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Leselupe.de > Science Fiction
Ein ungerechter Deal
Eingestellt am 20. 12. 2017 20:26


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StefanOhliger
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Registriert: Dec 2017

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Als er aufwachte, wusste er weder wer er, noch wo er war. Er war nur und ihm war schlecht. Arme und Beine konnte er nicht bewegen, was er sah, war milchiges Weiß. Es klickte an seinen Ohren und eine Stimme sagte zu ihm: „Es geht Ihnen gleich besser, haben Sie noch einen Augenblick Geduld!“ Er versuchte zu sprechen, aber kein Ton kam aus seiner Kehle, sein Mund war trocken. Ein Summen ertönte, eine leise Maschine verrichtete ihre Arbeit. Er fĂŒhlte FlĂŒssigkeit in seinen Mund tröpfeln. Gierig trank er, obwohl die ersten Schlucke schmerzhaft waren.
    Die Stimme sprach erneut zu ihm: „Bitte erschrecken Sie nicht, ich nehme jetzt die Abdeckung herunter, Sie werden gleich etwas sehen.“ Was er sah, traf ihn völlig unvorbereitet. Das Wesen, das an den Apparaturen um ihn herumhantierte, hatte vier Arme und anstelle eines Kopfes schaute ihn nur eine Art Kameraauge an. Langsam begannen seine ExtremitĂ€ten zu kribbeln, als sei lange kein Blut mehr durch seine Adern geflossen, „das kann jetzt etwas unangenehm werden, Ihr Blutdruck steigt an, gleich sind Sie im grĂŒnen Bereich.“
    Seine Arme und Beine ließen sich bewegen, er fĂŒhlte, dass er aufrecht stand, an mehreren Stellen fixiert in einer Art Gestell. Die FlĂŒssigkeit in seinem Mund wechselte ihren Geschmack und bekam eine leichte Pfefferminznote. Das Wort Pfefferminze kam an die OberflĂ€che seines Bewusstseins, mehr kam nicht. Er fĂŒhlte sich zwar mittlerweile einigermaßen wohl, Arme und Beine fĂŒhlten sich warm an, in seinem Gesicht fĂŒhlte er einen erfrischenden Luftzug.
    â€žKönnen Sie sich an etwas erinnern?“, fragte die Stimme. Da war nichts, außer dem Wort ‚Pfefferminze‘, er schĂŒttelte den Kopf und sagte: „Sie haben vier Arme, das irritiert mich.“ „Bei einem Medizinandroiden ist das normal, aber das gab es wohl zu Ihrer Zeit noch nicht. Nach unseren Aufzeichnungen sind Sie Malte Dietrich und wurden im Jahr 2037 kryokonserviert. Sie gehören damit zur ersten Generation Konservierter, bei denen eine geringe Chance zur RĂŒckholung existiert. Leider ging bei fast allen die Gehirninhalte mehr oder weniger verloren. Aber wenn Sie GlĂŒck haben, kommen einige BruchstĂŒcke zurĂŒck. Ich zeige Ihnen jetzt unser Informationsvideo, das sollte die meisten Ihrer Fragen beantworten.“
    Ein dĂŒnner Rahmen senkte sich vor sein Gesicht und um ihn herum wurde es merklich dunkler. Das Video begann mit einem kurzen geschichtlichen Überblick der Kryokonservierung, von den AnfĂ€ngen bis zur Einstellung der Forschung im Jahr 2123 als man diese Form der Konservierung aufgegeben hatte. So gut wie alle großen Firmen, die diese Dienste angeboten hatten, mussten ihren Betrieb einstellen und deren Konservierungsgut wurde an öffentlichen Stellen weiter aufbewahrt. Die spĂ€t konservierten ab den Sechziger Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts konnten problemlos aufgeweckt werden, da deren Konservierungsmethoden entsprechend ausgereift waren. Alle vorher eingefrorenen, fĂŒr die es keine gut funktionierende Aufwecktechnologie gab, hatten