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Leselupe.de > Humor und Satire
Ein für allemal quitt
Eingestellt am 18. 10. 2004 21:03


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NakedLunch
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Ein für allemal quitt

„Robert! Robert, sag doch was!“
Helenas Mann schwieg.

„Es war doch nicht so gemeint, dass musst du mir glauben. Es hat sich einfach so ergeben – ganz automatisch. Manfred trifft keine Schuld, wir waren doch alle betrunken.“
Die junge Frau rannte, wie ein angestochenes Huhn, um ihren Ehegatten herum, der starr in seinem Sessel hockte.

„Du musst doch wissen, wie das ist. Schließlich ist dir das doch auch schon passiert – damals in unserem Teneriffa Urlaub, als wir diese Hamburger Stewardess kennen gelernt haben. Ich hab doch auch keine Szene gemacht, als ich euch halbnackt und ineinander verschlungen auf unserer Liege am Pool entdeckt habe.
Gut, verletzt war ich schon und dass ich dich die Nacht über nicht in den Bungalow gelassen hab, tut mir leid. Aber beim Frühstück war ich doch fast wieder drüber hinweg.“
Und nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Das ist schon ein Jahr her und du brauchst nicht glauben, dass das jetzt so was wie eine Revanche war.“

Nervös zündete Helena sich eine Zigarette an und blickte Hilfe suchend zu Manfred. „Sag doch auch mal was.“
„Weißt Robert …“, begann der Mann auf der Couch zögerlich, „ich hatte ja gleich so’n ungutes Gefühl, als du mich zum Essen eingeladen hast. Ich mein, … du konntest natürlich nicht wissen, dass ich deine Frau aus dem Metzgerladen kenne und schon seit Monaten auf sie steh…“ Er wischte sich seine beschmierten Finger an der Tischdecke ab. „… Aber ich schwör, dass da bis heute nix gelaufen ist!“
„Das stimmt“, bestätigte Helena, „ich wusste ja auch nicht, wer dein Freund aus der Kneipe nebenan überhaupt ist. Schließlich hast du mich nie mitgenommen auf deine Sauftouren.“

Manfred rutschte auf der Sofakante hin und her. „Es war einfach keine gute Idee mit dem Essen. Ich bin halt kein Gesellschaftstyp. Mit ein paar Bier und Schnaps, bei Rosi’s, da fühl ich mich wohl, aber hier in dieser schicken Wohnung, mit dem tollen Essen und dem Schampus und so, da hab ich die Kontrolle verloren. “
„Ich weiß gar nicht, was das ganze Theater soll!“, platzte es aus Helena heraus, die mittlerweile am Rande eines Nervenzusammenbruchs stand. „Scheiße!“
„Helena bitte! Hack doch nicht noch auf ihm rum.“
„Aber es stimmt doch! Das ganze ist eine verdammte Scheiße! Was sollen wir denn jetzt tun?“

Manfred trat an ihre Seite und legte beruhigend den Arm um die aufgelöste Frau. „Mit Fluchen kommen wir nicht weiter.“
„Mit Reden aber auch nicht“, zischte sie zurück.
„Lass uns einfach ganz ruhig auf die Couch setzen und überlegen, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. “
Die Frau lehnte ihren Kopf an die Schulter des stattlichen Mannes und schluchzte.
Er räusperte sich. „Ok, ich denk angefangen hat es nach der vierten Flasche Sekt, als du mir so neckisch die Schokokekse in den Mund gesteckt hast. Da ist Robert das erste Mal ernsthaft wütend geworden.“
Helena nickte und drückte sich enger an den Metzgermeister.

„Als du später auf meinem Schoß gesessen bist und wir die ersten leidenschaftlichen Küsse tauschten, da hast du, Robert, mich hoch gezerrt, mir einen Magenschwinger verpasst und deine Frau hat, um mich zu verteidigen, die Flasche nach dir geworfen.“
„Ich wollt ihn doch gar nicht richtig verletzen!“, zeterte Helena unter Tränen.
Manfred schnaufte. „.Ich ja auch nicht, Helena … ich ja auch nicht. Doch als er dich so grob gepackt und in die Ecke geschleudert hat, da sind mir die Pferde durchgegangen.
Da hab ich einfach den nächstbesten Gegenstand genommen und auf ihn eingeschlagen. Es war einfach Pech, das es das Filetiermesser war.“

Helena wurde ruhig, hörte auf zu weinen und stand abrupt auf. Sie ging zu ihrem Mann im Sessel hinüber und betrachtete die riesige Blutpfütze, die sich auf Roberts Brust ausgebreitet hatte und stellenweise zu trocknen begann.
„Er versteht es nicht und wird es nie verstehen“, sagte sie ernst. „Am besten du holst deinen Kühltransporter Manfred. Ich räum solange auf und schnappe mir Putzlappen und Desinfektionsmittel.“

Dann beugte sie sich zu dem Leichnam hinunter und flüsterte: Auf Teneriffa hast du mein Herz durchbohrt, also sind wir jetzt quitt.“

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"Language is a virus from outer space." (William Burroughs)

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