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Leselupe.de > Humor und Satire
Ein freier Tag
Eingestellt am 26. 08. 2002 20:29


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Franco
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
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Hallo.
Ich bin neu in der Leselupe (zweite Story) und wĂŒrde mich freuen,
wenn der eine oder andere mir seine Meinung zu dieser Story sagen wĂŒrde.
Vielen Dank im voraus fĂŒr Lob,Kritik und Anregungen.

Franco


Ein freier Tag

Es ist jetzt fast ein Jahr her, seit diese Sache passiert ist. Ich kann inzwischen offen darĂŒber reden und einmal habe ich sogar gelĂ€chelt, als ich an die Geschichte dachte.
Meine Psychoanalytikerin meint, ich wÀre schon ruhiger geworden und sollte versuchen zu vergessen, anstatt zu verdrÀngen.
Damals kam mein Chef zu mir, um mir mitzuteilen, das ich ĂŒberraschenderweise den nĂ€chsten Tag freinehmen könnte. Mein Computer sollte neu vernetzt werden. Nachdem ich mich ausgiebig nach versteckten Kameras umgesehen hatte und ein Blick auf den Kalender mir zeigte, daß der Erste April seit mehr als drei Monaten vorĂŒber war, stellte sich die erste NervositĂ€t ein. Was wĂŒrde ich mit einem ganzen Tag ohne rechte Aufgabe anfangen ?
Ich nahm mir also einen Block zur Hand um mir Notizen zu machen.
Der Garten könnte sicher etwas Pflege gebrauchen, doch da er das zweitliebste Kind meiner Frau ist, entschloss ich mich lieber die HĂ€nde von Beeten und Stauden zu lassen. Den Keller hatten wir eben erst streichen lassen und da ich absolut keine Ahnung habe, bei welchem Metzger ich die beste Wurst bekomme wĂŒrde mich meine Frau sicher nicht einkaufen lassen. Nach einer Stunde war mein Block noch so leer wie vorher, dafĂŒr hatte ich jetzt starke Kopfschmerzen. Ich entschloss mich also an meinem freien Tag nichts zu tun !

So stand ich um sieben Uhr auf, um mit meiner Familie zu FrĂŒhstĂŒcken.
Das Gesicht meines achtjĂ€hrigen Sohnes zeigte offene Missbilligung. Schließlich sah er nicht ein, dass er zur Schule gehen sollte, wĂ€hrend ich zu Hause bleiben durfte.
Durch geschicktes ausfragen, fand er schnell heraus, dass ich mir fĂŒr diesen Tag nichts vorgenommen hatte.
„Prima“, rief er „dann kannst du ja in die Stadt fahren und mir ein Jo – Jo kaufen.“
Zuerst dachte ich, ich hÀtte mich verhört.
Heutzutage, wo alle Kinderzimmer vollgestopft sind mit Gameboys, Videospielen und anderem, elektronischem Kram, konnte ich nicht glauben, dass mein Kind ein Jo-Jo verlangte.
Ich wurde jedoch gleich aufgeklĂ€rt, das die heutigen Jo-Jós mindestens vier Federlager haben mĂŒssen
Und selbstverstÀndlich Freilauf.
Meine Frau, die sicher schon lĂ€ngst darĂŒber nachgedacht hatte, wie sie mich an diesem Morgen beschĂ€ftigen könnte, stimmte dem Vorschlag unseres Sohnes eifrig zu.
Ich gab mich also geschlagen und versprach, das beste Jo-Jo zu kaufen, das aufzutreiben war.

