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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein hoher Preis
Eingestellt am 14. 10. 2010 22:06


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Simplicius M.
Schriftsteller-Lehrling
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Ein hoher Preis

Der Peugeot war tiefergelegt. Im Laufe der letzten Minuten war Martins Abneigung gegen die Fahrer solcher Fahrzeuge stark gestiegen. Es nervte ihn, wenn sie um jedes kleine Loch einen Bogen fuhren, dann losjagten, um vor der n├Ąchsten Bodenwelle wieder in die Eisen zu steigen. Vor allem jetzt.
Immer wieder fiel sein Blick auf die Uhr. Die kurvige Strecke hatte ihm keine Chance gelassen zu ├╝berholen. Ausgerechnet heute. Um f├╝nf musste er am Maritim-Hotel sein. Kundentermin. Sein Chef war bestimmt schon da. Martin hasste Unp├╝nktlichkeit.
Er fuhr jetzt durch Bernsdorf. Die Strecke kannte er im Schlaf. Nach dem Ortsausgangsschild w├╝rde noch eine Linkskurve kommen und dann ging es einige Meter geradeaus. Bis auf Weiteres die letzte Chance vorbeizukommen. Das musste reichen.
In der Kurve beschleunigte Martin. Er war nun bis auf wenige Meter auf seinen Vordermann aufgefahren. Er konzentrierte sich, reckte seinen Kopf nach links. Wenn es auf die Gerade ging, musste er schnell reagieren. Viel Zeit w├╝rde er nicht haben, um vorbeizuziehen.
Dann lag die Gerade vor ihm. Kein Gegenverkehr, also los!
Er trat aufs Gaspedal. Der Motor heulte auf, die Beschleunigung dr├╝ckte ihn in den Sitz. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte er zum Peugeot-Fahrer aufgeschlossen. Als beide auf gleicher H├Âhe waren, trafen sich ihre Blicke. Martin registrierte noch das Grinsen im Gesicht, als er feststellte, dass der Peugeot neben ihm ebenfalls schneller wurde.
Panik erfasste ihn. Sein Fu├č zuckte. F├╝r den Bruchteil einer Sekunde wollte er abbremsen. Doch er entschied sich dagegen. Hundert Meter hatte er noch, das musste reichen. Mit einer schnellen Bewegung schaltete er runter und trat das Gaspedal voll durch.
Martin gewann jetzt Zentimeter um Zentimeter. Er beruhigte sich, denn vor der n├Ąchsten Kurve w├╝rde er vorbei sein. Siebzig Meter blieben ihm noch.
Doch dann tauchte genau dort ein LKW auf.
Martin hielt den Atem an. Adrenalin schoss ihm ins Blut. Seine H├Ąnde packten das Lenkrad noch fester. Das pl├Âtzliche, dr├Âhnende Hupen des LKWs drang in Martins Ohr und lie├č ihn zusammenzucken. Er presste einen Fluch ├╝ber seine Lippen.
Im selben Augenblick wurde es glei├čend hell. Wie aus Lichtkanonen strahlte ihm das Fernlicht des LKWs ins Gesicht. Sch├╝tzend hielt sich Martin den Arm vor die Augen. Mit der anderen Hand riss er blind das Lenkrad nach rechts.
Er hatte keine Zeit mehr, zu schauen, ob er ganz am Peugeot vorbei war, als er auf die rechte Spur zog. Er h├Ârte noch ein kurzes Quietschen von hinten und einen dumpfen Schlag. Im R├╝ckspiegel sah er, wie der Peugeot dicht hinter ihm ins Schlingern kam und der Fahrer seinen Wagen mit aufgerissenen Augen gerade so unter Kontrolle brachte. Das Dr├Âhnen der LKW-Fanfare jagte an ihm vor├╝ber, schwoll ab und verhallte in der Ferne.
Martin stie├č den angehaltenen Atem aus. Ein flaues Gef├╝hl stieg in ihm auf und machte sich in seinem Magen breit. Auf seinem K├Ârper, der schlaff in den Sitz gesunken war, trat kalter Schwei├č aus den Poren. Eine ganze Zeitlang starrte er geradeaus, starrte auf den Punkt, wo eben noch das helle Licht gewesen war. Es verging eine Weile, bis sich das monotone Klacken des Blinkers in sein Bewusstsein schlich. Er wischte seine Hand am Hosenbein trocken und schaltete den Blinker aus.
Vor ihm war die Stra├če frei.

