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Leselupe.de > Kindergeschichten
Ein ideales Paar
Eingestellt am 02. 06. 2003 08:55


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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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Ein ideales Paar

In einem dunklen Keller stand ein W√§schekorb voller Schmutzw√§sche. Fast jeden Tag kam ein St√ľck hinzu. Und jedes roch anders. Eine Hose roch sogar nach Maschinen√∂l! Pfui Teufel! Als ob die Ger√ľche der Menschen nicht schon schlimm genug sind!
Wenn die Kleidungsst√ľcke aus der N√§herei kommen, duften sie nach Pflegemitteln, welche die Fasern sch√ľtzen sollen. Das ist angenehm. Aber kaum haben die Menschen die Kleidung getragen, riechen sie ganz anders, je nachdem, an welchen K√∂rperstellen sie zu sitzen kamen.
So distanzierten sich in dem W√§schekorb die Oberteile von den Unterteilen, und ganz besonders von den Socken. Dabei kam eine Socke ganz dicht bei einer zu liegen, die furchtbar nach Schwei√üf√ľ√üen stank. Sie verzog angewidert das N√§schen, merkte aber, dass die Stinkesocke ganz weich und kuschelig war. Also nahm sie den unangenehmen Geruch in Kauf. Bald waren die beiden ein Herz und eine Seele und am√ľsierten sich k√∂stlich. Der Stinker konnte aber auch Sachen erz√§hlen! Donnerwetter, was der alles erlebt hatte! Und er freute sich, wenn sie ihm ein Liedchen sang.

Eines Tages kam die Hausfrau in den Keller und knipste das Licht an. Es flackerte kurz auf und verlosch wieder. „So ein Mist“, schimpfte die Frau, „nun muss ich eine Kerze holen! Ich kann nicht warten, bis mein Mann nach Hause kommt und nach der Lampe sieht, ich muss jetzt die W√§sche waschen.“
Nach wenigen Minuten kam sie mit einer brennenden Kerze zur√ľck und stopfte viele W√§schest√ľcke in die Waschmaschine, auch unsere Socken. Sie freuten sich wie alle anderen Kleidungsst√ľcke √ľber das warme, weiche, wohlduftende Wasser und vollf√ľhrten die tollsten Spr√ľnge in der Maschine.
Dann kam die Frau wieder und trug die W√§sche auf den Hof, wo eine Leine gespannt war. Sorgf√§ltig wurde jedes Teil aufgehangen. Nun sahen die beiden Socken sich zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht. Rein zuf√§llig hatte die Frau sie nebeneinander gehangen. Der nunmehr Nicht-Stinker war schwarz mit roten Kringeln und das S√∂ckchen war rot mit schwarzen Kringeln. Aber das war nicht das Schlimmste, sondern, dass auf der anderen Seite ein Zwilling von jedem hing, der emp√∂rt fragte: „Wo bist du gewesen? Warum hast du mich allein gelassen?“
Die Socken wiegten sich im Wind und hofften, bald wieder nebeneinander im Wäschekorb zu liegen.

__________________
Old Icke

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Bernd
Foren-Redakteur
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Ja, da sind es fast zwei Paare geworden. Hat sich das weiße Bettlaken verfärbt?
Ich habe einmal ein Paar Socken mitgewaschen --- jetzt brauche ich nicht mehr zu Waschen. Ich habe damit das weibliche Vorurteil völlig bestätigt.

Wie ging es mit den Socken weiter? War die Hausfrau am Werken - keine Chance. Aber ein Mann hätte sie wohl einfach in den Schrank geworfen, wo sie einander begegnet wären, erneut.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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Ein kleine, feine und leise Geschichte, die mir gef√§llt. Zwar dachte ich anfangs spontan an die in der Leselupe umtriebigen Str√ľmpfe, konnte aber letztenendes keine Verbindung zu deinem Werk feststellen. Flammarion, mir f√§llt auf, dass du gut schreibst und trotz der inhaltlichen Unspektakularit√§t Spannung erzeugst.

Liebe Gr√ľ√üe
Majissa

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Petra
Autorenanwärter
Registriert: Dec 2000

Werke: 19
Kommentare: 66
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Liebe flammarion,

zart!
Das w√ľnscht sich allerdings auch so manches Pull√∂verchen - so ganz ein Herz und eine Socke mit jemandem zu werden !
In erwachsenen Stil transponiert, k√∂nnte daraus √ľbrigens sogar gut und gerne ein satirisches St√ľck Literatur werden!

Trotzdem komme ich nicht umhin, - mehr sch√ľchtern - festzustellen, ch√®re madame, dass sich ein Fehlerlein einzuschleichen beliebte, sorry!

1. "(...) Dann kam die Frau wieder und trug die Wäsche auf den Hof, (...) Sorgfältig wurde jedes Teil
aufgehangen aufgeh√§ngt. (...) nebeneinander gehangen geh√§ngt. (...) „Wo bist du gewesen? Warum hast du mich allein gelassen?“ "

2. Ausserdem finden sich im oben zitierten Absatz gleich in drei Sätzen hintereinander zweimal Abkömmlinge des "aufhängen"-s . Möglicherweise könnte man eines davon ersetzen?

Dar√ľber hinaus noch zwei winzige Anmerkungen, die aber sicherlich nichts weiter als rein subjektive Empfindungssache sind.

Erstens w√ľrde ich vielleicht aus:
"Als ob die Ger√ľche der Menschen nicht schon schlimm genug sind!"
einen konjunktiven Satz machen:
"Als ob die Ger√ľche der Menschen nicht schon schlimm genug w√§ren!"

Zweitens w√ľrde ich im folgenden Satz vielleicht ihn und sie komplemet√§rer heraus stellen:
"Und er hingegen freute sich, wenn sie ihm ein Liedchen sang."

Und vielleicht könnte man aus dem:
"(...) hofften, bald wieder nebeneinander im Wäschekorb zu liegen."
ein verträumtes Träumen werden lassen. Das wäre traumhafter.

Viele liebe Gr√ľ√üe.
Petra

Ach - und ich wei√ü auch schon, wie¬īs weiter geht!
Zun√§chst endets grausam f√ľr die armen Str√ľmpfchen. Sie wurden getrennt. Aber beim √ľbern√§chsten Mal hatte die Hausfrau einen Schnupfen, und so mu√üte der Hausmann ran, der keiner war. So fanden sich S√∂ckchen und Strumpf nicht nur gemeinsam im W√§schekorb, in der Maschine und auf der W√§scheleine wieder; nein, sie sich fanden auch im Schrank wieder vereint, wo sie sich schnell unter all den anderen Paaren versteckten. Und so wurden sie, vergraben im tiefsten Dunkel des Schrankes so schnell nicht wieder gesehen. Wohingegen die Reste des jeweiligen Paares jedoch k√ľmmerlich vor sich hin k√ľmmerten - ach!, wie grausam doch kann das Leben sein! *Hier entringt ein Seufzer sich meiner Brust. Auch eine Tr√§ne verdr√ľckt sich schnell. *

Entschuldigung!






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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

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Ich w√ľrde aber die starke Beugung lassen.

Gr√ľ√üe von Bernd
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Bernd
Foren-Redakteur
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Ich m√∂chte es doch noch etwas begr√ľnden:

die starke Konjugation klingt tiefer in der Geschichte verwurzelt, altert√ľmlicher.

Außerdem klingt es zusammen:
gewesen - gehangen - gelassen

Im Märchen heißt es auch:

"O Fallada, der du hangest", nicht etwa:

"O Fallada, der du hängst."
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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