Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5663
Themen:   98052
Momentan online:
212 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Eine großartige Parabel über das Unerklärliche, über das Böse und über die Schuld
Eingestellt am 04. 07. 2012 16:47


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

Werke: 289
Kommentare: 118
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Winfried Stanzick eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil



Rezension zu:

Sandro Veronesi, XY, Klett-Cotta 2011, ISBN 978-3-608-93960-6

Der neue Roman von Sandro Veronesi ist nichts für zartbesaitete Seelen, aber auch nichts für Leser, die Thriller lieben ohne tiefgehende Reflexion. Dieser Roman beginnt mit seiner Handlung zwar zunächst wie ein Thriller. In einem verschneiten italienischen Bergdorf werden eines Tages die Leichen von elf Touristen gefunden. Was der Priester Don Ermete deutlich gesehen hat, als er als einer der ersten zu dem Ort des Schreckens gerufen wurde, wird in der Folge von den ermittelnden Behörden vertuscht und verschwiegen, weil es einfach zu unerklärlich ist und die Gefahr besteht, die Bevölkerung zu verunsichern. Denn was Don Ermete und noch einige andere Dorfbewohner, die mit ihm zuerst an der Unglücksstelle waren, sofort wahrgenommen haben, wird durch die Autopsie der Leichen detailliert bestätigt. Alle elf Touristen starben an unterschiedlichen Ursachen. Mord, Krebs im Endstadium, Suizid und vieles andere. Eine Leiche fand durch den Biss eines Haifisches den Tod, ein Haifisch, der, wie sich später herausstellen wird, seit Jahrhunderten ausgestorben ist.

Spätestens an dieser Stelle könnte man, genervt von so viel unwahrscheinlicher Übertreibung, das Buch aus der Hand legen, wenn man wie der Rezensent nicht gerne Fantasy mag. Aber ich habe es in der Hand gehalten und fast atemlos immer weiter gelesen, weil die Versuche des Priesters Don Ermete und der Psychiaterin Giovanna , dieses Rätsel mit der Kraft ihrer Gedanken bzw. des Glaubens zu lösen, mich nicht losgelassen haben. Giovanna hat von ihrem Partner, der als Jurist in die Ermittlungen eingeschaltet ist, von den unerklärlichen Dimensionen des Unglücks erfahren und zieht in das Dorf, um den Menschen dort zu helfen und zusammen mit Don Ermete herauszufinden, nicht nur, was wirklich geschehen ist, sondern hauptsächlich, was dieses Geschehen mit den Menschen macht.

Sandro Veronesi hat mit diesem Buch eine großartige Parabel geschrieben über das Unerklärliche, über das Böse und über die Schuld. Er nimmt den Leser, der bereit ist, sich solchen Gedankengängen anzuschließen und eigene Antworten zu finden, bzw. immer wieder neue Fragen zu generieren. mit auf eine literarische Reise, die mitten hinein führt in die Grundfragen menschlicher Existenz. Eine Reise, auf der immer wieder versucht wird, hinter den Schmerz der Menschen zu schauen.

Keine leichte, keine angenehme Lektüre. Ein Buch, das zur Auseinandersetzung zwingt.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6456
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Klingt für mich nach Esotherik- oder vergleichbar „krampfhaft Sinn behauptenden" Quark. Vielleicht wird dieses harte Wort dem Buch nicht gerecht, es ist das, was ich aus der Rezi herauslas. Dazu trägt (neben dem "Lösen mithilfe der Gedankenkraft und des Glaubens") ganz erheblich bei, dass das Unerklärliche als völlig ungelöst im Raum stehen bleibt, als würde das Buch am Ende darauf hinauslaufen, dass es keine Erklärung gibt, sondern alles eben "Manifestationen schlimmer Dinge" ist, vielleicht sogar „Gottesstrafen“ oder noch ärger „Geisterstrafen“. Wenn das im Buch so ist, dann passt die Rezension. Wenn nicht, wenn dieses „Auseinandersetzen“ eher „ganz normale menschlichen Abgründe“ betrifft, dann wirkt die Rezi eher abschreckend.