einfach Pech gehabt. Was ließen Sie sich auch einfrieren, wenn es noch keine Hoffnung auf Heilung und keine Hoffnung auf Wiederbelebung gab. Nach jahrelangem Streit, vor allem ĂŒber die laufenden Kosten, fĂ€llte das Weltparlament im Jahr 2250 den Beschluss, die FrĂŒhkonservierten zu einer Verwendung freizugeben. Ab da lohnte es sich fĂŒr risikobereite Investoren, Geld in Forschungsfirmen zu stecken, die Aufwecktechnologien entwickelten. Der Durchbruch gelang wenige Jahre spĂ€ter, danach wurden die Restposten an Kryokonservierten versteigert. Er sei nun Eigentum der Firma Medical-Research-Inc. und fĂŒr Medikamententests vorgesehen.
    Das Video war zu Ende und der schmale Rahmen fuhr langsam wieder nach oben. Die Stimme meldete sich: „Sie haben sich damals konservieren lassen, weil Sie LymphdrĂŒsenkrebs im Endstadium hatten. Es bestand keine Heilungschance und sie hatten nur noch wenige Wochen zu leben. Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten. Sie unterschreiben den Vertrag mit uns und stehen fĂŒr medizinische Tests zur VerfĂŒgung, wir stellen Sie dafĂŒr gesundheitlich wieder vollkommen her. Nach Abschluss der Tests bekommen Sie etwas Startkapital und einen Posten in einem der Außenwohnbereiche.“ „Und wenn ich nicht unterschreibe?“, krĂ€chzte er. „Dann stabilisieren wir Ihren derzeitigen Zustand und entlassen Sie. Sie werden absolut mittellos sein und nur wenige Wochen zu leben haben. Sobald sie dieses Kraftfeld, in dem Sie jetzt stecken, verlassen haben, wird Ihr Krebs weiter wuchern und auch die Schmerzen werden wiedereinsetzen. Sie erinnern sich?“
    An Schmerzen konnte er sich erinnern, auch andere Erinnerungsfetzen waberten durch sein Gehirn: „Menschenrechte, gibt es die noch? Das kann doch nicht legal sein, was Sie hier tun, oder?“ „Auf der Erde gibt es noch ganz andere Rechte, aber hier draußen außerhalb des AsteroidengĂŒrtels, sehen wir das nicht so eng. Ich lasse Sie jetzt alleine, Sie können dann in aller Ruhe nachdenken.“ Zwei HĂ€nde des Androiden begannen verschiedene Schalter zu betĂ€tigen, wĂ€hrend die zwei anderen HĂ€nde Malte stĂŒtzten und aus seinem Gestell befreiten. Die drei Schritte zu einem bereitstehenden Sessel schaffte er mit dieser Hilfestellung, aber in dem Augenblick, in dem er sich in den Sessel setzte, fingen die Schmerzen an. Teile seines Gehirns erinnerten sich wohl ganz genau und er wusste, das war erst der Anfang, es wĂŒrde noch viel schlimmer werden.
    Bevor der Android den Raum verließ, rief er ihn zurĂŒck: „Ihr habt gewonnen, wo muss ich unterschreiben?“, „Ich rufe meinen Supervisor, er wird gleich bei Ihnen sein.“ Nach wenigen Minuten betrat ein elegant gekleideter Ă€lterer Herr das Zimmer. Er beglĂŒckwĂŒnschte Ihn zu seiner ‚weisen‘ Entscheidung und legte ihm ein Armband aus einem schimmernden Metall um den rechten Arm. Er musste seinen linken Daumen auf ein grĂŒnes Feld drĂŒcken, das daraufhin farblos wurde. Malte wollte noch ein paar Fragen stellen, aber der elegante Herr hatte schon den Raum verlassen. Sogleich kam der Android zurĂŒck und meinte: „VertragsabschlĂŒsse dieser Tragweite sind nur im Beisein eines Notars gĂŒltig, ich beginne jetzt mit der Heilungssequenz.“ Er setzte Malte eine Reihe von Spritzen und gab ihm zwei kleine gelbe Pillen, die dieser mit etwas Wasser zu sich nahm. Ihm wurde kurz schwarz vor Augen und er begann zu zittern, aber nach wenigen Minuten war es vorbei.
