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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Frau mit Charakter
Eingestellt am 14. 03. 2004 15:22


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gox
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Vier Monate lag die letzte Beziehung nun schon zur├╝ck. Zwar prahlte Andreas gern vor Freunden mit seinem unabh├Ąngigen Leben als einsamer Wolf, insgeheim w├╝nschte er sich aber doch eine kleine W├Âlfin.

Seine bisherigen Freundinnen waren eher der Kategorie 'Dick, aber mit h├╝bschem Gesicht und Herz am rechten Fleck' zuzuordnen gewesen. Andreas hielt sich f├╝r einen ├ästheten und plante als n├Ąchste Eroberung eine echte Sch├Ânheit.
Er traf so eine Sch├Ânheit sp├Ąt abends in der K├╝nstlerkneipe 'Voltaire'. Sie sa├č an der kleinen Bar vor einem Longdrink, auf den freien Platz neben sie setzte sich Andreas und bestellte gut gelaunt ein Glas Chablis.
Als das serviert wurde, erhob sie ihr Glas und prostete ihm strahlend zu. Andreas nahm sein Glas ebenfalls in die Hand und l├Ąchelte mit angehaltenem Atem zur├╝ck ÔÇô sie war wirklich eine Sch├Ânheit. Lange, schwarzgelockte Haare umrahmten ein schmales, ebenm├Ą├čiges Gesicht mit vollen Lippen und unglaublich glutvollen Augen. Ihre atemberaubende Figur wurde von einer schlichten, wei├čen Bluse und einem kurzen schwarzen, sehr engen Rock betont. Sie k├Ąme gerade vom Theaterbesuch, gurrte sie mit dunkler Stimme, eine beeindruckende Auff├╝hrung von Shakespeares 'Was ihr wollt' h├Ątte sie gesehen.

Andreas hatte inzwischen Luft geholt und konnte sich unterhalten. Sie hie├č Regine, war Tochter einer Photografin aus Hannover und eines Arztes aus Indien. Das erkl├Ąrte die sanfte, gleichm├Ą├čige Braunt├Ânung ihrer Haut und den schwachen Blauschimmer ihrer Haare. Regine berichtete von ihrer schwierigen Ehe mit einem Piloten, der immerzu auf Reisen und jetzt gerade in Bolivien sei. Andreas biss sich ver├Ąrgert auf die Lippen. Er h├Ątte sich denken k├Ânnen, dass ein so sch├Ânes Gesch├Âpf nicht gerade auf ihn warten w├╝rde. Begeistert berichtete sie von ihrer vierj├Ąhrigen Tochter, die vom Babysitter beh├╝tet zu Hause schlummerte.
Die Unterhaltung mit Regine fand er nett und warmherzig. Sie spr├╝hte vor Charme und widerlegte das Vorurteil, dass gut aussehende Menschen immer charakterlos seien und nur h├Ąssliche besonders nett.

Nach zwei Stunden hielt Andreas es f├╝r eine gute Idee, Regine noch auf einen Kaffee zu sich nach Hause einzuladen. Sie sah ihn einen Moment nachdenklich an und stimmte dann versonnen zu. Andreas zahlte die Rechnung f├╝r beide.

Kaffee gab es dann doch nicht.
In seiner Wohnung angekommen, half Andreas ihr aus dem Mantel und umfasste vorsichtig Regines schmale Taille. Sie lie├č es scheu l├Ąchelnd geschehen.
Er zog sie sanft an sich, sog ihren Duft ein und f├╝hlte, wie in seinem Kopf eine Weiche von Verstand auf Verlangen umgelegt wurde. Z├Âgernd gab Regine seinen Zudringlichkeiten nach, lie├č ihre wunderbar zarte Haut streicheln, ihren schlanken Hals k├╝ssen. Dann wurde sie aktiver, fordernder. Nach zehn Minuten im Schlafzimmer angekommen, hatten beide keine Kleidungsst├╝cke mehr am Leib.
Andreas registrierte v├Âllig ├╝berrascht, dass er diese Frau mit Haut und Haaren wollte, wie er zuvor noch niemals eine Frau wollte. Sie war die personifizierte Verlockung, eine fleischgewordene M├Ąnnerphantasie. H├Ątte Sie in diesem Moment noch 'nein' gesagt, w├Ąre es sicher kein 'nein' mehr f├╝r ihn gewesen. Aber sie sagte nicht nein.