Version vom 14. 10. 2010 22:06

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Lakritze
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2010

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Hallo Simplicius,

ich kann mir nicht helfen, ich werde noch nicht recht warm mit Deiner Geschichte. Sie ist sehr sorgf├Ąltig geschrieben und beschreibt eigentlich eine gut gew├Ąhlte, geradlinige Situation -- knappe ├ťberholman├Âver kennt jeder, aus der einen oder anderen Sicht; Du beschreibst die Vorg├Ąnge detailliert und nachvollziehbar, alles wird folgerichtig erkl├Ąrt.

Wahrscheinlich ist es das: f├╝r mich wird zu viel erkl├Ąrt und zu wenig mir als Leserin ├╝berlassen. An den wirklich spannenden Stellen wird die korrekte Sprache pl├Âtzlich hinderlich und bremst die Geschichte aus -- hier w├Ąre k├╝rzer vielleicht besser.


Gott, ist das nervig! [Innerer Monolog, wechselt aber bald zu erz├Ąhlender Beschreibung] Wie lange fuhr er nun schon hinter diesem blauen Peugeot hinter her? Eine halbe Stunde? Mit seinen Fingern [k├Ânnen weg, sind logisch] trommelte er nerv├Âs [auch das ist klar] auf dem Lenkrad. Ausgerechnet heute. Um f├╝nf musste Martin am Maritim-Hotel sein. Kundentermin. Sein Chef war bestimmt schon da und wartete schon. Er hasste Unp├╝nktlichkeit. Vor allem bei sich selbst. [Auch hier k├Ânnte gek├╝rzt werden -- um den Zeitdruck klarzumachen, reicht weniger schon aus]
Es kam ihm ewig davor, dass er nun schon diesem tiefergelegten Spielzeug eines Sp├Ątpubertierenden [Wertung wird vom Erz├Ąhler vorgegeben!] hinterherzuckelte, der vor jeder Bodenwelle abbremste und um jede kleine Unebenheit einen Riesenbogen fuhr. Aber er kam einfach nicht vorbei. Erst die vielen Kurven auf der Strecke, und wenn es mal ein St├╝ck geradeaus ging, dann kamen ihm Autos entgegen.
Er fuhr jetzt durch Bernsdorf. [gef├Ąllt mir -- jeder kennt diese endlosen Ketten von Landstra├čend├Ârfern ...] Er kannte ja die Strecke wie im Schlaf. Nach dem Ortsausgangsschild w├╝rde noch eine Linkskurve kommen, und dann ging es einige Meter geradeaus. Das musste zum ├ťberholen reichen.
In der Kurve beschleunigte Martin seinen Wagen[was sonst?]. Er war nun bis auf wenige Meter auf seinen Vordermann aufgefahren.
Er war angespannt, hochkonzentriert [auch hier wird die Beobachtung vorgegeben; eine Beschreibung wie ┬╗biss die Z├Ąhne zusammen┬ź w├╝rde vielleicht den gleichen Zweck erf├╝llen]. Wenn es auf die Gerade ging, musste er schnell reagieren. Viel Zeit w├╝rde er nicht haben, um vorbeizuziehen.
Dann ging es aus der Kurve heraus. Die Gerade lag vor ihm. [k├╝rzer evtl.: Dann lag die Gerade vor ihm.]
Kein Gegenverkehr, also los!
Er trat aufs Gaspedal, und der Motor heulte auf. Die Beschleunigung dr├╝ckte ihn in den Sitz; und Martin sp├╝rte in seinem K├Ârper die Vibration jedes einzelnen Zylinders. [Stimmt das Bild? Zylinder vibrieren ja normalerweise nicht, sondern sie stampfen vielleicht eher?]
Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte er zum Peugeot-Fahrer aufgeschlossen. Als beide auf gleicher H├Âhe waren, trafen sich ihre Blicke.
Martin registrierte noch das Gesicht mit dem arroganten Grinsen [wieder eine Erkl├Ąrung: das Verhalten w├Ąre dramatischer, wenn es unkommentiert bliebe], als er feststellte diese Wendung mit Nebensatz bremst!, dass der Peugeot neben ihm ebenfalls schneller wurde.

Panik erfasste ihn. Sein Fu├č zuckte. F├╝r den Bruchteil einer Sekunde wollte er abbremsen. Doch er entschied sich dagegen. Hundert Meter hatte er noch, das musste reichen. Mit einer schnellen Bewegung schaltete er runter und trat das Gaspedal noch einmal voll durch.

