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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Begegnung der besonderen Art
Eingestellt am 10. 09. 2017 13:53


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G. R. Asool
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Registriert: Apr 2017

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Tino sa├č auf seinem kleinen Balkon im neunten Stock und versuchte die Glut seiner Zigarette gegen den Wind zu sch├╝tzen. Die Videokamera lag griffbereit in seinem Scho├č. Er sa├č jetzt schon die dritte Nacht in Folge hier und bis jetzt war sie ereignislos vorbeigezogen. Aber Tino w├╝rde sich nicht beirren lassen. Sie w├╝rden zur├╝ckkehren und er w├╝rde sie aufnehmen und dann w├╝rde niemand mehr ├╝ber ihn lachen.
    Er nahm einen gierigen Zug und starrte in die Nacht hinaus. ├ťber den D├Ąchern der Stadt sah man kein Licht mehr, nur das Rote des entfernten Sendemastes pulsierte gem├╝tlich in der Dunkelheit.
    Das letzte Mal waren sie fast zum Greifen nah an ihm vorbei gesaust, aber das war nicht immer so. Am Anfang waren es nur kleine Punkte am n├Ąchtlichen Firmament, welche sich zu jagen schienen. Ganz klein, ganz weit weg am Horizont. Das war vor einem halben Jahr gewesen. Seitdem hatte Tino viel recherchiert und war, was UFOs anging zu einem Experten geworden, aber keiner seiner Freunde wollte es h├Âren.
    Immer ├Âfter hatte er die Lichter gesehen. Manchmal waren es ganze Gruppen, manchmal auch nur eins. Sie tanzten durch den Himmel, blinkten und wechselten die Farben.
    Das Feuerzeug fiel ihm aus der Hand, als er versuchte sich eine neue Kippe anzuz├╝nden. Er b├╝ckte sich danach, aber fingerte es nur weiter unter seinen Stuhl. Er stand auf, holte das Feuerzeug hervor, z├╝ndete die Fluppe an und lehnte sich an die Br├╝stung.
    Meistens kamen sie donnerstags, manchmal aber auch am Mittwoch, selten nur freitags, aber immer einmal im Monat. Manchmal dauerte das n├Ąchtliche Schauspiel Stunden, an anderen Tagen sausten sie nur schnell vorbei. Es ist auch schon vorgekommen, dass sie am fr├╝hen Abend von Westen nach Osten flitzten und dann gegen Mitternacht von Osten nach Westen.
    Tino schaltete die Kamera ein und spielte an dem Objektiv. Er testete Zoom und Fokus am Fenster der s├╝├čen Nachbarin von schr├Ąg gegen├╝ber.
    Sie hatte blonde Haare und ihr Schlafzimmerfenster war zu Tinos Balkon gewandt. Ein roter Schimmer legte sich ├╝ber seine Linse. Er zoomte rein. Er zoomte raus. Der Schimmer blieb. Verwundert hielt er die Kamera etwas von sich entfernt und bemerkte, dass der rote Schimmer auch ├╝ber seinen H├Ąnden lag.
    Er zuckte zur├╝ck, als er die riesige rot leuchtende Kugel sah, welche keine f├╝nf Meter vor seinem Balkon schwebte. Als sie ihre Farbe abrupt in ein glei├čendes Wei├č ├Ąnderte, stolperte er ├╝ber seinen Stuhl. Die Kamera flog in hohem Bogen ├╝ber die Br├╝stung und zerschellte vier Stockwerke tiefer auf einem breiten Vorsprung.
    Tinos Herz galoppierte. Zitternd lehnte er an der gl├Ąsernen Balkont├╝r. Gel├Ąhmt starrte er auf die leicht vibrierende Kugel, welche ihr Licht langsam zu einem dunklen Orange dimmte. Mit der Helligkeit legte sich auch Tinos Nervosit├Ąt. Trotzdem klebte er an der T├╝r.
