Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95230
Momentan online:
128 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein kleiner unendlicher Moment
Eingestellt am 08. 08. 2018 22:49


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
ephile
Hobbydichter
Registriert: Aug 2018

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ephile eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Du schaust auf den Bildschirm, wĂ€hrend dein Kopf auf meinem Bauch liegt und ich dir langsam durch die Haare fahre. Ich hatte mich so sehr auf diesen Abend mit dir gefreut, nach all der Zeit haben wir endlich wieder zueinander gefunden. Dieser Moment hier mit dir bedeutet mir so viel und du kannst es gar nicht ahnen. Wie denn auch? Ich sage es dir schließlich nie. Mein Stolz verbietet es mir einerseits und andererseits habe ich einfach Angst, dass es dir nicht so geht.

Dein Haar ist mittlerweile schulterlang geworden und ich merke, dass es sich gesund und schön anfĂŒhlt. Ich weiß, dass du deine Haare diesmal lĂ€nger tragen möchtest und ich liebe deine vielen verrĂŒckten Locken, die sich mit Leichtigkeit um meine Finger krĂ€useln, als gehörten sie genau dort hin. Ich weiß auch, dass es dir gefĂ€llt, wenn ich langsam und vorsichtig durch deine Haare fahre und mir gefĂ€llt es, dass es dir gefĂ€llt. Die einzigen GerĂ€usche die ich höre, stammen vom Film, der auf dem Bildschirm lĂ€uft und du sagst nichts und ich genieße diese Stille mit dir. Ich habe viel an dich gedacht in der Zeit, in der wir nicht zusammen waren und ich habe dich vermisst, denn ein Teil von mir war urplötzlich aus meinem Leben verschwunden und ich wollte diesen Teil wieder zurĂŒck, wieder bei mir haben, dort wo er hingehört.

Zwischendurch kĂŒsst du meinen Bauch oder hĂ€ltst meine Hand, um mit deinen Fingern entlang meinen eine Verbindung zu finden. Und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als hier mit dir zu liegen und zu schweigen. Ich will genau diese Ruhe zwischen uns, diesen Zusammenhalt, diese Vertrautheit mit dir, ein Leben lang genießen. Ich merke erst, dass der Film zuende ist, als du aufstehst, um den Fernseher auszuschalten. Ich schaue dir zu, wie du fluchend versuchst, den Computer auszuschalten, der mal wieder spinnt, und ich lĂ€chle, weil mir dein spanisches Gefluche mehr gefehlt hatte, als ich gedacht habe.

Ich liege immer noch im Bett, als du wieder zu mir zurĂŒck kommst und dich neben mich legst, deinen Kopf auf meiner Brust ruhend. Wieder finden meine Finger ihren Weg zurĂŒck in das unbĂ€ndige Lockenchaos deiner Haare und so liegen wir eine Weile da, bis du zu mir hochschaust und deine braunen Augen in meine schauen. „Ich hab dich vermisst“, sagst du mir und zögerst keine Sekunde bis du mich kĂŒsst. Und meine Gedanken drehen sich im Kreis um die eine kleine Sache, die ich dir schon so lange sagen will, mich jedoch nie getraut habe. Wörter, die mir mehr bedeuten, als du dir vorstellen kannst. Wörter, die eine Menge Zeit benötigen, bis sie ihre Bedeutung erfĂŒllen. Doch du kĂŒsst mich und liegst plötzlich auf mir und ich kann es dir mal wieder nicht sagen, ich kann diesen Moment nicht unterbrechen. Du kĂŒsst meine Lippen, meine Ohren und dann meinen Hals. Deine KĂŒsse bringen mich nach Hause, dort wo sie sind, dort will ich sein. Dort wo du bist, dort will ich sein. Egal wo du warst, egal wo du sein wirst, dort will ich sein. Bei dir, du in mir, wir.

