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Leselupe.de > Humor und Satire
Eine Hommage
Eingestellt am 20. 06. 2002 22:58


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Miss_Geschick
???
Registriert: Jun 2002

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Fritz

Du warst f├╝r mich der Regenbogen, der Silberstreif am Horizont, der ruhende Pol, ein Beispiel von Anmut und Eleganz. Jede deiner Bewegungen lie├čen mich hypnotisch f├╝r dich schw├Ąrmen.

Schwere und heitere Tage lie├čen uns zu einer Einheit verschmelzen...auch wenn wir uns selten ber├╝hrten. Ich traute mich kaum, meine Finger ├╝ber deinen K├Ârper gleiten zu lassen, so zart, so sensibel und zerbrechlich sch├Ân warst du. Mir reichte es dich anzusehen, mit dir einfach nur da zu sitzen, manchmal mit einem Buch in der Hand, aus dem ich dir vorlas, oder mit meinem Kl├Âppelkissen, um unser Zuhause durch ein wenig Zierrat ein bisschen gem├╝tlicher zu gestalten. Nein, sage nichts, ich wei├č, dass die W├Ąrme unserer Herzen ├╝ber die W├Ąnde hinaus strahlte. Doch die W├Ąnde. Wei├čt du eigentlich, wie oft ich mir w├╝nschte, auf deiner Seite zu leben? Ich schaute dir in die Augen und mir kam es vor, als w├Ąre unser Blick verw├Ąssert, als trennten uns Welten, als schaue ich durch Glas, dass sich je nach Befindlichkeit durch ├Ąu├čere oder innere Einfl├╝sse eintr├╝bte.

Immer wieder versuchte ich den Augenkontakt so klar wie m├Âglich zu halten, unsere Lebensumst├Ąnde, insbesondere deine, stressfrei und angenehm zu gestalten. Oft etwas ├╝berm├╝tig, zugegeben. Und selbst wenn es nun zu sp├Ąt ist, Fritz, m├Âchte ich dir dennoch mit auf den Weg geben, dass es mir leid tut, alle zwei Wochen dein privates Reich renoviert zu haben. Vielleicht war es nicht n├Âtig, jedesmal den Fu├čboden herauszurei├čen, ├╝ber den du beinahe elfenleicht schwebtest, die Pflanzen zu entsorgen, hinter welchen du dich stets streichspielend verstecktest, die PanoramaTapete zu wechseln, weil mich der Blick auf Kraterlandschaften langweilte und die Fenster zu putzen, obwohl du es gerne selbst ├╝bernahmst. Aber habe ich dir nicht fortw├Ąhrend ein noch sch├Âneres Heim gestaltet? Was habe ich nicht alles gelesen und gefragt, um dir bestm├Âglich zu dienen, was habe ich nicht alles auf mich genommen, damit es dir gut geht.

Manchmal ├╝berraschten mich die T├╝cken der Technik. Fritz, wei├čt du noch, als ich unsere komplette Wohnung und die meiner Nachbarin unter Wasser setzte, nur damit du nicht krank wurdest? Wie anf├Ąllig warst du f├╝r Allergien und Hautkrankheiten, mein einziger Freund. Sauber musste es sein, ja, das liebtest du. Es machte mir nichts aus, fast w├Âchentlich dreihundert Liter verschmutztes Wasser von deinem Zimmer ├╝ber den langen Flur ins Bad zu tragen, um die selbe Menge auf dem R├╝ckweg wieder frisch anzuf├╝llen. Wochenlang t├╝ftelte ich an Konstruktionen, die mir die Schlepperei ersparen sollten; Schl├Ąuche und Pumpen in allen Variationen pflasterten die scheinbar un├╝berwindliche Entfernung zwischen unseren Wohlf├╝hlw├Ąnden. Eines Tages schien mir die L├Âsung ganz nahe; ein un├╝berschaubares Geflecht von Schlauchst├╝cken, mit hellen Schellen verkn├╝pft, so fest wie unsere Bande und so hell, wie du, Fritz, sollte meinen mittlerweile krummen R├╝cken entlasten. Mit einem stolzen L├Ącheln drehte ich das Wasser auf, im Vorbeilaufen nahm ich wahr, wie sich die SchlauchH├Ąute spannten, erreichte aufgeregt deine kuschelige H├Âhle, nahm das Schlauchende auf, um nun der EinspritzWasserD├╝se einer gro├čen Firma das Signal zum erfrischenden Rausch zu geben. Doch, nichts passierte, nicht mal ein Tr├Âpfchen verriet, dass die Konstruktion gedachte ihre Schuldigkeit zu verrichten. Statt eines Rauschens h├Ârte ich ein peitschendes Ausschlagen, so, als wenn jemand einen Teppich klopfte, nur unkontrollierter und irgendwie bedrohlich. Als ich an meinem K├Ârper herunter schaute, merkte ich, dass meine Pantoffeln bereits in einem See standen; als ich dann noch einen Blick ├╝ber meine Schulter riskierte, sah ich das Ende eines Schlauchs? Ich Dummerchen, ich hatte doch tats├Ąchlich ein SchlauchRestst├╝ck in der Hand und das wahre Ende fuchtelte sich durch meinen Flur.
Aber Fritz, ich hatte Verst├Ąndnis daf├╝r, dass du deine eigene Badewanne beanspruchtest, auch wenn es mir nie verg├Ânnt war, mit dir zusammen zu planschen. Einzig und allein meinen Tr├Ąumen geh├Ârte die Vorstellung eine Wegstrecke mit dir zu schnorcheln und nicht selten wachte ich auf und fand Wasser unter meinem Sofa.

