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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Liebe, die endlos währen könnte...
Eingestellt am 24. 03. 2004 18:24


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Südsee
Hobbydichter
Registriert: Mar 2004

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Ein kurzer Augenblick der Liebe

Viola steigt aus einem grünen Jeep aus. Sie verabschiedet sich von ihrem Vater. Als er außer Reichweite ist, nimmt sie ihre Schultasche unter die Arme und geht mit einem lauten Seufzer die steinernen Stufen zum Schulportal hinauf. Noch einmal spricht sie sich Mut zu, dann öffnet sie die schwere Eisentür und verschwindet im Inneren..
Viola bemühte sich, nicht auf das dumme Geschwätz der albernen Gänse aus ihrer Klasse, die sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit hänselten und aufs Äußerste beleidigten, zu hören. Aber das fiel ihr schwer. „Wie läufst du denn wieder rum - Sind die Sachen vom Flohmarkt?“ Amy war die Schlimmste von allen. Was bildete sich diese Diva bloß ein? Soll jeder so aufgestylt wie sie rum laufen?
Viola sah nicht ein, dass sie sich deshalb ändern sollte. Doch manchmal fühlte sie sich sehr einsam. Sie hatte keine Freunde auf dieser Schule. Alle verachteten sie und behandelten sie wie eine Außenseiterin. Im Unterricht wollte niemand mit ihr in eine Gruppe. Obwohl sie die Intelligenteste auf der Schule war, unterhielt sich niemand mit ihr. Vielleicht gerade deshalb. Mit ihren Kommentaren auf die dummen Anmachen hätte sie alle dumm dastehen lassen können. Doch darüber lachten die anderen nur, weil sie es nicht verstanden. Die einzigen, die auf Violas Seite standen waren die Lehrer. Aber die hielt sie sich auf Abstand. Das würde den anderen noch mehr Anlass für ihre Beleidigungen geben. Also versuchte Viola, sich mit Intelligenz wenigstens im Unterricht durchzusetzen. „Wozu braucht man denn Freunde? Auf solche Freunde kann ich gut und gern verzichten. Solche, die bis morgens um vier in Discos und auf Parties rumhängen, die immer die angesagtesten Klamotten tragen müssen und aufgebrezelt wie für eine Party in die Schule kommen! Was soll ich denn mit denen?“
Doch oft sah sie den anderen traurig hinterher, wenn diese in ihrer Freistunde Eisessen gingen und sie sich mit einem Buch in die hintersten Ecken verkroch. Shakespeare und Lessing! Das las sie am liebsten. Mit ihren Büchern hatte sie sich eine richtig kleiner Welt aufgebaut, in die sie sich jedesmal verkroch, wenn sie die Traurigkeit überkam. Dann wischte sie sich ihre Tränen weg und lachte über die idiotischen Antworten, die ihre Mitschüler im Unterricht gaben: Shakespeare-ein Franzose! Lessing ein Pole! Brecht ein Tscheche! Kleist?- Hat der nicht „Mutter Courage“ geschrieben?
Auch über Violas Aussehen wurden oft Gemeinheiten abgelassen. Dabei war sie die Schönste der Schule! Ihr natürliches Aussehen verschaffte ihr einen besonderen Reiz. Ihre glänzenden braunen Haare, ihre ozeanblauen Augen, wovon das linke einen kleinen Leberfleck an den unteren Wimpern aufwies, ihre sportliche Figur, ihre starken Knöchel und ihr Lächeln, dass sie jedoch immer seltener zeigte, waren so geschaffen, dass es keinem, Styling bedarf. Doch dass sie immer ungeschminkt, in weißen Turnschuhen, Jeans und „einfachem“ T-Shirt herumlief, wollten die anderen einfach nicht akzeptieren. Es blieb ja auch nicht immer nur bei Beleidigungen. Im Sportunterricht versteckten sie ihre Turnschuhe. In der Pause schrieben sie Drohungen an die Tafel. Auf ihrem Nachhauseweg terrorisierten ihre Mitschüler sie. Auf dem Schulhof bespuckten sie sie. Zu Hause nervten sie Viola mit unverschämten Telefonanrufen. Im Internet veröffentlichten sie Namen und Telefonnummer für Anzeigen als „Flittchen“. In solchen Momenten half kein Buch! Viola wehrte sich. Doch kluge Worte halfen ihr meist nicht. Also ließ sie alles über sich ergehen und dachte daran, dass sie es in zwei Jahren geschafft hatte. Sie war jetzt siebzehn. Mit neunzehn würde sie ihr Abitur in der Tasche haben und dann an einer Universität studieren.

