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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein neuer Tag beginnt
Eingestellt am 27. 08. 2008 12:46


Autor
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Sonnenkind
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jun 2008

Werke: 3
Kommentare: 1
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Ein grauenvolles Piepen durchdrang die Stille. Sie w├Ąlzte sich durch ihre Kissenberge und versetzte dem Wecker einen Schlag, so dass er sich fr├╝hestens in zehn Minuten wieder melden w├╝rde. Vorher w├╝rde er sich das nicht mehr trauen. Sie drehte sich auf die andere Seite und glitt noch einmal sanft ins Reich der Tr├Ąume. Doch der Wecker blieb unbarmherzig. Nach zehn Minuten nahm er all seinen Mut zusammen und piepte wieder gnadenlos. Wieder ein Schlag. Diesmal so heftig, dass der Wecker vom Nachttisch fiel. Sie angelte nach dem Wecker, aber es war nichts mehr zu machen. Den Sturz hatte er nicht ├╝berlebt. Es war ihr egal. Sie kuschelte sich in die Kissen und d├Âste vor sich hin. Nach etlichen Minuten versuchte sie im fahlen Licht, welches durch die wenigen offenen Rolladenspalten fiel, auf ihre Armbanduhr zu schauen. Was sie erkennen konnte, hob ihre Stimmung keineswegs. Aber sie musste aufstehen, ob sie wollte oder nicht. Sie reckte und streckte sich noch einmal und schwang die Beine aus dem Bett. Lustlos zog sie die Rollade hoch und versuchte, ihre F├╝├če in die sich wehrenden Pantoffel zu stecken. Von drau├čen fielen tausend flirrende Sonnenstrahlen ins Zimmer. Sie grummelte vor sich hin. Sch├Ânes Wetter konnte sie um diese Tageszeit nicht ertragen. Sie schlurfte ins Bad. Vor dem Blick in den Spiegel graute ihr. Sie wusste, wie sie um diese Zeit aussah: Ein zerknautschtes Gesicht, in dem sich die Falten des Kopfkissens abzeichneten, ein Vogelnest auf dem Kopf, welches am Abend vorher noch eine Frisur war und ein halbge├Âffnetes Auge. Das andere Auge dachte gar nicht daran, auch nur ein bi├čchen zu blinzeln.
Sie tastete nach der Zahnb├╝rste, w├Ąhrend sie mit der anderen Hand versuchte, ihre Vogelnestfrisur wenigstens etwas in Form zu bringen. Nachdem sie ein paar H├Ąnde warmes Wasser in ihr Gesicht geworfen hatte, betrachtete sie sich im Spiegel. Ihre Gesichtsfarbe tendierte jetzt zu einem zarten Rosa und das zweite Auge schickte sich an, seine Lider zu ├Âffnen. Sie warf sich dem Morgenmantel ├╝ber und schlurfte durch die Wohnung, um die anderen Rolladen zu ├Âffnen. In der K├╝che fiel ein ganzer Schwall Sonnenlicht durch das Fenster. Sie erschrak und lie├č die Rollade gleich wieder ein St├╝ck herunter. F├╝r soviel Licht war es eindeutig immer noch zu fr├╝h. Sie erledigte wie in Trance ihre ├╝blichen Handgriffe. Zum Gl├╝ck st├Ârte nichts und niemand diese Routine. Dann verlie├č sie die K├╝che und wandte sich dem Zimmer zu, welches sie an diesem Morgen noch nicht betreten hatte. In diesem Zimmer befand sich der Grund, weswegen sie sich jeden Morgen aus dem Bett qu├Ąlte.

Es war noch dunkel im Zimmer. Nur ein einziger Lichtstrahl fiel durch einen Spalt in der Rollade. Dieser reichte ihm. Er tastete nach seinem Schnuffeltier und nuckelte daran. Er war zufrieden, denn er wusste, dass sie kommen w├╝rde. So wie jeden Morgen. Geduldig wartete er und lauschte auf die Ger├Ąusche aus der Wohnung und auf den beginnenden Tag. Von drau├čen h├Ârte er das Zwitschern der V├Âgel. Das gefiel ihm. Dann nahm er ihren schlurfenden Schritt wahr und wartete auf das ├ľffnen der T├╝r.

Sie ├Âffnete die T├╝r. Im Zimmer war es noch dunkel, aber das Licht reichte aus, um das Kinderbett zu erkennen. Sie sah hinein und schaute in die blitzenden Augen ihres Sohnes. Mehr war von seinem Gesicht nicht zu sehen, aber sie wusste, dass hinter seinem Schnuffeltier ein breites Grinsen wartete. Unwillk├╝rlich musste sie l├Ącheln.

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Da├č wir wieder werden wie Kinder, ist eine unerf├╝llbare Forderung. Aber wir k├Ânnen zu verh├╝ten versuchen, da├č die Kinder so werden wie wir. (Erich K├Ąstner)

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