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Leselupe.de > Kurzprosa
Eine Geschichte, die im August versank
Eingestellt am 20. 04. 2003 23:41


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Suzie
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Registriert: Jul 2001

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Mein Magen ist eine kleine Grube gewesen, ganz furchtbar winzig und das Wasser fiel unaufhörlich, unaufhaltsam und immer weiter und der kleine Graben in mir erodierte allmĂ€hlich heftig, aller Schmutz und Geröll und Staub wurden geflutet und in einer unbĂ€ndigen Welle hervorgewirbelt und mein Mund wurde von innen aufgerissen und ein brackiger Strom ergoss sich aus mir und der Regen hörte nicht auf, der Himmel sah aus wie eine verkraterte Wunde, ganz duster und wie zerplatzt und alles floss in mich hinein, durchspĂŒlte meinen Leib und strömte dann wieder heraus aus mir, gebĂŒndelt und mĂ€chtig, suchten sich die Wogen ihren Weg und fanden ihn und fetzten Straßen auf, walzten ZĂ€une nieder und luden HĂ€user ein, mit ihnen zu ziehen und die HĂ€user erlagen der Verlockung, dieses rauschende, starke Wasser, wie es kraftvoll brĂŒllte und erhaben war ĂŒber jegliche menschliche BĂ€ndigungsversuche, eine rohe Gewalt, die sich ĂŒberlegen wusste und dem Irrglauben spottete, sich etwas Untertan gemacht, etwas unter Kontrolle zu haben, eine gefĂ€hrliche hybris, und einige HĂ€user murmelten sich gegenseitig noch Bedenken zu, weil ihnen die AußenwĂ€nde zersprangen und die Fenster eingedrĂŒckt wurden und sie fĂŒrchteten, diese ĂŒbermĂŒtige Fahrt nicht heil zu ĂŒberstehen, aber das ungeduldige Wasser (wie bekannt ist, mag Wasser ja im allgemeinen keine Diskussionen, es ist gewohnt, dass man seiner Versuchung sofort erliegt, es braucht meistens nur ein wenig kokett zu glitzern und sich in hĂŒbschen Farben zu prĂ€sentieren, dann sind die Bedenken fortgewischt und man begibt sich bereitwillig in die KĂŒhle) trennte sie hektisch von ihrem Fundament und zerrte sie eilig mit sich fort und die ZurĂŒckgelassenen fanden sich vor nichts als TrĂŒmmern wieder und selbst diese wurden geschwind weggespĂŒlt und hĂŒpften im gurgelnden Wasser auf und ab und Gott schloss trĂ€ge die Augen und schaukelte sich weiter in seiner HĂ€ngematte aus weichem Schilf (er war ein wenig entkrĂ€ftet und mĂŒde von seinem tĂ€glichen Spaziergang auf dem Orion) und in Honolulu ging soeben die Sonne unter, versank friedlich im glatten, ruhigen, abertausenblauen Meer und in einem fernen Land roch die Luft nach FĂ€kalien und Entsetzen, auf dem braunen Wassern trieb ein einsames Kinderbuch, ganz zerlesen und abgeliebt sah es aus, schlingerte unsicher an entwurzelten BĂ€umen entlang, vielleicht hat es ganz erstickt und kaum hörbar geschrieen und nach seinem Besitzer gerufen und gehofft, dass es gefunden wird, bevor die Feuchtigkeit seine Seiten vollends zersetzt und Buchstabe fĂŒr Buchstabe aufschwemmt und vom Papier ablöst, ein trauriges altes Buch, das vielleicht kostbare Erinnerungen birgt und nun verloren geht fĂŒr immer in einer gierigen Flut und vergessen wird, weil das eine von diesen Geschichten ist, die leise und unbedeutende Tragödien sind und fĂŒr die eben kein Platz ist neben all den lauten und echten UnglĂŒcken und ErschĂŒtterungen
__________________
*On ne trouve pas le freins; ou pas aussi vite qu'on ne trouve le merveilleux...*

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Efiriel
Hobbydichter
Registriert: Mar 2003

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Hallo

Wenn ich nicht irre, ist dein Werk ein einziger langer Satz, der mich jedoch nicht gerade wenig anspricht.
Das Kinderbuch, allerdings wĂ€re fĂŒr sich alleine eine Geschichte wert, und brachte mich dann etwas aus dem Konzept. Es wollte sich nicht mit den davon getragenen HĂ€usern verbinden lassen.
Ich persönlich stelle mir das Bilderbuchszenario eher am Tag danach vor, denn bei hohem Wellengang, und reissender Strömung, bei peitschendem Regen in der dunklen BrĂŒhe wĂŒrde es nicht weiter auffallen (nehme ich an). Es treibt vorgestellt im schon wieder beruhigten Wasser, eventuell scheint die Sonne darauf als wĂ€re nichts geschehen, stellt Zeugnis und bringt BetrĂŒbnis. Vor allem so wie du es zeichnest, wie ich meine, sehr konsequent als Sinnbild verlorener TrĂ€ume. Die HĂ€user aber lösen eine Faszination, gleich einem Katastrophen Entertainment aus, das sich neben der Schrecklichkeit auch das Recht auf eine seltsame Form des bewundert Werdens heraus nimmt. Die HĂ€user selbst scheinen nicht wenig Spaß daran zu haben.
Aber vermutlich ist mit dem Schwenk nach Honolulu im fernen Land auch Zeit vergangen, oder? So das, das Wasser nicht mehr tosend GebĂ€ude verschleppt, wĂ€hrend das Buch dahintreibt. Oder es treibt Abseits jener Strömungen, jedenfalls langsam dahin, sonst wĂŒrde es anders Assoziiert werden mĂŒssen. Wie gesagt, es hat mich irgendwie aus der Bahn geworfen. Jetzt beim drĂŒber nachdenken, fand ich es als abrundenden Schluss gar nicht mal so schlecht. Doch der Mittelteil gefĂ€llt mir besser. Irgendwie fehlte mir die Verbindung, oder auch der fließende Übergang von der eher rohen mechanischen Gewaltigkeit auf die emotionelle.
Alles in allem bin ich mir nicht sicher worum es denn wirklich geht. Hochwasser?
„Gott“ ( falls er nicht gerade auf Orion verweilt, *g*) mĂŒsste es wissen!
Deinen Stil find ich jedenfalls gut.
Nicht böse oder entmutigt sein, ist nur meine Meinung.


Liebe GrĂŒĂŸe

Efiriel

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Suzie
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2001

Werke: 33
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du,
hast schon recht, wenn ich mir die geschichte im nachhinein so durchlese, wirkt sie ein wenig unausgegoren, weil glaub ich, nur ich hier wirklich den roten Faden sehe und alles etwas wirr daherkommt, weil ich die ereignisse so atemlos zusammengewĂŒrfelt hab.
ja, es geht ums hochwasser 2002
ach und das mit gott und honolulu und orion ist von alfred andersch geklaut. geb ich zu. das mit dem deus absconditus nÀmlich. (sansibar oder der letzte grund)
ich bin weder vergrÀmt noch irgendwas jetzt
danke fĂŒr deinen kommentar, weiß ich wirklich zu schĂ€tzen
liebe grĂŒĂŸe
__________________
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