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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Pfeife zu Weihnachten
Eingestellt am 18. 01. 2016 16:15


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John House
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2015

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Ich w├╝nsche mir eine Pfeife zu Weihnachten, ich wei├č immer noch nicht wof├╝r, aber ich w├╝nsche mir eine Pfeife zu Weihnachten. Vielleicht liegt es daran, dass der Poet in mir langsam wieder w├Ąchst, wieder gedeiht, wiederkommt. Er war lange Zeit verschwunden und ich suchte ihn vergebens, denn man kann ihn nicht finden, aber jetzt, wo es drau├čen, kalt, grau und wundersch├Ân und drinnen warm, duftend und friedlich ruhig ist, da kommt er wieder und ich sag euch warum ich das wei├č. Meine Haare wachsen wieder lang, sie waren kurz, milit├Ąrisch kurz und ohne jede Romantik, aber cool und praktisch und irgendwelche anderen, unwichtigen Sachen und genauso versuchte ich cool und praktisch zu sein, doch der Poet kommt wieder und ich werde kompliziert und voller w├Ąrmender Sehnsucht. Mein Fett kommt wieder, es legt sich seicht und sachte um meinen Bauch, doch ├╝ber den Sommer war es weg, ich war gerippt und viel zu stolz darauf, ich begann genauso zu prahlen und breit zu laufen, wie die Typen aus den ganzen Schulen, die ich nun bel├Ąchele. Jetzt, gehe ich nur noch trainieren um mich durch die Qual zu bringen, die mein Gewissen bereinigen soll, aber nicht, um gerippt zu sein. Mein Fett legt sich wieder um mich und es interessiert mich nicht, denn mit ihm kommt die heilige friedliche Ruhe in mir zur├╝ck, die ich habe, wenn ich gro├če vergilbte B├╝cher in meinem Schaukelstuhl lese, der hundert Jahre alt ist und wie alt ist euer Fitnessstudio? Ich lese vergilbte, dicke B├╝cher in diesem Schaukelstuhl, manche sind romantisch und poetisch geschrieben und ein Wolfe heult in mir auf, Thomas Wolfe, manche jedoch sind englisch und spontan geschrieben und nie in meinem Leben werde ich jedes Wort verstehen, doch ihre verzaubernde Melodie w├Ąchst in meinem auf und ab bl├Ąhenden Herzen. Mein Tisch ist voll von leeren Tassen und angetrockneten Tees├Ącken, Pfefferminzduft vermischt sich hier mit dem Geruch aus einer weiteren Tasse, der Geruch von hei├čen, starken Kaffe, der D├Ârfer und nicht der Geruch von Automatenkaffe der Schulen und B├╝ros und auch nicht der Duft von kalten, h├Ąsslichen Eiwei├čshakes, k├╝nstlich und schwer im Magen liegend. An manchen Tagen weht hier und da noch Heizungsluft durch den Raum und l├Ąsst mich meine dicken B├╝cher weglegen und d├Âsen in meinem alten, treuen Stuhl. Mein K├Ârper will aufschrecken, wenn er tief und h├Âlzern knackt, doch ich wei├č, dass er in diesem und im n├Ąchsten Leben nicht verbrechen wird und wenn der Frieden einmal enden sollte und alles, ja wirklich alles von dieser Fassade von Fitness und Gesundheit im Krieg zugrunde geht und ihr alle dumm aus der W├Ąsche schauen werdet, weil euch das alles verdammt und ├╝berrascht, ja da wird mein Schaukelstuhl stehen bleiben und niemand wird die vergilbten, dicken, B├╝cher neben ihm verbrennen, denn sie sind wahrhaftig, heilig. Und ich kann weiter darin sitzen, vielleicht die Uniform der Marine an, kurz bevor das n├Ąchste Einsatzschiff in die kriegerischen Fluten der zerstrittenen Welt auslegt und Joyce oder Thomas Wolfe lesen und wei├č, dass das alles seinen Zweck hat und mein Fett und mein Haar und mein Zauber mich besch├╝tzen wird, drau├čen in der verkommenden Welt. Der Geist ist h├Âher als der K├Ârper es je sein kann, vergiss das nie, mein verlorener Leser, also wenn du ein warmes L├Ącheln hast und einen sehns├╝chtigen Glanz in deinen tr├Ąumerischen Augen, dann such dir jemanden, der diese Weisheit zu sch├Ątzen wei├č und erkennt, anstatt jemanden, der dich gerippt und traurig machen wird. Also alles was mir noch fehlt ist diese eine Pfeife. Ich w├╝rde meine Eltern ├╝berreden sie in meinem Zimmer zu rauchen und den winterlich saftigen Duft und Rauch durch mein Zimmer verspr├╝hen, w├Ąhrend ich durch meine Sagen lese oder schreibe und dieser Rauch wird meine B├╝cher noch gelber und meine Seele noch reiner machen, denn es ist irgendein Zauber in einer Pfeife, ein St├╝ck Romantik und deswegen w├╝nsche ich mir eine Pfeife zu Weihnachten.

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