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Leselupe.de > Science Fiction
Ein gutes Tässchen Tee
Eingestellt am 17. 01. 2010 16:25


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Rainer Lieser
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Ein gutes Tässchen Tee

Frau Gisela Röhrendocht saß gedankenversunken hinter ihrem Fenster und betrachtete den Garten, als es an der Tür läutete. Sie öffnete.
»Guten Tag, mein Name ist Jakob Mosgruber. Ich möchte ihnen Geld schenken. Ganz viel Geld. Denn ich bin ein netter junger Mann, der gerne älteren Damen ganz viel Geld schenkt.«
Freudig überrascht klatschte die alte Dame in die Hände. »Ach wie ist das schön. Das gefällt mir wirklich sehr. Kommen Sie doch rein! Ich mache uns ein gutes Tässchen Tee, dann können wir die Sache in aller Ausführlichkeit besprechen.«
Gisela führte ihren Gast in das Wohnzimmer und bot ihm einen Platz an. Da sie nur selten Besuch bekam, war sie in der Rolle der Gastgeberin nicht gerade geübt. So stellte sie erst jetzt fest, dass Herr Mosgruber immer noch seinen Mantel trug und einen Aktenkoffer in der Hand hielt.
»Also Herr Mosgruber, ich muss Ihnen schon sagen, dass man sich im Mäntelchen und mit einem Aktenköfferchen in der Hand nicht an einen Tisch setzt, um ein gutes Tässchen Tee zu trinken. Das ist nicht Recht. Da muss ich Sie schon bitten, mir das Mäntelchen und das Aktenköfferchen zu überreichen, so dass ich beides beiseite legen kann.«
»Nun gute Frau, den Mantel lege ich gerne ab. In dem Aktenkoffer jedoch befindet sich das Geldgeschenk welches ich Ihnen überreichen möchte – und da wäre es natürlich für unser Gespräch unvorteilhaft, den Aktenkoffer jetzt fortzugeben.«
»Papperlapapp! Sie geben mir das Aktenköfferchen und setzen sich hernach hin oder es wird nichts mit dem Gespräch über das Geldgeschenk.«
Ehe sich Herr Mosgruber versah, hatte ihm Frau Röhrendocht den Aktenkoffer entrissen. Dann wies Frau Röhrendocht auf den Mantel. Herr Mosgruber dachte nach. Schließlich zog er den Mantel ohne ein weiteres Wort aus. Frau Röhrendocht nahm ihn entgegen und brachte das gute Stück zusammen mit dem Aktenkoffer in den Flur.
Herr Mosgruber setzte sich an den Tisch. Im Wohnzimmer und im Flur hatte er weder Schalter, Steckdosen noch Kabel gesehen. Nirgendwo gab es einen Hinweis auf ein Telefon oder auch nur eine einzige Lampe. Seine Informationen schienen demnach zu stimmen: In diesem Haus gab es keinen Hauch von Elektrizität. Hier verweigerte man sich allen Annehmlichkeiten des modernen Lebens. Wahrscheinlich wurde sogar das Teewasser noch auf einem Ofen mit Brennholz erhitzt. Was auch den Stapel Holz neben der Eingangstür erklären würde, über den sich Herr Mosgruber gewundert hatte.
Jakob Mosgruber konnte von seinem Platz aus den Raum, in dem er die Küche vermutete, zwar nicht einsehen, allerdings hörte er gerade, wie dort ein Streichholz angezündet wurde, wodurch er seine Annahmen über den Ofen mit dem Brennholz als bestätigt betrachtete. Ein Streichholz. Gab es so etwas heute wirklich noch. Unglaublich! Zuletzt hatte er dieses Geräusch vor mindestens zwei Jahrzehnten gehört. Vielen seiner Kollegen wäre es sicher fremd gewesen.