Dieses Mal nimmst du dir die Zeit, um mich mit deinen vielen warmen KĂŒssen ĂŒberall zu liebkosen, du machst es sorgfĂ€ltig und mit bedacht, kein Kuss kommt dort hin, wo du ihn nicht haben willst. Viel zu oft waren wir voreilig, zu schnell, zu aufgeregt. Ich fasse durch deine Haare, in dein Gesicht, hinunter zu deiner Brust, zeichne mit meinen Fingern das Tattoo nach, das du dir hast stechen lassen. Es fĂŒhlt sich richtig an, es fĂŒhlt sich an als gehören wir beide in diesen Moment und dieser Moment fĂŒhlt sich an wie die Ewigkeit. Ich spĂŒre dich in mir und du spĂŒrst mich und wir sind da. Genau da, wo wir die ganze Zeit hinwollten. In meinem Kopf zieht nur ein Gedanke immer wieder seine Kreise und ich will es dir sagen, es strömt fast aus mir heraus, kannst du es nicht fĂŒhlen?

Ich spĂŒre dich ĂŒberall auf mir, an mir, in mir und kann mich kaum beherrschen. Du bist schon so nah und doch will ich dich nĂ€her. „KĂŒss‘ mich“, sagst du, als du kommst. Und ich kĂŒsse dich und verliebe mich erneut in deine sanften Lippen. Erschöpft legst du dich neben mich, „komm her, mi amor“, und ziehst mich an dich heran. Mein Herz schlĂ€gt so laut und so schnell, fĂŒhlst du es immer noch nicht? Ich drehe mich so zu dir, dass sich unsere Nasen fast berĂŒhren und ich streiche mit meinen Fingern deine GesichtszĂŒge nach. Sie bahnen sich den Weg entlang deinen Lippen zu deiner Nase, entlang der Augenbrauen und der Wangenknochen zurĂŒck zu deinen Lippen. Ich prĂ€ge mir alles an, die kleinen Unreinheiten neben der Nase, die weichen Lippen, deine glatte Haut. Ich spĂŒre dich auch heute noch an meinen Fingerspitzen.
Du versuchst ab und zu die Augen zu öffnen, um mich anzusehen, aber ich merke, wie du langsam einschlĂ€fst und dich nicht mehr beherrschen kannst. Ich schaue dich weiterhin an, wĂ€hrend die Worte, die sich nicht mehr zurĂŒckhalten können, in meinen Gedanken wie durch ein Megafon in die Welt geschrien werden. Kannst du es wirklich nicht fĂŒhlen?

Ich will mehr Zeit mit dir, mehr Tage und mehr NĂ€chte, mehr small talk und mehr ĂŒber das reden, was wirklich zĂ€hlt. Ich will mehr ĂŒber dich wissen, ich will wissen, was dich bewegt, was dich erregt, was dich verletzt, was dich um den Schlaf bringt. Ich will dich auswendig können, ich will dir immer zuhören und immer fĂŒr dich da sein. Ich will, dass du mich brauchst und ich dich und wir immer ehrlich zueinander sind. Ich will das, was wir hatten, was wir haben und all das, was wir in meinen Vorstellungen haben können. Ich will, dass du mir vertraust und mich um Rat bittest, ich will dich trösten, wenn es dir schlecht geht und mit dir lachen, wenn es dir gut geht. Ich will, dass du all diese Dinge mit mir willst. Ich will dich jetzt, hier, ĂŒberall, in meinem Leben. Ich kann dich nicht mehr loslassen, du bist schon lĂ€ngst ein Teil von mir und ich will dich nicht noch einmal verlieren. Du hast dich ganz leise und ganz heimlich in mein Leben geschlichen und alles auf den Kopf gestellt, Chaos in meine Ordnung gebracht und Ordnung in mein Chaos. Es ist alles anders, seit du da bist. Und es war alles anders, als du weg warst. Es ist alles wunderschön, seit du wieder hier bist. All die Worte, die du mir sagtest, habe ich aufgesaugt wie ein Schwamm und bade in ihnen, in meinem GlĂŒck. „Ich liebe dich“, „ich glaube, dass ich zu dir gehöre“, „Ich will nur dich“, Wörter, die sich in meine Erinnerungen eingebrannt haben, die mir WĂ€rme spenden, die mir Mut geben.

