen Summe unterst√ľtzen konnte; Haus und Hof h√§tte ich Spenden k√∂nnen.
„Aha,“ durchfuhr es mich, „so ist das also, statt konstruktiver Kritik und Anregungen ist nur meine Spendenfreudigkeit gefragt.“ Entt√§uscht und ein wenig verbittert fragte ich mich, ob diese Partei wirklich so arm ist, dass sie von Leuten mit geringem Einkommen Spenden erbetteln muss?
Nach einem Blick auf meinen letzten Kontoauszug habe ich von einer Geldspende abgesehen, stehe dem Ministerpr√§sidenten aber jederzeit f√ľr ein beratendes Gespr√§ch gerne zur Verf√ľgung.
Den Brief habe ich √ľbrigens weg geworfen.
*** ***

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soleil
Häufig gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 5
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Hallo Chris,

das ist eine nette Geschichte, aber ich finde sie zu vorhersehbar erzählt; wir haben schließlich Wahlkampf und jeder bekommt so ähnliche Bettel-Briefchen. ;-)

Ich könnte mir vorstellen, wenn Du den Teil, bis er den Brief öffnet etwas straffst und den Teil, während er den Brief liest und sich Notizen macht, ausbaust, kannst Du mehr Spannung bis zur Pointe erzeugen.
Den letzten Satz k√∂nntest Du dann auch v√∂llig weglassen und den Titel finde ich zu verr√§terisch; "Ein wichtiger Brief" w√ľrde helfen den Leser etwas l√§nger im Dunklen tappen zu lassen.

Viele Gr√ľ√üe
Soleil

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Ann-Kathrin Deininger
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

Werke: 57
Kommentare: 87
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Hallo Chris!

Das ist eine sch√∂ne Geschichte, obwohl man durch den Titel nat√ľrlich schon wei√ü, wie sie ausgeht. Auch in anderer Hinsicht muss ich Soleil recht geben: Der Teil, bevor der den Brief ge√∂ffnet wird, ist zu detailiert und wirkt etwas tr√§ge, das nimmt der Geschichte den Schwung.
Um zu beschreiben, wie du den Brief √∂ffnest, w√ľrde ich lieber auf die langen S√§tze verzichten und kurze, pr√§gnante S√§tze w√§hlen, um die Aufregung und Vorfreude r√ľberzubringen.
Störend finde ich folgenden Satz:

"Mit vor Aufregung zitternden H√§nden faltete ich den Brief auseinander und las etwas √ľber die politischen Ziele der Partei und die Probleme des Ministerpr√§sidenten mit der konkurrierenden Partei."

Du schreibst von der Aufregung und machst sie eigentlich durch die Länge des Satzes schon wieder zu nichte, so dass der Leser sich nicht gut da hineinversetzten kann. Was hälst du von Schlagworten? Etwa so: Mit vor Aufregung zitternden Händen faltete ich den Brief auseinander. Was wir wollen. Wir versprechen. Die Opposition und ihre Spielchen.
Das Ende w√ľrde ich auch etwas √§ndern: Ich bl√§tterte die Seite um. Ein Blanko- √úberweisungstr√§ger. Ein Spendenbeitrag? Das ist alles? Ich war wie vor den Kopf gestossen. Ich lie√ü den Brief fallen. "So ist das also", dachte ich entt√§uscht, "Kritik, nein danke! Aber wenn sie noch ein paar Cent √ľber haben..."

__________________
Ein Raum ohne B√ľcher ist wie ein K√∂rper ohne Seele.

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