Was dann geschah, hatte Andreas noch nie erlebt. Seine bisherigen Erlebnisse mit Frauen waren immer von einer ungelenken Tollpatschigkeit gepr├Ągt gewesen. Mit Regine aber hatte er das Gef├╝hl, ein ge├╝bter Regisseur w├╝rde die Choreografie abstimmen, jede Bewegung war weich und sch├Ân wie in einem sanften Erotikfilm. Andreas w├Ąhnte sich im Himmel, Regine ├╝bernahm die F├╝hrung, er durfte sich nicht bewegen. Fest f├╝hlte er sich umschlossen, wie von tausend rauen B├╝rstchen gleichzeitig gestreichelt. Viel zu fr├╝h, doch erf├╝llt und gl├╝cklich schwammen sie in einem gewaltigen Crescendo gleichzeitig davon.
Er kuschelte sich an, vergrub seine Nase in ihren Haaren und schlief zufrieden ein.


Als das Morgengrauen die Dunkelheit verabschiedete, wachte Regine mit einem Kater auf. Ohne Blick zur├╝ck zog sie sich leise an und ging hinaus in die M├Ąrzk├Ąlte. Graue Stadt und graue Gef├╝hle, dachte sie. Mit der rechten Hand zog sie ihren Mantelkragen fester.

Zu viele Drinks f├╝hren zu Kopfschmerzen, zu viele Gef├╝hle f├╝hren zu Chaos. Beides l├Ąhmte Schritte wie Gedanken.
Im Grunde meines Herzens, ├╝berlegte sie, bin ich eine anst├Ąndige Frau. Anst├Ąndige Frauen, besonders verheiratete mit Kind, tun so etwas nicht. Rosa Triebe und schwarze Gef├╝hle.
Langsam kroch der Fr├╝hdunst aus den Kan├Ąlen der Stadt und verst├Ąrkte Regines Einsamkeit. Sie sp├╝rte innere Leere. Unzufriedene Gedanken belagerten ihren Verstand:
In der Nachtbar wollte ich nur einen Drink, wollte mich wirklich nur unterhalten. Als Andreas mir einen Kaffee anbot, stand mir der Sinn nur nach Kaffee. Eigentlich wollte ich den Rest nicht. Den schmutzigen Rest. Ich tue Dinge, die ich nicht wirklich will. Mit M├Ąnnern, die ich nicht wirklich mag. Das gilt sogar f├╝r meinen eigenen Mann.

Diese Diskrepanz zwischen Wollen und Handeln hatte Regine schon eine teure Therapie beim Psychiater beschert.

Bei Licht betrachtet, schoss es ihr durch den Kopf, bin ich vergewaltigt worden. Wenn ich etwas nicht m├Âchte und es passiert dennoch, dann ist das eindeutig eine Vergewaltigung. Nachdenklich nagte sie am Nagel ihres Mittelfingers. Angeknabberter Nagel und angeknabberte Seele.
Sie hatte sogar beim Liebesspiel die F├╝hrung ├╝bernehmen m├╝ssen, ein blauer Fleck vom Bettpfosten sprach eine deutliche Sprache. Von Andreas war sie f├Ârmlich zu Aktivit├Ąten gezwungen worden. Regines Sch├Ądel h├Ąmmerte. Das war krank, einfach krank!
Ich will genommen werden, ich will mich mit gebrochenem Willen ausgeliefert f├╝hlen, schlie├člich bin ich eine normale Frau!

Bewies nicht der blaue Fleck eine Vergewaltigung? Der blaue Fleck begann zu brennen. Bald w├╝rde sein Blau in Violett ├╝bergehen. Die Farbe der Demut und der Bu├če. Regine f├╝rchtete ein violettes Gef├╝hl.

Sie beschloss, dass Andreas b├╝├čen sollte. Seine Untat w├╝rde wie ein Fanal zum Himmel aufsteigen.
Ich bin vergewaltigt worden. Alle Menschen dieser Erde werden das so sehen und mir glauben. Schlie├člich steht mir als Frau und Mutter Respekt zu.
Bitteres Unrecht musste ich erdulden. Ich wollte diesen Schmutz nicht. Das Gericht wird mich verstehen, vor Gericht ist jeder Tag Muttertag. Mein Mann wird mich auch verstehen, ich bin die Mutter seines Kindes. Er wird Andreas abgrundtief hassen.

Welch' gl├╝ckliche F├╝gung, dass Frauen automatisch als Opfer geboren werden. Das T├Ąter-Gen findet sich nur bei den M├Ąnnern. Und was f├╝r ein Gl├╝ck, dass jeder um diesen Umstand wei├č, freute sich Regine.

Einsetzender Spr├╝hregen verwandelte ihre lockigen Haare in tote Spaghetti. Sie hatte nur noch achthundert Meter bis zur Polizeiwache zur├╝ckzulegen. Der Regen wusch ihre Haare und ihr Gesicht rein. Die Polizeiwache w├╝rde ihre Seele reinwaschen.
Schwarzes Handeln und rosige Gef├╝hle.
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Roni
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hallo gox,

ich hab schon zuweilen bei dir reingesehen und ich denke, das kannst du besser. zumindest inhaltlich, formal sicher auch.
aber zum formalen komm ich gar nicht, weil mich schon der inhalt enorm kratzt.

und die moral von der geschicht,
vertraue fremden frauen nicht?

oder:
lieber doch dick, aber mit herz auf dem rechten fleck,
statt schoen und dann, trotz erstem warmherzigen eindruck und widerlegung des vorurteils, eine, die um taetergene weiss?
du hast versucht, aus zwei perspektiven zu schreiben, aber waehrend ich die erste gerade noch so schlucken kann, die aus der sicht des tollpatschigen wolfes, kann ich der dame nicht mehr folgen.

zu viele gefuehle fuehren zu chaos? welche gefuehle denn?
schuldgefuehle?
und sie tut dinge, die sie eigentlich nicht will, und zum psychiater geht sie auch und ueberhaupt, ... der mann ist schuld. oder bekommt er nur was er verdient, weil er haette ja, wenn sie nein gesagt haette ... aber hat sie ja nicht ...
sorry, ich versteh sie nicht, deine geschichte. klingt, als wolltest du etwas loswerden ... aber es kommt nicht an.
die idee, gefuehle mit farben zu belegen, gefaellt mir. aber auch das geht sicher etwas subtiler.

nix fuer ungut
roni

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gox
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Hello Roni,

ich danke Dir herzlich f├╝r Deine kritischen Worte. In der Tat ist dies keine 'Feel-Good-Geschichte' und sie soll es auch nicht sein.

Mir kam es darauf an, dieses Thema einmal anders zu beleuchten als gewohnt. Frauen werden oftmals dargestellt, als w├Ąren sie besonders edle Wesen und trotzdem immerzu Opfer.
Ich wollte aber Wankelm├╝tigkeit, Widersr├╝chlichkeit und auch eine gewisse Boshaftigkeit zu zeigen, die zumindest in der Realit├Ąt durchaus vorkommen - Falschanzeigen wegen Vergewaltigung gibt es ja. Und gew├Âhnlich wird den Frauen auch geglaubt, weil viele Fragen (wollte sie nicht vielleicht doch? hat sie ihn ermuntert? warum ist sie mitgegangen?) politisch korrekt nicht gestellt werden d├╝rfen, um das 'Opfer' nicht weiter zu traumatisieren.

