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Leselupe.de > Kurzprosa
Eine Operette. 1999 damals
Eingestellt am 24. 11. 2005 01:37


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nachtfalter
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Operette 1999

..hat sich in ├ľsterreich schon wieder eine neue Regierung konstituiert, welche bei manchen sensiblen Gem├╝tern Schlimmstes bef├╝rchten lie├č. So schlimm ist es nun wirklich nicht gekommen. Wir haben uns wie alle Europ├Ąer an ein Leben mit und nach "Einschnitten" gew├Âhnt und irgendwie ist das doch eh egal, welche Parteien das machen. Ohne Regierung geht es ja auch nicht, das habe ich erst unl├Ąngst bemerkt, wegen so einem dingsdas, ich glaube, es war eine Ausverkaufssituation. Man hat sich schon vorher um die Parkpl├Ątze gepr├╝gelt und dann um die Textilien in den Warenk├Ârben.
Aber das ist ja gar nichts dagegen, was ich unl├Ąngst...

Vorweihnachtliche Stimmung in Wien. auf dem Stephansplatz haben trotzdem Tausende an einer Wahlkundgebung teilgenommen. Sie jubeln einem Mann zu, der laut schreit,droht.
Auf der anderen Seite des Stephansplatzes sind auch viele Menschen angekommen. Die Schriftstellerin E.Jellinek h├Ąlt eine Rede.
Auf dem Platz beginnen die verschiedenen Teilnehmer der verschiedenen Kundgebungen, einander zu beschimpfen, schlagen.
Die Anh├Ąnger des Redners ziehen gr├Âlend durch die Stadt. Es kommt zu ├ťbergriffen durch wild gewordene Teile der Polizei auf friedliche Demonstranten, die Vermummten sind schon abgehauen. Die t├Ąglichen Demonstrationen nehmen kein Ende.
Es wird eine Notverordnung erlassen. An den Arbeitspl├Ątzen werden Leute von anderen Leuten bespitzelt. Sie werden dreist. Es kommt unter fadenscheinigen Vorw├Ąnden zu Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmung von PCs. Sandler und Bettler sind verschwunden, wohin? Auf den Strassen ist kein einziger Schwarzafrikaner mehr zu sehen. Ausl├Ąndische Arbeiter sind gek├╝ndigt worden, um ├Âsterreichischen Arbeiterinnnen Platz zu machen, die haben ihre Pl├Ątze aber noch nicht eingenommen.
Die Kinder blicken vorwurfsvoll mit ihren fragend gro├čen, schwarzen Augen durch die Planken der vielen fahrenden Lastwagen. Sie fahren Richtung Osten. ├ärzte verteilen Beruhigungsspritzen im Dauereinsatz. Eine Aufteilung der Bev├Âlkerung in einen anst├Ąndigen und einen unanst├Ąndigen Teil wird unter gro├čem Beifal der Anst├Ąndigen vorgenommen. Es ist ein Volksfest. Die K├╝nstler k├Ânnen sich nur mehr betrinken, wenn ihnen jemand Geld schenkt f├╝r den Alkohol.
Die gro├čteils aus Ex-Jugoslawien stammenden Hausmeister werden durch die "Wiener Warte" ersetzt. Das Privatleben der Hausparteien wird ausgeschn├╝ffelt, schon vorhandene Dateien werden abgeglichen.
Ein M├Ądchen n├╝tzt die Schlafpause ihrer Mutter, um geschwind zu ihrem Freund zu verschwinden. Es ist schlie├člich Fr├╝hling geworden inzwischen.
Ein Politiker h├Ąlt eine Rede vom Ausmisten", es ist aber keine landwirtschaftliche Veranstaltung. Ein Mann mit Namen Koll greift sich an den Kopf, ein anderer l├Ą├čt sich gleich gar nicht sehen, so ist ein Gesichtsverlust kaum m├Âglich.
Manche Leute haben den Kopf vor lauter Angst verloren, wird es nachher hei├čen.
Jetzt ist die Lage ernst. Ein paar Prominente reden vom Auswandern. Sie schmieden Pl├Ąne in den Kaffeeh├Ąusern der Stadt. Die Ober sind allesamt verl├Ą├člich.
Das Burgteather mu├č seinen Spielplan ├Ąndern, ebenso das Volkstheater. Die kleinen Theater und Kabarettb├╝hnen sind geschlossen. Die Realit├Ąt hat ihre St├╝cke ├╝berholt. Jetzt werden wir von den Politikern versorgt, Kabarett life, un├╝bertroffen, einige Kabinettst├╝ckerln, die gro├če Operette; auch Dramen nat├╝rlich und die ├╝blichen Korruptionskrimis. F├╝r jeden ist etwas dabei.Von den Museen hat nur das kunsthistorische Museum ge├Âffnet. Es h├Ąngen nur artige Bilder darin. Viele B├╝cher sind vom Markt verschwunden. B├╝cher? Ich wache schwei├čgebadet auf...

Im Wochenend-Fernsehprogramm l├Ąuft immer noch ein Porno.Gestern las ich in einer kleinen Zeitungsnotiz von einem Mutter-Theresa-Konvoi, der von der Schweiz nach Triest unterwegs gewesen ist.Es wurden Gewehre aus Steyr(Ober├Âsterreich) gefunden. Sie waren f├╝r Albanien bestimmt. Eigentlich genial.

Zusammenfassend ist zu sagen, da├č auch nicht viel anders regiert worden ist als immer schon. Eine Pointe war neu: Der freiheitliche Rechtspolitiker, von Beruf Tierarzt, wurde zum Frauenminister ernannt. In seinem B├╝ro hing folgerichtig an der Wand eine Kuh. Das war vielleicht nicht die feine Art, aber doch ehrlich. Sch.
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MargareteSch.

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