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Leselupe.de > Anonymus
Ein paar Aphorismen
Eingestellt am 31. 08. 2010 17:23


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Gelassenheit kann niemals auf der Grundlage von Unterlegenheit entstehen.
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Das Denken vieler Schreiberlinge
ist äußerst einfach strukturiert.
Daher vernebeln sie die Dinge
und schreiben kryptisch-kompliziert.
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Vieles Unsterile riecht. Leider scheint es die Mehrheit zu sein, die solcherart GerĂĽche als Gestank empfindet.
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Ich meine das, was ich sage. Außer, wenn ich mit meinem Chef, meiner Frau, meinen Kindern, dem Bevollmächtigten der Kreditabteilung meiner Sparkasse und allen übrigen rede.
-
Allen „Ästheten“ – und dazu gehören die meisten Schreiberlinge – spreche ich die Fähigkeit ab, den Wert des Hässlichen, Vulgären, Banalen, Kindischen, Gebrochenen, Stolpernden, Schiefen auch nur annähernd zu erkennen.
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Die Menschen neigen zu Verwechslungen. Man könnte auch sagen: sie lieben die Verwechslung. Würden sie sonst so oft und so viel verwechseln, z.B.

- Bescheidenheit mit niedlicher Dummheit,
- Zurückhaltung mit potentieller Schwäche,
- Ehrlichkeit mit unverzeihlicher Naivität,
- Arroganz mit Selbstbewusstsein,
- Selbstbewusstsein mit Arroganz...

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Für Kant war Gott ein Postulat der praktischen Vernunft. Mir erscheint Gott gelegentlich als Postulat einer effektiv agierenden Faulheit, die uns Gründe für die Schonung unserer Kräfte liefert und unsere Verantwortlichkeiten/Möglichkeiten auf ein passendes Niveau herunterregelt...
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Nochmals zur Machtfrage: Macht basiert einesteils sicher auf realen Gegebenheiten, die man durchaus als Tatsachen oder gar Wahrheiten bezeichnen kann. Dazu gehören alle überlegenen physiologischen und psychischen Potenzen, die größere geistige Beweglichkeit, Erfahrung, Wissen etc.
Macht basiert andererseits aber auch auf der Nutzung dieser gegebenen und/oder erworbenen Ressourcen fĂĽr die suggestive Behauptung, also fĂĽr die ĂĽberzeugend angebrachte LĂĽge oder Halbwahrheit.
Geht man von der Prämisse aus, Menschen können nicht im Besitz absoluter Wahrheiten sein und – s. Wittgenstein: es gibt keine Definitionen an sich –, erscheint das Handeln der Mächtigen aller Ebenen als permanentes, kunstvolles Lügentheater.
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Der „freie Wille“ ist eine romantische, einfältige, triefende, vor Dummheit strotzende Formulierung. Reden wir vom „kalkulierenden Willen“, wird das Funktionsprinzip unseres Geistes deutlich, angefangen vom Vermögen über die Absichten bis zu den Zielen.
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Viele schreiben, wenige nur können es. Viele haben ein gutgefülltes Bücherregal, wenige lesen tatsächlich aufmerksam und intensiv. Die Zahl der Schreibenden überwiegt in Summe bei Weitem die Zahl echter Leser. Welcher Qualitätsebene das Gros schriftlicher Produktionen zuzuordnen ist, brauche ich folglich nicht weiter zu erläutern.
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Wenn ich mal wieder jemanden von meiner Meinung zu überzeugen versuche, fällt mir gelegentlich auf: Wie oft ich schon – und gerade und zunehmend in letzter Zeit – meine eigene Meinung änderte. Und dann wird mir der Katastrophencharakter unserer Gegenwart von Neuem voll klar. Echt!
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Die Alterung ist eine behäbig-gemütliche „Base“, die jugendliche Säure des Skeptizismus fortwährend neutralisierend. Bei gar manchem ward aus der Säure der süßlichste Glaubensbrei...
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Wer von seinen Schwächen erzählt, macht sich nur in den Augen der Schwachen schwächer. Wer von seinen Stärken erzählt, bei allen. Wer zuwenig von sich erzählt, wird nicht beachtet. Wer zuviel von sich erzählt, langweilt und wird überhört. Wer sich in ein besseres Licht rückt, läuft Gefahr, im Schatten zu landen. Wer sich klein macht, wird zertreten. Ergo: Man erzähle von seinen Stärken und Schwächen, beides auf angemessene Art. Besser noch: man zeige, wenn möglich, beides.

