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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine kurzweilig sterile Liebe
Eingestellt am 26. 03. 2002 21:57


Autor
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AndiDLX
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2001

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Sie sah starr in meinen Blick und ihre bleichen Wangen flimmerten im grellen Scheinwerferlich. Wie ein schwankender Baum stand ich auf dem ├╝berputzten Boden und in Zeitlupe umschl├Ąngelten mich die hastigen Menschenrudel, die sich in die verwinkelten Ecken des gro├čen Raumes verstr├Ąumten. Kahlheit umgab ihre tiefen Augen, die helle Haut funkelnde rotlichtig und warf einen leichten Schatten in die Ferne. Niemand sah sie an, niemand blieb stehen, niemand nahm sie wahr. Nur ein Slip und ein BH aus wei├čem Nylon verdeckte sie, ihre Nacktheit. Keine Schahm entsah man ihr, nur der dumpfe Blick in eine uninterssierte Fremde. Woher kam sie? Sie hatte weder Gep├Ąck, noch Kleidung. Ihr rotblasser Mund spreizte sich l├Ąchelnd f├╝r die ├ľffentlichkeit und ihre Hand Griff ├Âffnend nach Halt. Irgendeine magische Kraft zog mich an sie. Vielleicht war es ihre unterschwellige Scheue, die ich erst nach langem Hinblicken vernahm, die Weicheit ihrer Geste, die Suche nach jemanden, der sie aus ihrer Zurschaustellung befreien k├Ânnte, der ihr ein Lichtblick g├Ąbe, sie liebte. Ihre Augen trafen mich unentwegt, lie├čen mich nicht los, wie ihre Hand, die nach mir zu greifen versuchte, wie ein Kind, das feucht das Mutterleib verlie├č. Normalerweise verdrehten sich nach einem Blickkontakt die Augen der Menschen, kr├╝mmten sich, brachen und flohen. Ich sah weiter in ihren Kern und sie ebenso. Der Wind des Momentes bliess ├╝ber uns hinweg, pfiff die aufkeimende Glut in meinem Herzen an, schenkte eine d├╝nne Tr├Ąne des Leidens.
Warum stellte sie sich hier zur Schau? Sie wollte mir bestimmt nur Gefallen, nur ein Spiel, dass sie hier vollzog. F├╝r die Menschen schien es normal zu sein, dass man sich auszog und sich blo├čstellte. Sie liefen in ihre Richtungen, keiner blickte sich an, alle nach ihrer Routine, ihrer Gewohnheit, so als ob sie ihre Z├Ąhne putzten, ihre Schuhe bindeten oder sich mit ihrem Klopapier das Hinterteil abwischten. Alte und junge Menschen liefen an mir vorbei, keiner gr├╝├čte mich, keiner gr├╝├čte irgend jemanden, niemand blieb stehen und doch liefen sie alle im Kreis. Nur dieser bis auf die Haut entkleidete Mensch sah mich. Was wollte sie von mir? Warum konnte sie nicht einfach wegschauen, sich jemanden anderen f├╝r ihr Spiel aussuchen? Ihre lackierten F├╝├če r├╝hrten sich nicht, sie blieb immer nur stehen und sah mir zu, wie ich fr├Âstelte. Meine Augen umkreisten mich, wie Planeten am Himmel, meine F├╝├če bewegten sich aufeinander, nur um keinen Schritt zu wagen, der vielleicht in die Tiefe f├╝hrte. Wie hie├č sie? Sie hatte sicherlich einen weichen Namen, so weich wie ihr Mund, der sich ├Âffnen wollte, der mir ihren Namen zufl├╝stern wollte.
Die Uhren liefen weiter, die Menschen liefen weiter, nur wir beide blieben stehen und sahen in der Zeitlupe der Ewigkeit die Erl├Âsung. Wahrscheinlich sah nur ich sie, nur ein Bild in meiner eigenen Illusion, das mir einen kleinen Tropf der Hoffnung zugab und mich zu n├Ąhren versuchte. ÔÇ×Fremde, sag mir wer du bistÔÇť, ÔÇ×Fremde, sag mir wie du heistÔÇť, doch sie blieb mir fremd und in der N├Ąhe so fern. Der Strudel der Zeit packte mich wieder, entwurzelte mich dieser Liebe und lie├č mich abwenden. Sie konnte nicht echt sein, nur ein Luftschloss, eine unwirtliche W├╝ste. Ich werde morgen wieder aufwachen und mich nach meiner Schaufensterpuppe sehnen.

__________________
Guten Appetit und bitte nicht kleckern!

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