»Lieber Herr Mosgruber, möchten Sie Ihr Tässchen Tee lieber mit Zucker oder ohne?«, rief es aus der mutmaßlichen Küche.«
Wenn seine Gastgeberin von dort aus, wo das Streichholz entzündet worden war, nach den Beigaben für den Tee fragte, musste dieser Raum dort einfach die Küche sein, entschied Herr Mosgruber.
»Ohne, bitte.«
»Mit Milch oder ohne? Manche mögen ja immerhin ihren Tee lieber mit Milch, habe ich gehört, auch wenn ich die Milch eher dem Kaffee zugehörig empfinde. Ach sagen Sie einer alten Frau doch bitte, wie Sie es damit halten! Ich vermag es Ihnen nämlich nicht an der Nasenspitze abzulesen.«
»Ohne, bitte.«
»Meine Freundin Agathe nimmt in ihren Tee zuweilen gerne auch eine gehörige Portion Sahne, was eine Form von Milch ist, bei der die Milch noch weiter bearbeitet wurde. Kennen Sie Sahne? Ach Sie sind ja ein gebildeter Mann und kennen deshalb ganz bestimmt Sahne. Viele Menschen Ihrer Art gibt es heutzutage nicht mehr. Meine Freundin Agathe ist ebenso sehr gebildet. Leider besucht sie mich viel zu selten. Hat immer viel zu tun, die Gute. Sie ist ja auch noch so jung. Für jemandem in meinem Alter gibt es nicht mehr so viel zu tun. Da ist es schon eine wohltuende Ausnahme, einen Gast wie Sie zu haben. Das ist richtig aufregend für mich. Möchten Sie etwas Sahne? Es ist noch welche übrig. Vielleicht nehmen Sie Ihren Tee ja lieber mit Sahne oder aber Sie möchten es heute einmal ausprobieren. Bei mir verhält es sich mit der Sahne wie mit der Milch – zu Tee empfinde ich beides gleichermaßen unpassend. Wobei ich meinem Kaffee schon ganz gerne ein Löffelchen Milch hinzugebe, wie ich bereits erwähnte. Sahne im Tee jedoch ist mir regelrecht ein Gräuel. Vielleicht geht es Ihnen ja aber mehr wie Agathe. Immerhin ist Agathe auch ein sehr feiner Mensch. Manchmal denke ich, alle feinen Menschen müssten sich eigentlich kennen. Kennen sie, Agathe Windstoss?«
Herr Mosgruber rang darum, die Nerven nicht zu verlieren. »Nein, ich bedauere.«
»Nein? Oh natürlich nicht. Sie sind wohl nicht oft hier in dieser Gegend – wozu auch. Nein, nein, vergessen Sie diese Frage und vergeben Sie einer törichten alten einsamen Dame. Sagen Sie mir doch jetzt lieber einmal, wie Sie zu einer gehörigen Portion Sahne in Ihrem Tee stehen, denn diese Frage ist weiterhin unbeantwortet, obgleich sie doch von so hoher Bedeutung für unser Gespräch über das Geldgeschenk ist. Hatten wir doch beschlossen dieses Thema bei einem guten Tässchen Tee weiter zu vertiefen – und da sollten wir beiden dann selbstverständlich auch ein Tässchen Tee vor uns auf dem Tisch stehen haben, welches uns dann auch richtig gut schmeckt. Finden Sie nicht, Herr Mosgruber?«
»Ja, ein Tässchen guter Tee ist schon etwas Feines, und nein, meinen Tee bitte ohne Sahne.« antworte er, hörbar bemüht, ruhig zu bleiben.
»Ich dachte mir schon, dass Sie zu Ihrem Tee keine Sahne würden haben wollen, da Sie die Milch bereits zuvor abgelehnt hatten. Dennoch wollte ich Ihnen die Sahne zumindest anbieten. Schade übrigens, dass Sie die Agathe nicht kennen.«
»Sie ist bestimmt eine wunderbare Frau.« Doch die Worte die er sprach, passten nicht so recht mit dem Ausdruck in seiner Stimme zusammen. Herr Mosgruber hoffte inständig, dies bliebe seiner Gastgeberin verborgen.