Der erste Weg fĂŒhrte mich in das grĂ¶ĂŸte Kaufhaus am Platz.
Die junge Dame in der Spielwarenabteilung schien sich zu langweilen, also sprach ich sie an.
„Wissen sie was ich suche?“, begann ich meine Frage und bevor ich meinen Wunsch beschreiben konnte, antwortete sie: “Nein. Aber ich kann ja mal meine Kollegin fragen.“ Dann brĂŒllte sie quer durch die ganze Abteilung: “He, Andrea, weißt du was der Kunde sucht?“
Andrea verneinte und so verließ ich das GeschĂ€ft ohne Jo-Jo.
Mein Weg fĂŒhrte mich diesmal in ein FachgeschĂ€ft. Spielwaren, soweit das Auge reicht.
Hier wĂŒrde ich ganz sicher finden, wonach ich suchte.
Bald entdeckte ich Jo-Jós in allen Farben, Jo-Jós aus Holz und Kunststoff und sogar Jo-Jós
mit Lagern.
Nur die blöden Dinger mit Freilauf, die waren ausverkauft. “NĂ€chste Woche wieder“ ,versprach der Ă€ltere Herr hinter der Ladentheke.
Also machte ich mich wieder auf den Weg. Laden fĂŒr Laden wurde von mir untersucht.
Hier kein Freilauf, da keine Lager. Langsam wurde ich nervös.
Ich hatte meinem Sohn ein Jo-Jo versprochen, also wĂŒrde er auch eins bekommen.
Im nĂ€chsten GeschĂ€ft versuchte die Dame mir einzureden, dass die Holzexemplare, die sie vorrĂ€tig hatte genauso gut seien wie die Freilauf-Lager Jo-Jós.
“Hah,“schrie ich ihr entgegen,“das weiß ich aber besser.“
Da stand ich also wieder in der FußgĂ€ngerzone. Die FĂŒĂŸe brannten mir und ich war lĂ€ngst nassgeschwitzt.

Ich hatte mich gerade entschlossen, zu dem großen, amerikanischen Spielwarensupermarkt am anderen Ende der Stadt zu fahren, als ich ihn sah.
Ein kleiner Junge stand knapp fĂŒnf Meter von mir entfernt und spielte mit einem Jo-Jo.
Das Ding lief rauf und runter und rauf und runter und plötzlich blieb es unten.
Mit einem kleinen Ruck schoss es wieder nach oben und verschwand in der Hand des Kindes.
FREILAUF!!! schoss es mir durch den Kopf.
Langsam ging ich nĂ€her. Der Junge versuchte gerade das Jo-Jo ĂŒber den Boden laufen zu lassen – eine Kunst die nur Profis mit Profi Jo-Jós gelang, wie mir mein Sohn am Morgen erklĂ€rte.
Es klappte nicht ganz. Die Schnur war vollkommen abgewickelt und das Objekt meiner Begierde hing fĂŒr einen Augenblick regungslos am Ende seiner Schnur. Da sah ich sie. Vier Federlager die in der Sonne glĂ€nzten.
An die folgenden AblÀufe kann ich mich nicht mehr erinnern.
Der Polizist erklĂ€rte mir spĂ€ter ich hĂ€tte mich auf das Kind gestĂŒrzt und versucht ihm das Spielzeug zu entreißen. Vier MĂ€nner waren nötig, um mich festzuhalten. Dabei soll ich immer wieder „Freilauf“ und „Lager“ geschrien haben. Eigentlich dĂŒrfte ich gar nicht frei laufen, sondern gehöre ins Lager meinte er lĂ€chelnd. Ich fand das gar nicht komisch.
Der Richter, der meinen Fall bearbeitete ließ Gnade walten. Er hatte wohl ebenfalls Kinder.
Von ihm habe ich auch die Adresse meiner Therapeutin.









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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Franco,

ich sage dir gerne meine Meinung zu der Story:
Sie ist gut!
Dein Schreibstil ist flĂŒssig und gut lesbar. Hat mir Spaß gemacht!

Nachfolgend einige kleine Anmerkungen.

Gruß

Arno



quote:
UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Franco

Hallo.
Ich bin neu in der Leselupe (zweite Story) und wĂŒrde mich freuen,
wenn der eine oder andere mir seine Meinung zu dieser Story sagen wĂŒrde.
Vielen Dank im voraus fĂŒr Lob,Kritik und Anregungen.

