Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92203
Momentan online:
394 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Nacht in Paris / Version 2
Eingestellt am 11. 05. 2006 10:30


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
jennypower
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2005

Werke: 5
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jennypower eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke an Burana: ich habe versucht, die Story zu verbessern.

Eine Nacht in Paris / Version 2
Von Jenny Power

Unter einer Nacht in Paris verstehe ich etwas Anderes. Ich liege auf dem Rasen, den Kopf von Jack auf meinem Bauch. Er schnarcht. Heute hatten wir zum ersten Mal seit wir uns kennen keinen Sex. Immerhin sind wir jetzt schon seit 26 Tagen ein Paar. Wie komme ich hier her und was mache ich da? Jack hatte schon seit einiger Zeit eine große Tour mit der Eisenbahn durch ganz Europa geplant. Ich war selig, als er mich völlig überraschend vorvorgestern fragte: „Willst du mich nicht begleiten?“. Vor drei Monaten hatte er seinen 40. Geburtstag gefeiert und entschieden, nochmals – wie schon vor zwanzig Jahren – eine „Interrail“-Reise unter dem Motto „20 Länder in 30 Tagen“ zu unternehmen. Selbstverständlich genau wie damals mit dem Rucksack, ohne Hotels, ohne Komfort. Geschlafen wird im Zug, am Bahnhof oder – wie es soeben der Fall ist – in einem Park.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Jack saß plötzlich in „meinem“ Café auf „meinem“ Platz – wie für mich bestellt und abgegeben. Er blätterte lustlos in der Zeitung. Da kein anderer Tisch frei war, setzte ich mich einfach zu ihm. Er lächelte mich an und seine dunklen Augen leuchteten. Schon nach wenigen Minuten waren wir in ein intensives Gespräch über Gott und die Welt vertieft. Zwei Stunden später lag er nackt auf dem Boden in meinem Wohnzimmer.

Es muss die große Liebe sein, dass ich mir das alles hier antue. Ich sehne mich nach einem kuschelig weichen Hotelbett, mit sauberen Bezügen, wohlriechend. Außerdem wäre eine große Badewanne jetzt wunderbar. Dann könnte ich den typischen Eisenbahn-Geruch gründlich von meinem Körper abwaschen. Ob Jack die Badewanne gerne mit mir teilen würde, weiß ich nicht. Er ist so anders, hat völlig andere Bedürfnisse als ich. Dennoch ziehen mich gerade diese Unterschiede magisch zu ihm hin. Ich streiche vorsichtig über sein gewelltes Haar, das sich von der langen Reise etwas klebrig anfühlt. Er lässt sich nicht stören und schnarcht weiter.

Wir befinden uns auf unseren Camping-Matten in einem Park bei einem großen See am Stadtrand von Paris. Nach unserer Ankunft am Bahnhof blickte Jack einfach auf den Stadtplan, suchte einen grünen Fleck und sagte: „Hier werden wir heute übernachten. Das ist genau der richtige Platz.“ Dann fuhren wir mit der U-Bahn in die von ihm gewählte Richtung. Nach einem Fußmarsch von einer Stunde – mit jeweils einem 25kg-Rucksack am Buckel – fanden wir diese Stelle auf der Wiese, nur ein paar Meter vom Ufer des Sees entfernt.

Plötzlich raschelt es im Gebüsch. Ich habe wahnsinnige Angst und flüstere aufgeregt: „Jack!“ Er öffnet die Augen. „Was ist?“ „Ich höre so sonderbare Geräusche.“ Jack springt auf: „Lauf so schnell du kannst“. Plötzlich sehe ich das blitzende Messer, das die dunkle Gestalt in der Hand hält. Der Mann kommt näher und ist nur noch etwa fünf Meter von uns entfernt. Jack rennt wie ein Irrer, ich laufe hinter ihm her. Er dreht sich nicht nach mir um. Ich danke Gott dafür, dass ich zweimal in der Woche ins Fitness-Center gehen darf, um meinen Körper in Form zu halten. So falle ich nicht allzu weit hinter Jack zurück.

Nach einigen Minuten erreichen wir bewohntes Gebiet. Jack bleibt endlich stehen. „Das war knapp. Super, wie du gelaufen bist“, schnauft er. „Warum hast du nicht auf mich gewartet?“, antworte ich vorwurfsvoll und versuche, kräftig durchzuatmen. „Tut mir Leid, aber ich weiß ja, wie stark du bist“, sagt er mit dem Gesichtsausdruck eines Kleinkindes, das ein schlechtes Gewissen hat. Dann nimmt er mich in seine Arme und hält mich ganz fest.

Ich will nach Hause. Am liebsten würde ich mir ein Taxi rufen und direkt zum Flughafen fahren. Auch ein Fünf-Sterne-Hotel in Paris wäre eine gute Alternative, um diese Nacht meinen Wünschen entsprechend zu verbringen. Kreditkarte und Handy habe ich Gott-sei-Dank in den Hosentaschen.

