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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Ein guter Grund?
Eingestellt am 20. 04. 2006 17:34


Autor
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Elfi
???
Registriert: Feb 2006

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So oft, wie im letzten Jahr habe ich sie noch nie zu Gesicht bekommen! Jedes Mal kommt sie ins Cafe und bestellt bei mir eine Tasse Kaffee. Anschlie├čend setzt sie sich an einen Tisch und blickt zu mir, zur Theke, w├Ąhrend sie eine oder zwei Zigaretten raucht. Bisher gr├╝├čte ich sie nur fl├╝chtig, denn in ihren blauen Augen unterhalb der blonden, schulterlangen Haare, lag ein undefinierbarer Blick. Ich interpretierte es als Vorwurf, doch noch nie sprach sie mich auf das vergangene Ereignis an.
Gestern war es, - es war nicht ihr eigentlicher Tag - als sie an die Theke kam, und wie ├╝blich ihren Kaffee bestellte. Erneut setzte sie mit dem Blick in meiner Richtung an einen Tisch, und ihr rosafarbenes Sweat biss sich mit der orangefarbenen Tapete des Cafes. Ich mied es, sie anzusehen und erledigte meine Arbeit. Schlie├člich erhob sie sich und steuerte abermals die Theke an, ehe sie eine weitere Tasse Kaffee bei meiner Kollegin mit dem blonden Stoppelhaarschnitt bestellte, wobei sie mich fragte, ob ich eine Tasse mittrinken w├╝rde.
"Jetzt noch nicht; sp├Ąter.", antwortete ich ihr, und nachdem sich mein Feierabend andeutete, setzte ich mich mit einer gef├╝llten Tasse zu ihr an den Tisch. Nicht allzu oft habe ich selbst dort im Cafe gesessen, und ich muss gestehen, dass die St├╝hle, trotz Stoffbezug, nicht gerade bequem waren.
Nerv├Âsit├Ąt war in mir; w├╝rde sie mir Vorhaltungen machen?
Zuerst redeten wir ├╝ber Belanglosigkeiten, ehe sie auf das Thema zu sprechen kam.
"Ich habe ihn sehr gemocht.", bemerkte sie, ehe sie nach einer Pause meinte: "Und wenn er einen guten Grund hatte?"
"Den wird er wohl gehabt haben."
Ich schwieg, und in meinen Gedanken kamen blitzweise die Bilder der Vergangenheit auf. Neun Jahre zuvor: Sie kam, und erkl├Ąrte mir, dass sie meinen Bruder lieben w├╝rde. Da er mir gegen├╝ber bisher nur abf├Ąllig ├╝ber sie geredet hatte, legte ich ihr dar, dass er nichts von ihr wolle. Sie solle ihm eben aus dem Weg gehen.
Vier Jahre sp├Ąter: mein Bruder redete mit mir, erz├Ąhlte, dass er schon seit zwei Jahren hinter ihr her w├Ąre, doch jedes Mal w├╝rde sie vor ihm fl├╝chten.
Er k├Ânne es nicht ├╝berstehen, sie nicht zu bekommen.
Tags darauf lebte mein Bruder nicht mehr, und ich fragte mich, ob sie in den Tod gefl├╝chtet war, um ihm auszuweichen...
Zwei Jahre sp├Ąter stand sie vor meiner T├╝r. Sie war nicht dort, wo ich sie vermutet hatte, und in mir machten sich die Vorw├╝rfe breit: Warum habe ich ihr nur gesagt, sie solle sich von ihm fern halten?
Ein guter Grund?
Ich sah ihr in die Augen. Kein Hass, keine Anklage und auch keine Spur Wut war darin zu lesen.
"Ich glaube, er wollte mit mir gehen!", wirft sie in den Raum.
Sie wei├č es. Sie wei├č es, aber sie macht mir keinen Vorwurf. Ruhe; eine normale Ruhe in dem Gespr├Ąch. Tr├╝gerische Ruhe?
"So, wird Zeit.", meinte sie und erhob sich. Auch ich hatte meine Tasse geleert und brachte sie zur├╝ck zur Theke, ehe wie nebeneinander das Cafe verlie├čen.
"Bis demn├Ąchst!", sagte sie noch, ehe wir uns in unterschiedlichen Richtungen voneinander trennten.



















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