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Leselupe.de > Kurzprosa
Eine leidige Angelegenheit
Eingestellt am 12. 11. 2001 11:31


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flammarion
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Eine leidige Angelegenheit

Als die G├Âtter den Blauen Planeten schufen und festlegten, da├č er eine Atmosph├Ąre haben soll, gaben sie ihm die ├╝blichen Bewohner. Selbige wurden von den G├Âttern ÔÇ×die VielgestaltigenÔÇť genannt. Es waren Wesen aus Licht, Luft, Wasser oder Erde. Die Lichtwesen unterteilten sich in Funken, Flammen und diverse Leuchtgebilde. Die Luftwesen unterteilten sich in Winde, St├╝rme, Orkane und Hurrikans. Die Wasserwesen unterteilten sich in Meere, Seen, Str├Âme, Fl├╝sse und B├Ąche. Die Erdwesen unterteilten sich Sand, Steine und Kristalle und von jedem gab es mehrere Unterarten, so waren die Erdwesen die vielf├Ąltigsten. Die anderen konnten diese Vielfalt nur in gemeinsamem Zusammenspiel erreichen und waren froh, sich wieder voneinander l├Âsen zu k├Ânnen, wenn sie genug davon hatten. Sie wollten gern auch mit den Erdwesen auf diese Art spielen, aber da war schnell festgestellt, da├č sie sich anders verhielten. Sand lie├č sich leicht vom Wind tragen, blieb dann aber beleidigt liegen, wenn er fallengelassen wurde und kehrte nicht wie die anderen zum Ursprung zur├╝ck. Dabei lag er doch auf der Mutter Erde! Nein, der Sand war eigenwillig. Wenn das Wasser mit Erdwesen spielen wollte, musste es gut Acht geben, wo es sich befindet, denn es gab Stellen, wo die Erde das Wasser einfach festhielt! Da konnte es noch so schimpfen: ÔÇ×Aber hallo, ich wollte doch keinen See bilden!ÔÇť Die Erde antwortete bestenfalls: ÔÇ×Jetzt bist du pampig!ÔÇť Von den Lichtwesen lie├čen sich die Erdwesen am wenigsten beeinflussen, da musste es schon sehr hei├č hergehen!
So zogen die Jahrtausende ├╝ber den Blauen Planeten hin und das Zusammenspiel der Elemente lie├č organisches Leben entstehen. Mit Erstaunen und Entz├╝cken betrachteten alle die ersten Einzeller und die nachfolgenden Strukturen. Als sie sich zu langweilen begannen beim Beobachten des Pflanzenwachstums, entdeckten sie Gesch├Âpfe, die sich bewegten. An ihnen hatten sie noch mehr Gefallen. Sie f├╝hrten unendliche Gespr├Ąche ├╝ber die Unterschiede dieser Beweglichen. Sie wussten, da├č ihr Zusammenspiel diese Gesch├Âpfe erschaffen hatte und erfanden immer neue Spiele und entwickelten auch sich selbst dabei weiter. Zum Beispiel gebar der Wind das laue L├╝ftchen, welches allen Pflanzen und Tieren sehr willkommen war.
Hin und wieder waren die Erdwesen allerdings recht ungehalten. Als zum Beispiel nach den unz├Ąhligen W├╝rmern und Insekten auch noch Maulw├╝rfe das Erdreich zum Wohnort nahmen und F├╝chse und Hasen und viele andere ihre Brutst├Ątten unterirdisch anlegten.
Dann aber kam der Mensch. Zu Anfang f├╝hlten die Erdwesen sich noch gekitzelt, wo der Mensch den Pflug ansetzte, doch dann begannen die Sprengungen, weil der Mensch etwas bauen wollte. Eine Eisenbahnlinie durch einen Berg hindurch, eine Grube zur F├Ârderung von Kohle und anderen f├╝r ihn begehrenswerte Bodensch├Ątze, einen Keller f├╝r ein Hochhaus. Und nicht zu vergessen die v├Âllig sinnlosen Krater der Bombeneinschl├Ąge in Kriegszeiten. Die Erdwesen rebellierten und riefen die anderen dazu auf, ihnen bei der Vernichtung des Menschen zu helfen. Aber sie konnten das Leid der Erdwesen nicht nachvollziehen. Einzig das Wasser merkte ÔÇô sehr sp├Ąt allerdings ÔÇô da├č der Mensch auch ihm Schaden zuf├╝gte. Die Versuche des Menschen, das Wasser f├╝r sich zu nutzen, fand es recht am├╝sant. Wenn es sich in Kan├Ąlen zu langweilen begann, lie├č es eben etwas Buntes an den R├Ąndern wachsen. In einem Kraftwerk zu dienen war ihm beinahe so lustig wie mit dem Wind zu spielen. Aber diese motorgetriebenen Fahrzeuge ÔÇô nein, das war zuviel! Und wenn dann auch noch so ein Tanker auseinanderbrach ÔÇô pfui Teufel, das Blut der Erde war schrecklich unangenehm!
Jedoch wusste keiner, wie man den Menschen vernichten k├Ânnte. Ja, hin und wieder einige, manchmal sogar hundert bei einem Hurrikan oder einer ├ťberschwemmung, aber alle? So wandten sie sich hilfesuchend an die G├Âtter. Diese brachen in schallendes Gel├Ąchter aus: ÔÇ×Was, ihr wollt die Menschen vernichten? Wisst ihr ├╝berhaupt, was ihr da erschaffen habt? Die allerlustigsten Dinger der Welt! Nie zuvor haben wir uns so k├Âstlich am├╝siert! Der Mensch hat uns sogar neue Gef├Ąhrten gegeben, die er nach seinem Bilde schuf. Nein, ihr Lieben, ihr k├Ânnt tun, was ihr wollt, die Menschen d├╝rfen nicht vernichtet werden. Ihr k├Ânnt froh sein, da├č wir euch nicht untersagen, weiterhin mit den Menschen zu spielen, wir spielen ja auch mit ihnen. Genau gesagt sind sie unser allerliebstes Lieblingsspielzeug, also hebt euch von hinnen.ÔÇť Damit war die Audienz beendet.
Die G├Âtter aber sprachen von Natur aus ├Ąu├čerst langsam. Es war inzwischen viel Zeit vergangen. Die Menschen bereiteten sich auf einen Heiligen Krieg vor. Die alten G├Âtter blickten gespannt auf ihre jungen Kollegen: was werden sie wohl tun? Werden sie den Menschen helfen? Nein, sie waren stolz darauf, da├č ihretwegen so viele bereit sind, zu sterben. Jeder glaubte, der m├Ąchtigste sei der, zu dessen Ehren die meisten Menschen sterben oder umgebracht werden. Die alten G├Âtter sch├╝ttelten ver├Ąchtlich l├Ąchelnd die K├Âpfe, der Teufel aber lachte sich scheckig in seiner H├Âlle.