Und wÀhrend ich all diese Dinge denke, merke ich kaum, dass ich einschlafe. Endlich, hier, neben dir.
Ich wache auf und du bist weg. Wie viele NÀchte sind seitdem vergangen? UnzÀhlige. Jeden Abend schlafe ich ein in der Hoffnung, dass du am morgen neben mir liegst, doch du bist nicht da, du bist nie da.

„Es klappt nicht mit uns, ich mag zwei Frauen. Dich und eine andere. Ich liebe sie.“ „Seit wann liebst du mich nicht mehr?“ – „Ich weiß nicht, ich liebe dich, aber nicht so wie frĂŒher.“.
Nicht so wie frĂŒher. Eine andere. Du liebst sie. Du liebst sie?
„Du willst mich nicht mehr?“ – „Ich will dich, ich will sie auch. Ich will euch beide.“

Uns beide? Du liebst sie.

Bald gehst du zurĂŒck zu deiner Familie, sie wird mit dir mitkommen, ihr werdet zusammen sein, vielleicht zusammenziehen. Du liebst sie, das verkĂŒndest du ĂŒberall. Mich hast du vergessen.

Und auf einmal ist die Welt nicht mehr wie sie mal war.
Die Gedanken, die ich schon lĂ€ngst hĂ€tte aussprechen sollen, sind verschluckt, wiegen schwer in meinem Magen, kann sie nicht verdauen, nicht verdrĂ€ngen, nicht vergessen. Wochenlang bin ich ein Schatten meiner selbst. Sehe euch in meiner Vorstellung, höre dich, wie du ihr zuflĂŒsterst „KĂŒss mich“, als du in ihr kommst, „komm her, mi amor“, als du sie nĂ€her an dich ziehen willst, „Ich liebe dich“, wenn du sie anschaust und „Ich glaube, dass ich zu dir gehöre“, wenn du sie vermisst. Du stellst sie deinen Freunden vor, deinen Kollegen, sogar deinen Eltern.
„Willst du ein Leben mit ihr?“ – „Ich weiß nicht, ich glaube schon“.

All diese Worte fahren Karussell in meinem Kopf. Sie hallen nach, das Echo hört nie auf. Ich bin hier und du bist bei ihr, auf ihr, in ihr. Weg.

Es ist Wochen her, seitdem du weggegangen bist und ich kann mittlerweile wieder schlafen, essen und atmen. Ich habe dir gesagt, dass ich mich fĂŒr dich freue und dir von Herzen alles GlĂŒck der Welt gewĂŒnscht. Dass du glĂŒcklich bist, das will ich wirklich. Trotz allem, trotz all meiner BemĂŒhungen dich zu vergessen, schleichst du dich trotzdem immer wieder in meine Gedanken. Alles was ich jetzt noch habe, sind Erinnerungen an dich, die mich ĂŒberfluten, die ich kaum zusammenhalten kann, die ungeordnet wie ein Wirbelsturm in meinem Kopf ihre Runden drehen. Erinnerungen, mit denen ich nichts mehr anfangen kann. Erinnerungen, die ich nicht verstauen kann, nicht verwerfen kann, nicht löschen oder sortieren kann. Noch nicht.
Du gehört mir nicht, das weiß ich jetzt, und ich gehöre dir nicht. All die Hoffnungen und TrĂ€ume, die ich von uns beiden hatte, waren nichts als Hoffnungen und TrĂ€ume. Und doch frage ich mich, ob die Worte, die du mir sagtest, wirklich wahr waren. Hatten sie Bedeutung fĂŒr dich?

Endlich kann ich aussprechen, was ich schon lĂ€ngst hĂ€tte aussprechen mĂŒssen: Ich liebe dich. Kannst du es wirklich nicht fĂŒhlen? Jetzt, frĂŒher, aber nicht fĂŒr immer. Du bist noch tief in mir verwurzelt, warst die intensivste Zeit meines Lebens, doch ich lasse dich gehen. Ich bin mĂŒde und ich brauche mich zurĂŒck. Du bist weg und ich bin hier, und ich will mich nicht verlieren.

Du und ich, das war.

Ich hatte einst ein Herz,
das schlug in meiner wilden Brust
und liebte
ungezwungen,
alles an dir.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo ephile, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Eine sehr berĂŒhrende Geschichte!


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung