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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Respektsperson namens Mausi
Eingestellt am 17. 08. 2003 22:29


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flammarion
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Eine Respektsperson namens Mausi

Ihre ersten Sommerferien durfte Kathrin bei Tante Charlotte und Onkel Alfons auf dem Lande verbringen. Tante und Onkel hatten drei Kinder, Sabrina, Annica und Florian. Sie fĂŒhrten Kathrin auf dem Hof herum und zeigten ihr alles, den Kuhstall, den Schweinekoben, die Kaninchen und die HĂŒhner.
Da hatte Kathrin ihre erste Begegnung mit Mausi die bis dahin im HĂŒhnergatter eingesperrt war. Die Gans kam mit RiesensprĂŒngen auf die Kinder zu, begrĂŒĂŸte sie mit schrillem „Gigaka!“ und setzte sich dann vor Annica auf den Boden. Mit schiefgelegtem Kopf beĂ€ugte sie das fremde MĂ€dchen, schien aber bald festzustellen, dass das Kind zur Familie gehörte. So wackelte sie mit dem BĂŒrzel und ging ihrer Wege.
„Das ist Mausi“, erklĂ€rte Florian. „Sie ist unsere BeschĂŒtzerin.“
Kathrin erfuhr nun, dass eine Gans mitunter ein besserer Wachhund ist als der treueste SchÀferhund, und vor allem unbestechlich. Einen Hund kann man leicht mit einer Wurst verlocken, eine Gans aber verlockt man mit gar nichts.
Nachdem Kathrin auch die Hauskatze und den Hund unbestimmbarer Rasse begrĂŒĂŸt hatte, kannte sie alle Tiere des Hofes und beneidete die Verwandten um ihren Reichtum. Sie wusste ja nicht, wie viel Arbeit man mit all den Tieren hat!
Nach dem Mittagessen sollte Kathrin auch das Dorf kennen lernen, besonders den schönen kleinen Park. Kaum traten die Kinder auf die Straße, stolzierte Mausi schon vor ihnen her. Obwohl sie nicht wusste, wohin die Kinder wollten, fĂŒhrte sie die Schar an, wie es eine gute GĂ€nsemutti nun mal tut.
Die Kinder erzĂ€hlten, dass sie Mausi einst als ganz kleines, hilfloses KĂŒken auf der Wiese gefunden hatten. Sie wollten dem Bauern, dem die GĂ€nseschar gehörte, das Tier zurĂŒckgeben, aber der sagte: „Das Krepierl könnt ihr behalten.“
Mausi wurde von allen geliebt, gehegt und gepflegt und wurde bald ein Prachtexemplar von Gans. Und aus Dankbarkeit hĂŒtet sie nun den Hof und die Kinder, als wĂ€ren es ihre eigenen.
Unter diesem ErzĂ€hlen waren die Kinder bei dem Park angelangt, dessen Mittelpunkt einige hundertjĂ€hrige Eichen bildeten. FĂŒr die Kinder aber war das Planschbecken der Mittelpunkt. Im Nu waren sie im Wasser, planschten und spritzten, dass es eine Lust war und tollten mit anderen Kindern herum. Mausi stolzierte am Ufer entlang – sie wusste, dass sie nicht in das Becken durfte. Ein StĂŒck weiter auf der Wiese knabberte eine GĂ€nseschar am Gras und Mausi gesellte sich zu ihnen.
Kathrin bemerkte das und rief: „Auweia, die sehen ja alle gleich aus! Wie wollt ihr denn Mausi da wiederfinden?“ – „Keine Sorge“, tröstete Sabrina, „Mausi hört auf ihren Namen. Wenn wir nach Hause gehen, brauchen wir sie nur zu rufen.“
Irgendwann hatten die Kinder genug getollt und rĂŒsteten zum Heimweg. Florian sagte: „Wir machen einen kleinen Umweg, denn etwas mĂŒssen wir dir noch zeigen, was ganz Schönes!“
Sie gingen eine kleine Steintreppe hinab, die von einem Spalier umgeben war. Durch das dichte Blattwerk drang nur wenig Licht und es duftete stark. Außerdem hörte Kathrin neben sich ein Rauschen. Am Ende der Treppe klĂ€rte sich alles auf: sie standen vor einem Wasserfall, der aus dem Planschbecken gespeist wurde. Das Wasser fiel in ein halbrundes Becken. In der Mitte schoss eine vierstrahlige FontĂ€ne in die Höhe. Die Strahlen endeten in vier kleinen, halbrunden Becken, wo ebenfalls kleine FontĂ€nen sprudelten. Und das Ganze war eingefasst von prĂ€chtig blĂŒhenden RosenstrĂ€uchern. Kathrin seufzte: „Ach, ist das schön!“ und faltete unwillkĂŒrlich die HĂ€nde vor der Brust.
Sabrina, Annica und Florian schmunzelten. Nach einer Weile sagte Sabrina: „Ja, und weil wir hier diesen schönen Brunnen haben, ist das alte Gutsherrenhaus in ein Hotel umgebaut worden. Die Leute hinter uns auf den BĂ€nken sind alle Urlauber.“
Endlich hatte Kathrin sich sattgesehen an der Pracht und sie wollte nach oben gehen, wo Mausi ja noch auf der Wiese war. Florian hielt sie zurĂŒck: „Wir können sie von hier aus rufen. GĂ€nse haben ein feines Gehör.“
Als sie an den Urlaubern vorĂŒber kamen, grĂŒĂŸten die Kinder höflich. Kaum jemand erwiderte den Gruß. „Jaja, die StĂ€dter!“, klagte Annica, „Nicht die Spur von Benehmen!“
Kathrin prustete. „Warum lachst du?“, fragte Florian. „In der Schule habe ich gehört, dass Bauern kein Benehmen haben!“ Nun lachten alle.
„Wir mĂŒssen Mausi rufen!“, erinnerte Annica. Die drei Geschwister riefen nacheinander: „Mausi!“, jeder in einer anderen Tonlage. Danach alle zusammen: „Wir gehen nach Hausi!“
Dann setzten sie ihren Weg fort. Schon nach wenigen Schritten wurden sie von der Gans flatternd ĂŒberholt. „Toll, was Mausi alles kann!“, sprach Kathrin bewundernd.
„Hach, die kann noch viel mehr! Soll ich dir mal erzĂ€hlen, was sie gemacht hat, als wir den Hund und die Katze bekamen? Die beiden waren noch ganz kleine Babys, Mausi aber war schon erwachsen. Sie hat tatsĂ€chlich versucht, den Hund und die Katze zu fĂŒttern! Sie brachte ihnen WĂŒrmer und Schnecken, und der Hund hat das auch gefressen! Wenn wir es nicht selber gesehen hĂ€tten, wir wĂŒrden es nicht glauben.“, sprudelte Annica hervor.
Kathrin hatte keine Ahnung, dass das etwas Besonderes ist, aber sie nickte anerkennend.
Beim Verspeisen des köstlichen Pflaumenkuchens, den Tante Charlotte in der Zwischenzeit gebacken hatte, wollte Kathrin wissen, wie Mausi zu ihrem Namen gekommen war? Die Tante erzĂ€hlte, dass man bei so kleinen KĂŒken noch nicht erkennen kann, ob man einen Jungen oder ein MĂ€dchen vor sich hat. Darum wurde ein Kosename ausgewĂ€hlt. Und eine Gans Mausi zu nennen, ist doch lustig, oder?
Kathrins schönste Ferienerinnerung blieben fĂŒr alle Zeit der von Rosen umgebene Wasserfall und die Respektsperson namens Mausi.

__________________
Old Icke

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Magnolia
Wird mal Schriftsteller
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gefÀllt mir sehr!

Eine wunderschöne Geschichte, so lebendig und frisch erzĂ€hlt. Wie eigentlich alle deine Texte, sie bereiten immer wieder besonderen Genuss, sie zu lesen, denn dein Stil ist unnachahmlich gut. Du besitzt eine besondere Gabe des Schreibens, und verstehst es auch, diese gekonnt einzusetzen. Viel Erfolg und Spaß am Schreiben weiterhin -

wĂŒnscht mit lieben GrĂŒĂŸen-
Magnolia

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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oh,

vielen dank fĂŒrs lesen und loben.
ja, schreiben soll spaß machen und das lesen noch mehr.
ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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