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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Chance auf die Zukunft
Eingestellt am 27. 08. 2006 17:22


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ScarlettMirro
One-Hit-Wonder-Autor
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Ich schlang die Arme fest um meine zwei Kinder und sa├č den zwei M├Ąnnern in Uniform gegen├╝ber. Meine Taschen standen in einer Ecke, das Gem├╝se und das Obst hing schlaf heraus. Der Raum wirkte kalt und abwartend, abgestandener Rauch hing alt in der Luft. In den nassen Kleidern fror ich, w├Ąhrend ich die Arme meiner Kinder so gut es ging etwas warm rubbelte.
"Was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht?", fragte mich der j├╝ngere dralle Mann, der sich als Konze vorgestellt hatte.
"Ich m├Âchte einen Anwalt", sagte ich so ruhig wie ich konnte, die Z├Ąhne klapperten nur minimal.
"Jaja, der kommt schon. Vielleicht erkl├Ąren Sie mir das mal, Frau Bach. Sind Sie f├╝r alle diese Einbr├╝che verantwortlich? Und immer haben Sie Ihre Kinder mitgenommen? Was sind Sie denn f├╝r eine Mutter?"
"Lassen Sie meine Mutter in Ruhe, sie hat gut f├╝r uns gesorgt", Niklas war dem Mann fast ins Gesicht gesprungen. Inzwischen war er fast zu einem jungen Mann herangereift, dabei war es doch erst f├╝nfzehn Jahre her, dass ein kleines Wesen auf meiner Brust lag und schrie. Jetzt konnte ich ihn kaum halten, und schon sprach er weiter: "Wir sind freiwillig mitgegangen, Mama wollte uns gar nicht mitnehmen. Aber wir sind j├╝nger, wir k├Ânnen besser auf die B├Ąume rauf."
Der Polizist l├Ąchelte, er sp├Âttelte ├╝ber seinen Kindermund.
"Genau, wir kommen auch besser an die Sachen und haben viel kleinere H├Ąnde", erg├Ąnzte Marlene, meine kleine tapfere Tochter. Auch sie hatte ihre Kindlichkeit in den letzten Wochen fast vollst├Ąndig eingeb├╝sst.
"Eine Verbrecherbande seit ihr", sagte nun aus der anderen Ecke der Polizist mit den schmierigen Fingern und dem altmodischen Schnauzbart.
"Es spielt ohnedies keine Rolle, ob Sie zugeben, all die Einbr├╝che ver├╝bt zu haben. Wenn Ihre Fingerabdr├╝cke mit denen an den Tatorten hinterlassenen ├╝bereinstimmen, ist dies Beweis genug", f├╝gte Herr Konze an.
Ich blickte auf meine verr├Ąterischen Finger, von Lehm und schwarzer Farbe v├Âllig verschmiert und verdreckt, die Dornen und ├äste zeichneten feine rote Spuren ihres Diebstahls dorthin, wo ich fr├╝her Ringe getragen hatte. Die H├Ąnde waren rissig und rau geworden, aber das war alles nicht schlimm. Schlimm war das, was vor mir lag, von dem ich nur ahnte. Ich schwieg.