»Auch etwas sonderbar. Wunderbare Menschen sind ja oft auch etwas sonderbar. Aber eigentlich hätte ich mir wirklich gleich denken können, dass Sie Agathe nicht kennen. Versteckt die Gute sich doch schon seit Jahren regelrecht vor den Menschen. Nur eben vor mir nicht. Dazu kennen wir uns wohl inzwischen auch bereits zu lange. Ach, sie ist so ein netter, höflicher Mensch. Ganz die alte Schule. Aber ich schweife wieder ab. Möchten Sie vielleicht etwas Gebäck?«
»Nein. Kein Gebäck, bitte. Wie lange wird es wohl noch dauern mit dem Tee?«
»Was sind Sie denn plötzlich so ungeduldig, mein lieber Herr! Sprachen Sie nicht selbst davon, ein gutes Tässchen Tee trinken zu wollen, während wir uns über das Geldgeschenk unterhalten? Da ist es doch nun sehr unhöflich, mich so zu drängen. Bevor ein gutes Tässchen Tee getrunken werden kann, dauert es eben seine Zeit. Das hat der liebe Herrgott so verfügt und nicht etwa die alte Gisela Röhrendocht. Da müssen Sie sich wohl oder übel schon noch ein wenig in Geduld üben, bester Herr Mosgruber, kann ich dazu nur sagen. Aber die Agathe ist ja auch ewig in Eile. Daher bin ich zumindest ein wenig an eine derartige Hektik gewöhnt. Und gerade weil die Agathe immer so in Eile ist, verstehe ich es übrigens noch sehr viel weniger, dass sie ihren Tee immer mit Sahne mag. Muss ich die Sahne doch jedes Mal erst aus der Milch schlagen, die mir die Agathe mitgebracht hat. Und das dauert eben seine Zeit. Die nimmt sich die Agathe dann allerdings. Wie gesagt, die Agathe ist halt ein ganz wunderbarer Mensch. Ja, ohne die Agathe hätte ich hier in meinem Häuslein schon lange keine Milch mehr. Ich komme ja kaum noch raus, so alt und gebrechlich wie ich bin – und besuchen tut mich hier außer der Agathe niemand.«
»Warum versteckt sich Ihre Freundin denn vor den Menschen?«
»Ach, das interessiert Sie jetzt schon, gell? Das dachte ich mir fast. Darum habe ich ja auch angefangen von ihr zu erzählen, als Sie mir sagten, wir würden über das Geldgeschenk erst bei einem guten Tässchen Tee sprechen – und ich hernach gleich wusste, dass es bis dahin dann noch ein Weilchen dauern würde. Mein alter Ofen braucht mit dem Brennholz halt recht lange, bis das Teewasser heiß ist. Und da man einen Gast nicht so lange still und stumm sitzen lassen sollte, habe ich mir natürlich gleich überlegt, worüber ich mit dem Herrn Mosgruber reden könnte. Die Zutaten für ein gutes Tässchen Tee, so wie Sie es mögen, abzufragen, ist da natürlich eine Sache, damit allein die Zeit zu überbrücken, erschien mir dann aber doch etwas zu gewagt, deshalb suchte ich schon gleich nach einem weiteren Thema. Und da dachte ich mir, dass die Agathe für Sie schon von Interesse sein könnte, womit ich ja auch gar nicht so falsch lag, wie sich nun zeigt. Sie sind mir schon ein Spitzbube, Herr Mosgruber! Am Ende ist es vielleicht gar so, dass Sie nur hier sind, um mich über die Agathe auszuhorchen, und das mit dem Geldgeschenk nur als Vorwand nutzten. Na das wäre was! Die Agathe meinte allerdings schon, dass so etwas einmal passieren könnte.«