Viola nahm sich vor, in Zukunft die anderen einfach zu ignorieren. Über ihre Sprüche lachten sie sowieso nur- da konnte sie das auch lassen. Doch ihr Stillschweigen würde niemals eine Unterwerfung bedeuten. Niemals!
Am nächsten Tag fühlt sie sich viel leichter und befreiter, als sie sich in die „Höhle des Löwen“ wagt. Den dummen Spruch von Amy, hatte sie schon vergessen. Sie drehte sich einfach um und ging hocherhobenen Hauptes weiter. Auch Sascha, den gemeinsten Schuft, ignorierte sie. Manchmal gefiel er ihr schon. Mit seinen dunkelblonden Haaren, den blauen Augen und seinem muskulösem Körper sah er wirklich zum Verlieben aus! Doch niemals würde sich Viola mit so einem einlassen. Das verbot ihr ihr Stolz. Doch das Herz hört leider nicht immer auf das, was der Kopf will.
In der Pause steht Sascha wieder bei seinen Kumpels, die ihn regelrecht vergöttern. Er ist der angesagteste Typ der ganzen Schule. Deshalb denkt er auch, dass er jede habe kann. Die Mädchen würden ihn förmlich anbetteln, damit er mit ihnen ausginge. Als Sascha das seinen Kumpels mal wieder unter die Nase rieb, hatte Simon eine Idee. „Jede Wette, bei Viola kannst du nicht landen. Die lässt sich nämlich nicht auf Typen ein. Da kannst du machen was du willst.“ Doch mit einem selbstsicheren Lächeln um den Mundwinkel antwortete Sascha „Die Wette gilt“. Er hatte nun zwei Wochen Zeit, Viola dazu zu bringen, mit ihm zu schlafen.

„Hey Viola, was machst du denn so heute nach der Schule?“ Doch Viola gab Sascha keine Antwort. Sie drehte sich um und stellte sich woanders hin. Aber Sascha ließ nicht locker und lief ihr hinterher. „Viola, ich will doch nur mit dir Eis essen gehen. Sag doch ja. - Es tut mir wirklich leid, dass ich so gemein zu dir war.“ Viola hatte ihm gar nicht erst zugehört. Sie ließ den jetzt völlig sprachlosen Sascha zurück, der im Gesicht seiner Freunde die Schadenfreude erblickte. „Na, wird wohl doch nichts?“ „Ihr werdet schon noch sehen.“

Nach der Schule geht Viola in der Stadt einkaufen. Als sie gerade aus einem Geschäft rauskommt, blickt sie genervt in das Gesicht von Sascha. „Was willst du denn schon wieder hier? Hab ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt?“ „Viola bitte. Hör mir zu- nur eine Minute.“ „OK, eine Minute.“ „Es ist nämlich so, dass ich wirklich gerne mit dir ausgehen würde- so ganz unverbindlich. Na, was ist?“ „Danke. Kein Interesse.“ Sie wollte gerade gehen, als er sie zärtlich festhält und ihr tief in die Augen blickt. “Bitte Viola“. Diese Bitte kann sie natürlich nicht abschlagen und da sie auch nur ein Mensch ist, der Gefühle hat, geht sie mit ihm Eis essen.
Im Café haben die Beiden viel Spaß zusammen. Viola entdeckt, dass Sascha gar nicht so abgebrüht ist, wie er immer tut. Hinter seiner harten Schale verbirgt sich ein weicher Kern mit einem sensiblem Herzen. „Sascha. Darf ich dich mal was fragen?“ Und nach einem Nicken „Warum bist du eigentlich so?“ „Wie meinst du das denn?“ „Na so, so verletzend- beleidigend- angeberisch- unsentimental und hart zu dir selbst?“ „Zu mir selbst? So bin ich doch nur zu anderen.“ „Du verstehst nicht, dass du dich selbst zerstörst. Was sind das für Freunde, die du hast? Es sind Würmer, die dir nur hinterher kriechen.“ „Ich muss jetzt gehen, Viola Hier, das ist für das Eis. Wir sehen uns Morgen.“
Auf dem Heimweg denkt Sascha über das nach, was Viola gesagt hat. „Eigentlich ist sie ja total nett. Wieso ist mir das früher nie aufgefallen? Sie hat Witz, ist klug und charmant. Ganz anders als die anderen dummen Hühner in der Schule. Irgendwie hat sie Klasse. - Aber ich muss an meine Wette denken...“
Am nächsten Morgen rennt Simon aufgeregt auf seine Kumpels zu. Als er sieht, dass Sascha noch nicht da ist, teilt er seinen Freunden seinen Plan mit. Sie wollen die Treffen zwischen Viola und Sascha filmen. So können sie der ganzen Schule zeigen, auf was für einen Typen die intelligente Viola reingefallen ist.