__________________
Old Icke

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Svalin
???
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Hallo flammarion

du hast hier eine sch├Âne kleine Mythologie entworfen. Mit G├Âttern, den "Vielgestaltigen" ... geradezu m├Ąrchenhaft, wie das Einwirken des Menschen auf die Erd- und Wasserwesen beschrieben wird: gekitzelt, am├╝siert.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ├╝ber diese Form eine gesellschaftskritische Aussage schwer zu vermitteln scheint (falls das mitintendiert war). Ich entdecke zwar die Ans├Ątze daf├╝r, sie wirken aber wegen dem ├ťberwiegen der eher "besch├Ânigenden" Sprache und Bilder nicht (bei mir).
Das Auftauchen des Teufels am Ende finde ich etwas weit hergegriffen, das pa├čt nicht in die ansich recht konsequent entwickelte Mythenwelt.

Eine unterhaltsame, phantasievolle Geschichte!

Gr├╝├če Martin

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Rote Socke
Guest
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Phantastisch!

Mythologie? Nee, daran hab ich nicht gedacht! Der Text ist eine prima Zusammenfassung ├╝ber den Anbeginn bis hin zu dieser problembeladenen Zeit von heute.

Nicht schlecht flammi!

LG
Volkmar

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo flammarion

eine tolle geschichte, und jeder bekommt sein fett weg, sogar die g├Âtter, seien sie nun alt oder jung. nur der teufel dort unten in seiner h├Âlle, hat was zu lachen ├╝ber die ganzen streitereien zu himmel und zu erden.
ganz liebe gr├╝├če leonie

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flammarion
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oh,

vielen dank, ihr lieben! ja, ich habe wochenlang ├╝berlegt, ob ich noch etwas einf├╝ge oder nicht, aber dann dachte ich: nee, da kommste dann vom hundertsten ins tausendste und die geschichte verdampft. im vertrauen - es sollte ein abri├č der "weltgeschichte" werden, aber daf├╝r bin ich wohl doch zu klein. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Willi Corsten
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Liebe oldicke,
eine richtig gut geschriebene Geschichte.
Kann beim besten Willen keine Schwachstelle erkennen.
Gro├čes Kompliment!
Es gr├╝├čt dich lieb
Willi

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flammarion
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oh,

hei├čen dank, lieber willi! ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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