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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Kindergeschichte
Eingestellt am 21. 04. 2015 15:45


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Avitus
Festzeitungsschreiber
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Eine etwas andere "Kindergeschichte"

Eine Kindergeschichte




Es war einmal ein blauer Planet namens Erde, auf dessen Oberfläche es nur so tummelte von wunderbaren und teils wunderlichen Wesen. Sie lebten in Harmonie und Frieden, Gewalt war ein unbekanntes Wort, denn alle bedienten sich einer Sprache, der des Gleichklangs. Eines Tages jedoch fand eine Giraffenmutter ein ihr unbekanntes Neugeborenes, welches noch zu klein war, um sich selbst zu versorgen und so bekam die Giraffenmutter Mitleid und nahm es auf in den Kreis ihrer Familie. Das Neugeborene wurde stärker und größer, entwickelte sein eigenes Wesen und eines Tages, kurz vor dem Sonnenuntergang, erkannte es sein eigenes Spiegelbild in den großen runden Augen seiner vermeidlichen Mutter und erschrak:
Aber Mutter, wieso sehe ich denn so anders aus als du und meine Geschwister?
Da erzählte ihm die Mutter alles von Anfang an und dem Wesen flossen die Tränen in Strömen die geröteten Augen herab.
Schluchzend siegte es sich selbst in den Schlaf und fasste einen folgenschwere Entschluss: Seine wahren Eltern zu suchen.
Noch bevor sich die ersten Sonnenstrahlen √ľber den weiten Ebenen der W√ľste ergossen verlie√ü das Wesen schweren Herzens den Kreis seiner bisherigen Familie und schlug einen neuen Weg in seiner Lebensgeschichte ein. Es lief tagelang ohne einer einzigen Seele zu begegnen, bis auf einmal ein Geier sich seinem beinahe vertrockneten K√∂rper n√§herte. Neugierig beruhte er das Wesen und scharrte mit den Krallen:
Was bist du? So etwas wie ich ja noch gar nicht gesehen?
Der Geier stupste das dem Tod nahe Etwas an und legte es sich dann √ľber seine kr√§ftigen Schwingen. Mit ehrenhaftem Willen schleppte der Geier das Wesen zu der n√§chsten Oase und tr√§ufelte dort stetig ohne Unterlassen einzelne Wassertropfen in das Maul des Wesens, dessen Kr√§fte langsam aber stetig wieder erstarkten. Nachdem es sich einige Zeit von den Strapazen der letzten Tage erholt hatte, wurde es von dem Gedanken an seine Herkunft gequ√§lt und suchte Rat bei dem.
Aasfresser, welcher sich √ľber die Oase beugte. Dort verglich es die Spiegelbilder von dem Vogel und sein eigenes.
Wei√üt du was ich bin? , fragte es zaghaft und ber√ľhrte mit den Fingerspitzen die Wasseroberfl√§che, sodass diese kleine Wellen schlug.
Du bist auf jeden Fall kein Geier, das wei√ü ich genau! Du besitzt keine Fl√ľgel, kannst nicht fliegen. Du besitzt keine Federn, bist nackt und ungesch√ľtzt. Du besitzt keinen Schnabel, kannst keine Knochen knacken.
Da wurde das Wesen w√ľtend, da es sich einsam, versto√üen und entt√§uscht f√ľhlte. Mit langen Schriften durchwanderte es die W√ľste auf der Suche nach sich selbst, bis es das Ende der Herrschaft des Sandes erreichte. Tropisches Klima schlug ihm entgegen und wundersch√∂ne Ges√§nge buntester V√∂gel erreichten seine Ohren. Gr√ľne saftige Bl√§tter und hoch gewachsene B√§ume pr√§gten das sanfte harmonische Naturschauspiel. Hier werde ich bestimmt jemand Meinesgleichen finden. In stiller Hoffnung kletterte das Wesen √ľber gefallene B√§ume, durchschritt Flussengen und beobachtete die Umgebung eindringlich, auf der st√§ndigen Suche nach Leben.
Auf einmal raschelte es in dem gr√ľnen undurchsichtigen Dickicht und das Wesen hielt in seinem Marsch inne. Eine Schildkr√∂te, gro√ü wie ein Stier watete gem√§chlich in die Richtung des Wesens. Mit einer kr√§chzenden knarzenden Stimme, aus denen die Weisheit von Jahrhunderten erklang:
Nach so vielen Jahrzehnten, nach so vielen Momenten der Eintönigkeit, ein neues Gesicht.
Entschuldigung, ich bin auf der Suche...
Auf der Suche sind viele, unterbrach das Panzertier das Wesen.
