Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92240
Momentan online:
459 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Geschichte von Persol
Eingestellt am 13. 08. 2003 16:47


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Kabelkolb
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2003

Werke: 12
Kommentare: 33
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Eine Geschichte von Persol

Am Dienstag erhielt er einen Anruf. Um an das Telefon zu gelangen, musste er vom Schreibtisch aufstehen und quer durch das l├Ąngliche Zimmer gehen; das Telefon steht in einer kleinen Wandnische, davor ein Stuhl. Der Mann, der sich am anderen Ende der Leitung meldete, wollte einen gewissen Persol sprechen. Er, der er auf dem Stuhl sa├č, kannte jedoch niemanden der so hie├č; der Anrufer musste sich verw├Ąhlt haben; musste die falsche Nummer zum richtigen Namen oder die richtige Nummer zum falschen Namen haben; musste sich einfach verw├Ąhlt haben! Er legte auf, nachdem er dem Fremden gesagt hatte, dass es keinen Persol hier gibt.

Am n├Ąchsten Dienstag erhielt er einen Anruf. Da er neben dem Telefon auf dem Boden lag, die Decke anstarrte und vor sich hin tr├Ąumte, nahm er den Anruf schneller als gew├Âhnlich entgegen. Am anderen Ende der Leitung war erneut ein Jemand der Persol sprechen wollte.
Wieder ein Anruf f├╝r Persol dachte sich der Mann, der sich jetzt auf den Stuhl gesetzt hatte; wieder eine Nachricht, die nicht zugestellt werden kann; wegen Namen und Nummer die nicht stimmen usw. Er sagte: Es gibt hier keinen Persol! und legte auf.
An diesem Abend konnte er nicht einschlafen; immer wieder ├╝berlegte er, warum zweimal hintereinander, etwa um die gleiche Zeit; des gleichen Tages, irgendwer bei ihm anruft, um nach jemand anderem zu fragen. Die resultierende Verwirrung war gro├č und so sah er am n├Ąchsten Morgen zerm├╝rbt aus, zerm├╝rbt vom vielen Nachdenken. Warum er sich ├╝berhaupt deswegen Gedanken macht? Er wusste es auch nicht, es war einfach seltsam; es war einfach nicht normal.

Am n├Ąchsten Dienstag erhielt er keinen Anruf. Er war entt├Ąuscht. In der Nacht zuvor hatte er sich dazu entschlossen, sich beim n├Ąchsten Anruf als Persol auszugeben. Er h├Ątte es getan, ja, ganz sicher; h├Ątte man ihn gefragt, was denn mit seiner Stimme sei, er w├╝rde Geschichten von Husten und Schnupfen erz├Ąhlen, w├╝rde dem Fremden schon wei├č machen, dass er Persol ist usw. Ja, er hatte beschlossen in die Rolle Persols zu schl├╝pfen und der Welt etwas vorzuspielen.

Es hatte nicht geklappt.

Kein Anruf.

Am n├Ąchsten Dienstag war alles wie gehabt; alles wie vor dem ersten der beiden Anrufe, die ihn seit dem nicht mehr in Ruhe lassen; sie rauben ihm den Schlaf und dadurch die Konzentration, die er br├Ąuchte. Es zieht ihn nicht mehr hinaus. Er wartet zu Hause am Telefon, stets bereit, Persol zu werden; noch in diesem Moment, wenn es sein muss f├╝r immer.

Das ist sein Problem: Er ist Persol!

Wenn in Zukunft Fremde anrufen, um nach Persol zu fragen, dann k├Ânnen sie ihn sprechen, k├Ânnen ihn ├╝ber Dinge ausfragen, die er als pers├Ânlich einstuft; ja, vielleicht k├Ânnen sie ihn sogar kennen; kennen lernen, den Persol, der zu Hause auf den Anruf wartet, der best├Ątigt, dass er lebt.

__________________
Mein Name sei Kolb.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Daktari
Guest
Registriert: Not Yet

nicht schlecht

Daf├╝r da├č es keinen wirklichen Zielpunkt in der Geschichte gibt, ist der Text nicht schlecht.

Ciao Tim

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
also

ich empfinde den text als ├╝beraus anr├╝hrend. habe richtig g├Ąnsehaut bekommen. dein armer prot ist sooo einsam! ich m├Âchte ihn direkt an mein herz dr├╝cken und zu tr├Âsten versuchen.
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!