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Leselupe.de > Gereimtes
Eine Stunde für Dich ...
Eingestellt am 02. 10. 2002 15:38


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Cassiopeia67
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2002

Werke: 1
Kommentare: 2
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Es ist 6 Uhr, der Wecker klingelt.
Ich drehe mich um und schaue über Deine Schulter.
Du schreibst ein Gedicht.
Mir fallen die Augen zu, es ist noch früh.

6 Uhr und 5 Minuten.
Du lächelst. Ich bin müde. Aber ich halte Dich.
Du wirst geküsst. Von der Muse und schreibst weiter.

6 Uhr 10 Minuten.
Wo ist der Wecker? Tastend, suchend. Ich finde ihn.
Schalte ihn ab. Das Blatt füllt sich mit Worten.

6 Uhr 15 Minuten.
Wieder das Klingeln. Aufstehen?
Nein, Du bist doch bei mir. Es soll nicht so schnell verfliegen.
Das Gedicht nimmt Formen an. Schau mal, sagst Du.
Ich lächle.

6 Uhr 20 Minuten.
Wenn ich eine Pistole hätte, würde ich den Wecker erschießen.
Ich nehme Dich in den Arm, gucke, wie weit das Gedicht ist.
Du liest es mir vor. Es klingt schön.

6 Uhr 25 Minuten. Oh Mann, hör auf zu Klingeln.
Der warme, weiche Körper an meiner Seite,
lässt den Ärger im Nu verfliegen. Das Gedicht ist noch
nicht fertig. Aber bald.

6 Uhr 30 Minuten. Ich höre ihn schon fast nicht mehr.
Spüre dafür Dich umso mehr. Dein Atem auf meiner Haut,
deine Worte in meinen Ohren, als Du an einem Vers feilst.

6 Uhr 35 Minuten.
Wir dichten zusammen. Dichter aneinander.
Tun Dichter so etwas? Fast fertig, sagst Du.
Ich lächele und halte Dich.

6 Uhr 40 Minuten. Wie spät ist es?
Ich suche den Wecker und schaue drauf. Noch Zeit.
Zeit zum Aufstehen ... aber auch Zeit zum Liegenbleiben.
Zeit bei Dir zu sein.

6 Uhr 45 Minuten. Eine Stimme an meiner Seite,
eine zärtliche Berührung. Ein Wispern, nicht mehr -
und doch so viel.

6 Uhr 50 Minuten. Wache oder träume ich?
Das Gedicht, es wird nicht fertig. Ich weiß es.
Es wird nie fertig - es ist nicht wichtig.
Wichtig ist das Werden, die Entwicklung, der Prozess.
Wichtig bist Du.

6 Uhr 55 Minuten. Wir albern, unterhalten uns
in Reimen und lachen über den Kitsch, den wir
von uns geben. Musst Du bald gehen, fragst Du?
Ich würde gerne bleiben, sage ich.

7 Uhr. Das Klingeln wirkt penetrant.
Es ist der letztmögliche Zeitpunkt, um aufzustehen.
Doch ich will nicht. Will bei Dir sein, mit Dir
lachen, flachsen, dichten, reimen, schreiben,
dich streicheln, halten, küssen und wärmen.

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