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Leselupe.de > Humor und Satire
Eine kleine Geschichte über Lappen oder wie das Leben so spült
Eingestellt am 29. 07. 2018 16:28


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Jaron
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2018

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Eine kleine Geschichte über Lappen oder wie das Leben so spült

Seltsam, ich dachte immer, wir wären die Guten.
Wir!, die Generation, die einmal einmütig, eine Sonnenblume in der Hand, in der heißen Badewanne lag, um die neue Levi´s für mindestens eine Woche mit der obersten Hautschicht zu synchronisieren. Eine weiße Taube mit Ölzweig im Schnabel auf dem Fenstersims, die pazifistisch gurrte; ein Füßchen zum Peace-Zeichen geformt. Und der Konsens in der Patschuli-geräucherten Luft, der da hieß: Respekt.

Der hat sich wohl irgendwie im Laufe der Jahre mit dem Blau der Hose ausgewaschen und treibt jetzt in der Kanalisation.
Dazu fällt mir ein, meiner Tante Frieda aus Schwäbisch Gmünd war in den Siebzigern ein farbloser Polyesterputzlappen ins Klo gefallen. Sie konnte ihn nicht retten, er war schon zu tief nach unten gerutscht, deshalb spülte sie ihn kurzerhand weg. Kann sein, dass der die Jeansfarbe da unten im Kanal aufgesaugt hat und jetzt, in unregelmäßigen Blauschattierungen coloriert, denkt er wäre ein Pfaulappen und aufgeplustert durch die Rohre stolziert. So ein alter Polyester-Pfaulappen baut sich auch nicht so schnell ab, der stolziert generationsübergreifend.

Ich vermute ja sogar, auch andere Menschen hatten eine Tante Frieda, der mal ein Putzlappen abgegangen war. Das würde bedeuten, dass da jetzt Scharen von Jeansfarbe saufenden alten Putzlappen im Kanal unterwegs sind. Kaum auszudenken, wenn die alle aus dem Untergrund hochstiegen, um, was ja durchaus möglich wäre, einen Lappenstammtisch an der Nordsee zu gründen. Insbesondere das Wattenmeer mit hohen Schadstoffwerten im Sediment, böte sich für ausgiebige Säuberungsaktionen und spannende Wanderungen an. Für den Pellwormer Postboten Piet Schmidt steht gar fest, dass die Lappen sich schon unbemerkt unter die Küstenbewohner gemischt haben und in gelber PVC – Schutzkleidung, damit die blaue Pfaulappenfarbe nicht bröckelt, im Watt wandern und selbiges säubern. Und dass sie sich anschließend am Stammtisch treffen und viele Jägermeister auf ex trinken.
Und eines ist sicher, die wollen nicht gestört werden. Man stelle sich nur folgendes Schreckensszenario vor: Der Lappen, der denkt, er wäre ein Pfaulappen, denkt nach dem elften Jägermeister, er wäre ein Meisterpfaulappen und streicht zufrieden rülpsend über sein „Nur Handhäsche“ – Flegeletikett. Doch halt! Was muss er da ertasten? Kühl, sandig und glitschig. Des Meisters Blick fällt auf einen kleinen Wattwurm mit … Sonnenblume in der Hand?
So, und das geht jetzt raus an alle Wattwürmer – betritt nie, nie, niemals, und schon gar nicht mit einer Sonnenblume in der Hand, das Flegeletikett eines besoffenen Lappens! Denn dann wird der meisterliche Pfaulappen zum läppischen Saulappen: „Wattwürmer raaaaaaaaaus!“

Tja, wie soll so ein kleiner naiver Wattwurm, die Naiven sind die mit der Sonnenblume in der Hand, auch die Großartigkeit eines Meisterpfaulappens erkennen?
Drauf geschissen, denkt sich die Möwe, die den Tatort überfliegt, und trifft den Wattwurm in voller Länge.
Voll abgekackt, denkt sich der Wattwurm, immer diese Möwen mit Ölzweig im Schnabel.
Frieda schaffe, Scheiß als Waffe, denkt sich in seiner Muttersprache der Meisterpfaulappen.
(Anmerkung: Frieda = schwäbisches Wort für Frieden respektive meine Tante aus Schwäbisch Gmünd)

Ich bin nur froh, dass wir! nix mit Lappen am Hut haben, wäre ja auch nicht schmückend, so ein alter Lappen am Hut. Schließlich haben wir! uns vor Jahrzehnten aus der ursalzigen Brühe unserer Badewanne erhoben, um die Evolution zu krönen.

Mit. dem. Wischmobb.

Der passt, nebenbei bemerkt, auch viel besser zur modernen Designerjeans von Boss. Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen. Oder steht das in der Garage? Egal, hipp ist sie allemal, die teuer durchdesignte low waist Röhre und, juhu, werksseitig ausgewaschen! Das heißt, kein schlechtes Gewissen mehr wegen blauer Farbe im Kanal.

Na dann, we put on our jeans und ran ans Werk.
Der Wischmobb liegt geschmeidig in der Hand, gräbt sich wollüstig ins Fleisch. Wir! ahnen es, das ist das Lichtschwert der Macht, die endlich, nach entbehrungsreicher Zeit auf der dunklen Seite der Fastnacht, mit uns ist. Anakin Skywalker sollst du heißen! Oder wäre Luke nicht besser? Ach, Schluss mit dem ständigen Hinterfragen, das verdirbt einem nur die göttliche Laune.
Jedenfalls hat der Anakin auch eine automatische Auswringfunktion, die den Dreck mit tausendvierhundert Umdrehungen pro Sekunde in den mitgelieferten spacigen Eimer schießt, so dass der Dreck gar nicht merkt, wie ihm geschieht. Und wir! machen uns die Hände nicht schmutzig.

Doch das Beste: Mit einem Wisch ist alles cyber.

Nachsatz:
Ich bitte, die Tippfehler zu entschuldigen.

Nachruf:
Da halte ich doch den Umkarton des Anakin in der Hand, um ihn ökologisch korrekt zu verbasteln – ich denke an ein gewaltfreies unverfängliches Möwenmobile – und was lese ich im Kleingedruckten: Mobbaufsatz aus 100% recycelten Altlappen.

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