FĂĽr ein Experiment wie diese abenteuerlich Reise mit Jack bin ich mit 49 Jahren eigentlich schon zu alt.

Oder?

__________________
Jenny Power

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Burana
Guest
Registriert: Not Yet

Meine Bewertung hättest Du auch gekriegt, wenn Du mich nicht namentlich erwähnt hättest... !!!!
Liebe Grüße und Glückwunsch! Gefällt mir, wie Du das umgearbeitet hast. Hat sich wirklich gelohnt.
Aber setz den letzten Satz und das 'oder' in neue Absätze...
Burana

Bearbeiten/Löschen    


MichaelKuss
Guest
Registriert: Not Yet

Eine Nacht in - wo?

Hallo Jenny,
unter einer Geschichte über eine Nacht in Paris verstehe ich etwas anderes, liebe Jenny. Zumal Paris zwar als Name genannt wurde, aber die Stadt in der Geschichte nicht existiert. Was ist so typisch Pariserisch an deiner Geschichte, dass du sie ausgerechnet nach Paris verlegt hast? Hättest du wenigstens die Atmosphäre einer der großen Pariser Bahnhöfe etwas beschrieben (wenn deine Protagonisten schon mit dem Interrail unterwegs sind), oder die U-Bahn nicht U-Bahn sondern Metro genannt. Aber nein, ihr verlasst ja die Stadt ganz schnell, weit hinaus, in eine Allerweltsgegend, die nicht mal typisch französisch, verschweige Paris ist. Da kommt dann plötzlich ein Bösewicht mit einem Messer (was wolltest du damit symbolisieren?), der hätte auch in Kärnten auftauchen können. Und dass Spielgefährte Jack ein Feigling ist und schneller rennt wie du, das hättest du eigentlich längst wissen müssen.

Deine Geschichte macht durch den Titel neugierig. Als Leser fühle ich mich aber betrogen, wenn ich dann den Inhalt sehe. Du kündigst etwas an und der enttäuschte Leser ist bis zum Schluss auf der Suche, um in der Sprunghaftigkeit deiner Geschichte wenigstens einen gewissen Zusammenhang zu finden. Wenn du wenigstens im Inhalt versuchen würdest auf den Punkt zu kommen; aber nein, - da geht es dann wie Kraut und Rüben so sprunghaft zu, dass mir nur der Schluss bleibt: Jenny hat über tausend Dinge geschrieben, hat tausend Dinge gleichzeitig ausdrücken wollen, wusste aber nicht konkret, über was sie überhaupt schreiben, was sie eigentlich an diesem Text herausarbeiten möchte.

Wer und was soll dir denn deine letztendliche Frage "bin ich mit 49 zu alt für solche Sachen?" beantworten? Der Mann mit dem Messer? Der träumende und feige Nostalgiker Jack? Die widersprüchliche Protagonistin? Und für was bist du zu alt? Um statt mit Kreditkarte in einem Hotel in freier Natur zu übernachten? (es müssen dann ja gleich fünf Sterne sein, die man in Paris nicht unter 800 Euro pro Nacht bekommt). Um heraus zu finden, ob Jack dich wirklich liebt? Um heraus zu finden, wie leidensfähig, oder wie tolerant, oder wie dumm du bist? Immerhin hast du ja anfangs gefragt: "Wie komme ich hierher und was mache ich da?" Dann hättest du aber deine Geschichte "Auf der Suche nach mir selbst" oder so ähnlich nennen sollen; das wäre wenigstens keine falsche Ankündigung gewesen. Und dann hättest du mit Jack wenigstens die Situation mal verbal erörtern können. Soviel Zeit muss zwischen dem vielen Bumsen mal sein. Aber außer Sex und Eisenbahnfahren und herum irren scheint da ja nicht viel los gewesen zu sein, zumindest keine Gespräche über deine aufgeworfenen Fragen. Und nur für den Sex muss ich nicht stundenlang aus einer Stadt heraus in die Wildnis fahren. Für beides, für Sex und für gemeinsame Gespräche, hätte es in Paris, an der Seine, in den Parks, in tausend Ecken tausend Möglichkeiten gegeben.

Wenn es dir aber um subtilere Inhalte geht, dann erfordert die Beschäftigung mit diesen Themen mehr Fingerspitzengefühl und mehr handwerkliches Geschick. (Welches ich dir generell nicht abspreche, aber hier hast du es nicht gezeigt). Denn so erinnert mich deine Geschichte mehr an einen schlechten und unausgegorenen Schulaufsatz, als an den Versuch, dich mit dir und einer bestimmten Lebenssituation auseinander zu setzen.

Tut mir leid, diese Härte, aber ich wäre ein Heuchler, wenn ich dir in diesem Fall eine bessere Note geben würde. ICH kann es nicht. Andere mögen das anders sehen.
Michael

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!