Wer keinen festen Stil hat, wird oft als stilloser Stümper bezeichnet. Zugegeben: Ich habe auch keinen festen Stil, sehe mich aber keinesfalls als stillosen Stümper, sondern als Polystilisten…
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Wer sagt eigentlich, dass man Traumarbeit nur nachts, im Schlaf, oder tags, im Wachtraum, leistet? Ich vermute, unser gesamtes Denken und Handeln ist einem Traum vergleichbar: Die Kunstwerke, die Künstler produzieren, die Theorien, die Wissenschaftler entwickeln, die Spekulationen der Philosophen – sind Traumproduktionen zum Träumen für die „Rezipienten“, tags wie nachts, unbewusst wie bewusst ( wobei noch zu klären wäre, was „bewusst“ ist).
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Mythen sind Waffen. Völkische.
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Die Bibelredakteure waren frühe Strukturalisten, Semiotiker, Codierer; Erzähler, Geschichtsschreiber, Demagogen. Mythenmacher. Helfer von Staat und Priesterkaste. Sie beherrschten die Kunst, Zeichen mit mehreren Bedeutungsebenen zu versehen, auf eine bis dahin beispiellose Art, die uns heute stärker denn je in ihren Bann zu ziehen vermag. Wer sich zu sehr von dieser (Kunst-)droge einnehmen lässt, ist auch anfällig für die verklärende Wirkung aktueller Statistiken.
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Unter Fremd-Blicken

Mein Selbstbewusstsein ist nicht klein,
Die AusdrĂĽcke nicht eben fein.
Hab’ läng’re Zeit, das muss man wissen,
unter Fremd-Blicken

scheiĂźen mĂĽssen.

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Ein Dogma ist die fleischgewordene Lächerlichkeit.
Quatsch. Ein Dogma ist nichts Fleischliches. Wenn es denn so wäre, hätte es menschliche Seiten. Die hat es nicht.

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Manche Dichter verstummten.
Viele, indem sie
verdummten.
Von jenen blieben
Orden, dicke Bäuche.
und der offiziellen Glocken
Hohlgeräusche.
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Ja, ein gutes Beispiel für nichtintegrable Systeme sind – Frauen. Und Männer. Kinder auch. Familien sowieso.
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Wenn ich sage: ich liebe Dich so, dass ich Dich mit Haut und Haaren fressen möchte: So wirft das ein klares Licht auf den Charakter der Liebe allgemein. Es geht um den Besitz, um die Sicherung des Besitzes, um das Verbergen, das Verstecken des/der vorgeblich Geliebten vor anderen „Hungrigen“. Die Folgen der Liebe werden im erwähnten Fresswunsch auch deutlich: der andere wird zerrissen, zerstückt, zermanscht, kurz: zerstört.
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Wer immer nur forscht und nichts findet, ist ein fleiĂźiger, bemitleidenswerter armer Tropf.
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Ehrlichkeit und Moral als die wesentlichen Vorzüge des Menschen vor dem Tier? Quatsch. Die Lüge, die Unmoral sind es, die den Mensch aus dem Tierreich heraushoben, ihn zu dem machten, was er ist und nun die Hauptelemente seines „Humankapitals“ bilden. Ob das nun allerdings Vorzüge sind, sei dahingestellt. Die lispelnde Schlange in Gen 3 stellte die Frage, sie gilt noch immer.
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Wahrheit und Dichtung: das eine ist nicht definierbar an sich, also nicht festzulegen, nicht in Gänze zu erfassen, weil nur aus einer jeweils ganz bestimmten Perspektive existent. Das andere kann demzufolge nicht weniger, aber auch nicht mehr wert sein. Man könnte auch schlussfolgern: Der Unterschied zwischen Wahrheit und Dichtung ist gar nicht erkennbar…
(Oder: das eine ist eine Spielart des anderen.)
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Der Wille, zum inneren Wesen der Dinge vorzudringen, führt zu einem heillosen Durcheinander, auf jeden Fall aber zu Platzproblemen: Wir können, bei allen analytischen Fähigkeiten, nicht zu einem endgültigen Ergebnis kommen: Weil wir bei unserer dekonstruierenden Suche gezwungen sind, bestimmte Teile zur Seite zu legen, der Platz auf unserem Schreibtisch aber nicht unbegrenzt ist, fällt dies und jenes über kurz oder lang runter. Außerdem haben wir irgendwann keine Lust mehr, die ganzen Einzelteile wegzuräumen. (Zusammengebaut kriegen wir sie ohnehin nicht mehr.)