Selbst unsere Mahlzeiten teilten wir, wenn auch versehentlich oder notgedrungen. Wie pingelig du mit deinem Essen warst; trotz deiner zierlichen Erscheinung, mussten es gro├če Flocken sein, gro├če Flocken, die ich nur in gro├čen Dosen einer gro├čen, teuren Firma bekam. W├Ąhrend ich mich mit T├╝tenSuppen und hei├čen Tassen begn├╝gte, war f├╝r dich Nahrung aus dem TetraTrockenPack schon eine Zumutung. Und wehe ich sch├╝ttelte die Flocken mal aus Langeweile durch; kleine zerflockte Flocken waren ein Graus f├╝r dich und v├Âllig inakzeptabel. Mittlerweile f├╝llte sich schon ein ganzer Vorratsschrank mit zerflockten FlockenDosen, aber "Selbst Schuld", blubbertest du mit einem verschmitzten Grinsen, wer sch├╝ttelt, muss den Schaden tragen oder notfalls selbst essen. Recht hattest du. Ich liebte dich, Fritz, und b├Âse konnte ich dir nie sein. Nicht mal dann, wenn ich dein bevorzugtes Essen aus der Tiefk├╝hltruhe in der Tasse aufl├Âste, in der kurz darauf meine T├╝tensuppe landen sollte. Schon lange war es mir finanziell nicht mehr m├Âglich, Wasser f├╝r luxuri├Âse Annehmlichkeiten , wie Sp├╝len, Blumen gie├čen oder Waschen zu verplempern. Nur deiner Lebenserhaltung und Zufriedenheit galt mein Interesse und da du nicht eine aufgetaute, frischlebendige Mahlzeit aus einer Tasse bekommen konntest, in der bereits eine meiner Nudeln schwamm, nahm ich die M├╝ckenlarven in Kauf.

Ach Fritz, was hatten wir f├╝r eine herrliche Zeit und nun stehe ich vor deinem leeren Zimmer; das einzig existierende Nass unserer Wohnidylle kullert mir gerade die Wangen herunter und jede Tr├Ąne bewahre ich sorgf├Ąltig in unserer Tasse auf. Du bist nicht fort, nur deine H├╝lle ist gegangen. Und so wandere ich von deinem ehemaligen Bade, ├╝ber den langen Flur in meine einst einsame Feuchtzelle. F├╝r eine kleine WandVitrine war noch Platz; sie ist gerade so gro├č, wie die Urne, in der ich dich beisetzen lie├č. Was sind schon Euros gegen das Gef├╝hl, sich endlich vereint in der Badewanne zu tummeln, wenn auch auf dem Trockendock. Wei├čt du, Fritz, es macht mir nichts aus, dass sie mir das Wasser abstellten, ich die Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte und nun die T├╝tensuppen mit meinen Tr├Ąnen aufkoche.

Danke Fritz...du wirst immer in und mit mir wohnen.

M├Âge deine Seele im FischHimmel unter einer Wurzel Frieden finden.

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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

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Werke: 468
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Hallo Miss,

eine sehr gut und anr├╝hrend geschriebene Geschichte,die trotz der Traurigkeit doch etwas schmunzeln l├Ąsst.
"die T├╝tensuppe mit Tr├Ąnen kochen"
eine der Zeilen,die mir sehr gut gefallen haben!

Stoffel

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Miss_Geschick
???
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Urspr├╝nglich ver├Âffentlicht von Stoffel
Hallo Miss,

eine sehr gut und anr├╝hrend geschriebene Geschichte,die trotz der Traurigkeit doch etwas schmunzeln l├Ąsst.
"die T├╝tensuppe mit Tr├Ąnen kochen"
eine der Zeilen,die mir sehr gut gefallen haben!

Stoffel


Hallo Stoffel,

Danke f├╝r die Blumen !

Die Motive, diese Trivial/Realsatire zu schreiben, war ein S├╝lzpropellerartikel in einem anderen Forum. Er ist im Grunde eine Persiflage auf einen verstorbenen Sch├Ąferhund; Gott m├Âge seiner Hundeseele gn├Ądig sein. Ich war und bin mir nach wie vor nicht ganz sicher, dass es als Realsatire durchgeht, aber ich stelle mir laufend vor, ich h├Ątte ihn unter Kurzgeschichten gepostet.
Unter dem "Fritz" gab es noch eine lebhafte Diskussion, die ihresgleichen sucht und ich f├╝hle mich beinahe gen├Âtigt, sie ebenfalls zu ver├Âffentlichen. Wirklich genial!

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