Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92263
Momentan online:
524 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eine moderne Beziehung
Eingestellt am 01. 01. 2001 21:13


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Alex
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2000

Werke: 13
Kommentare: 97
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Kennen gelernt habe ich Sina an der Uni. Aufgefallen ist sie mir gleich, aber angesprochen hÀtte ich sie nie.
Zum einen weil sie nicht wie die Frau aussah, die sich gerne ansprechen lÀsst, vor allem aber weil ich meine letzte Beziehung noch immer nicht verarbeitet hatte.
Brauchte ich aber auch nicht, ich meine ansprechen, weil sie das ĂŒbernahm.
Ich glaube wir gingen mindestens zehn mal miteinander aus, bevor wir der Meinung waren, uns gut genug zu kennen um es versuchen zu können.
Durch meine Erfahrungen abgeklĂ€rt passte Sina, nĂŒchtern wie sie war sehr gut zu mir.
Sicher, manchmal hĂ€tte ich mir ein wenig Romantik gewĂŒnscht, aber nachdem sie mir einmal schroff versichert hatte, dass sie ihren Mantel auch selbst aufhĂ€ngen konnte reichte mir das.
Ich bin ja kein Macho, ich komme mit der Gleichberechtigung sehr gut zurecht.
Zumindest jetzt, damals wusste ich eine ganze Menge noch nicht. Aber ich habe schon immer schnell gelernt, und so stellte es nicht lange ein Problem dar.
Ich bin stolz sagen zu können, dass ich keinen Fehler zweimal machte. Ich habe genau einmal versucht im Restaurant fĂŒr uns beide zu zahlen, ihr die BeifahrertĂŒr aufzumachen, und sie bis zur HaustĂŒr zu bringen.
Am Anfang hÀtte ich es ja nie geglaubt, aber ich kriegte alles hin. Sogar diese Vertrauenssache, die ist ganz wichtig. Eifersucht ist altmodisch und gehört nicht in eine moderne Partnerschaft.
Wirklich, ich habe es am Anfang auch nicht geglaubt, aber es ist so. Da gibt es einen ganzen Haufen BĂŒcher zu dem Thema, sogar welche von Professoren.
Und da es Sina so viel bedeutete, versuchte ich eben nicht eifersĂŒchtig zu sein. Viel mir wirklich verdammt schwer, nichts zu sagen, wenn sie mit einem Mann zum Tanzen ging, oder auf die Veranstaltungen, die sie so gerne besuchte.
Sina war in diversen Frauenbewegungen aktiv, und ich unterstĂŒtzte sie natĂŒrlich mit ganzer Kraft.
Inzwischen waren wir zwei Monate zusammen und es fiel mir immer schwerer nichts zu sagen, weil es immer schlimmer wurde.
Ich erinnere mich noch genau an den Abend, bevor sie mit mir Schluss machte, sie rief mich an, war auf einer Party und ziemlich angeheitert. Sie sagte mir, dass sie bei einem ihrer Freunde ĂŒbernachten wĂŒrde, trotzdem schaffte ich es irgendwie mein ‚Ist in Ordnung Schatz’ glaubhaft klingen zu lassen.
Ab und zu sehe ich sie noch, meistens mit ihrem neuen Freund streitend, der von modernen Beziehungen ĂŒberhaupt nichts hĂ€lt.
Ich glaube die beiden wollen heiraten, dabei passen sie doch gar nicht zusammen.

__________________
Das Herz ist eine Festung! Uneinnehmbar

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


urte
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 3
Kommentare: 221
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Beziehungen

4.1.01

Hallo, Alex, ich bin gerade erst auf Deine Kurzgeschichten gestoßen und schreibe mal hier, weil es die anderen Geschichten mit betrifft.

Kleine Beobachtungen dazu: Bei der „seltsamen Sache“ erlebe ich noch eine Art von Atemlosigkeit, sie kommt mir lebendiger vor als die folgenden, die immer beilĂ€ufiger erzĂ€hlen, nicht erlebnis-orientiert, eher berichtend, tw. sogar fast aufzĂ€hlend, mit sehr bald absehbarem Ende. Frage: noch Kurzgeschichte?? Die Action geht immer mehr verloren, die Darstellung des direkten Erlebens (wie z.B. in R. Ronnebergers „Fremdgeh-Geschichte“, die sehr direkt erzĂ€hlt – nur um zu zeigen, was ich meine, ist natĂŒrlich nicht unmittelbar vergleichbar). Was mir dabei nahelĂ€ge, wĂ€re, die drei Geschichten mit evt. einer vierten, die mal anders lĂ€uft, zusammenzubinden.

Das Gemeinsame in diesen Geschichten: In diesen Beziehungen wird einmal etwas wichtiges Verbindliches festgesetzt oder gesagt oder vereinbart, aber immer nur einer setzt die Regeln, und beide halten sich bis zu einem best. Zeitpunkt daran, und schließlich hört es einfach plötzlich auf, weil die Regel ungenannte oder unerkannte Zusatzbedingungen enthielt oder nur naiv eingehalten wurde (z.B.: sage immer alles ehrlich, - solange es nichts Unangenehmes ist/ unsere Beziehung nicht in Frage stellt/ mir nicht wehtut...). Also man hat nichts wirklich ausgehandelt; die Regel war zu einfach.

Daraufhin: Erinnerung an unsere frĂŒhere Diskussion (unter „Gehört“):
Zitate dazu: in der Cristine-Geschichte: „schweigsam ... vielleicht wußte sie da ja schon ... Was sie mir ruhig hĂ€tte sagen können“; in der Sina-Geschichte: „es fiel mir immer schwerer, nichts zu sagen“. Das Gemeinsame ist das Nichts-Sagen in einer kritischen Situation, der fehlende Austausch, die Sprachlosigkeit. Wollte uns das der Dichter sagen?