Dass man der Dame verstandesm├Ąssig nicht folgen kann, geht uns M├Ąnnern ja ├Âfter so ;-)

Im Ernst:
Gerade die von Dir gestellten Fragen wollte ich mit dieser Geschichte nicht beantworten, ich wollte sie aufwerfen. So aufwerfen, dass der Inhalt enorm kratzt ;-)

Viele Gr├╝sse vom gox
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Stoffel
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Hallo,

also die Idee gef├Ąllt mir.
Vielleicht sollte man ihn etwas "ausgehungerter" sein lassen, den armen Wolf. Statt 4Monate letzte Beziehung..ein Jahr oder halbes?
ch pers├Ânlich w├╝rde es aus seiner Sichtweise beibehalten.
Ich hab mal meine Gedanken dazu integriert.

lG
Susanne

Vier Monate lag die letzte Beziehung nun schon zur├╝ck. Zwar prahlte Andreas seit dem gern vor Freunden mit seinem wieder erlangtem ,unabh├Ąngigen Leben als einsamer Wolf, aberinsgeheim w├╝nschte er sich doch eine kleine W├Âlfin an seiner Seite.

Seine bisherigen Freundinnen waren eher aus der Kategorie 'Dick, aber mit h├╝bschem Gesicht und Herz am rechten Fleck' zuzuordnen gewesen. Andreas entwickelte sich zu einem ├ästheten und plante als n├Ąchste Eroberung eine echte Sch├Ânheit.
Er traf eine solche dann schliesslich auch, sp├Ąt abends in der K├╝nstlerkneipe 'Voltaire'. Sie sa├č an der kleinen Bar vor einem Longdrink und er setzte sich auf den freien Platz neben sie.
Andreas bestellte gut gelaunt ein Glas Chablis und prostete der Sch├Ânheit strahlend zu. Sie l├Ąchelte und erhob ihr Glas ebenfalls. Kurz konnte er in ihre heissgl├╝tigen Augen dabei sehen. Lange, schwarzgelockte Haare umrahmten das schmale, ebenm├Ą├čige Gesicht mit den vollen Lippen . Ihre atemberaubende Figur wurde von einer schlichten, wei├čen Bluse und einem kurzen schwarzen, sehr engen Rock betont. Hier m├╝sste was rein, wie die beiden ins Gespr├Ąch erstmal kommen. Das sie sofort was vom Theater erz├Ąhlt..hm..
Sie k├Ąme gerade vom Theaterbesuch, gurrte sie mit dunkler Stimme, eine beeindruckende Auff├╝hrung von Shakespeares 'Was ihr wollt' h├Ątte sie gesehen.

Andreas hatte inzwischen Luft geholt und konnte sich unterhalten. Sie hie├č Regine, war Tochter einer Photografin aus Hannover und eines Arztes aus Indien. Das erkl├Ąrte die sanfte, gleichm├Ą├čige Braunt├Ânung ihrer Haut und den schwachen Blauschimmer ihrer Haare. Regine berichtete von ihrer schwierigen Ehe mit einem Piloten, der immerzu auf Reisen und jetzt gerade in Bolivien sei. Andreas biss sich ver├Ąrgert auf die Lippen. Er h├Ątte sich denken k├Ânnen, dass ein so sch├Ânes Gesch├Âpf nicht gerade auf ihn warten w├╝rde und schon vergeben war. Begeistert berichtete sie von ihrer vierj├Ąhrigen Tochter, die vom Babysitter beh├╝tet zu Hause schlummerte.
Die Unterhaltung mit Regine fand er nett und warmherzig. Sie spr├╝hte vor Charme und widerlegte das Vorurteil, dass gut aussehende Menschen immer charakterlos und dumm seien. und nur h├Ąssliche besonders nett.

Trotz allem wagte es Andreas, sie bei sich auf einen Kaffee einzuladen. Einen Moment lang sah sie ihn nachdenklich an, stimmt dann aber l├Ąchelnd zu. Andreas zahlte und sie verliessen das Lokal.

Kaffee gab es dann doch nicht.
In seiner Wohnung angekommen, half Andreas ihr aus dem Mantel und umfasste vorsichtig Regines schmale Taille. Sie lie├č es scheu l├Ąchelnd geschehen.
Er zog sie sanft an sich, sog ihren Duft ein und f├╝hlte, wie in seinem Kopf eine Weiche von Verstand auf Verlangen umgelegt wurde. Z├Âgernd gab Regine seinen Zudringlichkeiten nach, lie├č ihre wunderbar zarte Haut streicheln, ihren schlanken Hals k├╝ssen. Es schien ihr zu gefallen und sie wurde zunehmends aktiver Nach zehn Minuten im Schlafzimmer angekommen,Er muss aber ne grosse Wohnung haben*lach* hatten beide keine Kleidungsst├╝cke mehr am Leib.
Der Kaffe war vergessen und als sie sich auf sein Bett fallen liessen, hatten sie kein Kleidungsst├╝ck mehr auf dem Leib