    â€žSo, das war’s, Sie sind geheilt. Den Rest des Tages haben Sie frei, Sie können sich gerne etwas umsehen, wenn Ihr Armband anfĂ€ngt zu blinken, mĂŒssen Sie wieder zurĂŒckkommen. Sie sind jetzt Vertragsinhaber.“, „Entschuldigung, aber ich verstehe das nicht, was haben Sie mit mir gemacht, wieso bin ich geheilt und wo soll ich mich umsehen?“, „Sie haben die ĂŒblichen Medikamente fĂŒr Ihre Erkrankung bekommen, zusammen mit den normalen Heilungsbeschleunigern. In Ihrem Falle war die doppelte Dosis nötig, da Ihr Krebs schon weit fortgeschritten war. Ihnen ist es wohl eben etwas schwindelig geworden, das war die Heilung. Sie können unser Institut verlassen und ein wenig spazieren gehen, die meisten Menschen sind ganz fasziniert von der Aussicht auf den AsteroidengĂŒrtel, wenn sie das erste Mal hier draußen sind.“
    Malte sah sich um, neben der TĂŒr zu dem Raum war eine kleine Nische, in der eine Art Jacke hing und ein paar Slipper. Alles passte hervorragend und schien sich an seinen Körper anzuschmiegen. Die Jacke verband sich automatisch mit seiner Hose zu einem Overall, die Slipper waren super bequem. Die Mode hatte wohl eine ziemliche Entwicklung hinter sich. Als er sein Zimmer verließ, noch etwas wackelig auf den Beinen, vibrierte sein Armband dezent und ein Pfeil war darauf zu sehen. Er folgte diesem Pfeil und das Armband fĂŒhrte ihn zum Ausgang.
    Er war ĂŒberwĂ€ltigt von dem, was er sah: eine riesige Siedlung befand sich auf der Innenwand einer Art Rolle oder Tonne. In der Mitte dieses Gebildes waren Wolken zu sehen, die ganze Welt drehte sich um ihn. Direkt vor dem GebĂ€ude waren GrĂŒnflĂ€chen angelegt mit ein paar BĂ€umen und BĂŒschen, lautlose Kabinen bewegten sich auf Bahnen in alle möglichen Richtungen. In manchen saßen Leute aber auch andere unbekannte Gestalten. In einiger Entfernung waren hochhausgroße Fenster zu sehen. Malte ging in diese Richtung, die Aussicht war wirklich atemberaubend.
    Ein Mann sprach ihn an: „Ah, ein Kontraktor, haben die dich solange voll gequatscht bis du zugestimmt hast?“, „Ja“, Malte kam sich irgendwie gerade ziemlich dumm vor. „Das machen die mit jedem, sobald du das blöde Armband hast, kann dir niemand mehr helfen. Jetzt hast du einen gĂŒltigen Vertrag und wenn du dir nicht den Arm abschneidest, kann dich niemand von dem Ding befreien.“, „Aber was hĂ€tte ich denn tun sollen, ich hatte Krebs im Endstadium und nur noch wenige Wochen zu leben!“, „Das haben alle, aber wenn du nicht unterschreibst, können die nichts tun. Krebs ist zwar unangenehm, aber nicht weiter tragisch. Heutzutage bekommt das, bei der hohen Strahlenbelastung bei Reisen im Raum, jeder mal. Dann geht man zu einem Medihelfer und bekommt seine Spritzen. Das konntest du aber nicht wissen. Die haben dich hereingelegt, jetzt gehörst du ihnen. du bist einer von den FrĂŒhkonservierten, oder? Bei euch war damals Krebs noch eine ernste Sache. Einige bitten um Bedenkzeit, die können wir oft retten. Bei dir können wir aber nichts machen, du hast wohl gleich Ja gesagt?“
    Malte nickte nur, der Fremde schĂŒttelte traurig seinen Kopf: „Na ja, vielleicht hast du ja GlĂŒck und kommst ohne irreparable SchĂ€den aus den Tests, das kommt zwar selten vor, aber wer weiß“. Der Fremde ging langsam davon, Malte betrachtete lange den AsteroidengĂŒrtel, dann begann sein Armband zu blinken.


