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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Sommerliebe
Eingestellt am 25. 07. 2002 17:22


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Dietrich
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2002

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Eine Sommerliebe

Es war weit nach Mitternacht, die Hitze schwer, dr├╝ckend und unertr├Ąglich wie eine hei├če Decke auf unseren verschwitzten K├Ârpern. Von drau├čen das gleichf├Ârmige Zirpen der Zikaden, und der Wind von S├╝den lie├č die Fensterl├Ąden klappern. Selbst der Wind brachte keine Abk├╝hlung. Er kommt aus der Sahara, hast du mir ins Ohr gefl├╝stert. Wieder stehe ich oben an der Reling, als das Schiff ablegt. Doch diesmal halte ich kein Band in der Hand. Dessen Band zuletzt rei├čen wird, der wird zur├╝ckkommen auf die Insel, sagtest du lachend. Wir versuchten den Abschied mit Belanglosigkeit zu ├╝berdecken, mit Freundlichkeiten und Lachen, das uns nicht so leicht ├╝ber die Lippen wollte. Du hattest dein schwarzes Kleid an und hieltest das andere Ende des Bandes, das wir aus Papier geflochten hatten. So verloren bist da unten gestanden. So viele B├Ąnder, in allen Farben. Unser Band riss nicht als letztes. Dennoch bin ich zur├╝ckgekommen. Kleine Perlen glitzerten auf deiner Stirn, als wir am Kai standen und hilflos versuchten die Zeit anzuhalten. ├ťber dem Pflaster flimmerte die Hitze unter der Mittagssonne. Wir standen dort bis zur letzten Minute. Drei Wochen habe ich dich gesucht. Als das Schiff die Hafeneinfahrt passierte, sah ich dich immer noch. Du bist vorgelaufen bis zum Ende des Kais. Ein schwarzer Punkt, der immer kleiner wurde. Ich h├Ârte dein Herz schlagen in jener Nacht. So gleichm├Ą├čig und stark wie das Klopfen des Kupferschmieds. Ich bin die kleinen Gassen hinauf und hinuntergelaufen, habe das Cafe besucht, in dem wir abends so oft sa├čen. So viele Worte hast du in mein Ohr gefl├╝stert, Worte in einer fremden Sprache. Wenn wir abends in die Stadt gingen, bist du immer barfu├č gelaufen. Die Hitze kroch die W├Ąnde hoch, zw├Ąngte sich durch die Ritzen der Fensterl├Ąden. Und unsere verschwitzten K├Ârper verschlangen sich. In deinem Haus wohnen jetzt andere Menschen. Wir wussten, dass es keine Zukunft gab. Trotzdem habe wir uns aneinandergepresst und festgehalten, als wollten wir die Zukunft nicht zulassen. Antonia! Antonia! rief deine Mutter unten auf der Stra├če. Wir haben uns nur noch mehr ineinander verkrallt. Wie oft bin ich am Strand gesessen. Dort, zwischen den beiden Felsen, wo wir immer zum Baden gingen. Dein K├Ârper braungebrannt. Kleine Sandk├Ârnchen an deinen Beinen. Dein schlafendes Gesicht im Schatten, so ruhig, so schutzlos. Ganz nahe lag ich neben dir, wagte nicht, dich zu ber├╝hren, dich zu wecken. Jetzt stehe ich wieder hier oben. Zwei M├Ąnner l├Âsen die Taue, die letzte Verbindung zur Insel. Die gleiche sengende Hitze, die das Atmen schwer macht. In der letzten Nacht haben das Band geflochten. Der ganze Fu├čboden war bedeckt. Wir haben versucht zu lachen. Und zwischendurch hast du Spanisch gesprochen, dann wieder in der Sprache deines Vaters. Traurige Worte, die ich nicht verstehen sollte, leise, mit einer seltsam rauhen Stimme. Worte wie Gurren, ein kehliges Raunen, schnell und hastig. Die Motoren lassen das Schiff vibrieren, schon dreht es sich achtern weg vom Kai. Dann rollten wir das Band zusammen und schoben es unter das Bett. Damit wir es nicht sahen. Damit es uns nicht an den n├Ąchsten Tag erinnerte. Aber ich sah deine Tr├Ąne. Eine Tr├Ąne, die ein St├╝ck ├╝ber deine Wange lief. Schon werden die Menschen kleiner. Kein Band. Keine Frau in einem schwarzen Kleid. Mit einem Kuss habe ich die Tr├Ąne mitgenommen. Deine Augen so weit, voll Entsetzen f├╝r einen Moment. Deine Lippen auf meinem K├Ârper, zun├Ąchst sanft und weich und pl├Âtzlich wild, K├╝sse wie Bisse einer Katze, dazwischen wieder die Worte, die ich nicht verstand, das kehlige Raunen und Gurren. Immer kleiner werden die Menschen. Bald sind sie nur mehr kleine Punkte. Keine Frau in einem schwarzen Kleid. Kein Band. Nur Erinnerung wie kleine Narben.






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