Andreas wollte diese Frau mit Haut und Haare, sie war die W├Âlfin nach der er suchtewieso sollte er v├Âllig ├╝berrascht sein, denn er wollte sie doch schon in der Bar?
Sie war die personifizierte Verlockung, eine fleischgewordene M├Ąnnerphantasie. H├Ątte Sie in diesem Moment noch 'nein' gesagt, w├Ąre es sicher kein 'nein' mehr f├╝r ihn gewesen. Aber es kam kein Nein.

Was dann geschah, hatte Andreas noch nie erlebt. Seine bisherigen Erlebnisse mit Frauen waren immer von einer ungelenken Tollpatschigkeit gepr├Ągt gewesen. Mit Regine aber hatte er das Gef├╝hl, ein ge├╝bter Regisseur w├╝rde die Choreografie abstimmen, jede Bewegung war weich und sch├Ân wie in einem sanften Erotikfilm. Andreas w├Ąhnte sich im Himmel, Regine ├╝bernahm die F├╝hrung, er durfte sich nicht bewegen. Fest f├╝hlte er sich umschlossen, wie von tausend rauen warmen, weichen B├╝rstchen gleichzeitig gestreichelt. Viel zu fr├╝h, doch erf├╝llt und gl├╝cklich schwammen sie in einem gewaltigen Crescendo gleichzeitig davon.
Sp├Ąter kuschelte er sich an sie , vergrub seine Nase in ihren Haaren und schlief zufrieden ein.

Als das Morgengrauen die Dunkelheit verabschiedete, wachte Regine mit einem Kater auf. Ohne Blick zur├╝ck zog sie sich leise an und ging hinaus in die M├Ąrzk├Ąlte. Graue Stadt und graue Gef├╝hle, dachte sie. Mit der rechten Hand zog sie ihren Mantelkragen fester.
Hier erz├Ąhlst du pl├Âtzlich aus IHRER Sicht. Ich weiss nicht, ob das gut ist? Eher wacht er doch mit nem Kater auf und sie ist weg.Und dann m├╝sste kommen, was ER denkt und f├╝hlt?
Zu viele Drinks f├╝hren zu Kopfschmerzen, zu viele Gef├╝hle f├╝hren zu Chaos. Beides l├Ąhmte Schritte wie Gedanken.
Im Grunde meines Herzens, ├╝berlegte sie, bin ich eine anst├Ąndige Frau. Anst├Ąndige Frauen, besonders verheiratete mit Kind, tun so etwas nicht. Rosa Triebe und schwarze Gef├╝hle.
Langsam kroch der Fr├╝hdunst aus den Kan├Ąlen der Stadt und verst├Ąrkte Regines Einsamkeit. Sie sp├╝rte innere Leere. Unzufriedene Gedanken belagerten ihren Verstand:
In der Nachtbar wollte ich nur einen Drink, wollte mich wirklich nur unterhalten. Als Andreas mir einen Kaffee anbot, stand mir der Sinn nur nach Kaffee. Eigentlich wollte ich den Rest nicht. Den schmutzigen Rest. Ich tue Dinge, die ich nicht wirklich will. Mit M├Ąnnern, die ich nicht wirklich mag. Das gilt sogar f├╝r meinen eigenen Mann.

Diese Diskrepanz zwischen Wollen und Handeln hatte Regine schon eine teure Therapie beim Psychiater beschert.

Bei Licht betrachtet, schoss es ihr durch den Kopf, bin ich vergewaltigt worden. Wenn ich etwas nicht m├Âchte und es passiert dennoch, dann ist das eindeutig eine Vergewaltigung. Nachdenklich nagte sie am Nagel ihres Mittelfingers. Angeknabberter Nagel und angeknabberte Seele.
Sie hatte sogar beim Liebesspiel die F├╝hrung ├╝bernehmen m├╝ssen, ein blauer Fleck vom Bettpfosten sprach eine deutliche Sprache. Von Andreas war sie f├Ârmlich zu Aktivit├Ąten gezwungen worden. Regines Sch├Ądel h├Ąmmerte. Das war krank, einfach krank!
Ich will genommen werden, ich will mich mit gebrochenem Willen ausgeliefert f├╝hlen, schlie├člich bin ich eine normale Frau!

Bewies nicht der blaue Fleck eine Vergewaltigung? Der blaue Fleck begann zu brennen. Bald w├╝rde sein Blau in Violett ├╝bergehen. Die Farbe der Demut und der Bu├če. Regine f├╝rchtete ein violettes Gef├╝hl.
Sie beschloss, dass Andreas b├╝├čen sollte. Seine Untat w├╝rde wie ein Fanal zum Himmel aufsteigen.
Ich bin vergewaltigt worden. Alle Menschen dieser Erde werden das so sehen und mir glauben. Schlie├člich steht mir als Frau und Mutter Respekt zu.
Bitteres Unrecht musste ich erdulden. Ich wollte diesen Schmutz nicht. Das Gericht wird mich verstehen, vor Gericht ist jeder Tag Muttertag. Mein Mann wird mich auch verstehen, ich bin die Mutter seines Kindes. Er wird Andreas abgrundtief hassen.

Welch' gl├╝ckliche F├╝gung, dass Frauen automatisch als Opfer geboren werden. Das T├Ąter-Gen findet sich nur bei den M├Ąnnern. Und was f├╝r ein Gl├╝ck, dass jeder um diesen Umstand wei├č, freute sich Regine.

Einsetzender Spr├╝hregen verwandelte ihre lockigen Haare in tote Spaghetti. Sie hatte nur noch achthundert Meter bis zur Polizeiwache zur├╝ckzulegen. Der Regen wusch ihre Haare und ihr Gesicht rein. Die Polizeiwache w├╝rde ihre Seele reinwaschen.
Schwarzes Handeln und rosige Gef├╝hle.
Ok, wie ich lese, ist er einer psychisch kranken Frau auf den Leim gegangen. Ich w├╝rde das Ende IHM ├╝berlassen, was um IHN rum geschieht. Das er eine Vorladung bekommt, wegen Vergewaltigung.

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Roni
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hallo gox,

natuerlich weiss ich um die thematik. weiss auch um die idee, die du da vermitteln willst.
aber sie kommt halt nicht an. nicht im text!
ich will mich nicht unbedingt in einer geschichte wohlfuehlen, eher das gegenteil. ich bin kein fan dieser 'alles-wird-gut-enden'. aber eine geschichte muss fuer mich eine innere logik aufweisen.


ÔÇ× ... die zumindest in der Realit├Ąt durchaus vorkommen ...ÔÇť

wenn es dir um realitaeten geht, warum dann diese klischees von haesslich, aber gut?
von schoen, aber eben nicht ÔÇÜgutÔÇÖ?
die anfaengliche ueberzeugung von andreas, hier ein gegenbeispiel vom typ-denken gefunden zu haben, wird ja im verlauf der story widerlegt.
was hat das aussehen mit ÔÇÜfalschaussageÔÇÖ zu tun?
gerade bei einer solch sensiblen thematik sind klischees einfach toedlich.
was hat ein one-night-stand mit beziehung zu tun?
warum die erwaehnung des vier-monats-entzugs? haette er sie nach zwei oder sechs monaten nicht zum kaffee eingeladen?
wenn du falschaussagen auf wankelmuetigkeit, widerspruechlichkeit und auch boshaftigkeit zurueckfuehrst , warum dann der verweis auf psychiatrische behandlung? was denn nun?
und - wenn schon - dann: welche befriedigung erfolgt jetzt aus der falschaussage?
alles ist angeschnitten - nix wird klar.
sicher gibt es da viele motivationen. aber welche motivation hat regine???
ach ja. sie will all den schmutz eigentlich nicht. nicht mal mit dem eigenen mann. und sie ist eine ÔÇÜanstaendigeÔÇÖ frau. nein mehr. anstaendig und auch noch verheiratet mit kind. war es das?
ich lese deinen text nicht als zeitungsartikel, der mich ueber moegliche missstaende aufklaeren will, sondern als eine geschichte ueber andreas und regine.
und in dem sinne ueberzeugt sie mich noch nicht.
da haben die kratzenden fragen nichts mit der thematik zu tun, sondern mit deiner umsetzung.