"Hol doch den Kindern mal eine Cola, Frank. Ihr seid doch durstig, oder?!", sagte Herr Konze.
"Bitte keine Cola, die ist sch├Ądlich f├╝r sie. Lieber ein Wasser, f├╝r mich auch, bitte", sagte ich schnell, doch der Mann reagierte nur mit einem m├╝den Kopfsch├╝tteln.
"Ah Frau Bach, Sie machen mir doch keinen so dummen Eindruck, warum holen Sie sich nicht Hilfe, statt einzubrechen."
Moralist! Und was ich nicht alles versucht hatte. Welche Wege ich nicht vorher eingeschlagen hatte. Bei dem Vater der Kinder bin ich zu Kreuze gekrochen, bei meinen Eltern hatte ich um Geld angebettelt. Die Arge wollte nichts tun, sah sich nicht zust├Ąndig. Wir gingen einmal die Woche in die Suppenk├╝che, ich tat alles, was notwendig war.
"Was wird aus meinen Kindern?"
"Raten Sie mal", er feixte mich an. "Das k├Ânnen Sie sich doch ausrechnen, oder? Anstiftung zum Verbrechen. Von Schutzbefohlenen. Wiederholter Einbruch, Hausfriedensbruch und Diebstahl ..."
"Aber es war doch Mundraub!", fiel ich ihm ins Wort.
"Mundraub?", er verzog h├Âhnisch die Lippen und grinste. "Wir sind hier in dem Sozialstaat. Wir sind in Deutschland, gute Frau. Hier hungert niemand."
Ich schwieg, hungern mussten wir noch nicht, wie wir leben mussten, war hart an der Grenze.
"Also, Ihr Mann wird gleich die Kinder abholen, sie werden fortan bei ihm leben, denn Ihnen wird das Sorgerecht f├╝r Ihre Kinder entzogen ..."
"Nein!", riefen die Kinder und ich aus einem Munde. Und noch bevor ich etwas sagen konnte, schrie Niklas: "Mein Vater hat sich nicht um uns gek├╝mmert. Er hat uns nicht geholfen, als wir seine Hilfe brauchten. Ich will nicht zu ihm!"
"Tja, da ist das Gesetz ganz eindeutig, junger Mann. Er ist Euer Vater und n├Ąchster Verwandter, und da Eure Mutter nicht mehr f├╝r Euch stehlen gehen kann, nicht mal Euch bekochen kann, weil sie im Gef├Ąngnis sitzen wird, werdet ihr bei Eurem Vater oder in Pflegefamilien oder im Heim leben m├╝ssen."
"Ich will zu Oma!", rief Marlene pl├Âtzlich, das war die einzig rettende Idee.
"W├╝rden Sie mich bitte telefonieren lassen", versuchte ich so ruhig, wie m├Âglich zu sagen.
"Ihr Anwalt ist bereits unterwegs, auch ihr Ex-Ehemann ist bereits informiert."
"Bitte!"
"Einen Anruf!"

"Hallo Mama, ich bins. Ich stecke in Schwierigkeiten. In wirklichen Schwierigkeiten." Das h├Âhnische Grinsen des Polizeibeamten konnte ich f├╝hlen und h├Âren.
"Mama, bitte beantrage f├╝r die Kinder das Sorgerecht. Bitte, Mama, tue es f├╝r mich."
"Ich werde inhaftiert. Ja, jetzt gleich."
"Mama, ich bitte dich um Hilfe nicht um Vortr├Ąge!"
"Mama, bitte. Sonst wird Hans-J├╝rgen die Kinder bekommen und du wei├čt, was dann ist. Sie wollen zu dir."
Am anderen Ende schwieg meine Mutter. Sie hatte mir auch nicht helfen wollen, sie hatte auch an die Arge und an den Vater appelliert.
"Mama, ich wei├č, wie alt du bist. Ich werde wieder raus kommen und ich werde Deutschland, den Sozialstaat verklagen! Mama, ich bitte dich darum. Ich w├╝rde sogar auf die Knie vor dir fallen. Bitte, nimm meine Kinder und sorge gut f├╝r sie, bis ich das wieder kann."
"Es sind meine Kinder, deine Enkelkinder."
"Danke. Mama."
"Kannst du jetzt gleich kommen bitte."
"Ich wei├č, wie sp├Ąt es ist. Wir m├╝ssen sofort handeln." Ich legte die Hand auf die Muschel und fragte Herrn Konze nach meinem genauen Standort; dann gab ich meiner Mutter die Adresse durch.
"Danke Mama. Ich wei├č das wirklich zu sch├Ątzen."
Ich hoffte inst├Ąndig, dass sie mir irgendwann einmal verzeiht, dass ich einen Mann heiratete, den sie nicht leiden konnte. Irgendwann einmal, vielleicht.
"Interessante Familie haben Sie da."
"Und das geht Sie nichts an!"
Als Frank Ohne-NachnNamen wiederkam, stellte er mir ein Becher mit Wasser auf den Tisch, und den Kindern ein Fantaflasche.
"H├Âr mal, Frank. Verst├Ąndige doch mal jemanden vom Jugendamt. Mir ist das nicht geheuer, wenn gleich die Oma und der Ex-Ehemann wegen der Kinder aufeinander treffen. Die Kinder sind ja insofern schon alt genug, dass man ihre Entscheidung vielleicht mit ber├╝cksichtigen sollte. Ich will da jemanden vom Fach hier haben."
"Ist klar", dann war er wieder in den Gang mit den Neonlampen an den Decken verschwunden.