Martin beruhigte sich wieder [uff! An der Stelle w├Ąre ich noch l├Ąngst nicht beruhigt ...], denn er gewann jetzt Zentimeter um Zentimeter. Jetzt lie├č er den Peugeot stehen. Siebzig Meter hatte er noch. Vor der n├Ąchsten Kurve w├╝rde er vorbei sein.
Und dann tauchte vor ihm in der Kurve, die vor ihm lag, pl├Âtzlich ein LKW auf.
Er erschrak. [ist klar, kann weg] Adrenalin schoss ihm Martin ins Blut. Seine H├Ąnde packten das Lenkrad noch fester. Das Hupen des LKW-Fahrers dr├Âhnte ihm entgegen und war jetzt schon bedrohlich nahe. Und dann war vor ihm alles hell. [Hier dachte ich einen Moment: Das Paradies! Oder eine Explosion?] S├Ąmtliche Scheinwerfer des LKWs strahlten ihm ins Gesicht [k├╝rzer: blendeten ihn?]. Er hielt sich sch├╝tzend den rechten Arm vor die Augen. Mit der anderen Hand riss er das Lenkrad nach rechts.

Er hatte keine Zeit mehr, zu schauen, ob er ganz am Peugeot vorbei war, als er wieder auf die rechte Spur zog. Er h├Ârte noch ein kurzes Quietschen und einen dumpfen Schlag, der wohl von der hinteren Sto├čstange herr├╝hrte [wohl die hintere Sto├čstange]. Im R├╝ckspiegel sah er, wie der Peugeot in der Kurve ins Schlingern kam und sein Fahrer seinen Wagen mit schreckerf├╝lltem Gesicht und aufgerissenen Augen [die neuen, jetzt pl├Âtzlich ganz anderen Emotionen gefallen mir gut, allerdings auch hier: schreckerf├╝llt nimmt die Interpretation vorweg] gerade so unter Kontrolle brachte. Das Dr├Âhnen der LKW-Fanfare verhallte in der Ferne.
Martin atmete tief durch [Ich w├╝rde erwarten, da├č er zittert und fast keine Luft bekommt] und wischte sich die feucht gewordenen H├Ąnde am Hosenbein trocken. Vor ihm war die Stra├če frei. Fast h├Ątte er daf├╝r einen zu hohen Preis bezahlt. [Wieder: vorgegebene Interpretation; lieber streichen!]

Zwei Sachen noch:

Da├č alle ┬╗er┬ź sind (Martin, der Peugeot-Fahrer, beider Wagen, der LKW), macht die Grammatik manchmal etwas sperrig (┬╗sah er, wie der Peugeot in der Kurve ins Schlingern kam und sein Fahrer seinen Wagen ...┬ź). Man k├Ânnte das etwas vereinfachen, indem man aus einer der Figuren eine Fahrerin macht -- blo├č sone Idee.

Der zu hohe Preis, den Martin hier beinahe bezahlt h├Ątte, wird nicht wirklich greifbar. In solchen Momenten denke ich an die Lieben, die ich fast verloren h├Ątte, und schreie erstmal oder haue aufs Lenkrad. Da bleibt Dein Protagonist seltsam emotionslos.

Alles in allem denke ich, mit etwas Bearbeitung k├Ânnte richtig was werden aus dieser Geschichte. Du schreibst gut, fl├╝ssig und mit Sorgfalt; mit Tempo und Rhythmus der Sprache kannst Du das noch unterst├╝tzen.

Sch├Âne Gr├╝├če und viel Spa├č hier,
Lakritze
__________________
┬╗Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.┬ź

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Simplicius M.
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Hallo Lakritze,

erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Geschichte so auseinanderzupfl├╝cken. Das finde ich sehr wertvoll.
Wie du bestimmt gesehen hast, war das mein erstes hier ver├Âffentlichtes "Werk". Es war ├╝berhaupt mein erster schriftstellerischer Versuch. Deshalb bin ich dankbar f├╝r die vielen Tipps, die du gegeben hast. Zwei wesentliche Dinge nehme ich mit:
1. Das, was man in jedem Schreibratgeber findet: Jedes einzelne Adjektiv und Adverb sollte auf den Pr├╝fstand. Ich habe versucht, darauf zu achten. Aber wie du zeigst, war ich an einigen Stellen nicht kritisch genug.
2. Die Kunst ist, zwischen den Zeilen zu schreiben, nicht alles zu erkl├Ąren und mehr dem Leser ├╝berlassen. Das muss man wohl lernen und ├╝ben. Ich werd' mich weiter dran versuchen.

