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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ein kraftvolles Debüt mit einer ganz außergewöhnlichen Liebesgeschichte
Eingestellt am 09. 12. 2011 19:51


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Daniela Krien, Irgendwann werden wir uns alles erzählen, Graf 2011, ISBN 978-3-86220-019-1

Es ist Sommer im Jahr 1990. Ein halbes Jahr ist es her, dass die Mauer gefallen ist, und in dem kleinen Dorf im Osten beginnen die Menschen erst langsam, die Wucht der Veränderung zu ahnen, die da noch auf sie zukommen wird.
Erzählt wird die ganze dramatische Geschichte, deren tragisches Ende man von Anfang an in jeder Zeile zu spüren glaubt, von der Hauptperson selbst. Die fast siebzehnjährige Maria wohnt mit ihrem Freund Johannes auf dem Dachboden des Bauernhofs seiner Eltern im sogenannten „Spinnenzimmer“. Bei ihrer eigenen Mutter wollte sie nicht mehr bleiben; deren Traurigkeit hat sie aus dem Haus getrieben. Johannes ist ein zielstrebiger Junge, steht kurz vor dem Abitur und hat große Pläne, wie er die neue Freiheit für sich und seine beruflichen Ambitionen als Fotograf nutzen will.

Obwohl die ganze große Familie, die durchaus ihre eigene verwickelte Geschichte hat, Maria mit offenen Armen freundlich aufnimmt, hat sie es schwer, sich in dieser neuen Welt einzuleben. Verträumt und von zarter Natur, verkriecht sie sich lieber mit den „Brüdern Karamasow“ und schwänzt dafür immer mehr die Schule. Auf der anderen Seite möchte sie aber auch ankommen in ihrer neuen Familie, und gibt sich Mühe, den Frauen etwas abzuschauen bei ihrer Haus- und Feldarbeit. Denn der Brendel-Hof ist ein gut instand gehaltener, für DDR- Verhältnisse verhältnismäßig moderner Hof, ganz anders als der des Nachbarn, der Henner-Hof. Dort lebt der vierzigjährige Henner allein. Bis auf seine Pferde, von denen er mehr schlecht als recht lebt, hat er alles heruntergewirtschaftet. Die anderen Dorfbewohner halten sich von ihm fern, ihn umgibt eine seltsame Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat.

Als Maria ihn eines Tages zufällig sieht, und als Henner sie an einem anderen Tag wie zufällig berührt, da ist es um das junge Mädchen geschehen. Henner löst in ihr eine fremde, ihr übermächtig erscheinende Sehnsucht aus und sie folgt ihm in sein Haus. Eine heftige, völlig unberechenbare Liebesgeschichte beginnt, urwüchsig und zunächst ohne jede Zärtlichkeit. Über allem liegt der Schleier des Schweigens, denn die Treffen müssen heimlich stattfinden, keiner darf es wissen.

Es ist eine wilde, triebhafte und schmerzhafte Liebe: „…sein Wollen hatte etwas Tierisches, Unberechenbares, etwas, das mich an Dinge erinnerte, die lang vor meiner Zeit geschehen sind, die noch nicht wissen kann und dennoch zu kennen glaube, als wäre mein Gedächtnis nur Teil eines größeren.“

Lange Zeit hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu Johannes, der nur noch für seine Kunst lebt und dessen Familie, die sehr sensibel mit Maria umgeht und ihrer Sehnsucht nach Henner, entscheidet sich Maria nach wochenlangem Versteckspiel und immer neue Lügen, alles offen zu legen und zu Henner zu ziehen.

Doch in der Nacht, bevor sie den Brendel-Hof für immer verlassen will, wird Henner tot auf den Bahngleisen gefunden und Maria bleibt nur die Hoffnung: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen.“

Ein kraftvolles Debüt mit einer ganz außergewöhnlichen Liebesgeschichte.

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