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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine folgenreiche Gedankenlosigkeit
Eingestellt am 06. 03. 2002 18:06


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traumtÀnzer
Möchtegern-Schreiber
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Eine folgenreiche Gedankenlosigkeit

Kennste das? NatĂŒrlich kennst du das, es sei denn, du bist Vegetarier oder Stubenhocker oder du machst `ne DiĂ€t, was ja auch nur ein vorĂŒbergehender Zustand ist, somit kennst du es auch, da du es nur in dieser Zeit nicht kennen lernen konntest. Ach, du weißt ja gar nicht, worum es geht.

Wenn du am Samstag mal wieder so richtig die Sause geplant hast. Abends auf eine Party, 10 Euro, frei saufen, und danach ab in die Disco, BrÀute anbaggern (falls du auf der Party noch keine Schnitte gefunden hast).
Nachmittags erst mal einstimmen in deiner Stammkneipe. Bei Franz, der hat Premiere, Fußball gucken. In der Halbzeit dann rĂŒber nach Yildiz, Döner essen. Die schmecken super, mit viel Tzatziki und Zwiebeln. Und weil`s so schön war, nach dem Spiel noch einen. Du musst ja schließlich Power fĂŒr das Saufgelage am Abend haben.
Es lĂ€uft. Die Sonne lacht, deine Lieblingsmannschaft XY... Nee, die Mannschaft teil ich dir nicht mit. Aus zwei GrĂŒnden: erstens, wenn das nicht deine Mannschaft ist, liest du nicht weiter. Du denkst, was is`n das fĂŒr einer, der ist ja XY-Fan. Da soll ich was von dem lesen? Zweitens hab ich mal gehört, von so`m Literaturfuzzi, dass man dem Leser Platz fĂŒr eigene Gedanken lassen soll. Da stauntste wa? Jetzt kannste GrĂŒbeln bis der Arzt kommt. Was hat der wohl fĂŒr`n Lieblingsteam? Woher ich das weiß? Na ja, ich bin mal auf so `ne KĂŒnstlerparty gelandet, Maler, Dichter und so Zeug. Die haben alle so`n Stuss gefaselt. Weiß auch nicht, wie ich da hinkam. Ich war ziemlich Hacke. Übrigens hat dieses GeschwĂ€tz hier auch seinen Sinn. Spannungsbogen und so, verstehste?

Also, es lĂ€uft. Die Sonne lacht, deine Lieblingsmannschaft XY hat gewonnen und leicht angeheitert bist du auch schon. Kurz: Du bist echt gut drauf. Zu Hause erst mal Musik auf volle Pulle, duschen, rasieren, ZĂ€hne putzen und so weiter. Das weibliche Geschlecht kann man nur beeindrucken, wenn man gut riecht und geradezu glĂ€nzt. Und da bimmelt`s auch schon an der HaustĂŒr. Meine Freunde seh`n natĂŒrlich wieder Scheiße aus im Gegensatz zu mir. Die lernen das nie! Na ja, kein Grund sich die Laune verderben zu lassen. Also, auf geht’s.

Die Party ist gut. Viele Leute, Bekannte und unbekannte. Umso lĂ€nger der Abend, umso grĂ¶ĂŸer der Alkoholkonsum, umso mehr GesprĂ€che ergeben sich. Einzig eines irritiert: Immer wenn jemand einige Zeit bei einem steht, fĂ€ngt er an schief zu lĂ€cheln. Kennste das? Wenn einer schief lĂ€chelt? Das ist so `ne Mischung aus leichtem Grinsen und NaserĂŒmpfen. Kommt bei Menschen vor, die gerade einen bestialischen Furz ertragen mĂŒssen oder kurz vorm kotzen stehen oder angewidert von dir sind, es aber nicht sagen, weil sie eine gute Erziehung haben, oder sich ertappt fĂŒhlen oder oder oder... Kurz nach dem schiefen LĂ€cheln verkrĂŒmeln sie sich und suchen die Gesellschaft anderer PartygĂ€ste. Du denkst, was ist hier bloß los, dass alle so schief lĂ€cheln, bis eine Freundin kommt, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie steht bei dir, unterhĂ€lt sich mit dir, fĂ€ngt plötzlich schief an zu lĂ€cheln und sagt: „Du stinkst aus`m Maul!“ Nanu?, denkst du und weißt erstmal gar nicht, was du sagen sollst, vor allem, weil sie es vollkommen Ernst meint. Dann ĂŒberlegst du. Die ZĂ€hne hast du dir geputzt und... Und dir fĂ€llt der Döner von heute Nachmittag ein. Ja, was machste jetzt? Erstmal bittest du die gute Freundin um ein Kaugummi, obgleich dir durchaus bewusst ist, es wird nix nĂŒtzen. Genauso wie ZĂ€hne putzen oder sonstige Aktionen dir nix mehr nĂŒtzen werden. Du wirst diesen penetranten Tzatzikigestank an diesem Abend einfach nicht mehr los. Das Schlimme ist, dass dir ab dem Zeitpunkt, wo du`s weißt, du stĂ€ndig daran denken musst. Aus den lockeren GesprĂ€chen wird ein verkrampftes in die Gegend glotzen. Was bleibt dir ĂŒbrig? Saufen bis der Arzt kommt. Irgendwann wirst du schon den Geruch vergessen. Und so soll es geschehen...

Dann vergeht der Abend wie im Flug. Merken tust du erstmal nix mehr, du siehst alles verschwommen und lallst. An Weiber denkst du gar nicht mehr. Irgendwann wollen die anderen los, in die nĂ€chste Disco. Na ja, warum nicht?, denkst du und wankst mit. In der Disco verteilt sich die ganze Gesellschaft. Die einen hĂŒpfen wie irre auf der TanzflĂ€che rum, die andern versuchen die BrĂ€ute mit albernen Witzen rumzukriegen und du, du setzt dich an die Theke und versuchst deinen Rausch voll zu machen. Plötzlich siehst du, ein paar Meter weiter, deine Ex. Und was fĂŒr eine Ex das ist! (Wie jeder weiß, sind im Suff alle Frauen schön). Sie lĂ€chelt dich an und du bist wieder hellwach. Kerl, das wird ja vielleicht doch noch was heut nacht, denkst du und grinst rĂŒber. Jetzt kommt sie auf dich zu. In dem Licht sieht sie aus wie ein Engel. Und schon sitzt sie neben dir. Sie fĂ€hrt mit ihrer Zunge ĂŒber ihre Lippen und streckt dir ihre prallen BrĂŒste entgegen. Oh Mann, jetzt könntste aber... jetzt willste aber... jetzt wirste aber...

Jetzt fÀllt dir aber deine Tzatziki-Fahne wieder ein. Ja, was machste jetzt? Du kannst ihr doch keine Worte ins Gesicht blasen. Die Folge wÀre ein schiefes LÀcheln. Erstmal drehst du dich ein bisschen weg und hÀltst dir so unauffÀllig wie möglich die Hand vor den Mund.
„Wie geht es dir denn so“, fragt sie um Small Talk anzufangen.
„Mmpf... Hhmpf...“
Und so geht das weiter, man kann sich das ja ausmalen. Irgendwann fragt sie:
„Magst du mich denn ĂŒberhaupt nicht mehr?“
Ich werd nicht mehr, denkst du. Du siehst sie an. Sie schaut dich mit dem Hundeblick an. Kennste das nicht? Weißte nicht, was das heißt? Mööönsch, von welchem Planeten kommst du eigentlich? Das heißt „Ich will mit dir in `ne Pofe! Hundeblick und „Magst du mich denn ĂŒberhaupt nicht mehr?“ heißt „Ich will mit dir in`ne P-o-o-ofe!“
Tja, jetzt musste alles oder nix gehen. Missmutig blÀst du ihr die Tzatziki-Fahne und die Worte ins Gesicht:
„Doch, ich habe dich sehr vermisst.“
Und... sie lĂ€chelt. Nein, kein schiefes LĂ€cheln. Einfach nur ein LĂ€cheln. Du fragst dich jetzt natĂŒrlich was los ist. Hat sie `n Knubbel in der Nase? Ist die Tzatziki-Fahne verflogen? Egal, denkst du.
Na ja, und hier machen wir einen Schnitt, denn der Rest ist nicht jugendfrei.

Am nĂ€chsten Tag sagt sie zu dir: „Du hast ĂŒberhaupt nichts mehr im KĂŒhlschrank.“
„Hm.“
„Na, einkaufen ist wohl nicht. Ist Sonntag.“ Nach einigem ĂŒberlegen meint sie:
„Du, gestern war ich bei so einem netten TĂŒrken. Die Döner dort schmecken klasse.“

__________________
denk selber...!

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flammarion
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hallo,

traumtĂ€nzer, haste sauber hinbekommen. besonders der schluß fetzt. mit breitem lĂ€cheln grĂŒĂŸt ganz lieb
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Old Icke

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traumtÀnzer
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Hallo Flammarion,

ich freue mich, dass dich die Geschichte amĂŒsiert hat.

Dank dir fĂŒr deinen Kommentar.

GrĂŒĂŸe
tt
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