Version vom 20. 12. 2017 20:26

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jon
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Hallo StefanOhliger, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Und noch was konkret zum Text: Gut, dass du AbsĂ€tze eingefĂŒgt hast. Allerdings sind sie falsch (und scheinen mir recht nach dem Zufallsprinzip verteil zu sein): Zum einen macht man keine Leerzeilen (die EinzĂŒge reichen als Lesehilfe völlig) und zum anderen werden bei Dialogen bei Rednerwechsel AbsĂ€tze gemacht (die Kommas zwischen den Reden unten sind echt falsch). Das sind (scheinbar) reine Formfragen, aber die machen den Text runder. Und noch was, weil ich grad dabei bin: Das Wort "du" und seine Formen werden klein geschrieben - auch in der wörtlichen Rede.
Alles in allem aber ein hĂŒbscher Text, gefĂ€llt mir.

Viele GrĂŒĂŸe von jon

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StefanOhliger
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Danke

Hallo Jon,

ich habe die Leerzeilen entfernt, wieso mir das mit den 'Du' durchgerutscht ist, kann ich nicht sagen, ich habe korrekturen.de Hier klicken
benutzt.

Ich schreibe beruflich halt viele Mails ...

Das mit den AbsÀtzen muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen ...

Aber auf alle FĂ€lle vielen Dank fĂŒr Deinen Kommentar!

LG

Stefan

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Tula
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Hallo Stefan

ich stimme zu, eine nette und auch originelle Idee. Soweit hat mich die LektĂŒre unterhalten. Was den Aufbau der Geschichte angeht, könntest du mMn aber den Text noch ausbauen. Auch wenn lĂ€ngere Geschichten es an solch einer Stelle (Forum) aus ersichtlichen GrĂŒnden etwas schwerer haben und mehr Geduld und Interesse vom Leser einfordern, sollte man dennoch versuchen, die Spannung allmĂ€hlich aufzubauen und nicht voreilig dem Ende zuzustreben. Diesen Eindruck gewinne ich hier irgendwie.

Der Text hat bis "das Armband fĂŒhrte ihn zum Ausgang" etwa 1.200 seiner Wörter, also 80% insgesamt. In den restlichen 20% beschreibst du die 'neue Welt' im AsteroidengĂŒrtel und die sogenannte Auflösung der Story.

quote:
Er war ĂŒberwĂ€ltigt von dem, was er sah: eine riesige Siedlung befand sich auf der Innenwand einer Art Rolle oder Tonne.

Hier zum Beispiel könnte man die fern im Planetensystem kreisende Stadt der Zukunft noch viel genauer beschreiben, sich Details greifen usw. Ich meine kein Gespinne, sondern wie sich der Autor aus heutiger Sicht solch einen Ort ernsthaft vorstellt.

Noch bedenklicher ist, dass du gleich darauf die Pointe vorweg nimmst. Plötzlich wird der Held der Story angesprochen und darauf aufmerksam gemacht, dass er sich 'angeschissen' hat. Da entsteht keine Spannung beim Leser, allenthalben der Wunsch jetzt zu erfahren, was die Sache auf sich hat.
Der Held hier könnte ĂŒber die Betrachtung der wundersamen Siedlung nach und nach immer mehr Zweifel bekommen, dass irgendetwas nicht stimmt. Vielleicht beobachtet er gesund aussehende Leute ohne Armband und dann wieder andere, mit Armband, die an rĂ€tselhaften Gebrechen leiden und eher ziemlich schlecht dreinschauen. Dann wĂŒrde er ahnen, dass die Idee mit den medizinischen Versuchen nicht unbedingt die beste war. Dann wĂŒrden sich beim Leser selbst Neugierde, Spannung usw. aufbauen, die Zweifel des Helden nachempfindend. NatĂŒrlich ohne dem Leser die Auflösung zu zeitig nahezubringen oder auf zu leichte Weise erraten zu lassen.

