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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Eine Schnur zum Himmel
Eingestellt am 09. 01. 2004 11:39


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haljam
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

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Mein Vater hat an meinem Geburtstag nicht angerufen, um mir zu gratulieren. Was ist los? Was ist los mit ihm? Was ist los mit uns?

Auch Serap und Henk haben sich nicht gemeldet. Bin ich ihnen so wenig wichtig???

Bin ich für die nur so ein doofes Stück Scheiße? Ein Kuhfladen im Allgäu?

Oder ist das Gedankenlosigkeit? Ja, danke für Gedankenlosigkeit! Ich scheiße drauf, bin wütend, aber so innerlich wütend, enttäuscht wütend, ohne Kraft, ohnmächtig wütend, resigniert und resignierend wütend. Aha, ich bin denen nicht besonders wichtig!

Ja wenn’s jetzt um Corinna und Lothar gegangen wäre oder um Ramona und Jürgen... Aber mich, mich kann man ja vergessen...

Mein Vater, der interessiert sich ja nur noch für seine neue Lebensgefährtin. Seit meine Mutter tot ist, hat sich viel geändert.

Und seit einigen Monaten immerzu „Ulrike hier – Ulrike da“ – und alle anderen sind in die tiefste Bedeutungslosigkeit abgesunken.

Ich bin enttäuscht!

Ist das liebeskrank? Ist das liebessĂĽchtig? Oder wie heiĂźt solch ein merkwĂĽrdiges Verhalten? Was geht im Kopf von solchen Menschen vor, Menschen in diesem ganz besonderen Zustand: schwanzgesteuert? Wenn das Leben von den sexuellen Trieben dominiert wird. SexsĂĽchtig?

„Ich ging mit meinem gierigen Schwanz
und Rosalind zum Liebestanz!“

Tolles Lied! Von wem? WeiĂź ich nicht mehr! Aber: tolles Lied! Ganz tolles Lied, trifft den Nagel auf den Kopf!!!

So viel bin ich meinem Vater also wert: nichts.

Ich bin nur sein Sohn! Und Melanie ist nur seine Tochter!

Klasse. In meiner Klasse war damals mehr Zusammenhalt als in unserer Familie! Die wussten alle, wann ich Geburtstag hatte! Gut, da war dieser Kalender an der Wand, als Gedächtnisstütze... – aber warum sollte mein Vater es nicht ähnlich machen?!?

Seit meine Mutter tot ist, ist alles anders. O Gott, warum muss das alles so schwer und kompliziert sein? Erwarte ja gar keine Liebe, nur ein biĂźchen Aufmerksamkeit.

„Gnade vor Recht“ – aha.

Da war er groß, in der „Rechtsprechung“, ganz groß war er darin, der Herr Lehrer, der Herr Oberlehrer! Immerzu Quiz, immer wieder Quiz, auf Kindergeburtstagen, bei Familienfeiern und Familienfesten, wenn Besuch da war: die anderen Menschen auf die Probe stellen, die anderen prüfen, um von sich selbst abzulenken, von sich selbst ablenken, irgendwie, nur dass es geschieht – genau wie seine neue Freundin, die von den Bildern ihres Vaters erzählt, den sie kaum kennt, unehelich geboren, wie sie nun mal ist, aber es lässt sich trefflich von der eigenen Person ablenken auf diese Weise – pfui, ich verachte solch ein Handeln!

Ja, gut, sofort tritt die moralische Instanz in mir in Erscheinung: mit dem Finger, mit dem ich auf andere zeige, weisen immer drei Finger auch auf mich zurück – in welchen Lebenszusammenhängen verhalte ich mich genauso, verhalte ich mich vergleichbar, als Sohn meines Vaters?!?

Ich weiß es nicht. Weiß es nicht auf Anhieb. Bin schließlich keine Afrikanerin, mit viel tiefer sitzendem Gefühl, viel besser ausbalancierter Intuition, viel unverfälschterer Sinnfindung. Aber vielleicht ist das dort in Afrika auch nicht mehr so, schon längst nicht mehr, im Zuge der Globalisierung nähern wir uns weltweit alle an in unseren Befindlichkeiten und Kompliziertheiten. Vielleicht noch ein Schamane in Polynesien, oder ein Eingeborener in Australien oder Neuseeland, oder ein Inuit – aber die haben doch alle schon längst Fernsehen und nordamerikanische Softdrinks wie alle anderen auch. Alle genormt. Weltweit genormt. („Genornt“ hatte ich zuerst geschrieben – tolle Freudsche Fehlleistung: von den Nornen, den Schicksalsgöttinnen, dominierte Leben weltweit...)

Nun ja, so ist das Leben – aber so muss es nicht sein!