Handwerkliches:

quote:
Dieser Roman beginnt mit seiner Handlung zwar zunächst wie ein Thriller.
Echter Fehler: Zu diesem „zwar“ fehlt ein „aber“

quote:
In einem verschneiten italienischen Bergdorf werden eines Tages die Leichen von elf Touristen gefunden. Was der Priester Don Ermete deutlich gesehen hat, als er als einer der ersten zu dem Ort des Schreckens gerufen wurde, wird in der Folge von den ermittelnden Behörden vertuscht und verschwiegen, weil es einfach zu unerklärlich ist und die Gefahr besteht, die Bevölkerung zu verunsichern. Denn was Don Ermete und noch einige andere Dorfbewohner, die mit ihm zuerst an der Unglücksstelle waren, sofort wahrgenommen haben, wird durch die Autopsie der Leichen detailliert bestätigt. Alle elf Touristen starben an unterschiedlichen Ursachen. Mord, Krebs im Endstadium, Suizid und vieles andere. Eine Leiche fand durch den Biss eines Haifisches den Tod, ein Haifisch, der, wie sich später herausstellen wird, seit Jahrhunderten ausgestorben ist.
Versteh ich nicht: Also die leichen werden alle „auf einem Haufen "gefunden. Ok. Aber: Was hat der Priester gesehen, was durch "unterschiedliche Todesursachen“ beweisen werden könnte? Und: Bis auf den fossilen Hai und die extrem ungewöhnliche räumliche (und zeitliche?) Häufung der Fälle erscheint mir nichts mysteriös.

quote:
Spätestens an dieser Stelle könnte man, genervt von so viel unwahrscheinlicher Übertreibung, das Buch aus der Hand legen, wenn man wie der Rezensent nicht gerne Fantasy mag.
Echter Fehler: „gern haben“ = „mögen“ . Da steht also: Der Rezensent mag Fantasy, aber er tut es nicht gern.

quote:
Aber ich habe es in der Hand gehalten und fast atemlos immer weiter gelesen, weil die Versuche des Priesters Don Ermete und der Psychiaterin Giovanna , dieses Rätsel mit der Kraft ihrer Gedanken bzw. des Glaubens zu lösen, mich nicht losgelassen haben.
Ein Rätsel mit Gedankenkraft lösen – klar, wie sonst? Oder meinst du „ich wünsche mir ganz doll, es sei gelöst" und schwupp ist es gelöst? Und: Wie kann man ein Rätsel mit der Kraft des Glaubens lösen? Man kann sich beim Lösen vielleicht Kraft aus seinem Glauben holen, weil die Lösung so schwierig ist oder auf erschreckende Bahnen driftet.
Unsauber: Du meinst nicht „in der Hand gehalten“ (das haben die, die es dann weglegten, sicher auch), sondern „behalten“
Echter Fehler: Leerzeichen vor dem Komma zu viel.

quote:
Giovanna hat von ihrem Partner, der als Jurist in die Ermittlungen eingeschaltet ist, von den unerklärlichen Dimensionen des Unglücks erfahren und zieht in das Dorf, um den Menschen dort zu helfen und zusammen mit Don Ermete herauszufinden, nicht nur, was wirklich geschehen ist, sondern hauptsächlich, was dieses Geschehen mit den Menschen macht.
Moment! Heißt das, weder sie noch der Pater sind eigentlich an der Lösung des Rätsel interessiert, sondern beide(!) betreiben Feldstudien über menschliche Reaktionen auf „sowas“?

quote:
Er nimmt den Leser, der bereit ist, sich solchen Gedankengängen anzuschließen und eigene Antworten zu finden, bzw. immer wieder neue Fragen zu generieren. mit auf eine literarische Reise, die mitten hinein führt in die Grundfragen menschlicher Existenz.
Echter Fehler: Komma statt Punkt hinter „generieren“
Ein Leser, der bereit ist, neue Fragen zu generieren (sich also Fragen auszudenken)?? Das ist NICHT dasselbe wie „ein Leser, der bereit ist, Dinge zu hinterfragen“
Klingt massiv nach Muschebubu … Lösung: Was für Fragen sollen das sein, wenn man von „Bissen fossiler Haie“ und „seltsame Todesfallhäufung“ ausgeht (und mehr weiß der Leser der Rezi ja nicht)?

quote:
Eine Reise, auf der immer wieder versucht wird, hinter den Schmerz der Menschen zu schauen.
Versucht … Und? Gelingt es?
Muschebubu … Hinter welchen Schmerz? Den, der beim Gebissenwerden entsteht?

quote:
Ein Buch, das zur Auseinandersetzung zwingt.
Zur Auseinandersetzung womit??!?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6456
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Nachtrag: Irgendwo hier im Forum war schon mal ein Buch vorgestellt worden, das auch als „Parabel“ eingestuft wurde. Es ging um ein Seil und um Leute, die ihm folgen. Dort, in dieser Rezi, hatte ich eine Vorstellung davon bekommen (es wurde z. T. sogar explizit gesagt), was genau da durch die Parabel „beleuchtet" wird. Hier operierst du mit so schwammigen Worten wie „das Böse“ – das kann (bei diesem Text hier) für "Satan" stehen, „böse Menschen", „das Böse im Menschen", „das Böse in jedem Menschen" oder sogar „das Böse im Guten“ sein.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung