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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein neuer Morgen
Eingestellt am 01. 05. 2002 13:56


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Freeda
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Registriert: May 2002

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Ein neuer Morgen

Es klingelt. Ich drehe mich um. Klingeln. Penetrant. Langsam sickert es in mein Bewusstsein. Mein Wecker. Beharrlich besteht er darauf, dass ich mich um ihn k├╝mmere.
Wieder ein Tag. So ein langer Tag vor mir, und durch die halbge├Âffneten Vorh├Ąnge (ich lie├č sie stets halb offen, weil ich hoffte, das Tageslicht w├╝rde mich wecken) f├Ąllt ein fahler Schimmer. Kein Sonnenstrahl, nur Grau, den Schlitz zwischen den Gardinen ausf├╝llend. Langsam krieche ich unter meiner Decke hervor. Nun ist es kalt. Warum ist es so kalt? Hatten wir nicht schon Fr├╝hling? Gab es nicht schon die ersten warmen Tage, so angef├╝llt mit Licht und W├Ąrme und Vogelgezwitscher, dass man es nicht glauben wollte nach dem langen Winter? Heute ist irgendetwas anders. Der Tag ist besonders, das wei├č ich. Aber ich kann mich nicht erinnern. Ich bin m├╝de, mein Kopf ganz leer – zu leer, um nachzudenken. Mechanisch erhebe ich mich von meinem Bett – wie jeden Morgen, schlage die Decke zur├╝ck, wie jeden Morgen, suche meine Socken vorm Bett, denn der Fu├čboden ist so kalt. Mit den Socken an den F├╝├čen f├╝hle ich mich endlich bereit, den Weg ins Badezimmer anzutreten. Tapp, Tapp, zur T├╝r, leise, denn ich mag morgens keine lauten Ger├Ąusche. Tapp, Tapp, ├╝ber den Flur, die kurze Treppe hinauf. Jetzt stehe ich zwischen Bad und K├╝che, und ich kann mich, wie so oft, nicht entscheiden, ob ich zuerst die Kaffeemaschine anstellen soll (weil es so sch├Ân ist, wenn es nach Kaffee duftet, sobald ich aus dem Bad komme – denn eigentlich trinke ich gar keinen Kaffee) oder ob ich schnell zur Toilette soll, weil ich wirklich dringend muss. Ich entscheide mich f├╝r die Toilette. Hier ist es w├Ąrmer. Ich mache kein Licht im Bad, das w├Ąre zu grell f├╝r meine Augen, die heute morgen noch nichts anderes als einen Schlitz graues Licht gesehen haben. Auf dem Klo sitzend schiebe ich die Jalousie vorm Fenster auseinander. Ich blinzele. Es regnet drau├čen. Aber irgendetwas ist anders. Was ist das? Ich g├Ąhne. Ein leises Kribbeln breitet sich in mir aus. Wovon hatte ich getr├Ąumt? Ein seltsamer Traum, den ich nicht mehr wirklich fassen kann. Aber er war angenehm, soviel wei├č ich noch.
Socken aus. Nachthemd aus. Handtuch, Seife. Duschvorhang zu. Wasser an. Wie jeden Morgen. Was ist anders heute? Wasser zu kalt. Wasser zu hei├č. Wasser wieder zu kalt. Das ├Ąrgert mich, wie meistens. Warum nur bleibt die Temperatur nie genau so, wie man sie gern h├Ątte? Abtrocknen, langsam werde ich wach. Jetzt wage ich einen Blick in den Spiegel. Die Haare! Ich bin gestern beim Fris├Âr gewesen. Ja, das sieht jetzt besser aus. Drau├čen ist es grau, und trotzdem mag ich mich. Das ist eine Seltenheit, denn meistens entspricht meine Stimmung dem Wetter: Grau bedeutet launisch und m├╝de und ohne Energie. Meistens sind das die Tage, die langsam und bedeutungslos an einem vor├╝berstreichen.
Aber heute nicht. Heute finde ich mich richtig sympathisch. Ein bisschen Wimperntusche, mein Lippenstift. Das reicht. Sch├Ân.
Und im Flur duftet es nach Kaffee.
Du bist gekommen. Sitzt in der K├╝che und l├Ąchelst mich an. F├╝r mich allein scheint die Sonne heute. Jetzt bin ich richtig wach.
Ich l├Ąchle zur├╝ck.
Und kann mich wieder erinnern.

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
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Wow,

die Geschichte find ich h├╝bsch. Und Du hast einen sympatischen Stil.

Gru├č Ralph
__________________
Schreib ├╝ber das, was du kennst!

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Guest
Registriert: Not Yet

Von mir auch ein "WOW"!

Dein Stil wird durch kurze S├Ątze bestimmt. Ich mag das! Au├čerdem finde ich es immer wieder prickelnd, Geschichten im Pr├Ąsens zu lesen. Dadurch werden Geschichten greifbar, der Leser f├╝hlt sich mittendrin! Also, echt super!

Gru├č,
GUIDO

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Freeda
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2002

Werke: 8
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Danke

Danke!
Eure Meinung macht ja Mut. Dann werde ich es mal weiter versuchen!

Freeda

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