Die Beiden verbringen zwei wunderschöne Wochen miteinander. Mit der Zeit hat Sascha seine Viola richtig ins Herz geschlossen. Jetzt ist im unbegreiflich, wie er jemals so gemein zu diesem wundervollen Menschen sein konnte. Als die Beiden sich erneut bei Sascha zu Hause treffen, gibt Viola ihm zu verstehen, dass diese Nacht ihnen gehören soll und sie mit ihm schlafen möchte. Doch Sascha blockt im letzten Moment ab. Er liebt sie wirklich und hat kein Interesse mehr an der Wette. Bevor er mit Viola schläft, möchte er das noch regeln.
Sofort begibt er sich zu seinen Freunden und lässt die völlig verdutzte Viola allein im Bett zurück.
„Hört mal zu, mein Standpunkt hat sich geändert. Ich wette nicht mehr. Denn ich habe mich in Viola verliebt.“ Aber seine Kumpels, besonders Simon, sind gegen diese Beziehung. Sie hecken einen teuflischen Plan aus, der die Zwei für immer trennen soll...
Heute findet eine Party bei Amy statt. Zuerst wollte Viola dort nicht hin, doch sie ließ sich von Sascha dazu überreden. Die Stimmung auf der Party ist gut. Bis jetzt wurde Viola noch von keinem blöd angemacht. Das lag wahrscheinlich daran, dass sie mit Sascha da war. Eng umschlungen tanzten die Beiden miteinander. Sie amüsierten sich, bis Amy Sascha zu sich bat. Er versprach Viola, dass er sofort zurückkommen werde; sagte es und verschwand. Überraschend tauchten plötzlich Saschas Freunde vor Viola auf. Sie sagen ihr, dass es etwas gäbe, dass sie ihr unbedingt zeigen müssten. Viola begibt sich mit ihnen in ein Zimmer. Dort holt Simon eine Videokamera heraus. Mit einem breiten Grinsen zeigt er ihr die Aufnahmen, auf denen sie mit Sascha zu sehen ist. Bei ihrer ersten gemeinsamen Nacht!!! Das war also der teuflische Plan gewesen, mit dem sie Sascha und Viola auseinanderbringen wollen. Völlig aufgelöst und den Tränen nahe rennt schaut Viola in Simons Gesicht. Ziellos und mit Tränen überströmt, läuft sie weg. „Er hat mich also nur benutzt. Und ich dachte, es wäre wahre Liebe“.
Sascha hatte beobachtet, wie Viola fort gerannt war. Total ahnungslos und besorgt lief er zu seinen Freunden. Er brauchte sie gar nicht fragen, was los war, als er diese vor der laufenden Videokamera sitzen sah. und sie sich freudig in die Hände klatschten. „Seid ihr verrückt geworden? Was soll das? Oh- ich könnte euch...“ Wutentbrannt und besorgt lief er Viola hinterher. Als er sie vor sich den Bürgersteig entlang rennen sah, rief er ihren Namen. Viola dreht sich um, und als sie sieht, dass Sascha immer näher kommt, läuft sie schneller. Immer wieder wirft sie einen Blick zurück auf den rufenden Sascha, der schon fast bei ihr ist. In Panik läuft sie über die Straße- direkt in ein Auto rein! Sie wird circa 5 Meter weiter geschleudert, bis sie mitten auf der Straße landet. Der völlig bestürzte Sascha rennt zu ihr und kniet sich neben sie. Er fasst nach ihrer Hand, streichelt ihr liebevoll übers Gesicht. Ihm laufen Tränen über die Wangen. Völlig au8fgelöst schreit er den Autofahrer an, er solle einen Krankenwagen rufen. „Viola, es tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich nicht wusste was sie vorhatten. Und es tut mir leid, dass ich es nicht verhindern konnte. Doch du musst mir glauben, dass mir das mit uns nicht leid tut. Ich liebe dich und das wird bis an mein Lebensende so bleiben.“ Doch es war schon zu spät. Mit einem lauten „Nein“ nahm er ihren leblosen Körper und drückte ihn fest an seine Brust. Er streicht über ihr Haar, küsst ein letztes Mal zärtlich ihre Wangen und ihren Mund.



„......sollen alle wissen, dass ich Viola liebe. Und ich werde sie ewig lieben. Sie war der tollste Mensch auf Erden und die, die sie beschimpft und gehänselt haben, sind nicht länger meine Freunde.“ Den Tränen nahe bricht Sascha am Grab seiner Liebsten zusammen. Simon hebt ihn auf, doch sogleich reisst sich Sascha wieder los. „Verschwinde! Verschwindet alle. Und wagt es ja nie wieder, mir unter die Augen zu kommen. Ihr versteht nichts von wahrer Liebe. Für euch war es nur ein Spiel- eine Wette. Aber dieses Spiel ging zu weit. Es hat zwei Leben gekostet. Das von Viola und meines.“ Ohne irgend jemanden noch eines Blickes zu würdigen, dreht Sascha sich um und verlässt den Friedhof. Seine Freunde sehen ihm traurig hinterher...



ENDE

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
Kommentare: 977
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hallo Südsee,

Die Geschichte könnte ausgezeichnet werden,
wenn du sie in die Vergangenheit setzt.
Ich finde, sie bedarf unbedingt einer Überarbeitung.
Ich empfehle, sie in die Schreibwerkstatt zu setzen.

liebe Grüße

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
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Profil

hallo südsee,

auch ich möchte dir die schreibwerkstatt im positiven sinne ans herz legen.
der beginn deiner geschichet hat mich begeistert, aber zum ende (über das man sich mal unterhalten sollte) hin hat sich bei mir immer mehr der eindruck verstärkt, dass du schnell fertig werden wolltest.
ich glaube, dass bei dir potenzial zum schreiben vorhanden ist; deshalb solltest du dir unbedingt ein bißchen helfen lassen.

optimistische grüße

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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