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Leselupe.de > Kurzprosa
Eine besondere Liebe
Eingestellt am 08. 10. 2007 23:05


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Balu
???
Registriert: Nov 2006

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An jenen Tagen, wenn die  Melancholie sich wie ein heiliger Choral ĂŒber meine Gedanken legte, zog es mich hin zu ihr.
Es waren nicht die prallen Sommertage, an denen die flimmernde Hitze den Blick unscharf machte und das Blut zĂ€h durch die Adern floss. Es waren jene, die nach einem sanften Regen das Atmen der Schöpfung fĂŒhlbar machten.
Wenn die leichtgewordenen Wolken das Leben in zahllosen Bildern spiegelten, welche sich unablÀssig wandelten, kamen und gingen, sich der Kraft des Windes hingebend.
Ihre RĂ€nder leuchteten in Silbergold und ließen schon die dahinter liegende Sonne ahnen, die  allem Lebenden Energie spenden wĂŒrde, das labende Nass aufzunehmen, um zu wachsen und dem Lebenskreislauf zu dienen.

Der Weg fĂŒhrte sanft aus dem Tal hinaus, begann breit, von ebenen Wiesen begleitet, und forderte an jeder Gabelung ein Verweilen und Orientieren.  Bald jedoch fĂŒhrte er in Serpentinen, schnell an Höhe gewinnend, bergauf und war, fast am Ziel, nur noch ein schmaler Pfad, von Felsen gesĂ€umt, die ein Verlassen der FĂ€hrte verhinderten.

Mit jedem Schritt, der mich ihr nĂ€her brachte, wurden die schwermĂŒtigen GesĂ€nge in mir leiser und  wandelten sich  in eine heitere Melodie, deren Rhythmus eins war mit dem geschĂ€ftigen Eilen der Ameisen auf dem Tannennadelteppich, dem Nicken der Glockenblumen und  LöwenmĂ€ulchen, welche dem Wind auf jede BerĂŒhrung einstimmig antworteten und dem lustvollen Ächzen der KiefernstĂ€mme, wenn sie sich seinem Druck entgegensetzten und wieder hingaben.

Und immer wieder genoss ich jenen Moment, der so sehr dem eines erfĂŒllten Liebesaktes glich.
Jener Moment, in dem der Pfad  auf der Lichtung endete, in deren Mitte sie auf mich wartete.
Benommen von ihrer Schönheit, nach Luft ringend, keuchend von der Anstrengung des Aufstieges wurden meine Schritte schneller. Bis es ein Fliegen ĂŒber Flechten und violett knospendes Heidekraut war, um endlich erlöst meine Arme um ihren Leib schließen zu können.

Gierig sog ich den Duft in mich hinein, den ihre reife Haut verströmte und fĂŒhlte mich unendlich geborgen.
Lange harrte ich bewegungslos in dieser Umarmung aus, fĂŒhlte, wie ihre Kraft und ihre unsagbare Geduld in mich strömten.
Sobald ich mich leicht und frei fĂŒhlte, begann ich sie wieder neu zu erkunden, zu begreifen. Meine Fingerspitzen zogen behutsam die Linien ihrer Rinde nach, entdeckten andere Lebewesen, denen sie Lebensraum und Nahrung bot, ohne je etwas von sich zu verlieren.
Ich entdeckte altes Laub vom Vorjahr, das haften geblieben war, weil sie es nicht losgelassen hatte, wissend, dass es noch Energie in sich trug, die sie nicht aufgenommen hatte.
Daneben hatten sich zahllose neue BlĂ€tter gebildet, manche mit krĂ€ftigem, sattem GrĂŒn, andere zart und von heller Farbe. Ich sah, dass ihre FrĂŒchte noch nicht  reif waren. Doch bald schon wĂŒrde ihr der Herbst das wehmĂŒtige Lied des Loslassens singen.

Hatte ich mich an ihrer Schönheit satt gesehen, legte ich mich zu ihren FĂŒĂŸen auf die Erde, dort wo ihre Wurzeln noch ĂŒber dem weichen Boden zu fĂŒhlen waren und ahnen ließen, wie weit sich die VerĂ€stelungen in der Tiefe verankern. In solchen Momenten empfand ich Dankbarkeit, weil ich darauf vertrauen konnte, dass sie nicht in Gefahr ist.

An jenen Tagen war ich voller Liebe.

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet


quote:
An jenenTagen, wenn die Melancholie sich wie ein heiliger Choral ĂŒber meine Gedanken legte, zog es mich hin zu ihr.

JenenTagen auseinander, je ein Leerzeichen vor Melancholie und zog weg.

Alles nur Makulatur fĂŒr spĂ€ter.

Wie gesagt, gefÀllt mir, balu.

Gruß, Karsten

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