Jakob Mosgruber zuckte zusammen. Ruhig bleiben, sagte er sich. Auf keinen Fall darfst du dir etwas anmerken lassen. Zu lange schon jagten er und seine Mitarbeiter Agathe Windstoss vergeblich hinterher. Nach all den Jahren war die alte Dame in der Küche die erste wirklich heiße Spur.
Es gab nur noch sehr wenige Menschen, die über keinen Internetanschluss und kein Telefon verfügten. Menschen also, die man nahezu unmöglich überwachen konnte. Die Alte war beinahe ein ebensolches Gespenst, wie Agathe Windstoss selbst. Die Verbrechen von Agathe Windstoss waren jedoch sehr real. Immer wieder schlug sie mittels Computerviren tiefe Löcher in das globale Überwachungsnetz der Großkonzerne – immer wieder gingen dadurch intimste Informationen über den Einzelnutzer verloren. Das sorgte für enorme Umsatzeinbußen. Ein untragbarer Zustand für die Konzerne.
Jakob Mosgruber leitete die Spezialeinheit, die Agathe Windstoss unschädlich machen sollte – und er war es auch gewesen, der den Gedanken aufgebracht hatte, dass es eine Verbindung zwischen Agathe Windstoss und den überwachungsfernen Menschen geben musste. Von irgendwo her musste Agathe Windstoss ja Kleidung, Nahrung und ein Dach über dem Kopf bekommen. Wenn man auch sonst nichts von den überwachungsfernen Menschen wusste, so waren doch zumindest die meisten ihrer Namen und Adressen bekannt. Seit Monaten suchten Jakob Mosgruber und seine Mitarbeiter jeden einzelnen dieser Menschen auf.
Heute war Jakob Mosgruber nun zu Frau Gisela Röhrendocht gegangen um sie auszuhorchen. Gleiches taten seine Mitarbeiter zur selben Zeit bei anderen überwachungsfernen Menschen – auf der ganzen Welt.
»Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen heute die Agathe sogar persönlich vorstellen. Sie hat die letzte Nacht im Gästezimmer verbracht. Und da Sie ja nun schon ohnehin einiges über sie erfahren haben, kann ich sie wohl auch gleich direkt miteinander bekannt machen.«
Doch als Frau Röhrendocht aus der Küche kam, befand sich Herr Mosgruber nicht mehr auf seinem Platz. Stattdessen saß Agathe auf dem Stuhl und lächelte ihre alte Freundin an.
»Wie ich sehe, hast du ein gutes Tässchen Tee gemacht. Wunderbar. Würdest du in mein Tässchen bitte noch eine gehörige Portion Sahne geben? Von gestern Abend müsste ja noch etwas übrig sein.«
»Eigentlich war der Tee für meinen Besuch gedacht, der mit mir über ein Geldgeschenk sprechen wollte.«
»Ich fürchte, liebe Gisela, der Mann ist bereits gegangen. Als ich herein kam und ihn begrüßte, bat er mich, ihn zu entschuldigen. Er hätte da noch eine wichtige Terminsache.«
»Das ist sehr schade. Er war so nett. Vielleicht ein wenig verschlossen und ungeduldig, ansonsten aber wirklich sehr nett. Du hättest ihn bestimmt gemocht. Hatte er wegen des Geldgeschenks noch etwas gesagt?«
»Du solltest wirklich nicht so leichtgläubig sein, Gisela. Vermutlich war das doch nur ein Vorwand, um mit dir über irgend eine andere Sache ins Gespräch zu kommen.«
»Wahrscheinlich hast du Recht, meine Liebe. Das mit dem Geldgeschenk erschien mir gleich ein wenig sonderbar.«
Herr Mosgruber lag derweil gefesselt und geknebelt unter dem Bett im Gästezimmer, direkt neben seinem Koffer und dem Mantel.