Ich hoffe, du kannst mit dieser Kritik etwas anfangen.

LG
Tula

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jon
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Na? Schon in Sachen AbsÀtze recherchiert bzw. nachgedacht? Ich gebe mal Hinweise:

1: AbsĂ€tze kennzeichnen Sinn- und Handlungseinheiten. Innerhalb eines Absatzes fließt die Handlung quasi von einem Satz zum anderen bzw. ein Redner redet seine Rede.
2: AbsÀtze schaffen Rhythmus. Sie steuern Betonungen, Wichtungen und (kleine Lufthol-)Pausen und sind damit ein leider zu of unterschÀtztes dramaturgisches Element.


quote:
Als er aufwachte, wusste er weder wer er, noch wo er war. Er war nur und ihm war schlecht. Arme und Beine konnte er nicht bewegen, was er sah, war milchiges Weiß. Es klickte an seinen Ohren und eine Stimme sagte zu ihm: „Es geht Ihnen gleich besser, haben Sie noch einen Augenblick Geduld!“ Er versuchte zu sprechen, aber kein Ton kam aus seiner Kehle, sein Mund war trocken. Ein Summen ertönte, eine leise Maschine verrichtete ihre Arbeit. Er fĂŒhlte FlĂŒssigkeit in seinen Mund tröpfeln. Gierig trank er, obwohl die ersten Schlucke schmerzhaft waren.
Dieser Block passt: Er wacht auf und nimmt am Anfang alles wie in einem Brei wahr, kann die Sinneinheiten der ĂŒber die Sinne empfangenen Infos noch nicht erkennen/deuten.

quote:
Die Stimme sprach erneut zu ihm: „Bitte erschrecken Sie nicht, ich nehme jetzt die Abdeckung herunter, Sie werden gleich etwas sehen.“ Was er sah, traf ihn völlig unvorbereitet. Das Wesen, das an den Apparaturen um ihn herumhantierte, hatte vier Arme und anstelle eines Kopfes schaute ihn nur eine Art Kameraauge an. Langsam begannen seine ExtremitĂ€ten zu kribbeln, als sei lange kein Blut mehr durch seine Adern geflossen, „das kann jetzt etwas unangenehm werden, Ihr Blutdruck steigt an, gleich sind Sie im grĂŒnen Bereich.“
Hier beginnt es schon, nicht mehr zu funktionieren. Zwischen der Ansage, dass er gleich was sehen wird, und dem Umstand, was er sieht, ist ein HandlungsprĂŒngchen: Der Teil „der MedoRob hebt die Abdeckung ab, er sieht was und er realisiert, was er sieht" fĂ€llt bei dir aus, es gibt auch keine „LĂŒcke“, in der das hĂ€tte stattfinden können.
Dramataturgisch verschenkst du das Staunen ĂŒber das Wesen, indem du, ohne abzusetzen, sofort zum Kribbeln in Armen und Beinen wechselst.
Und: Der Redeteil „das kann 
" wĂŒrde in dieser Konstruktion (ohne Absatz und sogar nur mit Komma abgetrennt) von ihm gesprochen. Man merkt einen Tick zu spĂ€t, dass das auch der MedoRob sagt.

