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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein weiterer Abend
Eingestellt am 02. 07. 2002 01:09


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Aspirin
???
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
Kommentare: 8
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Es ist k├╝hl im Auto, die Fenster sind beschlagen und man muss sich erst an den Sitz gew├Âhnen. Schalten, Lenkrad bis zum Anschlag drehen und dann langsam im ersten Gang rausfahren. Mein Beifahrer ist angetrunken, er erz├Ąhlt mir, man solle immer langsamer fahren, als die vorgeschriebene Geschwindigkeit es verlangt, er sagt man m├╝sse auf die Sicherheit achten, auch Menschen mit jahrelanger Erfahrung verungl├╝cken t├Âdlich. Ich drehe den Lautst├Ąrkeregler etwas h├Âher und die Musik ├╝bert├Ânt ihn. Es ist keine Unh├Âflichkeit, glauben Sie es mir, ich glaube Ihnen, die Jugend ist verdammt zu verungl├╝cken, wenn schon das Alter und Erfahrung einen nicht davor bewahren.

Schalten, Lenkrad bis zum Anschlag drehen und dann langsam im ersten Gang rausfahren. Mein Beifahrer wird immer kleiner und kleiner bis er letztendlich im R├╝ckspiegel verschwindet. Was nun? Ich drehe den Lautst├Ąrkeregler etwas runter und h├Âre den Motor er l├Ąuft gleichm├Ą├čig, ohne jegliche Unregelm├Ą├čigkeiten, er hat keine Alternativen, er kann nur in eine Richtung.

Parkplatz. Soll ich aussteigen und das St├╝ck laufen? Nein vielleicht gibt es in der N├Ąhe einen freien Parkplatz. Man muss effizient und konsequent sein bis ins letzte, bis zum letzten Detail, sonst verungl├╝ckt man, es sind schon die Besten an ihrer Inkonsequenz verungl├╝ckt.

Die T├╝rklinke nach unten dr├╝cken, eintreten, die G├Ąste mit einem Blick ├╝berfliegen, nach bekannten Gesichtern Ausschau halten, kurz L├Ącheln, begr├╝├čen, Smalltalk mit h├Âchstens drei S├Ątzen, einen freien Platz suchen. Den Platz nicht zu weit, aber auch nicht zu nahe an den Mitmenschen nehmen. Immer die optimale Entfernung, niemandem zu nahe treten, aber auch sich nicht zu weit entfernen, bei der richtigen Distanz kann dir nichts passieren, mit der richtigen Distanz vermeidet man Unf├Ąlle.

Der Kaffe schmeckt wie immer. Ein Blick auf die Uhr, sie ist unp├╝nktlich, sie ist eine Frau, das ist ihre Rolle und sie spielt sie. Meine Rolle ist nichts zu sagen, wenn sie kommt, aber einen ver├Ąrgerten Blick auf das Ziffernblatt zu werfen und so zu tun als w├Ąre es ok. Ich spiele meine Rolle. Wir alle spielen unsere Rollen, ob wir es wollen oder nicht. Schalten, drehen, mit dem ersten Gang rausfahren.

Sie sind da, sie ist nicht allein. Es ist ok. Wir sprechen, abtasten, ausprobieren, absch├Ątzen, aussprechen. Man muss vorausschauend handeln, man muss die Schw├Ąchen und Fehler anderer Verkehrsteilnehmer immer miteinsch├Ątzen, um in einer gef├Ąhrlichen Situation richtig zu reagieren und rechtzeitig auf die Bremse zu dr├╝cken.

Wo stehe ich? Ich wei├č es nicht genau. Um mich herum ist die Welt, aber es ist egal in welche Richtung ich gehe. Die Erde ist rund und ich bin wieder dort, wo ich gerade stand. Um mich herum ist die Welt und sie ist immer noch klar und doch undurchschaubar.
Der gro├če Zeiger der Uhr hat drei Kreise gemacht, er l├Ąuft gleichm├Ą├čig, ohne jegliche Unregelm├Ą├čigkeiten, er hat keine Alternativen, er kann nur in eine Richtung.

Es ist k├╝hl im Auto, die Fenster sind beschlagen und man muss sich erst an den Sitz gew├Âhnen. Schalten, Lenkrad bis zum Anschlag drehen und dann langsam im ersten Gang rausfahren. Mein Beifahrer ist die Stimme aus dem Radio, auch du hast deine Sehnsucht und sagst mir man muss etwas unternehmen, sonst wird sich nie etwas ├Ąndern, aber auch du wei├č nicht in welche Richtung ich laufen soll. Schalten, Lenkrad bis zum Anschlag drehen und dann langsam im ersten Gang in die Parkl├╝cke reinfahren. Schl├╝ssel drehen und horchen wenn der Motor aufh├Ârt in eine Richtung zu laufen.

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Guest
Registriert: Not Yet

Sorry,

ist gew├Âhnungsbed├╝rftig Deine kleine Story, hat mir aber trotzdem gut gefallen, da in Deinen Zeilen schon ein tieferer Sinn vorhanden ist, den Du in eine graue Verpackung gesteckt hast. Aber ich denke, genau das wolltest Du erreichen, oder?!?

Gru├č
GUIDO

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Aspirin
???
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
Kommentare: 8
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Als erstes mal Danke f├╝r deinen Kommentar. Ich wollte den Automatismus herausstellen, ich wei├č nicht, ob es mir gelungen ist, aber ich wollte, dass die Leser, das Geschriebene "nachf├╝hlen" und nicht "nachdenken", ob es mir gelungen ist, wei├č ich auch nicht.
__________________
Was uns nicht umbringt, kann immer noch verdammt wehtun

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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

Werke: 468
Kommentare: 8220
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sehr interessant.
Und es l├Ądt ein,es immer und immer wieder zu lesen, weil das Gef├╝hl da ist,es w├Ąre noch einiges mehr in dem Text versteckt.

Liefert ein paar Bilder und ich muss an das langweilige Leben von einigen, die ich kenne,denken.

Stoffel

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