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Melusine
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Hallo Scarlett,
bei deiner Geschichte zieht sich mir der Magen zusammen. Sehr eindringlich geschrieben.
Ein paar Dinge sind mir aufgefallen, falls es dich interessiert kann ich sie dir bei Gelegenheit noch sagen, erst mal muss ich das verdauen. Schwere Kost. Puh.

Liebe Gr├╝├če
Mel

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ScarlettMirro
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Danke f├╝r deinen KOmmentar Melusine.

Der Text endet nicht an dieser Stelle, ich hab ihn als mehrteiligen Text einstellen wollen ...arbeite daran.
Vielleicht hast du Lust, den ganzen Text zu lesen ...
Ich will ihn allerdings gerade umarbeiten ...

danke f├╝r deine positiven Worte. MIr war gar nicht bewu├čt, dass er so "heftig" ist.

Liebe Gr├╝sse
Scarlett
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ScarlettMirro
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Und wie kann ich das machen, dass ich hier die Fortsetung unterbringe?

Als Klappentext?

Wei├č das jemand...?

Gr├╝sse
Scarlett
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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Scarlett, bitte entschuldige, dass ich erst jetzt antworte.
Heftig fand ich deinen Text deshalb, weil er mich w├╝tend macht auf all das was in unserer Gesellschaft schief l├Ąuft. Klar, nicht alle im Stich gelassenen alleinerziehenden M├╝tter greifen zu so drastischen Ma├čnahmen. Etwas melodramatisch vielleicht, aber ich finde, das hat hier durchaus seine Berechtigung.
W├╝tend machte mich auch das spie├čige Verhalten der Mutter der Protagonistin. Fast so, als w├Ąre mir sowas selber schon passiert. Ist es nicht. Meine Eltern waren immer sehr okay. Aber ich kenne vergleichbare Situationen von Freunden.


Dass der Schluss etwas abrupt war, fiel mir auch auf. Ich w├╝rde gern weiterlesen.

Wie das mit langen Texten, Klappentext und so weiter genau funktioniert, ist mir leider auch immer noch immer nicht so ganz klar. Frag doch einfach mal eine/n Mod. Evtl. w├╝rde ich's an deiner Stelle dann auch von Kurzgeschichten zu Erz├Ąhlungen verschieben lassen.

Ah ja, nur mal ein Gedanke, der mir anfangs kam: Mir fiel auf, dass die Protagonistin ihren 15j├Ąhrigen Sohn ├Âffentlich umarmt... hm. W├╝rde Niklas denn nicht den Arm der Mutter absch├╝tteln, wenigstens eine kleine Geste machen, die anzeigt, dass er das nicht m├Âchte? Weil er doch schon ganz der "Mann im Haus" ist und so.


LG Mel

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ScarlettMirro
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Jau ... boah danke ... klar, der w├╝rde doch manns genug sofort auf wenigstens kleine Distanz gehen, egal wie nahe sie sich sind ... zumindest w├Ąre das gesund u um gesund geht es ja schliesslich ...
Nee, dat w├Ąre mir entfallen ... DANKE...
meine Kinder sind noch nicht ganz so weit. Mein Sohn knutscht mich auch im Kindergarten noch ab vor seinen Kumpels ... also insofern ...
Gute Beobachtung...

ja, ich wei├č noch nicht, wie ich fortfahre ... ich hadere mit mir, denn eigentlich will ich das als Theaterst├╝ck weiterschreiben ... hmm... ich hadere...

Und danke f├╝rs lesen...

Gr├╝sse
Scarlett
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