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Leselupe.de > Humor und Satire
Eine Ritze und zwei Kisten
Eingestellt am 28. 10. 2004 22:35


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plumbumber
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2004

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Eine Ritze und zwei Kisten







Monoton summt der Dynamo. Die Lampe spuckt ihr Licht auf den Weg. Geblendet schrecke ich hoch. Ein Moped fĂ€hrt vorbei, gleich kommt die Kurve, dann die BrĂŒcke. Verschlafen trete ich in die Pedalen und falle wieder in eine Art DĂ€mmerzustand.

Ich trĂ€ume von Heike. Sehe sie wieder vor mir liegen. Strieche ĂŒber ihren zarten Busen mit dem kleinen Leberfleck. Er hebt und senkt sich wie Wellen, die an eine sanfte KĂŒste rollen, streiche ĂŒber ihren Bauch, berĂŒhre die Narbe wo ...... Mein Rad bĂ€umt sich auf. JĂ€her Schmerz durchfĂ€hrt meine Finger, geht hinauf bis zu den Ellenbogen. Hellwach fluche ich „Mistschranke“. Reiße die Handschuhe herunter, bewege die Finger, nichts gebrochen? Nein! GlĂŒck gehabt! Der Tag fĂ€ngt ja gut an. Ich drehe mich um. Der VieruhrfĂŒnfziger fĂ€hrt vorbei.

Ich hebe das Rad auf, drehe den Lenker gerade und schiebe es ĂŒber die Schienen. Den schmerzenden Zeigefinger im Mund, fahre ich los. Der Dynamo surrt.

Ich stehe vor meinem Spind und ziehe mich um, denke bei mir: Die Woche ist wie angestemmt. Geklapper lĂ€sst mich zu mir kommen. Schnell schlĂŒpfe ich in die Schweißerkombi, es ist fĂŒnf vor halb 7. Jeder PfĂŒtze ausweichend, sprinte ich zur „Villa“. Villa? Eigentlich unsere Werkstatt. Eine wacklige Holzbaracke mit einerverbeulten TĂŒr. Die WĂ€nde sind kahl und schwarz gerußt. Daneben ein schĂ€biger Haufen Dreck und Abfall. In ihr eine Kiste mit verrottetem Werkzeug, drei StĂŒhle ein Hocker und einer Werkbank. Diese ist zwischen den Schraubstöcken gepolstert wie ein Diwan. Darauf aalt sich Karl Deppert, mein Chef und liest die FUWO „Fußballwoche“. Ich mache es mir auf der Bank bequem. Bis zum FrĂŒhstĂŒck lĂ€uft so und so nichts.





Endloses Kreischen. Funken sprĂŒhen. Mein Körper vibriert. Silbern glĂ€nzt das Metall. Jetzt stehe ich hier schon seit zwei Stunden und schleife, schleife und schleife. Der Brigadier sitzt auf seiner Kiste und erklĂ€rt: Zum schleifen brauchen wir hochqualifizierte Kader. Wenn ich mich da an Heini erinnere, der hat die Schleifscheibe immer mit dem Knie gebremst. „GelĂ€chter“. „Gott gab uns die Zeit und von Eile war keine Rede.“ Er setzt die Bierpulle an.

Ich fĂŒhle mich, als ob mir einer einen gebrauchten Tag angedreht hat.

Aus den funken werden kleine Teufel. Sie springen umher und lachen. Frech stecken sie mir die Zunge heraus und wackeln mit den Ohren. Ich drĂŒcke das Metall fester auf die Schleifscheibe. Es werden immer mehr Teufel. Sie springen immer wilder und kreischen ohrenbetĂ€ubend laut. „Bist du bemalt!“ schreit der Brigadier. Der ganze Bohrer versaut!



11,45 Uhr, endlich Mittag. Wurde ja auch Zeit.

