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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ein verlorenes, nicht an seine wirkliche Bestimmung gekommenes männliches Lebens
Eingestellt am 26. 06. 2012 12:34


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Ian McEwan, Solar, Diogenes 2012, ISBN 978-3-257-24174-7


Man muss schon ein wenig Interesse an Naturwissenschaften mitbringen, wenn man dieses Buch mit Gewinn lesen möchte. Und man braucht viel Geduld mit einer Hauptperson, die ja deshalb so unerträglich ist, weil sie so realistisch geschildert ist. Insbesondere seine weiblichen Leser, die neben vielen anderen das neue, hier vorliegende Buch von Ian McEwan voller Spannung erwartet haben, werden von dem Roman "Solar" enttäuscht sein. Und das hängt am Protagonisten, dessen Leben und Wirken, dessen Lügen und Selbsttäuschungen, dessen Korruptheit und moralischer Verkommenheit McEwan über 400 Seiten gewidmet hat.

Michael Beard ist Wissenschaftler. In relativ jungen Jahren ist er durch die Lösung eines mathematisch- physikalischen Problems in Fortsetzung der Forschungen Albert Einsteins nicht nur zu großem Ruhm gekommen, sondern auch zu einem Nobelpreis, auf dem er sich sein ganzes weiteres Leben ausruhen wird. Er forscht nicht weiter, lebt von seiner Reputation, verkauft seinen Namen, damit er auf Briefköpfen von Firmen werbewirksam Eindruck schindet, und kaut ein und dieselben Vorträge gegen riesige Honorare immer wieder. In seinem Privatleben ist er innovativer. Insgesamt fünf Ehen hat er hinter sich, und seine aktuelle, fünfte Frau schon so viele Male betrogen, dass er gar nicht mehr mitzählt. Seine Frau allerdings hat genau Buch geführt, und als sie sich rächt und sich einen Liebhaber nimmt, kommen der berufliche und der private Strang zusammen, Denn der Liebhaber ist ein junger, und intelligenter Mitarbeiter seines Instituts für erneuerbare Energien, das er durch eine Menge von Fördergeldern, die er durch seinen Ruf bekommen hat, gegründet hat. Dieser Aldous hat bahnbrechende Erkenntnisse in einer Kladde notiert, an die Beard durch Umstände gerät, die hier nicht verraten werden sollen. Umstände, die das Buch auch zu einem richtigen Krimi machen. Schamlos macht er sich diese Aufzeichnungen zu nutze, gibt sie als eigene Ideen aus und träumt mit seinem Freund von einem genialen und Welt verändernden wissenschaftlichen Coup. Wie der ausgeht, soll hier offen bleiben.

Offen bleiben soll nicht eine persönliche Einschätzung dieses Buches, das sich flott liest. Wenn man es rezipiert als eine überzogene Entlarvung der angeblichen Unabhängigkeit der Wissenschaft, wenn man es liest als ein weiteres trauriges Beispiel eines verlorenen, nicht an seine wirkliche Bestimmung gekommenen männlichen Lebens, dann macht das Buch einen Sinn. Doch: McEwan hat schon weit bessere Romane geschrieben als diesen. Er wird, so wage ich vorauszusagen, nicht sehr lange in Erinnerung bleiben.



Version vom 26. 06. 2012 12:34

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