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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein kleiner Held
Eingestellt am 19. 01. 2003 13:12


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Evchen13
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Registriert: Jan 2003

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Paulchen, der tapfere Held
Ein vorwitziger Sonnenstrahl bahnte sich den Weg durch die kleine, schmutz verschmierte Fensterscheibe der AlmhĂŒtte und fand Paulchens mit unzĂ€hligen Sommersprossen ĂŒbersĂ€te Nase. Der kleine sechsjĂ€hrige Junge blinzelte mit seinen vertrĂ€umten, braunen Augen in das einfallende Licht und rekelte sich genĂŒsslich auf seinem Lager. Flugs zog er die schwere, bunt karierte Bettdecke wieder bis zu den Ohren genĂŒsslich hoch, so das nur noch der braune verwuschelte Haarschopf hervor lugte.
Halt – mit einem Ruck setzte er sich erschrocken auf, seine kleinen HĂ€nde zu FĂ€usten geballt rieben krĂ€ftig die schlaftrunkenen Augen wach. Da war ein GerĂ€usch, er horchte, konzentrierte sich. Ja, wieder vernahm er ein Schnaufen, Blasen und Röcheln. UnglĂ€ubig schaute er zu Opa Franz rĂŒber, welcher an der gegenĂŒberliegenden Wand im Bett lag. Furcht kroch langsam hoch und eine GĂ€nsehaut ĂŒberzog den kleinen Körper. Paul rĂ€usperte sich, schniefte laut, dabei beobachtete er aus zusammengekniffenen Augen den alten Mann und stellte fest: die unheimlichen Laute kommen von ihm. Ängstlich steckte der Bub seine dĂŒnnen, nackten Beine aus dem Bett und ging barfĂŒssig fröstelnd ĂŒber die alten, knarrenden Holzdielen zum Großvater. Er rĂŒttelte ihn krĂ€ftig und rief ihn mit flehender Stimme an, bis dieser sich endlich rĂŒhrte. Oh, wie sah er nur aus, seine sonst munter guckenden blauen Augen waren dunkel umrandet und glĂ€nzten vom Fieber, sein Gesicht wirkte schrecklich fahl in der MorgendĂ€mmerung und sein Atem ging so schwer. Der Kranke brauchte dringend jemanden, aber die nĂ€chsten AlmhĂŒtten waren sehr weit weg. Paulchen musste unbedingt Hilfe fĂŒr seinen geliebten Opa holen.
Entschlossen zog sich der fröstelnde Junge mit zitternden HĂ€nden an, hĂ€ngte sich den eilig gefĂŒllten braunen Rucksack um und nahm zur Beruhigung vom Großpapa den großen, abgegriffenen Wanderstock fĂŒr seinen einsamen Fußmarsch mit. Als er vor die AlmhĂŒtte trat begrĂŒĂŸten ihn die ersten Sonnenstrahlen, durch die Morgenluft zogen noch tiefe Nebelschwaden und zaghaft zwitscherten die Vögel ihre Morgenlieder. Unheimliche Schattenspiele huschten durch den Wald und ĂŒber die Wiesen, Paulchen hatte unbĂ€ndige Angst. Wie gerne wĂŒrde er wieder zurĂŒck eilen und sich in das große, bestimmt noch warme Bett mit ganz fest geschlossen Augen kuscheln. Doch das durfte er nicht, nein, mutig machte er sich auf den Weg.
Mit festen Schritten, nicht nach links und rechts schauend, stiefelte der kleine Junge in den frĂŒhen Morgen hinein. Nach einer Stunde strammen Fußmarsches gönnte er sich eine kleine Verschnaufpause und packte das zusammengesuchte karge FrĂŒhstĂŒck aus, um es hastig zu verzehren. Schnell wollte er weiter laufen, denn der Weg zu Onkel Hans war noch weit.
Die Sonne erwĂ€rmte bereits die Wiesen, der schwache Wind rauschte durch die GrĂ€ser, tanzte mit ihnen, als der Bub bei der AlmhĂŒtte ankam. Onkel Hans molk gerade seine KĂŒhe als er die kleine Gestalt mit dem freien Arm wild winkend ĂŒber die Wiesen rennen sah. Er richtet sich auf und spĂŒrte sofort das was passiert sein musste. In wenigen SĂ€tzen schilderte der noch atemlose Junge Großvaters Zustand und ließ sich schließlich erschöpft aber zufrieden auf den Boden sinken. Hans rannte unverzĂŒglich in seine HĂŒtte und schaltete das FunkgerĂ€t fĂŒr den dringenden Notruf an die HilfskrĂ€fte ein, diese wĂŒrden in wenigen Minuten an Ort und Stelle sein. Bange Momente verstrichen bis endlich die RĂŒckmeldung eintraf:
„Der alte Franz hat eine schwere LungenentzĂŒndung. Dank Pauls Hilfe wird er es ĂŒberleben!“
Hans holte erleichtert Luft als er ins Freie eilte und bereits vom Weiten die Nachricht dem Jungen zu rief. Der Bub hatte sich wÀhrend dessen nicht von der Stelle bewegt und schaute unglÀubig den herbeieilenden Mann an, langsam, ganz langsam begriff er die Bedeutung dieser Worte.
All die Angst und Anspannung wich allmĂ€hlich von den kleinen Kerl. Sonnenstrahlen leuchteten die in der Ferne liegenden schneebedeckten Berge an und er stand davor mitten auf der saftig grĂŒnen Wiese in seinen abgewetzten Wanderschuhen. Das durchgeschwitzte weißbedruckte T-Shirt leuchtete im Sonnenlicht und bildete zu seinen schwarzen Hosen einen Kontrast, keck saß der Filzhut auf seinen braunen Haaren und ein befreiendes, breites Lachen, welches seine ZahnlĂŒcke zum Vorschein brachte, erhellte das vor Anstrengung gerötete Gesicht. Verlegen spielten seine linken Finger am Rucksack wĂ€hrend die andere Hand den Wanderstock umklammerte als Onkel Hans mit stolzer Stimme sagte: „Paulchen, du bist ein tapferer Held!“

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