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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein undurchsichtiger Fall
Eingestellt am 12. 10. 2017 18:09


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wowa
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2013

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Ein undurchsichtiger Fall


Bez√ľglich des r√§tselhaften Verschwindens meiner Frau auf einer gemeinsamen Kreuzfahrt vor der K√ľste Martiniques gebe ich folgendes zu Protokoll :

Gewiss, meine Ex hatte ihre Schwächen, keine Frage, aber wer hat die nicht? Es waren ja auch keine gravierenden persönlichen Mängel, keine offensichtlichen eklatanten Charakterschwächen, sie hat nicht zwanghaft geklaut oder bewusst Unwahrheiten verbreitet. In der Beziehung konnte ich mich nie beklagen, da war sie korrekt.
Andererseits, unbewusst, in gutem Glauben zog sie aus harmlosen Kleinigkeiten haarstr√§ubende Schl√ľsse. Auf dieser Basis reimte sie sich Geschichten zusammen, in denen die Protagonisten denkbar schlecht aussahen. Wir verloren fast unseren ganzen Bekanntenkreis. Mich bezichtigte sie einer Aff√§re mit der Chefsekret√§rin, - das ber√ľhmte blonde Haar am Anzug. Der Chef h√∂rte von den Ger√ľchten und eifers√ľchtig schmiss er mich raus.
Es war nicht immer leicht mit ihr.
In der Folge bauten wir unser eigenes kleines Gesch√§ft auf, sie war die Chefin, hatte die Kontrolle und das tat ihr gut. Ungef√§hr um diese Zeit begann sie, F√ľller zu klauen, teure F√ľller, dilettantisch, sie wurde oft erwischt.
Sie hatte viel zu unterschreiben und ein guter F√ľllfederhalter war eine Frage des Stils. Wenn eine Frau etwas unterschreibt und dabei ein feines Schreibger√§t benutzt, dann kann man davon ausgehen, dass diese Frau auch tadellos mit Messer und Gabel umgehen kann, also kulturell auf einen gewissen Fundus zur√ľckgreift. Das war ihr Credo, old school sozusagen.
Leider war der Schwund in der t√§glichen Hektik enorm. Die Verweildauer eines F√ľllers lag bei zwei, h√∂chstens drei Wochen. Dann war er weg. Ich beschwor sie inst√§ndig, sich einen Sack voll Kugelschreiber zuzulegen, - vergeblich. Dem √∂konomischen Aspekt meiner Argumentation konnte sie sich nicht verschlie√üen, zog daraus allerdings ihre eigenen Konsequenzen.
In dieser Zeit hatten wir h√§ufig mit der Polizei zu tun, die gelegentlich Zeuge unsch√∂ner Szenen wurde, wenn ich sie von einer Wache abholen musste. Die betroffenen Gesch√§fte verzichteten in der Regel auf eine Anzeige, da wir ihnen den Schaden gro√üz√ľgig verg√ľteten. So wurde ihr Fall nie gerichtsnotorisch.
Weder war sie eine Meisterdiebin noch eine gute Köchin. Kochen war ihre Leidenschaft, doch mir hat es nie geschmeckt. Das werden Sie bei Ihren Recherchen in meinem Umfeld gewiss herausgefunden haben.
Gleichwohl k√∂nnen die hier benannten und allgemein bekannten Widerspr√ľche in unserem Eheleben nie und nimmer f√ľr die infame Unterstellung herhalten, ich h√§tte meine Frau vor der K√ľste Martiniques kaltbl√ľtig √ľber Bord geworfen. Weder entspricht ein derartiger Gewaltakt meiner unbescholtenen Pers√∂nlichkeit noch den Verkehrsformen unserer Beziehung. H√§tten wir uns trennen wollen, - und √úberlegungen in diese Richtung gab es, - w√§re nicht Mord, sondern eine gut b√ľrgerliche, einvernehmliche Scheidung das Mittel der Wahl gewesen. In der Hinsicht waren wir uns einig.
Doch gerade auf dieser stressfreien, dem Alltag enthobenen Kreuzfahrt kamen wir einander wieder näher und der Gedanke an Trennung lag fern, blieb quasi in Europa. Das rätselhafte Verschwinden meiner Frau ist vor diesem Hintergrund um so schmerzlicher.
Dessen ungeachtet verlange ich angesichts der ausschlie√ülich auf Vermutungen und Unterstellungen gr√ľndenden Anschuldigungen h√∂flich und bestimmt meine sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft.

