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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Art von Liebe
Eingestellt am 29. 12. 2000 14:10


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Christel Bode
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

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„Eine Art von Liebe“
Schön war er nicht! Im Gegenteil. Hager, ja fast unterernÀhrt sah er aus. Ein unscheinbarer Typ und ungepflegt dazu. Wohl deshalb hatte ich ihn in der Menge nicht bemerkt.
Ich erfuhr, dass sich bisher nie jemand richtig um ihn gekĂŒmmert hatte. Immer wieder wurde er von Menschen denen er vertraute, enttĂ€uscht. Umso mehr erstaunte mich sein offenes Wesen.
Die ganze Geschichte begann an einem trĂŒben Herbsttag. Verwelktes Laub raschelte unter meinen FĂŒĂŸen als ich den einsamen Weg entlangging. Hinter einem vermoderten Gartenzaun tauchte auf einmal gespenstisch ein Haus auf. Die fast kahlen Äste des wilden Weins klebten an dem alten GemĂ€uer - so als wollten sie es stĂŒtzen. Neugierig beugte ich mich ĂŒber den Zaun. "Hallo", hörte ich eine forsche Stimme zwischen den Hecken. "Suchen Sie etwas?" "Nein, nein, stotterte ich. Ich gehe nur spazieren!" "Es fĂ€ngt an zu regnen, kommen sie lieber mit ins Haus, forderte mich die Stimme freundlich auf. Erst jetzt sah ich das Gesicht welches zu der Stimme gehörte. Es war herb, mit vielen Falten die von einem bewegten Leben erzĂ€hlten. 
Die kleine schmale Frau fĂŒhrte mich in einen spĂ€rlich eingerichteten Raum. "Das sind meine SchĂŒtzlinge", sagte sie und deutete mit ihren ledrigen HĂ€nden zu einer Gruppe. Schweigend sah ich ihnen zu. Es war klar zu erkennen, dass einige litten. Manche saßen apathisch in einer Ecke. Andere benahmen sich fast schon aggressiv. 
Plötzlich spĂŒrte ich, dass ich beobachtet wurde. Neugierig drehte ich mich um. Was ich sah, erinnerte mich sofort an die ersten zarten BlĂ€tter des knorrigen Kastanienbaumes vor meinem Fenster. Nie zuvor hatte ich solche Augen gesehen. Sie faszinierten mich! In ihnen lag unendlich viel. Sein offener Blick strahlte Ehrlichkeit, Zuneigung, aber auch Verletzlichkeit aus. Vor allem aber Hoffnung. - Ja, da war sie, die Hoffnung auf ein besseres Leben. Den Kopf leicht zur Seite geneigt, sah er mich neugierig an. Von einer Sekunde zur anderen, war eine seltsame Vertrautheit zwischen uns. Wir verstanden uns – auch ohne Worte. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass uns nichts mehr trennen konnte. Sein Aussehen war mir völlig egal. Mit Charme und einer gewissen HartnĂ€ckigkeit eroberte er mein Herz im Sturm. Ich wollte ihn!
Acht Jahre sind seitdem vergangen. An unseren GefĂŒhlen fĂŒreinander hat sich nichts geĂ€ndert. Sie sind stark wie damals und ohne Zweifel. Wenn sich sein warmer, anschmiegsamer Körper an meinen drĂŒckt, fĂŒhle ich mich wunderbar entspannt und glĂŒcklich.
Aus dem unscheinbaren Typ wurde ein Frauenliebling. EifersĂŒchtig bin ich trotzdem nicht, denn Pedro, mein Kater, ist treu. So treu, wie nur ein Tier sein kann. Ich glaube, er ist mir heute noch dankbar, dass ich ihn damals aus dem Tierheim geholt habe um ihm ein Zuhause zu geben und – Liebe.  
- ENDE -

__________________
Christel Bode

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Hallo Christel,

Ich bin zwar kein Katzenhasser und verteile auch ganz gern ein paar Streicheleinheiten, wenn mir ein solches Tier ĂŒber den Weg lĂ€uft, aber "eine Art von Liebe" kann ich nicht nachempfinden. Deshalb möchte ich mich zum Inhalt deiner Geschichte auch nicht Ă€ußern. Was die Stilistik angeht, da muß ich ein Kompliment los werden. Schlicht und vor allem flĂŒssig erzĂ€hlt, nichts ÜberflĂŒssiges und da ich nicht gleich auf Kater getippt hatte (nur die "zarten BlĂ€tter des knorrigen Kastanienbaumes" ließen mich stutzen) habe ich auch den vorhandenen Spannungsbogen bis zum Ende verspĂŒrt.

Gruß Ralph
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