Franco


Ein freier Tag

Es ist jetzt fast ein Jahr her, seit diese Sache passiert ist. Ich kann inzwischen offen darĂŒber reden und einmal habe ich sogar gelĂ€chelt, als ich an die Geschichte dachte.
Meine Psychoanalytikerin meint, ich wÀre schon ruhiger geworden und sollte versuchen zu vergessen, anstatt zu verdrÀngen.
Damals kam mein Chef zu mir, um mir mitzuteilen, das entweder dass (neue Rechtschreibung) oder daß
ich ĂŒberraschenderweise den nĂ€chsten Tag freinehmen könnte. Mein Computer sollte neu vernetzt werden. Nachdem ich mich ausgiebig nach versteckten Kameras umgesehen hatte und ein Blick auf den Kalender mir zeigte, daß der E erste April seit mehr als drei Monaten vorĂŒber war, stellte sich die erste Wiederholung (erste) NervositĂ€t ein. Was wĂŒrde ich mit einem ganzen Tag ohne rechte Aufgabe anfangen ?
Ich nahm mir also einen Block zur Hand um mir Notizen zu machen.
Der Garten könnte sicher etwas Pflege gebrauchen, doch da er das zweitliebste Kind meiner Frau ist, entschloss du schreibst weiter oben daß mit ß (alte Rechtschreibung) hier jedoch verwendest du die Neue!! ich mich lieber die HĂ€nde von Beeten und Stauden zu lassen. Den Keller hatten wir eben erst streichen lassen und da ich absolut keine Ahnung habe, bei welchem Metzger ich die beste Wurst bekomme , wĂŒrde mich meine Frau sicher nicht einkaufen lassen. Nach einer Stunde war mein Block noch so leer wie vorher, dafĂŒr hatte ich jetzt starke Kopfschmerzen. Ich entschloss mich also an meinem freien Tag nichts zu tun !

So stand ich um sieben Uhr auf, um mit meiner Familie zu FrĂŒhstĂŒcken.
Das Gesicht meines achtjĂ€hrigen Sohnes zeigte offene Missbilligung. Schließlich sah er nicht ein, dass er zur Schule gehen sollte, wĂ€hrend ich zu Hause bleiben durfte.
Durch geschicktes a Ausfragen, fand er schnell heraus, dass ich mir fĂŒr diesen Tag nichts vorgenommen hatte.
„Prima“, rief er „dann kannst du ja in die Stadt fahren und mir ein Jo – Jo kaufen.“
Zuerst dachte ich, ich hÀtte mich verhört.
Heutzutage, wo alle Kinderzimmer vollgestopft sind mit Gameboys, Videospielen und anderem, elektronischem Kram, konnte ich nicht glauben, dass mein Kind ein Jo-Jo verlangte.
Ich wurde jedoch gleich aufgeklĂ€rt, dass die heutigen Jo-Jós mindestens vier Federlager haben mĂŒssen.
Und selbstverstÀndlich Freilauf.
Meine Frau, die sicher schon lĂ€ngst darĂŒber nachgedacht hatte, wie sie mich an diesem Morgen beschĂ€ftigen könnte, stimmte dem Vorschlag unseres Sohnes eifrig zu.
Ich gab mich also geschlagen und versprach, das beste Jo-Jo zu kaufen, das aufzutreiben war.

Der erste Weg fĂŒhrte mich in das grĂ¶ĂŸte Kaufhaus am Platz.
Die junge Dame in der Spielwarenabteilung schien sich zu langweilen, also sprach ich sie an.
„Wissen sie was ich suche?“, begann ich meine Frage und bevor ich meinen Wunsch beschreiben konnte, antwortete sie: “Nein. Aber ich kann ja mal meine Kollegin fragen.“ Dann brĂŒllte sie quer durch die ganze Abteilung: “He, Andrea, weißt du was der Kunde sucht?“
Andrea verneinte und so verließ ich das GeschĂ€ft ohne Jo-Jo.
Mein Weg fĂŒhrte mich diesmal in ein FachgeschĂ€ft.

Welches Mal?
Vorschlag: Mein nĂ€chster Anlauf fĂŒhrte mich in ein FachgeschĂ€ft.