Sie sind alle da. Der Meister, der Brigadier und all die lieben Facharbeiter. Wie ĂŒblich hat der Meister das GesprĂ€ch an sich gerissen. Was soll jetzt schon kommen außer Thema Nummer Eins! Kann und darf man nicht mehr, erfindet man immer besseres ĂŒber die guten alten Zeiten. Jeden Tag das gleiche. Ich döse ein



Sie sehen mich an. Was wollen die? „Eh Langer, erzĂ€hl mal was von deiner Heike. Na hast du sie schon?“ Jetzt haben sie mich. Deppert mit seinen dummen Texten. Na warte, ich werde eure Neugier schon befriedigen. „Was soll ich da groß erzĂ€hlen beim ersten mal, ich wollts französisch, sie indisch. Nach dem vierten mal sind wir richtig klargekommen.“ Depperts Mund steht offen. „Vier mal?“

Langsam lege ich meinen Kopf wieder in meine Arme und trÀume von Heike.

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flammarion
Foren-Redakteur
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hm,

sehr nette geschichte. gestolpert bin ich ĂŒber den ausspruch "bist du bemalt?" ist da wirklich eine bemalung gemeint oder meint es den spruch aus meiner kindheit "Der is ja mallekrank"? dann sollten da zwei l hinein.
lg
__________________
Old Icke

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Lotte Werther
Guest
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An plumbumber

"Ich fĂŒhle mich, als ob mir einer einen gebrauchten Tag angedreht hat."

FĂŒr diesen Satz allein hat sich die LektĂŒre deiner kleinen Skizze gelohnt.
Es gab fĂŒr mich noch einige SĂ€tze, an denen ich wegen ihres berufsspezifischen oder Lokalkolorits Gefallen fand.

Die Woche ist wie angestemmt.

„Bist du bemalt!“


Du hast einige Schnitzer drin, die du bei genauem Lesen selbst finden kannst. Kleinschreibung von Substantiven, Ziffern, die du ausschreiben solltest, zu großer Abstand zwischen manchen AbsĂ€tzen. Das sind Formfehler, die dem Text nicht schaden, aber beim Lesen stören.

ÜberflĂŒssig sind Adjektive, die zum markigen und doch sympathischen Grundton der Geschichte nicht passen:

Daneben ein schÀbiger Haufen Dreck und Abfall.

Gibt es denn auch Dreck, der nicht schÀbig ist?

Sie sind alle da. Der Meister, der Brigadier und all die lieben Facharbeiter.

Das Adjektiv "lieben" nimmt dem Satz die Kraft und macht ihn typisch "weiblich".

Am Schluss diese Bemerkung von mir: Noch habe ich den Tag vor mir. Doch egal wie er wird, werde ich dich heute irgendwann zitieren:

"Ich fĂŒhle mich (nicht), als ob mir einer einen gebrauchten Tag angedreht hat."

Lotte Werther

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noel
???
Registriert: Dec 2002

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ola



der von lotte zitierten satz

quote:
Ich fĂŒhle mich, als ob mir einer einen gebrauchten Tag angedreht hat
.

hat es mir auch angetan. kurz, prÀgnant.

auch das zweigleisige des textes macht freude beim lesen.

ĂŒber was ich gestolpert bin, ist das ende

quote:
Deppert mit seinen dummen Texten. Na warte, ich werde eure Neugier schon befriedigen. „Was soll ich da groß erzĂ€hlen beim ersten mal, ich wollts französisch, sie indisch. Nach dem vierten mal sind wir richtig klargekommen.“ Depperts Mund steht offen. „Vier mal?“

deppert mit seinen dummen texten(?) wer ist hier gemeint?
der na warte satz auget mir nicht, ala `show, don't tellÂŽ.
und das die vier mal, bei einem mal geschehen sind, sollte mit gestern nacht hatten wir erst o.Ă€. eingeleitet werden...


meint noel, fertig genölt und gerne gelesen
__________________
© noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der ToxizitÀt, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level) .

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MDSpinoza
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Der mit dem gebrauchten Tag lÀuft Gefahr, zum SelbstlÀufer zu werden. Ausgezeichnet! Eine echte, unverfÀlschte und nicht "korrigierbare" 9!
__________________
Lieber ein verfĂŒhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂŒhrer...

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