    Die surrenden Vibrationen stoppten. F├╝r eine Doppelsekunde geschah nichts. Dann zischte die Kugel, ihre Au├čenhaut ├Âffnete sich an einer Stelle. Tino l├Âste sich aus seiner Starre und trat einen Schritt vor. Aus der ├ľffnung ergoss sich ein sanfter gr├╝ner Lichtstrahl, der Tino pr├Ązise ins Gesicht leuchtete, bis eine Silhouette ihn verdeckte. Sie wuchs auf die Gr├Â├če eines Elfj├Ąhrigen und setzte sich auf die Br├╝stung.
    Der Lichtstrahl versiegte, die ├ľffnung schloss sich mit einem Fump. ├ťbrig blieb eine seltsame Gestalt im Vordergrund des UFOs. Das Wesen trug einen gelben Overall und hatte eine blau-gr├╝ne Haut, die je nach Blickwinkel pink oder gold schimmerte. Es sa├č da mit verschr├Ąnkten Beinen, die H├Ąnde auf den Knien gefaltet, Tino neugierig be├Ąugend. Auf dem kleinen Kopf, der sich zuckend bewegte, sa├č ein grauer Fliegerhelm.
    ÔÇ×Hallo.ÔÇť Tino winkte sch├╝chtern.
    Der Au├čerirdische winkte zur├╝ck und legte den Kopf schief. Er blinzelte mit gro├čen gr├╝nen Augen.
    ÔÇ×Ich bin Tino.ÔÇť
    Mit seinem langen Zeigefinger forderte der Alien ihn auf n├Ąher, zu kommen. Tino wagte sich einen Schritt vor. Der Zeigefinger wiederholte seine Geste. Tino folgte der Aufforderung und stellte sich neben das Wesen, welches den Kopf schr├Ąg legte. Seine Pupillen weiteten sich. Der Alien legte den Kopf auf die andere Seite, die Pupillen schrumpften zusammen. Dann lehnte es sich vor. Er kam Tino ganz nah. Der ├Âffnete den Mund, aber blieb stumm. Der Au├čerirdische lehnte sich noch weiter vor, als wollte er ihm etwas ins Ohr fl├╝stern, aber schn├╝ffelte nur und sprang kurzerhand vom Gel├Ąnder. Er ├Âffnete seinen Overall ein wenig und w├╝hlte darin herum. Er holte ein kleines Ger├Ąt hervor, auf dem es eine Taste dr├╝ckte, w├Ąhrend es das Teil auf sein Raumschiff richtete. Das Ger├Ąt piepte, das Schiff surrte und der gr├╝ne Lichtkegel erschien.
    Der Au├čerirdische schwang sich ├╝ber die Br├╝stung und tauchte in das Licht. Tinos Augen weiteten sich, denn das Wesen fiel nicht.
    ÔÇ×Warte ÔÇŽ GehÔÇÖ nicht ÔÇŽ Ich habe so viele Fragen.ÔÇť
    Wieder der Zeigefinger, der sich in der universalen Geste rollte. Tino z├Âgerte, doch stieg ├╝ber das Gel├Ąnder. Der Alien winkte ihn heran. Tino blickte auf die Teile der Kamera unter ihm. Der Besucher schwebte ihm entgegen und reichte ihm die Hand, aber Tino konnte den Griff nicht vom Gel├Ąnder l├Âsen. Der Au├čerirdische tippte etwas in sein Ger├Ąt, bevor er es zu Tino drehte. Auf dem kleinen Bildschirm leuchteten Buchstaben: Traktorstrahl.
    Tino griff die angebotene Hand. Sie war weder warm noch kalt. Z├Âgerlich trat er in die Leere vor seinem Balkon. Sofort beschleunigte sein K├Ârper. Tinos Finger glitten aus der samtig weichen Hand und die Schwerkraft packte ihn gnadenlos. Eineinhalb Sekunden sp├Ąter lag er zwischen den Tr├╝mmern seiner Kamera und versuchte zu atmen, was in seiner Brust ein schmerzhaftes Rasseln hervorrief. Hei├če dicke Fl├╝ssigkeit f├╝llte seinen Mund. Bewegungsunf├Ąhig starrte er in die H├Âhe, wo der Alien in der Luft hing und zur├╝ck starrte. Der Traktorstrahl erlosch, was aber keinen Einfluss auf den Besucher hatte. Er hing nur dort, ├╝ber Tino in der Luft und sah vogelartig auf ihn herab. Dann zuckte er mit den Schultern und hielt sich sein Ger├Ąt an die Lippen: ÔÇ×Subjekt kann nicht fliegen.ÔÇť
    Der Alien verschwand in seinem Raumschiff, welches in der Nacht verpuffte. Dann wurde Tinos Welt schwarz.

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