Spielwaren, soweit das Auge reicht.
Hier wĂŒrde ich ganz sicher finden, wonach ich suchte.
Bald entdeckte ich Jo-Jós in allen Farben, Jo-Jós aus Holz und Kunststoff und sogar Jo-Jós
mit Lagern.
Nur die blöden Dinger mit Freilauf, die waren ausverkauft. “NĂ€chste Woche wieder“ ,versprach der Ă€ltere Herr hinter der Ladentheke.
Also machte ich mich wieder auf den Weg. Laden fĂŒr Laden wurde von mir untersucht.
Hier kein Freilauf, da keine Lager. Langsam wurde ich nervös.
Ich hatte meinem Sohn ein Jo-Jo versprochen, also wĂŒrde er auch eins bekommen.
Im nĂ€chsten GeschĂ€ft versuchte die Dame mir einzureden, dass die Holzexemplare, die sie vorrĂ€tig hatte genauso gut seien wie die Freilauf-Lager Jo-Jós.
“Hah,“schrie ich ihr entgegen,“das weiß ich aber besser.“
Da stand ich also wieder in der FußgĂ€ngerzone. Die FĂŒĂŸe brannten mir und ich war lĂ€ngst nassgeschwitzt.

Ich hatte mich gerade entschlossen, zu dem großen, amerikanischen Spielwarensupermarkt am anderen Ende der Stadt zu fahren, als ich ihn sah.
Ein kleiner Junge stand knapp fĂŒnf Meter von mir entfernt und spielte mit einem Jo-Jo.
Das Ding lief rauf und runter und rauf und runter und plötzlich blieb es unten.
Mit einem kleinen Ruck schoss es wieder nach oben und verschwand in der Hand des Kindes.
FREILAUF!!! schoss es mir durch den Kopf.
Langsam ging ich nĂ€her. Der Junge versuchte gerade das Jo-Jo ĂŒber den Boden laufen zu lassen – eine Kunst die nur Profis mit Profi Jo-Jós gelang, wie mir mein Sohn am Morgen erklĂ€rte.

Am nÀchsten Morgen? Oder an welchem?
Vorschlag: wie mir mein Sohn am Morgen erklÀrt hatte.


Es klappte nicht ganz. Die Schnur war vollkommen abgewickelt und das Objekt meiner Begierde hing fĂŒr einen Augenblick regungslos am Ende seiner Schnur. Da sah ich sie. Vier Federlager die in der Sonne glĂ€nzten.
An die folgenden AblÀufe kann ich mich nicht mehr erinnern.
Der Polizist erklĂ€rte mir spĂ€ter ich hĂ€tte mich auf das Kind gestĂŒrzt und versucht ihm das Spielzeug zu entreißen. Vier MĂ€nner waren nötig, um mich festzuhalten. Dabei soll ich immer wieder „Freilauf“ und „Lager“ geschrien haben. Eigentlich dĂŒrfte ich gar nicht frei laufen, sondern gehöre ins Lager meinte er lĂ€chelnd. Ich fand das gar nicht komisch.
Der Richter, der meinen Fall bearbeitete ließ Gnade walten. Er hatte wohl ebenfalls Kinder.
Von ihm habe ich auch die Adresse meiner Therapeutin.










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Franco
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 1
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Hallo Arno.

Vielen Dank fĂŒr Deine Meinung und Deine Tipps.
Manchmal habe ich den Kopf so voll mit Stories, das ich kaum Zeit finde, die einmal getippte Geschichte nachzubessern. (Wahrscheinlich kennst Du das auch.)
Da ich mit der Leselupentechnik noch nicht ganz vertraut bin, konnte ich nach dem Abschicken leider nichts mehr Àndern.
Nochmals Danke !

Franco

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Wolfsbane
???
Registriert: Aug 2002

Werke: 9
Kommentare: 128
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Profil
Klasse!

Die Geschichte hat mir wirklich sehr gut gefallen. Seit ich als Kind Kishon las, hatte ich kein solches VergnĂŒgen mehr an einer Kurzgeschichte!

MEHR!!

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