Version vom 17. 01. 2010 16:25
Version vom 19. 01. 2010 22:57
Version vom 20. 01. 2010 20:04

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jon
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Mag ich. Obwohl jede Menge Kommas fehlen.

Drei Fragen:

1: Was hat es mit der Stelle

quote:
Allerdings fragte er sich, wie Frau Röhrendocht dort hinein gekommen war, ohne an ihm vorbeizulaufen. Eine Verbindungstür zwischen Flur und Küche hatte er nicht gesehen.
auf sich? Weder erschließt sich mir, wie die Frau das gemacht haben soll, wenn keine Tür da ist, oder warum Mosgruber die Tür übersehen haben soll, noch ob (und wenn ja wie) dieses Detail mit dem Rest (den Lebenumständen, der Beredtsamkeit oder der Pointe) zu tun hat.

2: Diese Agathe muss ja nicht nur echt flink sein. Vor
quote:
»Wenn sie möchten, kann ich ihnen heute die Agathe sogar persönlich vorstellen. Sie hat die letzte Nacht im Gästezimmer verbracht. Und da sie ja nun schon ohnehin einiges über sie erfahren haben, kann ich sie wohl auch gleich direkt miteinander bekannt machen.«
war der Mann noch da, sofort danach ist er geknebelt, gefesselt, ins Gästezimmer geschafft und dort unterm Bett verstaut worden. (Und Mantel und Koffer sind auch schon "entsorgt", oder?) Agathe muss auch echt stark sein und extrem lautlos arbeiten können. Und das, wo sie – so hatte ich es verstanden - nur unerheblich, wenn nicht sogar gar nicht jünger als die alte Dame ist. Kann Agathe vielleicht zaubern – in echt oder mittels Technik?

3: Macht er das Gewese um den Koffer, weil da die Abhör-Anlage drin ist? Schon heute kreigt man sowas viiiiiieeeel kleiner hin, in der Zukunft, die du beschreibst, erst recht.
3a: Eigentlich muss da wirklich Geld drin sein, denn sonst hätte die alte Dame Verdacht geschöpft und ihre Freundin (absichtlich oder im Redefluss) gewarnt. Vielleicht sollte der Geldkoffer dann auch mit unterm Gästebett liegen … ist aber nur so eine Idee.

Anmerkung 1:
quote:
Das gesamte Gespräch zwischen ihm und Frau Röhrendocht wurde mittels eines Senders ins Hauptquartier übertragen. So zumindest glaubte Jakob Mosgruber. Seit er dieses Haus betreten hatte, wurde der Sender jedoch gestört.
…hat mich stilsitisch irrtiert. Es wirkt unharmonisch, wie nachträglich eingefügt. Vorallem der Wechsel des Point of View irrtiert mächtig: Alles (bis auf die Schlusspointe) ist mit einer Kamera erzählt, die Moosgruber beobachtet. Man sieht und hört, was er sieht und hört. Und was ER weiß. Wo kommt da plötzlich mittendrin eine Sache her, die allerhöchstens Agathe (neben dem Autor natürlich) weiß?

Anmerkung 2:
Die Leerzeilen-Absätze scheinen mir recht willkürlich eingefügt zu sein …
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Rainer Lieser
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Hallo Jon,

Zu den fehlenden Kommas.
Ja, die Kommas. Mit denen stehe ich leider immer noch auf Kriegsfuß … Danke für Deine Nachsicht.

Zu den Fragen:

Zu 1:
Ursprünglich wollte ich an dieser Textstelle einen ersten Hinweis auf Herrn Mosgrubers tatsächlichen beruflichen Hintergrund geben, indem gezeigt wird, wie genau er seine Umgebung beobachtet. Durch die übersehene Tür sollte dann zusätzlich auch noch gleich angedeutet werden, dass er an diesem Tag bereits mehrere "Besuche" hinter sich gebracht hatte und anfing unvorsichtig zu werden. Weshalb es für Agathe dann später auch ein leichtes war, ihn zu überwältigen.
Diesen Gedanken habe ich später allerdings fallen gelassen. In der Endfassung erfährt der Leser nun sehr viel früher von Herrn Mosgrubers Beobachtungsgabe. Die von Dir hervorgehobene Textpassage war also gewissermassen noch eine "Leiche". Habe die Stelle gelöscht, da sie tatsächlich mehr verwirrt hat, als die Geschichte vorwärts zu bringen.
Zu 2:
Nach meiner Vorstellung ist Agathe eine Super-Computer-Hackerin, der es seit Jahren immer wieder gelingt ihren Verfolgern zu entkommen. Sie hat sich in dieser Zeit viele überlebensnotwendige Tricks und Techniken angeeignet, die sie nahezu auf eine Stufe mit Bond, James Bond stellen.
Über Agathes Alter sagt Gisela Röhrendocht an einer Stelle: "Sie ist ja auch noch so jung".
Ich persönlich würde Agathe auf ca. 36 Jahre schätzen.
Zu 3:
Tatsächlich ist in dem Koffer Geld drin – und zuletzt nimmt es Agathe an sich, um es gegen ihre Verfolger zu nutzen. In einer frühen Version des Textes wurde das so auch beschrieben. Dann aber dachte ich mir, es wäre spannender in "Hitchcock-Manier" mit einem "McGuffin" zu arbeiten – und deshalb am Ende nicht mehr auf den Koffer einzugehen.
Aber Du hast recht, erwähnt werden sollte zumindest der unmittelbare Verbleib des Koffers schon noch. Habe in der aktuellen Version eine entsprechende Info eingefügt.