quote:
„Können Sie sich an etwas erinnern?“, fragte die Stimme. Da war nichts, außer dem Wort ‚Pfefferminze‘, er schĂŒttelte den Kopf und sagte: „Sie haben vier Arme, das irritiert mich.“ „Bei einem Medizinandroiden ist das normal, aber das gab es wohl zu Ihrer Zeit noch nicht. Nach unseren Aufzeichnungen sind Sie Malte Dietrich und wurden im Jahr 2037 kryokonserviert. Sie gehören damit zur ersten Generation Konservierter, bei denen eine geringe Chance zur RĂŒckholung existiert. Leider ging bei fast allen die Gehirninhalte mehr oder weniger verloren. Aber wenn Sie GlĂŒck haben, kommen einige BruchstĂŒcke zurĂŒck. Ich zeige Ihnen jetzt unser Informationsvideo, das sollte die meisten Ihrer Fragen beantworten.“
Hier wieder: Es fehlt im Text der Moment, in dem der Protagonist gewissermaßen in sich reinhört, ob er sich an etwas erinnern kann.
(Inhaltsfehler, der schon vorher auftaucht, hier aber manifest wird: Wenn „nichts {außer dem Wort ,Pfefferminze’) in seinem Kopf ist", dann sind da auch keine Sprache oder die Erkenntnis, dass vier Arme unnormal {also irritierend} sind. „Gehirninhalte“ sind viiiiiel mehr als Fakten-Erinnerungen - ein Medizinandroid wĂ€re da nicht so schlampig mit den AusdrĂŒcken.)
Wenn der Redner wechselt, wird ein Absatz gemacht. Rein optisch, damit mit die GĂ€nsefĂŒĂŸchen nicht dirket aufeinander folgen (das wĂ€re nur ein kleiner Schönheitsfehler), vor allem aber, weil sich in der „Absatzpause“ der Leser auf den neuen Redner umstellen kann.

quote:
Das Video war zu Ende und der schmale Rahmen fuhr langsam wieder nach oben. Die Stimme meldete sich: „Sie haben sich damals konservieren lassen, weil Sie LymphdrĂŒsenkrebs im Endstadium hatten. Es bestand keine Heilungschance und sie Sie hatten nur noch wenige Wochen zu leben. Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten. Sie unterschreiben den Vertrag mit uns und stehen fĂŒr medizinische Tests zur VerfĂŒgung, wir stellen Sie dafĂŒr gesundheitlich wieder vollkommen her. Nach Abschluss der Tests bekommen Sie etwas Startkapital und einen Posten in einem der Außenwohnbereiche.“ „Und wenn ich nicht unterschreibe?“, krĂ€chzte er. „Dann stabilisieren wir Ihren derzeitigen Zustand und entlassen Sie. Sie werden absolut mittellos sein und nur wenige Wochen zu leben haben. Sobald sie dieses Kraftfeld, in dem Sie jetzt stecken, verlassen haben, wird Ihr Krebs weiter wuchern und auch die Schmerzen werden wiedereinsetzen wieder einsetzen. Sie erinnern sich?“
Hier zum Beispiel entsteht durch den fehlenden Absatz im ersten Moment der Eindruck, den Teil mit "Dann 
" sprĂ€che auch er. Der Irrtum mag sich bei diesem Inhalt rasch aufklĂ€ren, aber wenn du es dir so angewöhnst, wirst du frĂŒher oder spĂ€ter in die Falle tappen, dass der Leser nicht mehr (schnell genug) weiß, wer was sagt.
(Schönheitsfehler bei der Konstruktion: Mag sein, dass die da weit ab von irdischer Rechtsprechung sind, aber VertrÀge, die auf der Basis von eindeutig erlogenen Infos {nur wenige Wochen zu leben haben} zustande kommen, sollten auch dort anfechtbar sein.)
(Logikproblem: Inzwischen weiß er doch von dem MedoRob - warum dann noch das anonyme „Die Stimme meldete sich“?)


Mehr zu AbsÀtzen findest du z. B. Hier klicken und sicher auch an anderen Stellen im Netz.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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StefanOhliger
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Danke fĂŒr Euer Feedback

Ich bin nur momentan beruflich etwas eingespannt, daher fehlt mir die Zeit genauer darauf einzugehen.

LG

Stefan

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