Die Schwierigkeit ist niemals das Finden, nur der Weg hat schon so manchen erblinden lassen.
Das Wesen dachte √ľber die Worte nach, einen halben Tag. Die Schildkr√∂te verharrte regungslos und starrte das Wesen ohne mit den Augen zu blinzeln an. Dieses entfloh nach dem Anbruch der Nacht seiner Gedankenflut.
Wo bin ich zu Hause? Kann ich bei dir leben?
Der Begriff zu Hause ist relativ, ich kann dir keines bieten. Ich bin zu alt, zu schwach und eine Schildkröte, du hingegen scheinst deine Bestimmung noch nicht gefunden zu haben.
Traurig schlug das Wesen wieder eine neue Richtung ein und marschierte, traf viele Tiere, doch wurde von allen zwar freundlich aufgenommen, jedoch wurde die Sehnsucht des Wesens nach einer Familie nicht gestillt. Entweder konnte es nicht unter Wasser atmen, sich nicht geschickt genug von Baum zu Baum hangeln oder war nicht schnell genug. Nach jeder Zur√ľckweisung verlie√ü das Wesen mehr und mehr das Vertrauen eine Familie zu finden, bis es sie schlie√ülich aufgab und sich verbittert und trauernd in eine H√∂hle zur√ľckzog. Ganze sieben Jahre verharrte es in der gleichen Stellung und ern√§hrte sich von Insekten und von der Decke tropfen dem Wasser. Seine Haare wuchsen, seine Haut wurde von einer Schicht aus Staub bedeckt und von Jahr zu Jahr wuchs der Funke der Verzweiflung in einen Feuersturm des Wahnsinns. Mit dem Wahnsinn wuchs die Wut, unb√§ndiger Hass auf alles Lebendige, auf sein eigenes Schicksal, jedoch besonders gegen all die Tiere, die es nicht aufnehmen konnten. Der Wahnsinn war wie eine erbarmungslose Kralle, die sich in das Fleisch des Wesens schlug und gefangen hielt. Nach diesen 7 Jahren √∂ffnete es aus der ewigen Trance der Verwirrung seine Lider, rot funkelnde Augen und ein irrer Blick leuchteten in der nassen Dunkelheit der H√∂hle auf.
Langsam stand es aus den Jahren des stillen Verharrens auf und wie bei einem alten Uhrwerk begann sein Herz tief und unheilvoll zu schlagen. Der Tag der Abrechnung stand bevor. In seinem Wahn erfand das Wesen Waffen, die die Welt noch nie zuvor erblickt hatte: Giftgase, Sprengstoff, Halbautomatische Handfeuerwaffen, Granaten, Atomwaffen und vieles mehr. Sicher versteckt in den Tiefen der Erde. So ger√ľstet betrat es erneut die Erdoberfl√§che, wiedergeboren. Die Sonnenstrahlen blendeten ihn und seine tiefschwarzen Pupillen weiteten sich. Vor ihm erstreckte sich eine friedvolle Landschaft der Harmonie, Sch√∂nheit und lichtgefluteten Transparenz. Bei diesem Anblick wurde das Wesen w√ľtend, da jedes Tier als Teil dieser vollkommenen Harmonie lebte, nur es nicht. Seine Existenz war scheinbar nicht in den Plan der Natur vorgeschrieben. Die Eifersucht fachte den Wahnsinn an und es verfiel in einen todbringenden Amoklauf. Den V√∂geln schnitt es die Fl√ľgel ab, da es selbst nicht fliegen konnte. Den Fischen schnitt es die Kiemen aus dem Leib, da es selbst nicht unter Wasser atmen konnte. Der Schildkr√∂te zertr√ľmmerte es den Panzer, da es selbst ungesch√ľtzt leben musste. Sieben Tage dauerte das Massaker.
Am Abend des siebten Tages hielt es inne und betrachtete sein Werk und sah dass es gut war. Entspannt und zufrieden betrachtete es die verendenden Tiere und fl√ľsterte:
Nun wisst ihr wie es ist!
Nach einer kurzen Zeit erfuhr die Giraffe von den Gräueltaten ihres Ziehkindes und entschloss sich dieses aufzusuchen, um es zur Vernunft zu bringen. Auf den Knien flehend weinte sie:
Was ist nur aus dir geworden? Wir alle haben uns solche Sorgen um dich gemacht und nun kommst du zur√ľck unter diesen grausamen Umst√§nden? Komm doch bitte zur Vernunft! Bitte ...
Mit einem roten Loch zwischen den Augen fiel sie um. Verstummt f√ľr immer.
Das Wesen lächelte:
Gute Nacht Mama, schlafe schön!
W√§hrend es ihre Stirn k√ľsste und √ľber den Leichnam stieg.


Ab diesem Tage begann seine Schreckensherrschaft. Aus den Leichen der Tiere baute es sich einen Thron aus tausenden Knochen und herrschte √ľber die Erde. Bis heute.
Errare humanum est.

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