Zu den Anmerkungen:

Zu 1:
Stimmt. Das stört. Habe es entfernt.
Zu 2:
Eigentlich hatte ich versucht inhaltliche Blöcke zu schaffen. War damit aber offensichtlich nicht sonderlich erfolgreich. Habe es nun geändert. Hoffe die Leerzeilen-Absätze wirken jetzt etwas weniger willkürlich.

Habe mich sehr über Deine Gedanken und Anregungen gefreut.

Gruß,
Rainer

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jon
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Viel besser. (Sorry, dass Agathe jung ist, hatte ich glatt überlesen.)

Bis auf die Absätze …
Absätze sind in allererster Linie Lese-Pausen. Einfache Absätze ganz kleine, mit Leerzeile größere, mit Trennzeichen (Sterne, Kapitelzahlen etc) ganz große.
Sicher: Oft ist es sinnvoll, Inhaltseinheiten durch Lesepausen zu trennen, dann muss aber auch die Handlung diese Pause enthalten (Ortswechsel, Zeitsprung oder so). So wie es hier steht, ist es, als würdest du in einem Film mitten in der durchgehenden Szene immer wieder mal kurz das Bild anhalten. Der einzige "Ortswechsel" (Szenenwechsel) ist der von der plappernden Alten zu "unters Gästebett". Da dieser Schluss aber kurz ist, würde ich auch hier (obwohl es modern ist) keine Leerzeile dazwischen machen. Der Stil ist stark genug, diese Trennung "von selbst" zu erzeugen.

Dass Mosgruber heute schon etliche Besuche hinter sich hat (und immer noch Geld im Koffer?) ist nicht wirklich wichtig für die Geschichte, dass es Routine ist, schon eher. So hab ich es auch gelesen.
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Rainer Lieser
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Hallo Jon,

Danke für den Hinweis mit den Absätzen – und Deine Geduld mit mir.
Habe das noch geändert und versuche in Zukunft Deine diesbezügliche Info zu beherzigen.

Übrigens hätte Herr Mosgruber Gisela das Geld in dem Koffer nicht übergeben. Er hatte zwar vor es ihr zu zeigen, um damit ihr vertrauen zu gewinnen, gekriegt hätte sie das Geld aber nicht. Ebenso wenig, wie die Leute die er vorher "besucht" hatte.

Wäre es Deiner Ansicht nach sinnvoll gewesen die jeweiligen Motive der einzelnen Charakter detaillierter auszuführen?

Gruß,
Rainer

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jon
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NEIN! Ich meine: Nein, nicht noch detailierter auf die einzelnen Figuren eingehen, das hier ist eine Kurzgeschichte, keine Erzählung oder gar ein Roman. Die wichtigsten Motivationen sind ableitbar – Pflichterfüllung (was Mosgruber und Agathe für ihre Pflicht halten) und menschliche Bedürfnisse. Die Figuren haben genügend Charakter (sie sind "Typen"), um den "Kurzfilm zu sehen". Aus meiner Sicht völlig richtig gebaut so. Dazu Witz, Spannung, treffsichere Pointe (ob es im realen Leben tatsächlich sooooo schnell gehen kann, fällt für die Wirkung nicht wirklich ins Gewicht, wir sind – da uns Filme da schon lange belügen – bereits der Meinung, es könne zumindest so schnell gehen) – ich würde (bis auf die Schreibfehler) alles so lassen. Vielleicht fände man unter der Lupe noch Formulierungen, die anders sein könnten – beim einfachen Lesen sind mir allerdings keine ins Augen gestochen.
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