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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein wundervolöler Akt
Eingestellt am 11. 08. 2001 00:00


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lazarus
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

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Kommentare: 5
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Ein wundevoller Akt





"Die Betitelung Sex ist doch eine Beleidigung für den Akt der Schöpfung eines Wesen Gottes!" Das war ja klar, so eine gestelzte Bemerkung kann nur aus einem Mund kommen, dessen Besitzer gedanklich und geistig sämtliche irdischen Atmosphären verlassen hat. Und das muss ich mir an einem Samstag morgen zu Gemüte führen lassen. Gähnend und mich zwischen den Beinen kratzend lehne ich am Rahmen meiner Wohnungstür und überlege, wie ich mich, dem bieder geschniegelten Typen, dessen spärliches Haupthaar über die Glatze gekämmt war, entledige, ohne ihm den sauber gebügelten Nadelstreifenanzug, unter dem er natürlich einen Rollkragenpulli trägt, zu zerknittern.
"Gott hat uns zum bestaussehendsten, intelligentesten und saubersten Geschöpf seines wunderbaren Werkes gemacht. Da wäre es doch ein Frevel, die herausragende Mechanik unserer Fortpflanzung zu unserem Vergnügen zu betreiben. Und wie ein Schlag in das Gesicht des Almächtigen muss es doch sein, wenn man eine Vermehrung absichtlich verhindert!"
Mist! Jetzt fällt mir ein, das vorgestern die Condome ausgegangen sind. Und das natürlich vor einem Wochenende, an dem meine Frau und ich endlich mal beschäftigungslos wären.
"Und was soll ich ihrer Meinung nach tun, wenn mich der Hafer sticht?" ich hatte Glück, das ich die Frage noch verständlich artikulieren konnte, denn ein weiteres, leider nicht messbares Gähnen, lies meine Gesichtsmuskeln zu einer Fratze mutieren.
"Eigentlich verbietet der Glaube solche Formulierungen zu äußern, aber da sie bei mir nicht den Eindruck erwecken, einer Verbreitung der Ansichten Gottes im Wege zu stehen, werde ich ihnen diesen Ausdruck verzeihen."
Eine ziemlich übertriebene Verbeugung, die eigentlich das Gegenteil bewirken sollte, lies das Gesicht des von irgendeiner Sekte geblendeten Mannes erstrahlen. Meine Gehirnwindungen routierten wie verrückt und versuchten angestrengt einen Ausweg aus dieser nervenbetäubenden Situation zu finden. Doch kaum hatte mein Gegenüber wieder den Mund geöffnet wusste ich das ein höfliches Hinauskomplimentieren kaum noch möglich war.
"Also wissen sie Herr ...." er warf einen kurzen Blick auf das Namensschild, also sein logisches Denkvermögen war noch nicht geblendet. "......Mayer. Gott hat uns in seiner so großzügigen Güte auch die Tugend der Entbehrung mit in den Schoss gelegt. Und dort sollte sie auch verharren, bis sich zwei Menschen gefunden haben, um einen weiteren Diener des Herren zu zeugen."
"Ach, und was ist mit ihnen?" ich dachte, das ich mit dieser Frage endlich einen Weg gefunden habe um so schnell wie möglich in die weichen und zärtlichen Arme meiner Frau zu gelangen.
"Der Herr hat mich in seiner allmächtigen Weisheit dazu berufen, die Ungläubigen auf den rechten Pfad zu führen und dazu bedarf es meiner ganzen Kraft. Mich dann noch um eine Familie zu kümmern, übersteigt bestimmt meine Fähigkeiten!"
Ich kann gar nicht sagen, wie ich froh bin, das zu hören. Denn wenn ich mir vorstelle, das sich dieser Typ mit dem geschwollenen Wortschatz auch noch vermehren würde, könnte das halbverdaute Abendessen vom Vortag den oralen Ausweg benutzen. Doch langsam aber sicher wird es Zeit, diesen Quälgeist los zu werden. Also, auf gehts zur Offensive.
"Wenn sie sich so sicher sind, das Gott den Beischlaf erschaffen hat, nur um den menschen vermehren zu lassen, warum hat er uns dann den Orgasmus geschenkt?" so, der erste Hieb hat gesessen. Aber bevor er sich wieder herausreden kann mache ich gleich weiter."Und wenn ihre Behauptung wirklich stimmen sollte, warum haben die frauen einen G-Punkt und warum reagiert der Körper auf Onanie?"
Mit Genugtuung bemerke ich, das das milchige Gesicht meines Gegenüber, plötzlich den Farbton eines Pavian hinters annimmt und wie ein dicker Klos sich dranmachte seinen Hals zu verschnüren.
"Aber das sind doch alles Werke des Teufels!" stammelte er und machte gar nicht mehr so den überzeugten Eindruck, wie noch vor ein paar Minuten.
"Und was war denn mit der Affaire zwischen Jesus, der ja bekannterweise ja Gottes Sohn war und Maria Magdalena? Haben die nur Halma oder Mensch ärger dich nicht gespielt? Und sogar in der Bibel steht, das Jesus vierzig Tage lang allein mit einer grossen Schlanken unterwegs war. Oder wollen sie leugnen, das da steht: Jesus ging für Vierzig Tage in die Wüste und ihm folgte eine Lange Dürre?"
Dieser uralte Witz brachte ihn nun endgültig aus der Fassung. Sein Gesicht wird roter, als die holländischen Genforscher je eine ihrer Tomaten bringen würde und er schnappte nach Luft, als würde er einen an Land liegenden Karpfen imitieren. Jetzt bin ich am Drücker.
"Was ist denn nun mit ihren Argumenten? Gehen sie zur Neige? Oder ihnen die Luft aus? Ich würde sagen, sie lesen noch mal die Bibel, oder wie das Buch heisst, das sie so schlau gemacht hat und beehren mich erst wieder auf der Taufe meines Kindes!"
Ich schlage die Tür zu und Atme erleichtert auf. Das wäre geschafft! Aber jetzt nichts wie ins Schlafzimmer!
Während dem Gespräch hat sich eine Menge Druck angesammelt. Der muss jetzt raus. Meine Frau kann sich schon mal auf was gefasst machen.

Zwei Stunden später liege ich neben meiner Frau und könnte heulen. Sie hat damit leider schon angefangen.
"Ich dachte du wolltest aufpassen!" schreit sie mich unter Tränen an. "darunter versteh ich aber etwas anderes,Papa!"
__________________
Mein Zuhause....Mein Ort für die Ewigkeit!

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