Ganz schwierig wird es, wenn der Staubsauger kaputt ist.
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Was bedeutet mir die Komplettanalyse eines edlen Weines, wenn ich ihn nicht genieĂźen kann. Was hat mehr Wert: die Analyse oder der Geschmack des Weines auf meiner Zunge?
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Hat man Hoffnung, schreibt man Dramen. Oder auch: Ein Dichter, der sich heutzutage an ein Drama wagt, gehört einer vergangenen Zeit.
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Eine klare, eindeutige Feststellung ist meistens langweilig, also scheintot. Enthält sie eine Lüge, gewinnt sie ein wenig Leben, aber falsches. Wirkliche Abwechslung und Lebendigkeit liefert nur das Paradox, die Widersinnigkeit Nur diese hat Kraft, Bestand, ein langes, manchmal ewiges Leben. Beipiel?

Johan Cruyff, 1947 in Amsterdam geboren, gilt als das größte Fußballtalent, das Holland je hervorgebracht hat. Sein Name wird in einem Atemzug mit Beckenbauer, Pelé und Maradona genannt. Die Niederländer verehren ihn bis heute, nicht nur wegen seiner schnellen Beine, sondern auch wegen seiner originellen Sprüche. Als Trainer von Ajax Amsterdam soll er vor einer Partie mit einer als schwächer geltenden Mannschaft seine Kicker gewarnt haben. "Die können gegen uns nicht gewinnen, aber wir können gegen sie verlieren."

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jon
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Interessante Einblicke in dein Denken, aber nur ein Teil der Texte "taugt" als Aphorismus. Ich weiß, formal kann man all das Aphorismus nennen, aber "hängen "bleiben eher die kurzen, zugespitzen, bildhaften (vor allem originell bildhaften), nicht als "ich denke mal, es ist so und so, weil " sondern als Feststellung formulierten Aphorismen. So wie es hier steht, passt es gut in ein (literarisches) Tagebuch, in dem sich "knackige" Aphorimsen mit "Mini-Essays" abwechseln.

Das z.B.

quote:
Mythen sind Waffen. Völkische.
bleibt hängen.

Das hier
quote:
Wer von seinen Schwächen erzählt, macht sich nur in den Augen der Schwachen schwächer. Wer von seinen Stärken erzählt, bei allen. Wer zuwenig von sich erzählt, wird nicht beachtet. Wer zuviel von sich erzählt, langweilt und wird überhört. Wer sich in ein besseres Licht rückt, läuft Gefahr, im Schatten zu landen. Wer sich klein macht, wird zertreten. Ergo: Man erzähle von seinen Stärken und Schwächen, beides auf angemessene Art. Besser noch: man zeige, wenn möglich, beides.
ist zum "Hängenbleiben" zu lang und "banal", zu umfangreich und – und das ist das "Schlimmste" – kommt auch noch mit "was lernen wir daraus?". Ein gute Aphorismus kommt ohne "Lehre" aus, seine Aussage ist so markant, dass sie von sich aus zum "lernen" anregt.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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