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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine Weihnachtstraumgeschichte
Eingestellt am 17. 10. 2003 18:00


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Lavendar
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2003

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Hinter der den Bergen blinzelte gerade die Sonne hervor.
Sie trocknete gedankenverloren die letzten Regentropfen um sich herum, die sie manchmal weinen machten und breitete dann ihr w├Ąrmendes Gefieder aus. Sie umspannte den Horizont, der ihr z├Ąrtlich wohlgesonnen war. Alles war so unbegreiflich sch├Ân.
Auf den Feldern rieben sich die Erdbeeren den Schlaf aus den Augen. “Hmmm“, machte die Sonne. Unter ihrer sanften Glut entfalteten sie ein wunderbares Aroma. Nun zogen neugierig die Zuckerwattew├Âlkchen heran. Auch sie wollten den neuen Tag begr├╝├čen, denn heute sollte ein-erst keimendes Pfl├Ąnzchen- zur Bl├╝te erwachen. Die Stille und die Freiheit waren wie von Sinnen. Der rauschende, k├╝hle Gebirgsbach wusch sich immer klarer. Er war von schimmerndem Eisblau und wusste um seine Wirkung, seine ├╝berzogene Reinheit. „Guten Morgen, stolzes Wasser!“ sagte die Erde. Die Gr├Ąser und Blumen w├╝rzten die frische Luft, die voller Lebenslust und Freude zu einem m├Ąchtigen Wind aufbrauste. Eine Spur zu ├╝berm├╝tig. Die wilde Sahne am Himmel wirbelte durcheinander. Erbost ├╝ber so viel Untugend streute der Sand seine K├Ârner aus. Die Bl├╝ten tanzten einen ungez├╝gelten Reigen. Pl├Âtzlich gl├Ąttete eine unbekannte Kraft die Wogen. Die B├Ąume ruhten von ihrem Schaukeln, die Stimmen der Bl├Ątter im Wind von ihren Schwingungen aus. Vorsichtig tastend lugte ein neuer Erdenbewohner hervor. Alles schaute und staunte und war ganz ger├╝hrt von soviel unmittelbarem Augenblick. Das Pfl├Ąnzchen- man nennt es Liebe- hatte sich voll entfaltet. Die Blumen sangen Wiegenlieder im Takt des v├Ąterlichen Windes, erf├╝llt von Dankbarkeit gegen├╝ber dem Wunder Natur. Und Mutter Sonne breitete wieder stolz ihre Arme aus. Noch nie hatte sie so gestrahlt wie an diesem Morgen unsch├Ątzbaren Gl├╝cks....

Auf der anderen Seite der Welt erwachte Karl unter der Br├╝cke. Die K├Ąlte in den Gliedern hatte sein
en K├Ârper steif gemacht. Nebel war ├╝ber dem Fl├╝sschen zu sehen, von der Sonne keine Spur. Er schn├╝rte sein B├╝ndel und trottete in ausgelatschten Pantoffeln die noch schlafende Gasse entlang. In der dritten Stra├če kam er an einer Abfalltonne vorbei. Er schaute mit m├╝den Augen hinein und fand ein rotes warmes Gewand, das er sich hastig ├╝berstreifte. Mit geb├╝cktem R├╝cken ging er weiter. Er musste sich mittlerweile durch hohen Schnee k├Ąmpfen, denn hier war der Pfad noch nicht so ausgetreten. „Peng“ Ein Schneeball hatte ihn direkt ins Gesicht getroffen. Es folgten l├Ąrmendes Kindergeschrei, ein Lachen, dann ein gro├čer Schreck.“ Peter spinnst du, jetzt hast du den Weihnachtsmann getroffen!“ Besagter Peter begann kl├Ąglich zu weinen „Es gibt ihn doch, und ich hab gar nicht an ihn geglaubt und jetzt ist er bestimmt b├Âse auf mich und ich bekomme keine Geschenke!“ Die Mutter l├Ąchelte.
„Kommen Sie doch heute Abend bei uns vorbei...Gartenstra├če 29, sagen wir 19 Uhr.“
Karl war verdutzt und schaute die engelgleiche Frau ungl├Ąubig an. „Doch wirklich“, sagte sie nun, „ich w├╝rde mich sehr freuen!“ Als Karl sich am Abend dem Haus mit der Nummer 29 n├Ąherte, wehte ihm der k├Âstliche Duft von Brat├Ąpfeln entgegen. Die T├╝r war nur angelehnt und so trat er beherzt ein. „Da sind Sie ja, wir haben sie schon erwartet!“ klang es aus der K├╝che. Es wurde eine lange Weihnachtsnacht mit unbeschwertem Lachen und besinnlichen Gespr├Ąchen. Karl hatte seinen Glauben wiedergefunden. An das Gute im Menschen. An das Positive im Leben und Werden. Und Peter wusste nun, dass er doch existierte- derjenige, den die K├Ąlte fast auffrisst und der von ganz tief unten dennoch den richtigen Weg findet. Als sich Karl zum Gehen wand, legte sich ihm eine Hand auf die Schulter. „Bleiben Sie! Sie haben diesem Haus die Freude zur├╝ckgegeben. Peters Mutter hatte einen Anruf erhalten. Ihr Mann w├╝rde aus Bosnien zur├╝ckkehren und w├Ąre auf der Suche nach einem lebenserfahrenen Geschichtenerz├Ąhler in der B├╝cherei in der N├Ąhe der Kirche. So bekam Karl das Zimmer im Dachgeschoss. Karl, der sich fr├╝her so manche frostige Nacht unter der Br├╝cke um die Ohren schlug, schrieb nun manchmal n├Ąchtelang in seinem warmen St├╝bchen. Ab und zu brachte Peter Schulfreunde mit nach Hause, die nur wegen Karl kamen um seine Geschichten zu h├Âren. Diese Erkenntnis trieb Karl mehr als einmal Tr├Ąnen der R├╝hrung in die Augen, die er sich verstohlen wegwischte. Er l├Ąchelte ├╝ber das ganze Gesicht und war unsagbar gl├╝cklich.

Und er erinnerte sich nur zu gern an den schicksalhaften Weihnachtsabend an dem die Sterne um die Wette strahlten.

In jener Nacht voller Erleuchtung.

Copyright by Ulrike Schilling

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