Ein paar Fragen zu deinen Anmerkungen hab ich noch.
Innerer Monolog, wechselt aber bald zu erz├Ąhlender Beschreibung. Ist das positiv oder negativ gemeint? Ich vermute, der Wechsel ist eher irritierend. W├Ąre es besser, Martins explizit ge├Ąu├čerte Gedanken in Anf├╝hrungszeichen zu setzen?
Hier dachte ich einen Moment: Das Paradies! Oder eine Explosion? Warst du dann entt├Ąuscht, dass es "nur" die Scheinwerfer waren? Ist das so eine Stelle, wo die Spannung nachl├Ąsst?

Auf jeden Fall ermutigst du mich, die Geschichte noch ein bisschen aufzupeppen. Bevor ich einen Fehler mache: Was ist ├╝blich in diesem Forum? Sollte man ├╝berarbeitete Versionen als Kommentar oder als neuen Beitrag posten?

Danke und Gru├č
Simplicius

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Lakritze
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Wow, hast Du geschafft! Gerne nehme ich mir die Geschichte nochmal vor. Jetzt habe ich eher Kleinigkeiten zu bemeckern.

Formulierungen wie ┬╗auftauchen, den Atem anhalten, an sein Ohr dringen┬ź suggerieren, da├č einiges an Zeit vergeht. Du k├Ânntest an einigen Stellen Vorg├Ąnge durch die Wortwahl beschleunigen (Sch├╝tzend hielt er sich den Arm vor die Augen --> Sch├╝tzend schlug er den Arm vor die Augen).

Achso, und der Titel ┬╗Ein hoher Preis┬ź ist jetzt nicht mehr verst├Ąndlich. Mir f├Ąllt als Variation nix Gescheites ein, nur ┬╗Der Preis der Freiheit┬ź. %) Besser was Neues ...

[Ein Satz, der die Situation umrei├čt, w├Ąre am Anfang sinnvoll; vielleicht: ┬╗Schon wieder leuchteten die R├╝cklichter auf; der Peugeot ...┬ź]
Der Peugeot war tiefergelegt. Im Laufe der letzten Minuten war Martins Abneigung gegen die Fahrer solcher Fahrzeuge stark gestiegen [evtl. pr├Ągnanter: Martin begann allm├Ąhlich, den Fahrer zu hassen]. Es nervte ihn, wenn sie [wie er] um jedes kleine Loch einen Bogen fuhren, dann losjagten, um vor der n├Ąchsten Bodenwelle wieder in die Eisen zu steigen. Vor allem jetzt.
Immer wieder fiel sein Blick auf die Uhr. Die kurvige Strecke hatte ihm keine Chance gelassen zu ├╝berholen. Ausgerechnet heute. Um f├╝nf musste er am Maritim-Hotel sein; Kundentermin. Sein Chef war bestimmt schon da. Martin hasste Unp├╝nktlichkeit.
Er fuhr jetzt durch Bernsdorf. Die Strecke kannte er im Schlaf. Nach dem Ortsausgangsschild w├╝rde noch eine Linkskurve kommen, und dann ging es einige Meter geradeaus. Bis auf Weiteres die letzte Chance vorbeizukommen. Das musste reichen [Die musste er nutzen?].
In der Kurve beschleunigte Martin [und fuhr bis auf wenige Meter auf seinen Vordermann auf]. Er war nun bis auf wenige Meter auf seinen Vordermann aufgefahren. Er konzentrierte sich, reckte [irgendwas Unbequemeres? verdrehte?] seinen Kopf nach links. Wenn es auf die Gerade ging, musste er schnell reagieren. Viel Zeit w├╝rde er nicht haben, um vorbeizuziehen.
Dann lag die Gerade vor ihm. Kein Gegenverkehr, also los!
Er trat aufs Gaspedal [gab Gas?]. Der Motor heulte auf, die Beschleunigung dr├╝ckte ihn [nicht den Motor] in den Sitz. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte er zum Peugeot-Fahrer aufgeschlossen. Als beide auf gleicher H├Âhe waren, trafen sich ihre Blicke. Martin registrierte noch das Grinsen im Gesicht [, wie der Fahrer grinste], als er feststellte [Nebensatz bremst -- da merkte er], dass der Peugeot neben ihm ebenfalls schneller wurde.
Panik erfasste ihn. Sein Fu├č zuckte. F├╝r den Bruchteil einer Sekunde [Wiederholung -- einen Herzschlag lang?] wollte er abbremsen. Doch er entschied sich dagegen. Hundert Meter hatte er noch, das musste reichen [hier pa├čt das ┬╗reichen┬ź]. Mit einer schnellen Bewegung schaltete er runter und trat das Gaspedal voll durch.
Martin gewann jetzt Zentimeter um Zentimeter. Er beruhigte sich [hier vielleicht lieber doch was physiologisches, Atmen?], denn vor der n├Ąchsten Kurve w├╝rde er vorbei sein. Siebzig Meter blieben ihm noch.
Doch dann tauchte genau dort ein LKW auf [Auftauchen klingt zu allm├Ąhlich; abrupter w├Ąre passender].
Martin hielt den Atem an [japste?]. Adrenalin schoss ihm ins Blut. Seine H├Ąnde packten das Lenkrad noch fester. Das pl├Âtzliche, dr├Âhnende Hupen des LKWs drang in Martins Ohr [ins Ohr dringen -- wieder zu allm├Ąhlich] und lie├č ihn zusammenzucken. Er presste einen Fluch ├╝ber seine Lippen.
Im selben Augenblick wurde es glei├čend hell. Wie aus Lichtkanonen strahlte ihm das Fernlicht [2x Licht] des LKWs ins Gesicht. Sch├╝tzend hielt er sich Martin den Arm vor die Augen [schneller: ... schlug er ...]. Mit der anderen Hand riss er blind das Lenkrad nach rechts.
Er hatte keine Zeit mehr, zu schauen, ob er ganz am Peugeot vorbei war, als er auf die rechte Spur zog. Er h├Ârte noch ein kurzes Quietschen von hinten und einen dumpfen Schlag. Im R├╝ckspiegel sah er [die aufgerissenen Augen des Fahrers, als], wie der Peugeot dicht hinter ihm ins Schlingern kam und der Fahrer seinen Wagen mit aufgerissenen Augen gerade so unter Kontrolle brachte beinahe au├čer Kontrolle geriet. Das Dr├Âhnen der LKW-Fanfare jagte an ihm vor├╝ber, schwoll ab und verhallte in der Ferne.
Martin stie├č den angehaltenen Atem aus. Ein flaues Gef├╝hl stieg in ihm auf und machte sich in seinem Magen breit. Auf seinem K├Ârper, der schlaff in den Sitz gesunken war, trat kalter Schwei├č aus den Poren [eigenwillige Formulierungen, passen aber m.E. hier gut]. Eine ganze Zeitlang starrte er geradeaus, starrte auf den Punkt, wo eben noch das helle Licht gewesen war. Es verging eine Weile, bis sich das monotone Klacken des Blinkers in sein Bewusstsein schlich. Er wischte seine Hand am Hosenbein trocken und schaltete den Blinker aus. [Uff! Klasse.]
Vor ihm war die Stra├če frei.


Der Schlu├č stimmt jetzt f├╝r mich. Nach dem ziemlich rasanten ├ťberholman├Âver ist jetzt die Luft raus, die S├Ątze werden schachteliger; der Protagonist bekommt nach und nach wieder mit, was um ihn herum passiert, und f├╝r den ganzen Stre├č hat er jetzt als Lohn -- eine leere Stra├če. Hier fragt sich der Leser, nicht der Protagonist, ob es das wirklich wert war.

Sch├Âne Gr├╝├če!
--L.
__________________
┬╗Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.┬ź

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Pikolaus
Guest
Registriert: Not Yet

Ein anderes Ende w├Ąre mir lieber

Was mir gef├Ąllt, ist der Spannungsbogen und die Dramatik. Ich als Leser wei├č sofort um was es geht und eine sehr kurze Zeitspanne ist der Rahmen.
Was mir fehlt, sind Dialoge als w├Ârtliche Rede. Zum Beispiel die Fl├╝che und Beschimpfungen der anderen Verkehrsteilnehmer, wenn die sich nicht so verhalten wie wir es erwarten. Hau doch einfach mal ein "Du Bl├Âdmann - gib doch Gas, Mensch!" oder "So ein Penner!" dazwischen. Das Salz in der Suppe, finde ich.
Im Sinne einer Kurzgeschichte, die aus meiner Erwartung ein offenes Ende oder eine Pointe haben sollte, w├╝nschte ich mir vielleicht seine Erkenntnis des leichtsinnigen Fahrens. Er k├Ânnte pl├Âtzlich anhalten und nachdenken. Oder ein technischer Defekt zwingt ihn unmittelbar nach dem ├ťberholman├Âver zur Schleichfahrt, er wird vom anderen wieder ├╝berholt und verpasst doch den Termin. Nur eine Idee.
Bei deinem Ende bleibt alles unver├Ąndert und der Konflikt f├╝hrt nicht zur Ver├Ąnderung der Hauptperson. Fast wie bei einem Luftballon, dem kurz vorm Platzen die Luft ausgeht.

LG von Pikolaus

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