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Gollum
Hobbydichter
Registriert: Apr 2017

Werke: 1
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Hallo wowa,

ich bin mir nicht sicher, was du mit der Geschichte aussagen willst. Sie hat in dem Sinne eigentlich keine Handlung. Eher eine Charakterisierung der Frau.

Das mit den F√ľllern finde ich seltsam. Wo kann man die denn klauen?
Als Leser frage ich mich, was ich mit diesen Infos anfangen soll, auch das sie keine gut Köchin ist.

Will er damit ein (√§√ľ√üerst schwaches) Motiv andeuten? Wieso sollte er das zu Protokoll geben?

Als Fazit w√ľrd ich sagen, es br√§uchte noch was, um komplett zu sein.

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Wipfel
Häufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

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wipfel

Hi wowa, ich meine, so funktioniert die Geschichte nicht. Erinner dich, wie sieht ein Protokoll aus? Da erwarte ich etwas anderes. Lass da ein Polzisten zur Vernehmung aufscheinen. Oder den besten Freund oder von mir aus eine Prostituierte. So w√§re ein Dialog m√∂glich und das Ganze w√ľrde nicht so tr√∂ge wirken. Gr√ľ√üe von Wipfel

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wowa
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2013

Werke: 26
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ein undurchsichtiger Fall

Hallo, Gollum und Wipfel,
danke f√ľr die Kritik. Vorab: Der Leser sollte Phantasie & Empathie mitbringen & die Bereitschaft, sich auf eine implizit geforderte Rollenverteilung einzulassen. Das ist vermutlich Konsens.
Auf den Text bezogen heißt das:
Ein Mann in U-Haft formuliert ein Entlastungsschreiben. Ihm wird der Mord an seiner Frau vorgeworfen.Adressat in der Situation ist gewöhnlich der Untersuchungsrichter, also du.
Der Hinweis, es habe ihm nie geschmeckt, macht Sinn in diesem Kontext. Die Harmlosigkeit der durchaus vorhandenen Widerspr√ľche in seinem Eheleben wird hervorgehoben. Niemand bringt seine Frau um, weil es ihm nicht schmeckt.
Lieber Wipfel, das ist kein Verhörprotokoll o.ä., sondern eine Erklärung des Beschuldigten, die er `zu Protokoll` gibt, ihr damit einen offiziellen Charakter verleiht. Falls dich das langweilt, sorry, war nicht meine Absicht.
Lieber Gollum, F√ľller kannst du in jedem guten Fachgesch√§ft klauen, ist aber sehr schwierig. Wohl auch deshalb wurde sie so oft erwischt.
Abschlie√üend interessiert mich, ob ihr den Typ laufen lasst. Er hat sie vermutlich als letzter gesehen, es gibt keine Leiche, die Beweislage ist d√ľnn wie bei allen Kreuzfahrtmorden, halt ein undurchsichtiger Fall.
Alles Gute
Wowa

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Carmen Engel
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2017

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Hallo Wowa,

Dein Text hat mir stilistisch gut gefallen und ich mag die Art des Protagonisten, sich auszudr√ľcken. Ich hatte viele Stellen zum Schmunzeln, und habe mich beim Lesen am√ľsiert.
Doch am Schluss l√§sst Du mich entt√§uscht zur√ľck. Mir fehlt die Aufl√∂sung. Hat er sie nun √ľber Bord geworfen oder nicht?
Ein "Gest√§ndnis" nur f√ľr sich selbst, im gleichen Stil des Protagonisten, w√§re toll gewesen. Und auch ein nachvollziehbares Motiv fehlt mir.
Daher l√§sst Du mich im "luftleeren" Raum zur√ľck und das verdirbt mir am Ende die Lesefreude. Vielleicht kannst Du ja nochmal den Text nachbessern.

Viele Gr√ľ√üe
Carmen

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SilberneDelfine
???
Registriert: Oct 2015

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Hallo wowa,

mir gefällt die Idee. Man hätte das Protokoll noch mehr ausschmuecken können und vielleicht Dinge erwähnen, warum der Protagonist seine Frau keineswegs umgebracht haben kann, weil sie vielleicht irgendwelche ganz besonderen Begabungen hat, die nur er kennt.

Ob ich den Typ laufen ließe? Ohne Beweise darf er ja eigentlich nicht lange festgehalten werden, denke ich.

LG SilberneDelfine







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