__________________
(C)Urte Skaliks-Wagner

Bearbeiten/Löschen    


Alex
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2000

Werke: 13
Kommentare: 97
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Im Prinzip ja, der Austausch ist nie perfekt, weil die Menschen eben auch nicht perfekt sind.
Der Protagonist sucht die perfekte Beziehung, lĂ€sst sich immer erklĂ€ren, wie er sich verhalten soll. Er ist unbegrenzt anpassungsfĂ€hig und schießt dabei immer ĂŒbers Ziel hinaus, weil niemand sich genau genug artikuliert um die Grenzen festzulegen.
Im Grunde wissen viele nicht einmal, was sie genau wollen.
Das habe ich besonders in dieser festzumachen versucht, mit dem Hinweis, dass die folgende Beziehung mit einem altmodischen Menschen vorzĂŒglich klappt. Sie will eben modern sein, dass kann sie bei Robert aber nicht, weil dieser noch viel moderner ist.
In der zweiten ist es genau das gleiche, Cristine hĂ€lt sich fĂŒr Ehrlich und Offen, dadurch dass er es noch mehr ist zerstört er alles.
Ich denke, dass jeder Mensch in irgendeiner Beziehung etwas besonderes sein will, wenn man ihm das zu nehmen versucht, dann kann das nicht gut gehen.
Eine vierte Geschichte, Kurzgeschichten sind es eigentlich wirklich nicht, mĂŒsste dem Charakter(oder Nicht-Charakter) des Protagonisten entsprechen, wĂŒrde also in eine Ă€hnliche Richtung gehen.
Die Geschichten basieren auf Briefen an einen Freund, die ich als Überleitungen zwischen verschiedenen Teilen eines Plots zu verwenden gedenke.
'...naiv eingehalten...' Genau so sollte es sein, weil er von Zwischenmenschlichen Beziehungen einfach keine Ahnung hat. Gerade dass es oft Differenzen zwischen dem was jemand ausdrĂŒckt und dem was die Menschen wirklich wollen gibt, dass versteht er einfach nicht.
"(z.B.: sage immer alles ehrlich, - solange es nichts Unangenehmes ist/ unsere Beziehung nicht in Frage stellt/ mir nicht wehtut...)" HĂ€tte er verstanden, aber wer sagt so etwas?
HĂ€tte Sina hier klargemacht, dass sie sich gerne ĂŒber Gentlemen oder vermeintliche Eifersucht aufregt, hĂ€tte er es richtig gemacht.
Des Menschen ZwiespÀligkeiten sind sehr komplex, wie soll sie jemand verstehen, der nicht so ist?

Alex




__________________
Das Herz ist eine Festung! Uneinnehmbar

Bearbeiten/Löschen    


urte
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 3
Kommentare: 221
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
moderne ...

Hallo Alex,
Die Mitteilung, daß es Ausschnitte aus einem grĂ¶ĂŸeren Plan waren, hilft fĂŒr das VerstĂ€ndnis. Dann gibt es natĂŒrlich auch PlĂ€ne, welche Funktion diese Briefe haben (,die mir als diese allerdings auch neue RĂ€tsel aufgeben: Warum Briefe in so großen AbstĂ€nden, immer wenn gerade wieder eine „Beziehung“ in die Binsen gegangen ist? Warum so sehr aus Beobachterperspektive und so wenig Reflektion und GefĂŒhl?)
Dann nur noch ein paar Assoziationen Der Knabe braucht also eine lĂ€ngere Entwicklung, und Du wirst mit Deinem Plot sicher noch einige Arbeit haben. Wenn er „die perfekte Beziehung“ sucht, mĂŒĂŸte er ja mal drauf kommen, daß er sich nicht nur (kindlich) vom andern Menschen abhĂ€ngig machen darf. Wo er dann ankommen mĂŒĂŸte? –> Aufgabe fĂŒr einen Entwicklungsroman oder so?
„wissen viele nicht“ – weiß wohl keiner fĂŒr lĂ€ngere Zeit, da sich gemeinsame Entwicklungen (mit eben gegenseitiger Beeinflussung) meist nicht nach „zehnmal Ausgehen“ vorhersehen lassen und beide sogar ihre eigenen mitgebrachten Regeln auch nicht mal bewußt kennen, sie vielmehr erst ĂŒber ein „fremdes“ Verhalten plötzlich bemerken, so daß sie ihnen evt. bewußt werden und in z.B. gemeinsame verĂ€ndert werden könnten. (Allerdings handelt es sich ja bei Deinem Protagonisten um sozusagen Spiele als Serien-Beziehungen oder Kurzzeit-Ehen und weniger um ĂŒber lĂ€ngere Zeit sich entwickelnde. Er sieht anscheinend immer nur wechselnd-alternativ ein anderes vermeintlich richtiges Verhalten fĂŒr sich. Was mich ĂŒbrigens noch wundert: Warum geht das alles immer so kampflos aus? So einfach: und tschĂŒss?).
„wer sagt sowas?“ - gemeint war nur, daß solche Zusatzbedingungen wirksam sind, nicht daß das formuliert werden könnte.
Solche PlĂ€ne verlangen ja schon einen ganz schön langen Atem. Ich kann verstehen, daß man da zwischendurch ganz gern mal einen Teil zur Diskussion stellen möchte, wobei aber auch nicht zuviel verraten werden darf - fĂŒr Diskutanten auch nicht ganz einfach. Ich bleibe jetzt lieber wieder bei den kleinen Formen.
Viel Spaß weiterhin und schöne GrĂŒĂŸe, Urte

__________________
(C)Urte Skaliks-Wagner

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!