Es gibt IMMER, IMMER, IMMER Alternativen! Verdammte Alternativen! Gangbare Alternativen. Weiche Alternativen und harte Alternativen. Konstruktiv und destruktiv. Aufbauen oder einreißen. Das Gefühlsband zwischen Menschen zerreißen oder es aufbügeln, es umsäumen, es neu „versäumen“.

Die Gefühle in die Änderungsschneiderei der Neubesinnung geben oder sie auf dem Markt der Tausend Möglichkeiten vertrödeln... – du hast fast immer die Wahl!

Manchmal, denkst du, geht es nicht anders als mit Gewalt, niederreißen mit Gewalt, wie eine Jahrzehnte andauernde Diktatur niedergerissen wird, wie die Diktatur Saddam Husseins im Irak beispielsweise. Eine Diktatur verquaster Terror-Gefühle... – ach, vergiß es! Vergiß es einfach!

Noch einmal neu beginnen, ganz neu beginnen, einfach neu beginnen, ganz einfach neu beginnen!

Ah. Wie? Staunenden Auges stehst du vor dem Scherbenhaufen. So also sieht das alles auf, wenn es in sich zusammengefallen ist...

Das war alles haltlos, weil der innere Halt fehlte. Weil alles unausgewogen, unausbalanciert, verlogen, verbogen, geheuchelt war. Nichts Echtes. Nichts Wahres. Einfach Mache. Irgendwie gemacht, aber nicht gut gemacht.

Deshalb: kaputt. In seine Einzelteile zerfallen, wartend auf den Neubeginn, auf den Wiederaufbau nach dem Wirbelsturm zerstörender, zugleich reinigender Gefühle. Naja, wollen wir mal sehen. Was gibt’s denn da? Stein auf Stein...

„DIE FERNE ZARIN“ – JETZT!

Meine Tante erzählte mir am Telefon, sie sei ihm kürzlich noch mal begegnet, und da sei er ziemlich „schlecht drauf gewesen“... Na und? Ist das etwa ein hinlänglicher Grund dafür, mich nicht anzurufen und mir nicht zum Geburtstag zu gratulieren?!?

Warum funktioniert die Kommunikation nicht in beide Richtungen? Oder: Funktioniert sie denn ĂĽberhaupt?

Was kommt denn von mir selber, was kommt an GefĂĽhlen, was kommt an Interesse?? Tja...

Ein lichter Augenblick der Erkenntnis in meinem Leben.

Was ist möglich? Was ist sinnvoll? Aneinander denken – wann und wie oft? Wie regelmäßig? Wie schnell nutzt sich das Floskelhafte doch auch ab!

Was ist organisch und echt? Fragen ĂĽber Fragen.

Kleinigkeiten.

„Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Freundschaft.“

Freundschaft – was ist das?

Vor Jahrzehnten war es wichtig für mich, herauszufinden: „Liebe – was ist das das?“ So der Titel eines Buchs damals.

Heute: „Freundschaft – was ist das?“

Oder: „Familie – was ist das?“

Ich bin nicht länger bereit, alles mitzumachen, was andere von mir verlangen, erwarten, wünschen, wollen!!!

Neudefinition. Neudefinitionen. Den eigenen Standpunkt neu bestimmen!

Klarheit. Transparenz.

Das Licht der Erkenntnis.

Der Apfel vom Baum der Erkenntnis. Wie hieĂź noch gleich dieser andere Baum?

„Im Strudel“

Im Strudel des Lebens,
im Strudel der GefĂĽhle,
im Strudel der zwischenmenschlichen Beziehungen!

Auch andere stecken in solchen Strudeln. Die meisten Menschen stecken in solchen Strudeln.

Aziza Mustafa Zadeh: „jazziza“.

Im Herbst haben wir mal einen tollen Drachen gebastelt, mein Vater und ich zusammen. Ein riesengroĂźer Drachen mit einem riesigen Gesicht aus Deckfarbe, einem langen Schwanz und einer fast endlos langen Schnur zum Himmel. Als alles fertig war, sind wir auf die Stoppelfelder gegangen und haben ihn steigen lassen (gelassen?)

Gelassen. Ja, Gelassenheit ist die Mutter aller Entwicklung...

„Mein Vater und ich“

Der mir das Geigen beibrachte, leider falsch beibrachte. Vielleicht läuft ihm das bis heute noch nach. Weil so vieles falsch war, was er tat. Weil er selbst meinte, dass so vieles „falsch“ war, was er tat. Weil meine verstorbene Mutter meinte, dass so vieles „falsch“ war, was er tat.

Was ist „falsch“?!?

Was mache ich selber „falsch“? Und noch einmal: Was ist „falsch“?!? Und im Gegensatz dazu gefragt: Was ist „richtig“?!?

Elementare Philosophie – JETZT!

„Fly like an eagle“ – von Don Cherry? Oder von wen?

Milch holen. Rein praktische Dinge kommen im Leben auch gelegentlich mal vor...

Mit den Augen gezwinkert...

„DIE FERNE ZARIN“

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