mein vorschlag:
streich all diese typisierungen am anfang und konzentrier dich auf das profil von regine. der beruf ihres vaters ist mir eher egal, es sei denn, er haette irgendeine praegende bedeutung. aber was bringt sie dazu, zu tun, was sie tut? das wuesste ich gern in einer mehr nachvollziehbaren art.

nochmals: nix fuer ungut.
gruss
roni

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gox
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Ui,
da hab' ich ja viel zu tun;-)

@ Stoffel

ich danke Dir herzlich f├╝r die viele Arbeit, die Du Dir mit dem Text gemacht hast - einen Gro├čteil werde ich sicher einarbeiten. Aber diesmal mache ich kein Buch draus! ;-) Schon am Anfang hast Du recht - nach 4 Monaten ist der Mann ja erst erholt und nicht ausgehungert ;-)

Ansonsten hast Du mich erwischt, denn die urspr├╝ngliche Fassung entsprach exakt Deinem Vorschlag: Andreas wanderte in den Knast, verstand die Welt nicht mehr und schwor sich, k├╝nftig nur noch h├Ą├čliche Frauen mit Herz anzusprechen ;-)

Irgendwie war das aber zu glatt, zu bekannt und vor allem zu weinerlich. Denn Andreas' Gedanken h├Ątte jeder Leser sofort verstanden und nachvollziehen k├Ânnen - eine Geschichte ohne Reiz. Ich habe einfach versucht, mich in eine Frau hineinzuf├╝hlen, die zwar dem Ruf der Natur ganz freudig gefolgt ist, in ihrem Inneren aber damit nicht zurechtkommt und die Sache bereinigen m├Âchte.


@ Roni

'nichts f├╝r ungut' schreibst Du unter Deine Kritiken - das ist nicht n├Âtig, ich bin Dir doch ausgesprochen dankbar f├╝r Deine Kritik. W├╝rde ich die nicht wollen und brauchen, w├╝rde ich doch hier nichts ver├Âffentlichen. Dann w├Ąre ich braungebrannt, k├Ânnte die Welt erkl├Ąren, h├Ątte zwei Bestseller geschrieben, w├╝rde Joghurt-Reklame machen und hiesse Dieter Bohlen;-)

Ich finde das Spiel mit Klischees ausgesprochen reizvoll - dazu geh├Ârt auch, dass sich mal eines best├Ątigt, denn es gibt ja durchaus sch├Âne Menschen mit miesem Charakter. Und h├Ą├čliche mit miesem Charakter.

Wir k├Ânnen uns sicher nicht einig werden, denn er Punkt, der Dich wohl am meisten st├Ârt, war durchaus von mir gewollt: 'alles ist angeschnitten - nix wird klar'. Ich bin keine Frau und habe versucht zu ergr├╝nden, was in dieser Situation in so einem Wesen wohl vorgehen k├Ânnte - w├Ąre alles logisch oder einfach zu verstehen, h├Ątte ich keine Geschichte. Oder die Story w├Ąre banal.

Mit dem Beruf des Vaters wollte ich wie mit ihrem Theaterbesuch andeuten, dass Regine nicht den untersten sozialen, bildungsfernen Schichten angeh├Ârt und von daher ihr Verhalten nicht mit 'ist sowieso bl├Âd und wer sich auf die einl├Ąsst hat selbst schuld' erkl├Ąrt werden kann.

Das wird mich nicht hindern, bei der ├ťberarbeitung des Textes Deine Kritikpunkte zu ber├╝cksichtigen - ich freue mich ja wirklich dar├╝ber, dass Du Dich so damit auseinander gesetzt hast! Dank nochmal!

Viele Gr├╝sse vom gox
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