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Leselupe.de > Humor und Satire
Eine Party im Garten muss sein
Eingestellt am 24. 03. 2007 06:51


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hwg
???
Registriert: Dec 2003

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Das erst kĂŒrzlich ansĂ€ssig gewordene Ehepaar, durch Erbschaft zu einem ansehnlichen Besitz gekommen, will in der kleinstĂ€dtischen Gesellschaft etwas zĂ€hlen. Deshalb muss es unbedingt eine Party geben. Eine „Housewarming-Party“, die frĂŒher ganz schlicht „Einstandsfeier“ hieß, oder auch nur eine „Garden-Party“.

Was ein routinierter PartygĂ€nger ist, der bringt als Gastgeschenk in keinem Falle Blumen oder Konfekt mit, sondern meistens einen leeren Magen. Den nimmt er manchmal, allerdings auch etwas verkatert, wieder mit nach Hause. Auf dem frisch rasierten Gartenrasen empfĂ€ngt die Dame des Hauses den Party-Gast und bittet zum Cocktail. Aus rĂ€tselhaften GrĂŒnden wird der Drink grundsĂ€tzlich nur im Stehen eingenommen, obwohl natĂŒrlich ĂŒberall Hollywood-Schaukeln, KorbstĂŒhle und PolsterbĂ€nke auf ihre Inbetriebnahme warten.

Weil aber die Geladenen in der einen Hand meistens das Glas und in der anderen das Sandwich haben, können sie sich gegenĂŒber dem hinzugekommen Hausherren nur verbeugen, wie die Lipizzaner bei einer VorfĂŒhrung in der Hofreitschule. Dann geht’s hinĂŒber ans kalte Buffet, das unter dem Holunderbusch aufgebaut ist. WĂ€hrend des Schmatzens stoßen die Leute immer wieder kleine, spitze Schreie des EntzĂŒckens aus. Und ĂŒberschlagen sich nach jedem verspeisten Salamiradel in lĂ€cherlichen Superlativen.

Indes hat sich hinten am Holzkohlengrill, an dem ein Schaschlik brutzelt, eine kichernde Gesellschaft von Dreiviertel-Ladies um den Sohn des Hauses, der den Modeseiten einer Jugendillustrierten entsprungen zu sein scheint, versammelt. Soeben ist dem FrĂ€ulein Mona, deren Vater seinen Reichtum dem unermĂŒdlichen Einsammeln von Gallenblasen im nahe gelegenen Krankenhaus verdankt, ein abspringender Funke ins DekolletĂ© gefallen. Worauf der erst kĂŒrzlich der PubertĂ€t entwachsene Sprössling der Erröteten sofort ein paar Tropfen Martini trocken in die Busenschlucht nachschĂŒttet in der Absicht, diese danach wieder trocken zu legen.

SpĂ€ter folgt dann noch eine Lampion-PolonĂ€se. Und die Damen treten flugs Tausende von tiefen Absatzlöchern in den englisch getrimmten Rasen, von dem sonst jeder krabbelnde RosskĂ€fer mit einem Elektroschock verjagt wird. Auch als die Dame des Hauses laut lachend rĂŒckwĂ€rts in die Rosen fĂ€llt, macht das fast gar nichts. Juhu, juhu!

Allerdings gibt es auch eine bestimmte Sorte von Party-GĂ€sten, die sich vor jeder Einladung den Magen auspumpen lassen und die Anzugtaschen innen mit Wachstuch gefĂŒttert haben zum Heimtransport der Überbleibsel. Diese Mitesser dĂŒrfen nirgends fehlen und gehören zur Society wie der Henkel zum Bierkrug. Im Party-Slang heißt man sie deshalb auch „Party-Partisanen“.

Eine Woche spÀter die Einstandsfeier in der Heimatzeitung als das glÀnzendes Jahresereignis beschrieben.

__________________
-hwg-

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

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Ich wĂŒrde diese Thematik anders versuchen aufzuziehen:
1) Zuerst mal nicht so neutral nur mit einer AufzÀhlung der Charaktere auf einer Gartenparty. Das macht das zu anonym, zu sehr gegen ein Stereotyp gerichtet.
2) Auch bedeutet diese Art, dass man sich nur ĂŒber andere mokiert, also Finger zeigt, und das wirkt mit der Zeit auf den Leser unsympathisch
3) Bringe das Ganze aus der Sicht einer Person (Du z.B.). Siehe Dir dazu Peter Seller in "Der Partyschreck" an. Wir erleben die Partygesellschaft aus den Augen von Peter Sellers Charakter, aber auch ihn selber. Das macht den Film so sympatisch, wir können uns mit ihm identifizieren, zugleich aber auch seine Makken erkennen
4) Metaphern: Du hast zumindest eine Metapher darin versucht
---snip---
[..] können sie sich gegenĂŒber dem hinzugekommen Hausherren nur verbeugen, wie die Lipizzaner bei einer VorfĂŒhrung in der Hofreitschule[..]
---snip---
Mach die stÀrker, bring eine abstrusere Metapher rein. Die Lippizaner sind zu elegant, beschreib das in einer lÀcherlicheren Form
5) "Das erst kĂŒrzlich ansĂ€ssig gewordene Ehepaar": benamse die, lass sie lebendig werden.

Marius
__________________
Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor fĂŒr Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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Pete
Guest
Registriert: Not Yet

Sehr schöne Satire. Auch mit der ErzÀhlform habe ich keine Probleme.

Nur der Schluss wird dem Text nicht gerecht. Nach dem gelungenen Hauptteil habe ich etwas mehr erwartet, eine Pointe, oder sogar eine Pointe mit Überhöhung, wie in einem guten Witz. Das könnte auch eine abstruse These sein, die zuanfangs zitiert und am Ende bestĂ€tigt wird (z.B. "Dinnerparties machen impotent!", ist aber nur ein Beispiel).

Nach diesem vielversprechenden Werk werde ich mir aber sofort Deine anderen Texte ansehen.

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